Gesundheitssport in Lindenau: Familie Heine legt sich am Karl-Heine-Kanal mächtig in die Riemen
Gernot Borriss
30.07.2011
Dr. Jester Heine und Uwe Albrecht im Boot.
Foto: Gernot Borriss
Am Freitag wurde in Neulindenau der erste Bauabschnitt des neuen Zentrums für Gesundheitsrudersport übergeben. Über dem Karl-Heine-Kanal bietet die Leipziger Familie Dr. Jester und Manfred Heine erstmals Rudern als Teil eines Gesundheitskonzepts an. Damit sei man „Vorreiter“, so der Projektpartner AOK plus.
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Der traditionelle Ruderergruß „Riemen- und Dollenbruch“ hallte am Freitagvormittag gleich mehrfach und kräftig über das ehemalige Fabrikgelände an der Groitzscher Straße 91 und den hauseigenen Bootsanleger am Karl-Heine-Kanal. Dort legt sich seit drei Jahren die Familie Dr. Heine mächtig in die Riemen. So lange schon währt das „Abenteuer“, das Areal in ein Gesundheitszentrum umzubauen, wie Alexander Heine zur Übergabe des ersten Bauabschnitts hervorhob.
Begonnen hat auf dem Areal alles 1895 mit dem Bau der Jute-Spinnerei und Weberei Tränkner &. Würker. Diese stellte Planen für Kutschen und Autos her, und eben Jute-Säcke. Der volkseigene Nachfolger Texafol lieferte vor einem guten Vierteljahrhundert Fußmatten aus Vexaflor frei Haus. Auch diesem Traditionsunternehmen war in der Marktwirtschaft kein Erfolg beschieden.
Plagwitz und Lindenau bildeten seit der industriellen Revolution eines der Zentren fabrikmäßiger Fertigung in Deutschland und Europa. Die Idee und die Durchsetzungskraft für eine solche Fabrikenlandschaft im Leipziger Westen nebst infrastruktureller Erschließung hatte der legendäre Rechtsanwalt Dr. Karl Heine. Der (unvollendete) Kanal durch das einstige Industrierevier trägt seinen Namen.
Gruppenbild zur Übergabe des 1. BA des Zentrums für Gesundheitsrudersport.
Foto: Gernot Borriss
Familie Dr. Heine will der alten Spinnerei nun neues Leben einhauchen. „Ein besonderes Leben“, wie der Sohn der Familie Alexander Heine sagte. Eine Praxis für Allgemeinmedizin sowie Gesundheitssport und Präventionssport sind unter einem Dach vereint. „Absolut einmalig“ nannte der angehende Mediziner die Tatsache, dass Rudersport hier als Präventionssport angeboten werde. Gegen Adipositas, also Übergewichtigkeit, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bei Rückenproblemen könne aus seiner Sicht der regelmäßige Griff zu den Riemen wahre medizinische Wunder wirken.
Davon ist auch die AOK plus überzeugt. „Die Kooperation mit der Familie Dr. Heine hat uns ermöglicht, Vorreiter zu sein“, unterstrich AOK-Regionalgeschäftsführerin Kristina Winter gegenüber L-IZ. Aktuell realisiere man mit dem Zentrum für Gesundheitsrudersport bereits vier Kurse, ergänzte Michael Hoffmann, bei der Krankenkasse der zuständige Fachbereichsleiter für diese Fragen. Über ein Gutscheinsystem könnten die AOK-Versicherten diese Angebote kostenfrei nutzen.
Zudem ist die Familie Dr. Heine unter Leipziger Ruderern keine unbekannte. „Tiefe Spuren“ hätten Jester und Manfred Heine im Leipziger Sport hinterlassen, lobte Leipzigs Stadtsportbundchef Uwe Gasch am Freitag. Beiden seien „Garant für Erfolg“, so der ehemaliger Spitzenruderer und Olympiateilnehmer von Seoul 1988 weiter. Mit ihrem Unternehmen setze die Familie Heine einen „Leuchtturm“ in den Leipziger Westen.
Fürs Foto lassen sich Dr. Jester Heine und Bürgermeister Uwe Albrecht auf dem Karl-Heine-Kanal rudern.
Foto: Gernot Borriss
Besonders freute den Stadtsportchef, dass der zum Gesundheitszentrum gehörende Rudersportverein nun die Gemeinnützigkeit anstrebe und künftig Teil der Leipziger Sportfamilie sein wolle.
Leipzigs Wirtschaftsbürgermeister Uwe Albrecht (CDU) stellte heraus, dass mit dem Gesundheitszentrum „eine alte Industriestätte mit einer neuen Geschäftsidee an den Markt gebracht“ wird. Damit hätte die Familie Dr. Heine „beherzt“ das unternehmerische Risiko übernommen.
Die kommunale Wirtschaftsförderung stand dabei mit ihren Möglichkeiten zur Seite. Denn im Wirtschaftsdezernat verspricht man sich davon „eine Initialzündung für weitere Firmenansiedlungen direkt am Karl-Heine-Kanal“. Gerade für die Entwicklung des Areals rund um den Lindenauer Hafen seien Ansiedlungen wie dieses Familienunternehmen „von wesentlicher Bedeutung“.
Nun führt der Karl-Heine-Kanal nicht ganz bis zum Lindenauer Hafen. Stadtentwickler und Wassersportfreunde setzen deshalb auf den „Durchstich“ zwischen Luisenbrücke und Hafen. „Im Moment sind die Fördervoraussetzungen noch nicht gegeben“, nannte Bürgermeister Albrecht gegenüber L-IZ die Gründe für den Bauverzug. Man arbeitete aber daran, fördertechnisch alles in Sack und Tüten zu kriegen und Sachsens Wirtschaftsministerium von dem Konzept doch noch zu überzeugen, so Albrecht auf dem Gelände der ehemaligen Jutesackfabrik.
So konnte das Doppelruderboot „Dr. Karl Heine“ des Gesundheitszentrums am Freitag vorerst nur eine kleine Runde auf dem Kanal drehen. Uwe Albrecht fand es „prickelnd“, so exklusiv gefahren zu werden.
„Das Abenteuer geht weiter“ heißt es nun bei der Familie Dr. Heine. In einem zweiten Bauabschnitt wolle man einen Therapieraum, eine Bootshalle sowie ein Schwimmbecken schaffen. Und aus der Jutehalle soll eine Sporthalle werden.
Anhaltspunkte für verwandtschaftliche Verbindungen zum Leipziger Industriepionier Karl Heine hätten sich bislang übrigens nicht ergeben, so Alexander Heine zur L-IZ.
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