Wovon Leipziger träumen: Holger van de Sand - Ein Herz für Flossis
Holger van de Sand | Jan Kaefer
30.12.2011
Holger van de Sand: "Man muss Träume haben und leben, sonst ändert sich ja auch nichts."
Foto: privat
Sein Sohn Erik ist eine der größten Hoffnungen im deutschen Flossenschwimmen. Nicht zuletzt deshalb lässt Holger van de Sand viel Herzblut in den Sport mit der Delfinflosse fließen. Doch der Blick des bekennenden Leipzigers und Mitarbeiters der Flugsicherung geht weit über den Beckenrand hinaus.
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Ich bin mit Leib und Seele Leipziger und wohl auch deshalb wohne ich mit meiner Familie immer noch in der Messestadt, obwohl ich seit fast 11 Jahren in Hessen arbeite und die meiste Zeit damit dort verbringe. Aber natürlich gibt es auch noch andere Gründe. Mein Sohn Erik ist seit vielen Jahren leistungssportlich hier in Leipzig aktiv, erst als Schwimmer und seit längerer Zeit als Flossenschwimmer. Die Förderung am Sportgymnasium und im Verein, dem SC DHfK Leipzig könnte bei einem Umzug nicht mehr weitergeführt werden. Ich selbst engagiere mich als mithelfender Vater und Kampfrichter im Verein.
"Randsportart" mit internationalen Meriten.
Grafik: Holger van de Sand, Patricia Schulmeyer
Obwohl Leipzig Bundesstützpunkt ist und wir verglichen mit anderen Vereinen sehr gute Bedingungen für den Trainings- und Wettkampfbetrieb haben, wünsche ich mir in einer Stadt, die sich die Förderung des Sports auf die Fahnen geschrieben hat, mehr Aufmerksamkeit für unsere Sportart. Die Flossenschwimmer gehören zu den wenigen Einzelsportarten, die in Leipzig noch Welt- und Europameister hervorbringen. Dennoch haben wir wie alle Randsportarten zu kämpfen, uns in der medialen Übermacht des Fußballs zu behaupten. Wenn es uns 2012 gelingen würde, noch einige regionale Sponsoren, vor allem für die Ausrüstung unserer Sportler zu finden, wäre ein großer Wunsch von mir erfüllt. Bisher stemmen die Eltern und Familien der Sportler die großen finanziellen Belastungen für Flossen, Schwimmanzüge und einen Teil der Wettkampfreisen allein und es besteht die Gefahr, dass wir talentierte Sportler im Kinder- und Jugendbereich verlieren, weil sich die Eltern den Sport finanziell einfach nicht leisten können.
Als Kampfrichter im Einsatz am Beckenrand.
Foto: privat
In diesem Zusammenhang wünsche ich mir auch Erfolg in dem Bestreben, zusammen mit einer Hochschule und einer mittelständischen Firma aus Rheinland-Pfalz eine eigene deutsche Forschung und Herstellung von Monoflossen aufzubauen, um die Abhängigkeit von russischen und chinesischen Herstellern abzumildern. Da liegt noch ein langer Weg vor uns. Ich hätte mir gewünscht, diesen Weg mit Wissenschaftlern und Unternehmern aus Leipzig zu gehen, aber das Interesse dafür war hier nicht vorhanden.
Für meine Person träume ich natürlich davon, die berufliche Odyssee irgendwann mal hier in meiner Heimatstadt beenden zu können und wieder dauerhaft bei meiner Familie zu sein. Es ist schmerzhaft zu beobachten, wie weit die Schere beruflicher Möglichkeiten mit adäquaten Einkommensmöglichkeiten immer noch zwischen Leipzig und dem Rhein/Main-Gebiet auseinanderklafft. Es kann doch nicht im Sinne der Entwicklung unserer Stadt sein, wenn qualifizierte Fachkräfte reihenweise nach wie vor abwandern.
Mit Sorge beobachte ich, wie der gute Ruf der Leipziger Hochschulen durch das Sparprogramm der Landesregierung Schaden nimmt. Für meine Firma bin ich als Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Frankfurt/M. in einem recht neu geschaffenen dualen Studiengang Luftverkehrsmanagement tätig. Es ist auch ein Wunsch von mir und ich arbeite daran, so etwas ebenfalls in der Leipziger Hochschullandschaft zu etablieren. Dies ist völlige Zukunftsmusik, aber ich denke, man muss Träume haben und leben, sonst ändert sich ja auch nichts.
In diesem Sinne wünsche ich allen Bürgern unserer Stadt ein vor allem gesundes Jahr 2012 und die sprichwörtliche Leipziger Gelassenheit.
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