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1.FC Lok Leipzig vs. Fortuna Chemnitz 0:1 - Offenbarung in Probstheida

Marko Hofmann
Zum Schreien - Mike Sadlo war auch fassungslos bei der Leistung seiner Mannschaft.
Zum Schreien - Mike Sadlo war auch fassungslos bei der Leistung seiner Mannschaft.
Foto: Bernd Scharfe
Erneut ist der 1. FC Lok in einem Heimspiel ohne Punkte geblieben. Die Probstheidaer verloren auch gegen Fortuna Chemnitz, Tabellenplatz 10, mit 0:1 (0:0). Fast eine Halbzeit gedanklich gar nicht auf dem Platz, wirkte die Lok-Elf auch in der zweiten Halbzeit seltsam verunsichert und mutlos. Nach dem Spiel ließ die sportliche Leitung Mannschaft und Spieler allein, die sich den Unmut der Fans anhören mussten – „Sadlo raus!“-Rufe inklusive.

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Einige riefen „Verräter!“, andere „Sadlo raus!“, wieder andere „Vorstand raus!“. Der Rufe gab es viele im Anschluss an die 0:1-Heimniederlage des 1. FC Lok gegen den Landesliga-Aufsteiger Fortuna Chemnitz. Ob der Vorwurf „Verräter!“ stimmt, ist unklar, die erste Forderung ist aus Fansicht nachvollziehbar, die zweite Forderung auch, aber schwerer umsetzbar als der Trainer-Rauswurf.

Unwürdig ist es allerdings schon, wie sich vor allem Sportvorstand Dirk Majetschak seit Wochen aus der Verantwortung stiehlt. Von Fans wurde der ehemalige Nachwuchsspieler des „alten“ 1. FC Lok während des Spiels als „Redbullschak“ angefeindet, da seine beiden Söhne mittlerweile vom 1. FC Lok zu RB Leipzig gewechselt sind. Bei Lok Leipzig hat es Majetschak seit seiner Wahl vor zehn Monaten nicht hinbekommen, etwas spürbar Positives zu bewirken. Die 1. Mannschaft steht nach Ende der Hinrunde mit sechs Niederlagen auf dem 8. Tabellenplatz und hat sieben Punkte Rückstand auf einen garantierten Aufstiegsplatz. Führung, wie es sich für einen Vorstand gehört, erfährt der Verein weder von ihm, noch von Präsident Michael Notzon, der in der Öffentlichkeit kaum in Erscheinung tritt und aufgrund seiner Geschäfte auch selten in Leipzig ist. Ein großes Dilemma für Probstheida.

Albrecht Brumme (hier gegen Steve Rolleder) bemühte sich, blieb aber  hinter seinen Möglichkeiten.
Albrecht Brumme (hier gegen Steve Rolleder) bemühte sich, blieb aber hinter seinen Möglichkeiten.
Foto: Bernd Scharfe
Ohne Führung agierte auch die Mannschaft des 1. FC Lok gegen Fortuna Chemnitz. Einerseits natürlich logisch, da Kapitän Thorsten Görke nach fünf gelben Karten verletzt fehlte und auch der erfahrene Jens Werner gesperrt war. Allerdings sollte man doch von einem Aufstiegsaspiranten erwarten, dass er mit Selbstvertrauen und vor allem Willen agiert, und es einen oder zwei Spieler gibt, die anstelle des Kapitäns vorangehen. Gerade nach dem Rückstand durch einen Rolleder-Kopfball nach knapp einer Stunde mangelte es der Lok-Mannschaft aber an einem Ruck und eben an Führung. Die Offensivleute spielten selten miteinander, sondern jeder für sich selbst. Abspiele kamen nie oder zu spät, aus unmöglichen Positionen wurde geschossen, aber nur dreimal musste Chemnitz’ Torwart Robin Köpsel parieren.

Einen Kopfball des eingewechselten Marcus Brodkorb nach 77 Minuten holte er beispielsweise überragend aus dem Eck. Zehn Minuten später wäre er eigentlich machtlos gewesen, aber bevor Fraunholz freistehend eine Ristovski-Flanke ins leere Tor schieben konnte, fiel er ohne gegnerische Einwirkung zusammen. „Was war denn das?“, fragte sich nicht nur das Trainerduo Sadlo/ Eiselt.

Schon in der ersten Halbzeit agierte die Heimmannschaft überraschend mutlos. „Ich habe dafür keine Erklärung und muss selbst erstmal die Mannschaft fragen, was gerade in der ersten halben Stunde los war“, sagte Lok-Trainer Mike Sadlo nach dem Spiel. Boris Jovanovic, der für den verletzten Martin Dolecek im Tor stand, und Martin Schuster hatten in den ersten fünf Minuten schon zweimal überragend für Gäste-Spieler aufgelegt, aber beide Chancen ließen diese ungenutzt. Lok brauchte 30 Minuten, um den ersten vernünftigen Angriff vorzutragen, zuvor störten immer wieder Missverständnisse samt Fehlabspielen den Spielrhythmus. Dann versemmelte Engler einmal freistehend, einen zweiten Engler-Schuss parierte Köpsel gut.

Gegen Spielende hatten die mit dem Selbstbewusstsein aus einem einzigen Auswärtssieg angereisten Gäste sogar noch mehrere Konterchancen, die beste vergab Rolleder, der aus 17 Metern freistehend nur den Außenpfosten traf.

Nach Spielende brach sich der Frust der Fans Bahn, die sich in der Mehrzahl verschaukelt fühlten. Die große Chance zum Regionalliga-Aufstieg scheint die Mannschaft aus ihrer Sicht leichtfertig zu verspielen, selbst Ex-Trainer Achim Steffens sprach auf der Tribüne davon, dass kein Spielkonzept zu erkennen war. Ein Vater, dessen Sohn in der D-Jugend des Vereins spielt, bekam sich gar nicht mehr ein, sah die Leistung als Verrat an der Nachwuchsarbeit und an den vielen Jugendlichen, um deren Perspektive es geht.

Dirk Majetschak war bereits kurz nach Spielende aus dem Stadion gedüst, Markus Krug und Benjamin Fraunholz stellten sich dagegen den Fans und durften sich einiges anhören. So wie auch Trainer Mike Sadlo, dem auf dem Weg zur und von der Pressekonferenz und auch während seines Statements „Sadlo raus!“-Rufe „entgegenflogen“. Einen Propheten muss man nicht bemühen, um zu wissen dass ihn nur ein Sieg gegen Auerbach retten kann – wenn überhaupt. Eine Niederlage wäre die fünfte Niederlage im achten Heimspiel. Ein Aufstieg mit dieser Heimbilanz wäre kaum vorstellbar.

Ein Scheitern der Mannschaft und Sadlos wäre auch ein Scheitern von Majetschak.


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