SG Leipzig Leutzsch träumt von grün-weißer Einheit: Gelingt ein 40.000 Euro-Deal?
Patrick Limbach & Michael Freitag
31.01.2012
Schweres Geläuf in Leutzsch
Foto: Patrick Limbach
Im Leutzscher Holz kehrt keine Ruhe ein. Im Gegenteil. Der gemeinsame Rücktritt von BSG-Präsident Oliver Krause und Nachwuchskoordinator Hans-Jörg Leitzke bietet Anlass für Spekulationen. Und ruft nun einen nur scheinbar Lachenden auf den Plan: Die SG Leipzig Leutzsch. Denn die hat ganz eigene Nöte, während sie sich offen für eine rein wirtschaftlich betrachtet sicher notwendige grün-weiße Fusion zeigt.
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Die Meldung war für viele überraschend: Die Chemie-Vorstände Oliver Krause und Hans-Jörg Leitzke legten vergangenen Dienstag ihre Ämter nieder. Grund sollen unterschiedliche Auffassungen in Hinblick auf die zukünftige Ausrichtung des Vereins sein, hieß es seitens der Leutzscher. Unter den Fans und in der Presse wird derweil eifrig spekuliert. Krause ließ gegenüber einer Boulevardzeitung durchblicken, dass er die Leutzscher Einheit befürwortet hätte. "„Es geht um die Strukturen im Verein", ließ sich der Ex-Präsident zitieren. Jedoch "bestimmte Ideen sind in Leutzsch derzeit nicht umsetzbar.“ Der 42-Jährige stünde demnach erst wieder für einen Vereinsposten bereit, wenn sich beide Leutzscher Clubs vereinen würden. Bei der BSG stehen die Zeichen keineswegs auf Leutzscher Einheit. Man habe sich des Präsidents und des Nachwuchsleiters nicht wegen etwaiger Verhandlungen mit der SG Leutzsch entledigt, ließ Aufsichtsrat Harald Fuchs am Donnerstag während eines Sponsorentreffs durchblicken. Aufgrund unterschiedlicher Ansichten über die Vereinsphilosophie habe sich eine Pattsituation auf Vorstandsebene ergeben, die im Sinne der Handlungsfähigkeit des Vereins gelöst werden musste.
Krauses Äußerungen in der Presse nähren trotzdem Hoffnungen bei der SG Leutzsch. Vorstandssprecher Jamal Engel befürwortete gegenüber derselben Zeitung die grün-weiße Wiedervereinigung. „Wir haben immer betont, dass wir das wollen", so der 41-Jährige."Interessant wäre das schon zur neuen Saison. Aber man muss zunächst sehen, wie sich Chemie in den nächsten Tagen neu aufstellt.“ Starke Worte angesichts der eigenen Situation bei der SG Leipzig Leutzsch. Im Schlagschatten des Umstands, dass Engel und Co. die Trennung der Fanszene mit der Gründung der SG Leutzsch nach dem endgültigen Aus des FC Sachsen manifestierten, überrascht die Offerte. Doch die SG-Verantwortlichen verfolgen vermutlich weniger die Interessen der treuen Fans, die sich die grün-weiße Einheit wünschen. Einiges deutet daraufhin, dass der Club selbst in ernsthaften Schwierigkeiten stecken könnte.
Möglicherweise übersteigen die Kosten bereits jetzt die aktuellen Möglichkeiten der Leutzscher. Allein der Betrieb des Alfred-Kunze-Sportparks kostet den Verein rund 200.000 Euro. Die BSG Chemie beteiligt sich anteilig an den Kosten. Die Stadt übernimmt je nach Haushaltslage rund ein Viertel der Ausgaben. Daneben hat der Club die Möglichkeit, Gelder für bauliche Maßnahmen oder Sportgeräte zu beantragen. Das haben die Verantwortlichen bisher noch nicht getan, jedoch aus nachvollziehbaren Gründen. Sportamt und SG Leutzsch haben vereinbart, ein Investitionskonzept zu erstellen. "Darin will der Hauptnutzer baulich vernünftige und dringliche sowie auch finanzierbare Schritte aufzeigen zur Instandhaltung bzw. -setzung", erläutert Amtsleiterin Kerstin Kirmes.
"Die notwendige Abstimmung zu einem Konzept hat sich neben unserer Eigentümerstellung noch zusätzlich ergeben aus dem Wunsch des Unternutzers, tatkräftig an der Erhaltung des Alfred-Kunze-Sportparks mitzuwirken. Damit das nicht ins Aktionistische bzw. Unabgestimmte ausartet, ist ein solches Konzept unbedingt notwendig." Es soll noch im ersten Quartal dieses Jahres vorgelegt werden.
Für beide grün-weißen Clubs gerade kein guter Lauf durch den Winter. Die BSG trennt sich von der Vereinsspitze und die SG LL laboriert an eigenen Problemen
Foto: Patrick Limbach
Der Alfred-Kunze-Sportpark ist nicht die einzige Baustelle der Leutzscher. Am 10. Januar trafen sich die SG-Funktionäre turnusgemäß zu einer Arbeitsbesprechung. Aus dem Protokoll geht hervor, dass sich die Leutzscher zu diesem Zeitpunkt offensichtlich im Gespräch mit einem potenziellen Trikotsponsor befinden. Der Mitschrift zufolge sind sich beide Parteien einig: Die SG Leipzig Leutzsch erhielte demnach 40.000 Euro netto. Dafür sollen die Trikots der Landesligatruppe und zweier Nachwuchsmannschaften mit dem Sponsorenlogo beflockt werden. Ein äußerst lukratives Angebot, dass Kennern der Liga zufolge deutlich über dem normalen Schnitt liegen dürfte.
Möglicherweise ist der Deal genau deshalb noch nicht in trockenen Tüchern. Es fehle noch die Unterschrift, heißt es im Protokoll. Anscheinend müssen sich die Verantwortlichen in Geduld üben: "Noch 6 - 8 Wochen bis zum Abschluss", heißt es in der Mitschrift. Was bei glücklichem Verlauf der Verhandlungen eine Unterschrift bis Mitte, spätestens jedoch Ende Februar bedeuten müsste.
Vielleicht vertröstet der potenzielle Geldgeber Engel und Co. aber auch bis zum Sankt-Nimmerleinstag. Denn wie L-IZ aus dem Vereinsumfeld erfuhr, sollte der Vertrag offenbar bereits im Januar 2012 zu Stande kommen. Jamal Engel hüllte sich auf Nachfrage in Schweigen. Und trommelt nach den Rücktritten von Krause und Leitzke wohl nicht grundlos, es läge großes Interesse seitens etwaiger Geldgeber an der Wiedervereinigung beider Clubs vor.
Gut möglich, dass die Clubführung selbst schuld an dem zögernden Verhalten des avisierten Wohltäters ist. Das Image der Leutzscher ist stark angekratzt, seit Fans am 4. September beim Landespokal-Spiel gegen den Roten Stern Leipzig rechte Parolen intonierten. Was in den ersten Reaktionen seitens des Vereins kein Problem zu sein schien – alle Verantwortlichen hatten rein gar nichts davon mitbekommen und gaben den Roten Sternen anschließend die Schuld. Erst nachdem Sportbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke) ein Machtwort sprach, bezogen sie gegenüber der Stadt vorsichtig Stellung und kündigten zaghafte Maßnahmen an. Bis heute hat sich der Club nicht öffentlich von seinen rechten Fangruppen wie den berüchtigten "Metastasen" distanziert. Da verwundert es kaum noch, dass es den Verantwortlichen derzeit schwer zu fallen scheint, ihr Produkt "SG Leutzsch" zu vermarkten.
Präsident Barthelmes äußerte sich unterdessen trotz abermaliger Nachfrage nicht zu den Vorwürfen gegen seine Person. Sein Stellvertreter Jamal Engel tat sie Ende vorergangener Woche als "lächerlich" ab. Auf der Vereinshomepage sucht man derweil vergeblich nach einem offiziellen Statement. Anscheinend bemühen sich die Verantwortlichen hinter den Kulissen, die eigenen Reihen zu schließen. Mit durchwachsenem Erfolg. Eine Mitarbeiterin des betroffenen Sponsors bestritt gegenüber L-IZ.de die Unterstützung des Vereins. Vorstandssprecher Engel behauptete wenig später Gegenteiliges - in Kenntnis unserer Anfrage bei dem Unternehmen. Auf der Vereinshomepage wird die Firma bis heute als Sponsor genannt.
Glaubt man Jamal Engel, dürfte es für ihn eine Kleinigkeit sein, die Vorwürfe aus der Welt zu räumen. Fragt sich nur, warum er es nicht längst getan hat. Sollte sein Verein ernsthaft die Hochzeit mit der BSG Chemie lancieren wollen, stellen sich noch ganz anderen Fragen. Die einflussreichen "Diablos" lehnen die Vereinigung beider Clubs ab. Das Leitbild der BSG Chemie, das Gewaltlosigkeit und Antirassismus beinhaltet, scheint für die Chemie-Ultras zuletzt unverhandelbar zu sein. Anhänger der SG Leutzsch fielen in der Hinrunde durch Randale und rassistische Ausfälle auf. Ganz gleich also, wer Nachfolger von Krause und Leitzke wird: Die Leutzscher Einheit ist durch die personellen Veränderungen kein Stückchen näher gerückt.
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