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Lok-Sportdirektor Marcel Rozgonyi: Kontra zum Heusel-Interview und ein neuer Trainerkandidat

Marko Hofmann
Marcel Rozgonyi (li.) mit dem inzwischen entlassenen Lok-Trainer Mike Sadlo.
Marcel Rozgonyi (li.) mit dem inzwischen entlassenen Lok-Trainer Mike Sadlo.
Foto: Bernd Scharfe
Die Aussagen von Lok-Idol René Heusel haben Lok-Sportdirektor Marcel Rozgonyi schwer getroffen. Nun nutzt er selbst die Gelegenheit, einige Dinge klarzustellen und wehrt sich gegen die Kampagne gegen ihn. Zudem bringt der Sportdirektor Willy Kronhardt als Trainerkandidaten ins Spiel.

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Herr Rozgonyi, René Heusels Kritik soll Ihnen nicht geschmeckt haben?

Das ist richtig. Er hat sicher seine Verdienste bei Lok, aber kein Mensch hat ihn weggeschickt. Er war ganz einfach mit seinem Vertrag nicht einverstanden. Bei uns hätte er sogar mehr verdient. Wir wollten ihm das gleiche Grundgehalt und höhere Auflaufprämien zahlen, er wollte das doppelte Grundgehalt. Warum sollen wir das erhöhen? Er hat gefühlte zehn Spiele und drei Tore gemacht. Selbst die Leistungsträger wie Christoph Schulz oder Benedikt Seipel haben keine Erhöhung bekommen. Und die zweite Sache ist seine Aussage, ich hätte in sechs Monaten mehr Mist gemacht als andere in einem längeren Zeitraum. Klar ist doch: Der Verein braucht Veränderung, der Verein braucht ein Recycling, wenn er für Höheres gut aufgestellt sein will. Dass Heusel dabei hinten runtergefallen ist, liegt an ihm. Dass ich das Geld mit vollen Händen und bald mit einer Schubkarre ausgeben könnte, ist lächerlich. Wir haben in der fußballfreien Zeit sogar Geld verdient, indem wir Personalkosten gespart haben. So kamen in drei Monaten 30.000 Euro dazu. Ich arbeite hier ehrenamtlich, also aus Herzblut und das gleiche gilt für Dirk Majetschak.

Heusel hat kritisiert, Sie hätten Vertragsverhandlungen in der Kabine ausgewertet.

Die Verhandlungen mit René Heusel habe ich nicht mit anderen ausgewertet. Ist doch klar, dass auch mal gefragt wird, was aus René wird.

Wehren Sie sich auch gegen den Vorwurf, die Neuzugänge wären zu schlecht?

Rozgonyi: "Was interessiert mich der Rückhalt bei den Spielern?"
Rozgonyi: "Was interessiert mich der Rückhalt bei den Spielern?"
Foto: Bernd Scharfe
Die Spieler, die wir geholt hatten, haben sich alle für Lok empfohlen, denn sie haben alle ihre Sporen verdient. Jiri Masek hat internationale Klasse und ist ein ehemaliger Nationalspieler (Jugendnationalspieler/Anm. der Red.). Er ist vergangene Saison mit seinem Verein in die 1. Liga aufgestiegen. Für seinen Wechsel zu Lok hat er sich noch Ärger eingehandelt. Martin Schuster ist vor anderthalb Jahren der beste Spieler der 2. Liga in Tschechien auf seiner Position geworden und Fillip Racko hat bei allen tschechischen Topclubs 75 Spiele in der 1. Liga gemacht. Martin Dolecek klammere ich mal aus. Warum sollten, die uns nicht weiterhelfen. Wir haben zehn Spieler geholt, wenn davon sieben einschlagen, sind das immer noch 70 Prozent.

Die Saison verlief allerdings nicht so erfolgreich wie erhofft.

Wir haben den Etat nur minimal gegenüber dem letzten Jahr erhöht. Da war man nach der Vorrunde Letzter. Hat man da die Leute erschossen?

Da hatte Lok auch vier Spiele weniger...

Jetzt haben wir zwei weniger, nämlich das gegen Borea und das gegen Dynamo II und trotzdem haben wir 20 Punkte. Der Fußball ist außerdem besser geworden. Wenn wir gegen Jena II und Fortuna Chemnitz einen rein gemacht hätten, würden wir diese Gespräche gar nicht führen, und wenn wir die Mannschaft richtig zusammengerückt kriegen, dann steigen wir ohne Frage auf. Abgesehen vom Zwickauer Spiel haben wir die Spiele immer bestimmt. Nun sind wir Achter und es kommt der große Aufschrei. Nach den fünf Siegen hat uns jeder auf die Schulter geklopft. Da hat selbst Achim Steffen gesagt, die Tschechen sind gut.
Nur weil die Öffentlichkeit fordert, dass jemand weg soll, muss das nicht passieren. Jetzt ist der Vorstand gefragt: Entweder er sieht die Veränderung oder eben nicht. Wenn nicht, dann wird Lok über lange Sicht nichts mit dem überregionalen Fußball zu tun haben. Die Einflussnahme von außen muss auch aufhören. Da schreibt einer etwas im Internetforum des Vereins und alle springen auf. Da muss auch der Vorstand mal Rückgrat zeigen.

Es heißt, der Mannschaftsrat hätte sich im Namen der Mannschaft gegen Sie ausgesprochen.

Was interessiert mich der Rückhalt bei den Spielern? Die sollen den Finger ziehen und Fußball spielen! Ich kann mir nicht vorwerfen, kein professionelles Verhältnis zu haben. Ich kann nicht um 9 Uhr in die Geschäftsstelle gehen und mich um alle Kleinigkeiten kümmern. 17:30 Uhr ist Training, und da bin ich zweimal die Woche da. Die Spieler werden besser betreut als zuvor. Es gibt Kaffee und Obst in der Kabine - eine Versorgung wie bei ihren Müttern.

Im Sommer liefen Vertragsgespräche mit Torsten Ziegner. Es hieß, er wäre sich mit Sadlo einig, hat aber von Ihnen keinen Vertrag bekommen...

Dirk Majetschak, Marcel Rozgonyi, Mike Sadlo (v.l.).
Dirk Majetschak, Marcel Rozgonyi, Mike Sadlo (v.l.).
Foto: Bernd Scharfe
Mit Ziegner habe ich schon im April verhandelt. Anfang Mai hatte ich ihm dann einen Vertrag vorgelegt, bei dem ich richtig Bauchschmerzen hatte, weil es so wenig war. Er hat mich fast ausgelacht und gesagt: „Das kann ich nicht machen.“ Zwickau bezahlt ihn mit einem fünfstelligen Betrag. Dass er da nicht zu Lok kommt, ist doch auch klar. Auch mit Robert Paul, der jetzt ebenfalls in Zwickau spielt, habe ich verhandelt. Der wollte 4.500 Euro netto im Monat. Das können wir nicht machen und uns nicht leisten. Ich bin eigentlich auch kein Freund davon, Spieler zu holen, die nicht aus der Region kommen. Die Tschechen sind nur da, weil das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Ich habe von Anfang an gesagt: Der Aufstieg funktioniert nur, wenn alles passt, wenn jeder Neuzugang zieht, wenn Ruhe im Verein ist. Dass es so ausartet, ist bedenklich und ich denke, dass wird von außen geschürt. Das ist an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten. Die Tschechen nehme ich in Schutz. Das sind alles solide Fußballer, aber wenn du dir täglich was anhören musst, kommst du schon verunsichert zum Training.

Auch Babelsbergs Ronny Surma sollte zu Lok. Angeblich hätte die Summe im Vertragsentwurf nicht mit der mündlich vereinbarten übereingestimmt. Was sagen Sie?

Ronny Surma hat nie einen Vertrag vorgelegt bekommen. Aber was da genau passiert ist, weiß ich nicht.

Wie geht’s nun mit Ihnen weiter? Für Montag ist eine gemeinsame Sitzung von Vorstand und Aufsichtsrat angesetzt. Die Personalien Marschall und Rozgonyi stehen auf der Tagesordnung.

"Wenn jeder in seine Richtung zieht, dann wird Lok zerrissen."
"Wenn jeder in seine Richtung zieht, dann wird Lok zerrissen."
Foto: Bernd Scharfe
Ich kann nur nochmals betonen: Der Vorstand hat die Möglichkeit, ein Zeichen zu setzen. Entweder Richtung Zukunft oder Richtung dauerhafte Teilnahme an der Oberliga. Zu den Trainerkandidaten nur soviel: Es heißt immer, ich will unbedingt Olaf Marschall. Klar, habe ich den ins Gespräch gebracht. Aber es gibt genauso einen Willy Kronhardt oder einen Damian Halata. Aber am Ende des Tages musst du eine genaue Analyse erstellen. Was spricht für wen. Wer am Ende die gleichen Punkte hat, der muss es dann werden. Das heißt nicht, dass ich Olaf Marschall unbedingt haben will. Es geht einfach nur um den Verein. Ich bin der Letzte, der hier ein Problem hat, zurückzutreten. Aber derzeit besteht meine einzige Chance darin, durchzuziehen. Das werde ich machen, wenn man mich lässt. Ich kann keine Rücksicht auf Leute von außen nehmen.

Sponsoren und Förderer haben für den Fall, dass Sie weiter für Lok arbeiten dürfen, ihren Rückzug angekündigt...

Wenn ich schon höre: Sponsoren. Wo sind sie denn? So viele gibt es doch gar nicht. Ich sage Ihnen mal was: Ich bin der Einzige bei Lok, der durch ein Bewerbungsverfahren gelaufen ist. Ich bin nicht hier, weil ich jemanden kenne. Ich bin hier installiert worden aufgrund meiner Tätigkeiten, die ich gemacht habe - nicht, weil ich den gut kenne oder ich nicht verhungern darf.

Sie reden immer davon, dass Sie im Verein Veränderungen vorantreiben. Welche gibt es denn bereits?

Mein Ziel ist es, den Verein in die richtige Richtung zu drehen. Durchgeführt ist bisher noch nichts. Das liegt aber nicht an mir, sondern an der Entscheidungsunfreundlichkeit des Vorstands. Ich habe ein Konzept für den Verein geschrieben. Da steht alles drin. Wie man Dinge machen kann und wie nicht. Da geht’s um Merchandising, die Mitgliederstruktur, das Mitgliederleben. Mitgliederleben gibt’s ja gar nicht. Das gesamte Merchandising ist eine Totgeburt. Für so ein Konzept, wie ich es geschrieben habe, bezahlt man normalerweise einiges Geld. Es geht darum, die Freude zu den Fans, Spielern und Verantwortlichen zurückzubringen. Das ist das größte Ziel, der Grundgedanke. Lok Leipzig muss dorthin, wo man hingehört. Aber wenn es so weiter geht, dann ist Oberliga noch eine Etage zu hoch. Der Aufstieg ist ein Prozess. Meuselwitz hat auch eine Weile gebraucht. Die haben ganz andere Verhältnisse als wir. Markranstädt hat auch bessere Voraussetzungen. Es geht nicht so schnell. Wenn jeder in seine Richtung zieht, dann wird Lok zerrissen.

Was haben Sie dafür getan, dass alle an einem Strang ziehen?

Ich bin nicht der Vorstand, nur der sportliche Leiter. Ich hab es ja probiert. Im Sommer habe ich vorgeschlagen, dass wir mal einen Abend machen, wo wir uns den Fragen der Fans stellen. Da kamen ganze zehn Leute. Da kann ja das Interesse nicht so groß sein. Aber ich bin sicher, dass diese zehn Fans mich nun über die Öffentlichkeit weg haben wollen.

Zu Mike Sadlo hatten Sie einmal gesagt, Sie würden zurücktreten, wenn er vom Vorstand entlassen werden würde…

"Ich lasse mich gern am Ende der Saison abrechnen."
"Ich lasse mich gern am Ende der Saison abrechnen."
Foto: Bernd Scharfe
Dieser Ausspruch ist aus dem Spätsommer, und er galt nur für die Situation nach dem dritten Spieltag und nach dem Spiel bei Aue II (Endstand 0:5/ Anm. der Red.), weil ich der Meinung war, eine Entlassung nach dem dritten Spieltag hat nichts mit Nachhaltigkeit zu tun, und dass wir dort unverdient verloren haben und es Wettbewerbsverzerrung war, weil acht Spieler aus der 1. Mannschaft dabei waren. Solche Aussagen halten aber nicht ein Leben lang. Mike Sadlo weiß selbst, dass man in diesem Geschäft schnell hochgejubelt wird und auch schnell fallen kann. Ich verstehe deshalb nicht, warum er nun beleidigt ist und nicht mehr mit mir spricht. Ich halte ihn, was Training und auch Mannschaftsansprachen angeht für einen guten Trainer. Nur die Ergebnisse haben eben nicht gestimmt. Ich hätte ihm das Auerbach-Spiel noch gegeben, aber die Mehrheit des Vorstands wollte nicht - was ich für falsch halte. Warum lässt man ihn bis Mittwochabend trainieren? Entweder man lässt ihm noch dieses Spiel oder man entlässt ihn einen Tag nach dem Heimspiel gegen Fortuna Chemnitz. So haben wir uns wieder selbst ins Knie geschossen und uns über die Landesgrenze hinweg lächerlich gemacht. Dirk Majetschak hatte mit der Entscheidung übrigens nichts zu tun.

Aber er war doch Vorstandsmitglied...

Mehr zum Thema:

Interview mit Lok-Idol René Heusel: Harsche Kritik an Marcel Rozgonyi und ein Angebot
Er hat sieben Jahre alles für den 1. FC Lok gegeben ...
Zu diesem Zeitpunkt aber schon zurückgetreten, und zwar nicht wegen der sportlichen Situation, sondern weil die Presse auch auf seine Kinder losgegangen ist. Ich finde, wir dürfen generell nicht den Respekt voreinander verlieren. Jeder darf seine Meinung haben und äußern, aber es muss sachlich passieren. Unbeteiligte sollten außen vor gelassen werden. Wir haben alle ein Leben nach Lok Leipzig. Wenn jeder seine Arbeit macht, dann wird es auch vorangehen. Zuallererst ist da unsere erste Mannschaft gefragt, sie muss guten Fußball spielen und endlich ein Team werden. Dann hätten wir weniger Probleme. Die Zeit der Ausreden muss vorbei sein. Erst war Sadlo schlecht, nun Rozgonyi. Aber Reibungspunkte wird es im Fußball immer geben. Der enge Kreis muss funktionieren. Und was meinen persönlichen Erfolg angeht: Alle Nachwuchsmannschaften stehen auf Platz 1, weil wir die richtigen Trainer geholt haben. So schlecht kann ich also nicht sein. Dass ich unbequem bin, das weiß ich. Damit muss man umgehen. Ich denke nicht, dass Lok ein Ja-Sager weiterbringt. Ich lasse mich gern am Ende der Saison abrechnen, weil ich weiß, dass die hier vom Stapel es selbst nicht besser können. Montag ist erstmal der Tag der Entscheidung.

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