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Vorschau zur Leichtathletik-DM Kassel: Leipziger Angriff auf Hürden-Gold

Jan Kaefer
Sprintet Cindy Roleder (mi.) über die Hürden zum Deutschen Meistertitel?
Sprintet Cindy Roleder (mi.) über die Hürden zum Deutschen Meistertitel?
Foto: Jan Kaefer (Archiv)
Stehen im Kasseler Auestadion für das LAZ Leipzig goldene Hürden? Bei der am Wochenende stattfindenden Deutschen Meisterschaft der Leichtathleten liebäugeln die hürdensprintenden Messestädter sehr aussichtsreich mit Edelmetall. Und auch die WM-Normen gilt es zu knacken.

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Cindy Roleder - die Einzige unter 13 Sekunden


Cindy Roleder könnte mit einer Zeit unter 13,00 Sekunden das WM-Ticket lösen.
Cindy Roleder könnte mit einer Zeit unter 13,00 Sekunden das WM-Ticket lösen.
Foto: Jan Kaefer
Cindy Roleder vom LAZ Leipzig erwies sich in dieser Saison bisher als die schnellste deutsche Hürdensprinterin über 100 Meter. Freilich muss dazu gesagt werden, dass die sportlich unumstrittene Nummer 1 im Lande - Carolin Nytra (Mannheim) - wegen einer hartnäckigen Verletzung keine Rennen absolvieren konnte und auch in Kassel fehlen wird. Für Cindy Roleder wäre somit der Blick auf das Siegertreppchen frei. Immerhin gelang es ihr 2011 als Einziger, eine Zeit unter 13 Sekunden auf die Bahn zu legen. Gelänge ihr das Unterbieten dieser Schallgrenze erneut, hätte sie faktisch auch das WM-Ticket für Daegu in der Tasche.

"Eine realistische Medaillenchance" rechnet sich auch ihre Teamkollegin Anne-Kathrin Elbe aus. Die gebürtige Dessauerin war im November 2010 nach Leipzig gewechselt und bestreitet nun ihre erste Saison im LAZ-Trikot. Mit ihrer - bei viel Gegenwind gelaufenen - Saisonbestzeit von 13,21 Sekunden rangiert Elbe aktuell auf Platz 4 der Bestenliste. Dass sie durchaus schneller unterwegs sein kann, beweist ihr persönlicher Rekord von 13,08 Sekunden. An diesen würde sie in Kassel gern ganz nah heran laufen. "Das wäre ein schönes Geschenk", sagte die 24-Jährige. Die Bahn in Kassel könnte das sogar hergeben. Sie ist nagelneu und relativ hart, das mögen die Sprinter. Auch die 12,98 Sekunden von Cindy Roleder wurden auf dieser Bahn gelaufen. Ein gutes Omen?

"Von der Vorleistung her ist eine Medaille ganz klar das Ziel", sieht auch LAZ-Hürdentrainer Jan May seine beiden Schützlinge gut im Rennen. "Aber unterschätzen sollte man die Anderen trotzdem nicht", warnte der Coach, "außerdem stehen immer zehn Hürden im Weg, die einem versuchen, das Leben schwer zu machen".

Alexander John - von Favoritenbürde befreit


Ist Alexander John schon fit für das Treppchen?
Ist Alexander John schon fit für das Treppchen?
Foto: Jan Kaefer (Archiv)
Von Letzterem kann auch Alexander John ein bitteres Lied singen. Im Vorjahr ging er als Meisterschaftsfavorit an den Start, stürzte jedoch im Finale und musste am Boden liegend zusehen, wie die Konkurrenz entschwand. Dieses Szenario wiederholte sich zu allem Überfluss ein halbes Jahr später auch bei der Deutschen Hallenmeisterschaft. Vor Leipziger Heimpublikum zog sich John dabei zudem einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zu, den es fortan zu therapieren galt. Die ganz großen Zeiten waren deshalb bisher noch nicht wieder drin. "Seine Verletzung tut jetzt nicht mehr weh, er kann schmerzfrei laufen", weiß sein Trainer Jan May, "aber er ist noch etwas gehemmt, das ist ein Schutzmechanismus des Körpers". Was Alexander John (Saisonbestzeit: 13,72 Sekunden) in Kassel zu leisten im Stande sein wird, bleibt einfach mal abzuwarten. Die Last des Titelfavoriten ist ihm diesmal jedenfalls nicht aufgebürdet.

Mit Erik Balnuweit (Saisonbestzeit: 13,60 Sekunden) hat das LAZ außerdem noch ein weiteres heißes Eisen im Kampf um die Medaillen im Feuer. Die Qualifikationsnorm zur WM liegt über 110 Meter Hürden bei 13,52 Sekunden und wartet darauf, das erste Mal unterboten zu werden. Auch die Männerkonkurrenz wird übrigens ohne den aktuell besten Deutschen ausgetragen werden. Denn Gregor Traber (Tübingen) sprintet bei der zeitgleich stattfindenden U20-EM in Estland um internationale Ehren.

Tino Häber - trotz Wehwehchen zur WM-Norm?


Für Tino Häber wird es keine leichte Aufgabe.
Für Tino Häber wird es keine leichte Aufgabe.
Foto: Jan Kaefer (Archiv)
Eine äußerst knifflige Aufgabe hat Speerwerfer Tino Häber vor sich. Ob er überhaupt in der Lage ist, den Wettbewerb gesundheitlich durchzustehen, wird sich erst vor Ort beim Einwerfen entscheiden. "Ich habe so einige Wehwehchen", bekannte Häber und zählte unter anderem Achillessehne, Beuger und Aduktoren auf. Die medizinische Abteilung wird also alle Hände voll zu tun haben, den Deutschen Meister von 2008 rechtzeitig hinzukriegen.

Zudem ist Tino Häber mit dem Speer in diesem Jahr noch an der 80-Meter-Marke gescheitert. Um in Kassel ganz vorn mit dabei sein zu können, muss also eine beträchtliche Steigerung her. Die WM-Norm liegt bei 82,50 Meter. Häbers Problem: Bereits drei deutsche Werfer haben diesen Wert bereits übertroffen. Um mit ins Daegu-Team zu schlüpfen, müsste er schon an seiner vor zwei Jahren erzielten Bestweite von 83,46 Meter kratzen.

Weitere Läufer für Leipzig am Start

Das Leipziger Starterfeld für Kassel wird durch Peter Förster (800 Meter), Melanie Apitzsch (3.000 Meter Hindernis) sowie die 3 x 1.000 Meter Staffel der A-Jugendlichen (mit Johannes Kummich, Kevin Küttler, Sascha Strötzel und Samuel Jonker) komplettiert.


Eine Traumsaison bisher für Melanie Apitzsch.
Eine Traumsaison bisher für Melanie Apitzsch.
Foto: Jan Kaefer (Archiv)
"Ich fahre ohne große Erwartungen nach Kassel", verkündete Hindernisläuferin Melanie Apitzsch, "die Meisterschaften sind eine reine Zugabe und zum Erfahrungen sammeln geeignet". Eigentlich konzentriere sie sich vor allem auf die Jugend-DM im August in Jena. Dafür möchte die 19-Jährige ihre aktuelle Bestzeit von 10:43,77 Minuten attackieren. Nur 12 andere deutsche Läuferinnen waren in diesem Jahr schneller. Ihre Saison, die sie als "bisher sehr gut" einschätzt läuft wie am Schnürchen: 4. Platz bei den Deutschen 5.000 Meter Meisterschaften, Sächsischer Landesrekord über 2.000 Meter Hindernis, 5. Platz bei der Junioren-DM über 3.000 Meter Hindernis. Über die selbe Distanz verbesserte Apitzsch Anfang Juni ihre alte Bestzeit um eindrucksvolle 45 Sekunden. Geht da in Kassel noch was?

Auf der 800 Meter Strecke geht Peter Förster für das LAZ ins Rennen. Er hat noch eine persönliche Mission offen. Für diese Saison hatte er eine Zeit von unter 1:50 Minute als absolutes Muss ausgegeben. Mit 1:50,73 Minuten war er bereits schon einmal ganz dicht dran und kann nun einen erneuten Angriff auf die Fünfzig wagen. Welchen Kampfgeist er an den Tag legen kann, bewies Peter Förster vor vier Wochen bei der Junioren-DM in Bremen. Als Schlussläufer der 3 x 1.000 Meter Staffel drehte er ein bereits verloren geglaubtes Rennen und holte den Titel nach Leipzig.

Die Startzeiten der Leipziger LAZ-Athleten

Samstag, 23. Juli:
10:30 Uhr 3 x 1.000 Meter Staffel (Vorlauf) mit Kummich, Küttler, Strötzel, Jonker (männliche A-Jugend)
13:20 Uhr 800 Meter (Vorlauf) mit Peter Förster
15:33 Uhr 100 Meter Hürden (Vorlauf) mit Cindy Roleder, Anne-Kathrin Elbe
15:50 Uhr 110 Meter Hürden (Vorlauf) mit Alexander John, Erik Balnuweit
17:30 Uhr Speerwerfen mit Tino Häber
18:00 Uhr 100 Meter Hürden - Finale der Frauen
18:15 Uhr 110 Meter Hürden - Finale der Männer

Sonntag, 24. Juli:
14:25 Uhr 3 x 1.000 Meter Staffel - Finale der männlichen A-Jugend
16:35 Uhr 3.000 Meter Hindernis (Finale) mit Melanie Apitzsch
18:20 Uhr 800 Meter - Finale der Männer


Homepage des LAZ Leipzig:
www.laz-leipzig.de

Live-Ergebnisse zur DM in Kassel:
www.leichtathletik.de





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