Champions League: Acht atemberaubende HCL-Minuten waren zu wenig
Jan Kaefer
08.03.2010
Kurz vor dem Punktgewinn wurde der HC Leipzig von Krim Ljubljana gestoppt.
Foto: Jan Kaefer
Der Traum vom Halbfinale der europäischen Königsklasse ist für die Handballerinnen des HC Leipzig vorbei. Am Sonntag verloren sie vor 3.086 Zuschauern ihr Heimspiel gegen Krim Ljubljana mit 27:31 (14:20). Damit bleiben sie auch nach vier Hauptrunden-Spielen ohne Punkt.
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Es lief von Anfang an nicht rund beim Deutschen Meister, der sich für sein letztes Champions-League-Heimspiel eigentlich so einiges vorgenommen hatte. Nur zweimal im gesamten Spiel konnten die Leipzigerinnen überhaupt in Führung gehen - nämlich mit 1:0 (2. Minute, Natalie Augsburg) und 6:5 (11. Minute, Karolina Kudlacz). Dass jeweils noch in der selben Minute der Ausgleich hingenommen werden musste, war an diesem Tag bezeichnend.
Es geht eng zu am Sechs-Meter-Kreis...
Foto: Jan Kaefer
Nervosität, technische Fehler und nicht zuletzt das Fehlen von Abwehr-Chefin Renate Urne sorgten dafür, dass die Leipzigerinnen immer wieder ins Hintertreffen gerieten. Dazu kam zum wiederholten Mal eine Ladehemmung vor dem gegnerischen Tor. Krim Ljubljana präsentierte sich zwar stark aber längst nicht überirdisch - wusste jedoch die Fehler des HCL für sich zu nutzen. Gegen Ende der ersten Halbzeit drohte die Partie den Leipzigerinnen gar völlig zu entgleiten, als Krim mit zwei Toren in Unterzahl seine Führung auf 12:18 (29. Minute) ausbauen konnte. Mit sechs Treffern Minus bei einem wenig optimistisch stimmenden 14:20 ging es in die Halbzeitpause.
Nach Wiederanpfiff zunächst nicht viel Neues, außer dass der Rückstand teilweise auf sieben Tore anwuchs (14:21, 31. Minute/ 17:24, 40. Minute/ 18:25, 43. Minute). Von einem wilden Aufbäumen der HCL-Mädels konnte zu diesem Zeitpunkt beim besten Willen nicht gesprochen werden. So waren es vor allem die Tore der überragenden Karolina Kudlacz (10x) und der wurfgewaltigen Anne Ulbricht (7x), die eine komplette Blamage verhinderten.
Karolina Kudlacz zeigte eine tadelsfreie Leistung und traf mit 10 Toren am häufigsten.
Foto: Jan Kaefer
Doch Mitte der zweiten Hälfte geschah etwas Wunderbares. Es deutete sich zunächst durch ein paar starke Paraden von Torfrau Katja Schülke an - und nahm seinen Lauf, als Youngster Luisa Schulze zum 21:26 (45. Minute) verkürzen konnte. Plötzlich war alles wieder da - der Biss, die Kampfkraft, die Torgefährlichkeit. Innerhalb von acht atemberaubenden Minuten erzielte der HCL sechs(!) Tore in Folge und war beim 26:26-Ausgleich von Karolina Kudlacz (53. Minute) wieder voll bei der Musik. Das Publikum raste vor Begeisterung und wäre beim Führungstreffer seiner Lieblinge zweifellos in einen kollektiven Ausnahmezustand geraten. Wichtig in diesem Satz ist jedoch das Wörtchen "wäre".
Denn so plötzlich, wie der Zauber gekommen war, war er auch wieder verschwunden. Karolina Kudlacz sorgte mit ihrem 27:27 (54. Minute) zwar für eine zweite Chance, die Partie endgültig zu drehen, doch danach versiegte der Leipziger Torquell leider komplett. Der Slowenische Meister hatte jedoch noch vier Treffer im Angebot (Endstand 27:31) und erinnerte seine Gastgeber daran, dass in einem Champions-League-Spiel acht Minuten Zauber-Handball einfach zu wenig sind.
Luisa Schulze (li.) ließ sich beim Kampf um den Ball nicht so leicht abschütteln.
Foto: Jan Kaefer
Luisa Schulze redete nach dem Spiel auch nicht um den heißen Brei herum: "Wir haben schon in der ersten Halbzeit unsere Chancen nicht richtig genutzt. Zwar erkämpfen wir uns Chancen aber bringen den Ball einfach nicht im Netz unter.", beschrieb sie die "Seuche", die den HCL durch die gesamte Hauprunde der Champions League begleitete. "In der zweiten Halbzeit haben wir uns noch einmal auf 27:27 heran kämpfen können, das hätte wahrscheinlich keiner mehr erwartet. Wir haben noch einmal alles gegeben, aber das Quäntchen Glück hat heute einfach gefehlt.", sagte die 19-jährige HCL-Hoffnung.
In den beiden noch ausstehenden Begegnungen bei Larvik HK (13. März) und Györi Audi Eto (21. März) sollte der HC Leipzig wenigstens noch die Chance ergreifen, nicht gänzlich ohne Punkte aus dem Wettbewerb der europäischen Königsklasse zu scheiden.
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