1.FC Lok Leipzig: Richtige Entscheidungen zu ungewöhnlicher Zeit
Marko Hofmann
08.12.2011
Die Führungsschwäche innerhalb seiner Mannschaft wurde Mike Sadlo zum Verhängnis.
Foto: Jan Kaefer (Archiv)
Der Rücktritt von Sportvorstand Dirk Majetschak und die Entlassung von Trainer Mike Sadlo beim 1. FC Lok Leipzig am späten Mittwochabend werfen Fragen auf. Allerdings ist nicht das Warum fragwürdig, sondern eher das Wann. Noch am Montag hatte sich Majetschak vor die Mannschaft gestellt, um ihr die Lage klar zu machen und Sadlo leitete noch Mittwochabend das Mannschaftstraining. Zwei Tage vor dem nächsten Spiel sind beide in ihre Lok-Endstation eingelaufen.
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„Wir haben Spieler verpflichtet, die ein Riesenproblem haben, zu verlieren!“, so erklärte Ex-Lok-Trainer Mike Sadlo kurz vor Saisonbeginn der Leipziger Presse seine Einkaufspolitik. Am Ende der Hinrunde hat seine Mannschaft in 13 Spielen sechsmal verloren. Sadlo musste am Mittwochabend gehen. Dass der Mannschaft Niederlagen schwerfallen, war vor allem in seinem letzten Spiel gegen Fortuna Chemnitz, Endstand 0:1, kaum zu sehen. Die Wenigsten fielen als unermüdliche Kämpfer auf, die Meisten waren nur mit. Die Führungsschwäche innerhalb seiner Mannschaft wurde Sadlo zum Verhängnis, denn zwischen nicht verlieren wollen und diesen Willen auf dem Rasen umzusetzen, besteht ein Unterschied.
Abschied: Trainer Mike Sadlo musste gehen.
Foto: Jan Kaefer (Archiv)
Nur wenn sein Team in Führung lag, spielte es auch gut. Nur einmal konnte Lok einen Rückstand aufholen (beim 3:1 gegen Piesteritz). Zu oft führten unerklärbare Unkonzentriertheiten zu Gegentoren und zu vergebenen Chancen. So reichten unter anderem Chemnitz II, Grün-Weiß Piesteritz und Carl Zeiss Jena II eine einzige Unachtsamkeit in der Lok-Hintermannschaft zur Führung, Leipzig vergab dagegen in nahezu jedem Spiel mindestens drei Hundertprozentige. Eine Kopfsache? Eine Qualitätsfrage? Beides?
Die wenigsten Neuverpflichtungen aus dem Sommer fielen als Verstärkung auf. Martin Dolecek, die neue Nummer 1, erweckte nur im allerersten Spiel beim VfB Auerbach den Eindruck, er sei wirklich besser als sein Vorgänger Jan Evers. Ansonsten fragten sich die Zuschauer viel zu oft, ob dieser oder jener Ball nicht haltbar war. Dass die Gegner bisher meist gleich mit der ersten Chance in Führung gingen, ist sicher auch kein Zufall. Von den drei anderen Tschechen: Racko, Masek und Schuster, wusste allenfalls Schuster zu überzeugen. Fillip Racko konnte in der Hinrunde nicht mal ansatzweise zeigen, warum er eigentlich dem 1. FC Lok zum Aufstieg verhelfen soll. Ihm kann man höchstens zugute halten, dass er bisher nur Lückenfüller war. Masek war auf dem aufsteigenden Ast, muss nun aber mit einem Leistenbruch pausieren.
Nun muss vorerst Co-Trainer Eric Eiselt ran.
Foto: Jan Kaefer (Archiv)
Publikumsliebling Djibril N’Diaye kann man fehlenden Einsatz nicht nachsagen, aber viel zu oft ist sein Spiel brotlos. Dasselbe gilt für Ivan Ristovski, der nach gutem Beginn im Trikot des 1. FC Lok im letzten Spiel das Auge für den Nebenmann vermissen ließ. Rico Engler konnte bisher nicht dauerhaft nachweisen, dass er sich vor allem im mentalen Bereich weiterentwickelt hätte. Lediglich Felix Bachmann, vom VFC Plauen gekommen, hat als rechter Verteidiger überzeugen können. Einer von neun, nimmt man Ersatztorwart Boris Jovanovic hinzu.
Nun könnte man sagen, dass Sadlos Team einfach noch mehr Zeit gebraucht hätte. Kann sein, ist aber in dieser Oberliga-Saison, in der ein Regionalliga-Aufstieg so einfach wie noch nie ist, ein Ding der Unmöglichkeit. Erfahrene Spieler, die gewiss nicht in jedem Spiel überzeugt haben, den 1. FC Lok aber kannten und für ihn stets Einsatz gezeigt haben, wurden dagegen abgekanzelt. Alexander Kunert, unter Sadlo viel verletzt, sollte in der 2. Mannschaft spielen, René Heusel, das Probstheidaer Idol schlechthin, ging freiwillig, nachdem er sich in Vertragsgesprächen nicht ernst genommen fühlte. Stephan Knoof wurde nach zwei Spielen in die zweite Mannschaft gesteckt. Sie waren nicht schlechter als die, die derzeit auflaufen.
Dirk Majetschak - Rücktritt ist folgerichtig.
Foto: Jan Kaefer (Archiv)
Doch Sadlo, der im Trainergeschäft seinen Weg gehen wird, hat diese neuen Spieler nicht allein geholt. Jede Verpflichtung wurde mit dem Sportdirektor Marcel Rozgonyi und mit Sportvorstand Dirk Majetschak abgesprochen und diskutiert. Problematisch allerdings: Selbst wenn alle gute Absichten hatten, mit Trainerneuling Sadlo, Sportdirektor-Neuling Rozgonyi und Dirk Majetschak, dessen Ex-Verein Bornaer SV kurz vor der Insolvenz steht, bestand das „Triumvirat“ nicht aus erfahrenen beziehungsweise erfolgreichen Personen.
Majetschaks Rücktritt kommt trotzdem überraschend, machte der ehemalige Nachwuchsspieler des 1. FC Lok in den letzten Monaten doch den Eindruck als sei alles in bester Ordnung und präsentierte sich auch mal als den wichtigsten Mann in Probstheida. Gegen einen Einstieg des zurückgetretenen Aufsichtsratsvorsitzenden Gunter Weißgeber legte Majetschak einst sein Veto mit der Drohung ein, dass er gehen würde, wenn Weißgerber wiederkäme. Majetschaks Rücktritt in der Situation ist wenigstens folgerichtig. Mike Sadlo hätte sicherlich trotz der fehlenden Ergebnisse eine Weiterbeschäftigung im Verein verdient gehabt. Der 40-Jährige erweckte immer den Eindruck, dass er alles für den Erfolg tun wird, es fehlte ihm aber nur an der richtigen Beratung.
Sportdirektor Marcel Rozgonyi soll Eiselt helfen.
Foto: Jan Kaefer (Archiv)
Bleibt die Frage, was sich nun in Probstheida ändern wird. Erstmal haben Sadlos Co-Trainer Eric Eiselt und Sportdirektor Marcel Rozgonyi die Mannschaft übernommen. Eine echte Lösung soll bis zum 2. Januar her, dann beginnt die Vorbereitung auf die Rückrunde, die bei derzeit zehn Punkten Rückstand auf einen garantierten Aufstiegsplatz haarig werden könnte. Gut möglich, dass der neue Trainer Damian Halata heißen wird. Halata war schon im Oktober im Gespräch als Sadlo das erste Mal wackelte, ist derzeit frei, kennt die Oberliga und Probstheida. Aber ob Halata der richtige Mann ist? Beim ZFC Meuselwitz ist Halata geflogen, weil er seine Spieler auf unterstem Niveau beleidigt haben soll. Vielleicht täte Lok ein Trainer gut, der Probstheida bisher nur aus der Zeitung und dem Fernsehen kennt, der neue Ideen reinbringt, sich nicht reinreden lässt, den Mief der vergangenen Jahre lüftet und Zug in die Mannschaft bringt. Wenn es einen gibt, der zudem erfahren und bezahlbar wäre, sollten sich die Lok-Verantwortlichen schnell an seine Fersen heften.
Wer Nachfolger Majetschaks wird, ist ebenfalls vollkommen offen. Der Kandidat könnte aus dem näheren Lok-Umfeld kommen. Mit Herzblut bei der Sache, erfahren im Fußballgeschäft und mit Kontakten ist nicht nur ein Dieter Kühn oder ein Wolfgang Altmann. Auch ein Olaf Marschall informiert sich nach wie vor über den 1. FC Lok und ist derzeit ohne Job. Identifikationsfiguren, die etwas leisten können und glaubwürdig an ihrem Verein hängen, wären gar nicht schlecht, in schweren Zeiten. Wichtig ist nur: Sie müssen Entscheidungen treffen können und zu ihnen stehen.
Warum haben Majetschak und Sadlo gerade an einem Mittwochabend, fünf Tage nach dem letzten Spiel und zwei Tage vor dem nächsten den Verein verlassen? Bekannt ist nur, dass Vorstand und Aufsichtsrat am Mittwochabend zu einer gemeinsamen Sitzung zusammengekommen waren an der Präsident Michael Notzon teilgenommen haben soll. Ein Grund für den ungewöhnlichen Zeitpunkt könnte also der Terminkalender Notzons sein oder dass entsprechende Nachfolger schon bereitstehen.
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