Wovon Leipziger träumen: Jörg Fiedler sehnt Ende des Wachstumsglaubens herbei
Sebastian Beyer
26.12.2011
Ein Traum aus fünf Ringen - der Leipziger Fechter Jörg Fiedler will 2012 zur Olympiade.
Foto: Sebastian Beyer
Fechter Jörg Fiedler hat einen Traum speziell fürs kommende Olympia-Jahr. Der 32-Jährige will unbedingt erfolgreich an den Spielen in London teilnehmen. Darüber hinaus wünscht er sich eine effizientere Nutzung des City-Tunnels und ein Ende des immerwährenden Wachstumsglaubens.
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Das kommende Jahr bringt auf jeden Fall die Olympischen Spiele in London. Wie sieht Ihr Traum diesbezüglich aus?
Ich möchte auf jeden Fall die Qualifikation schaffen und wieder zu den Spielen fahren. Die nächsten vier Weltcups zählen für die Rangliste noch. Wenn das erstmal geschafft ist, möchte ich natürlich auch erfolgreich abschneiden. Das heißt schon, eine Medaille mit zurück nach Leipzig zu bringen. Allerdings wird das schwierig, denn im Vergleich zu jedem Weltcup ist dann die Leistungsdichte enorm hoch.
Während bei Weltcups im Herrendegen so ungefähr 200 Sportler starten, nehmen am olympischen Turnier gerade die besten 36 der Welt teil. Es wird halt vorher schon extrem ausgesiebt. Fechten kann da natürlich jeder gut.
Schauen wir über den Sport hinaus, welche Träume gibt es sonst noch?
Generell wünschen ich mir, was auch viele andere Sportler sich mal wünschen, einmal so richtig zur Ruhe kommen und zu wissen: „Jetzt ist wirklich nur Freizeit angesagt.“
Bezogen auf das Leben in der Stadt, haben Sie da einen Traum?
Ich finde ja immer, wenn wir uns schon so einen lustigen Tunnel bauen, sollten wir ihn auch effizient nutzen. Also auch Fernzüge hindurch fahren lassen, so dass es auf Strecken in den Süden wirklich Zeitersparnis brächte. Nur dann wären die Kosten wirklich sinnvoll. So wie es nun aber läuft, hat der Tunnel aus meiner Sicht keinen positiven Effekt und das Geld ist weitestgehend rausgeschmissen.
Welche Ideen hätten Sie denn für eine sinnvollere Verwendung der rund eine Milliarde Euro?
"Der blinde Glaube an Wachstum ist Teil des Problems und nicht der Lösung."
Foto: Sebastian Beyer
Als Sportler hat man natürlich viele Ideen, was im Sport noch so möglich wäre. Aber gesellschaftlich wäre sicherlich wichtig, in soziale Einrichtungen zu investieren. Da kann man eigentlich gar nicht genug Geld ausgeben, stattdessen wird dort immer zuerst gekürzt. Sowohl mehr Einrichtungen als auch mehr Personal wären sicher sinnvoll. Wenn es aber immer so leicht wäre, würde es mit Sicherheit auch passieren.
Der blinde Glaube an Wachstum ist aus meiner Sicht Teil des Problems und nicht der Lösung. Das ist mit Sicherheit nicht neu, aber wird nun durch die Krise noch einmal bewusst. Den Gedanken, dass immerwährendes Wachstum notwendig ist, mal zu begraben, das wäre schon ein Traum.
Denn im herrschenden System hat Wachstum auf der einen Seite natürlich zur Folge, dass es in anderen Nationen Einschnitte gibt. Warum auch sollte man ständig einfach immer mehr produzieren? Ich bin zwar kein Mathe-Genie, aber das leuchtet mir nicht ein.
Wie könnte man denn dieses System vielleicht durchbrechen?
Man kann immer nach staatlicher Regulierung schreien, die sicher nötig ist, aber es kann eben auch nicht alles reguliert werden. Vielleicht gelingt es ja, im europäischen Wirtschaftsraum einen anderen Weg einzuschlagen. Dass einfach mal jemand sagt: „Stopp!“ Und zwar mit allen Konsequenzen. Dass Leute ein- bis zweimal pro Woche zu Sitzungen über den Atlantik fliegen, muss doch nicht sein.
Dadurch ergeben sich eben auch Tausende von Flugbewegungen, die vielleicht in der Häufigkeit gar nicht notwendig sind. Nicht alles muss doch immer gleich ganz global betrachtet oder sogar in globalisierter Arbeitsteilung produziert werden.
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