Das PC wird umgebaut: 155 Millionen Euro Investitionen und Neuausrichtung auf jüngere Besucher
Matthias Weidemann
28.10.2011
Michael Schneider im Gespräch mit einem PC-Besucher.
Foto: Matthias Weidemann
Michael Schneider ist 42 Jahre alt und ein weit gereister Mann. Das bringt der Beruf so mit sich. Der zweifache Familienvater und gebürtige Kölner ist seit zwei Jahren Centermanager des Paunsdorf Centers in Engelsdorf. Dort herrscht momentan mehr als große Betriebsamkeit und Hektik. Grund: Umbaumaßnahmen und eine strategische Neuorientierung. L-IZ sprach mit dem Centermanager.
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Sie sind seit zwei Jahren in Leipzig. Wie „schmeckt“ Ihnen der Osten?
Ausgezeichnet. Es ist ja ist nicht so, dass ich neu bin im Osten. Vor Leipzig war ich schon zweieinhalb Jahre in Dresden, davor anderthalb Jahre in Berlin. Das war eine sehr schöne Zeit. Auch Dresden habe ich sehr genossen. Eine tolle Landschaft. Hier wohne ich in Naunhof. Man muss eigentlich gar nicht mehr in den Urlaub fahren. Hat alles: klare Seen, Wälder. Und Leipzig ist natürlich eine wunderbare Stadt, die alles zu bieten hat. Ich fühle mich hier mit meiner Familie ausgesprochen wohl.
Centermanager des Paunsdorf Centers: Michael Schneider.
Foto: Matthias Weidemann
Das Paunsdorf Center soll umgebaut und strategisch neu ausgerichtet werden. Erklären Sie das mal genauer, bitte.
Das PC war eines der ersten Einkaufszentren, die nach der Wende in Sachsen realisiert wurden, und ist mit einer Handelsmietfläche von 110.000 Quadratmetern das größte überdachte Center in Deutschland. Die reine Verkaufsfläche liegt bei 70.000 Quadratmetern. Das Center hier besteht mittlerweile 17 Jahre und ist demnach, gemessen an unseren Richtlinien, die wir haben, überaltert. Normalerweise verpassen wir unseren Centern alle zehn Jahre eine Neuausrichtung, eine Frischzellenkur quasi. Die hier war längst überfällig und der Bedarf an einer Umstrukturierung ist sehr groß.
Hängt das auch mit den Besucher- beziehungsweise Umsatzzahlen zusammen?
Auch aus diesen Gründen ist eine Umstrukturierungsmaßnahme dringend geboten. Beides stagniert seit zwei Jahren. Das wollen und müssen wir ändern.
Michael Schneider it einem Modell des Centers.
Foto: Matthias Weidemann
Wie sind denn die derzeitigen Besucherzahlen?
Die bewegen sich derzeit bei 25.000 bis 30.000 pro Tag. Als Centermanagement gehen wir aber von einer Steigerung der Umsatz- und Besucherzahlen durch die Neustrukturierung aus, und damit von einer Situation, in der die Stadt Leipzig vom neuen Paunsdorf Center noch stärker profitieren wird, als das bereits bislang der Fall war.
Wie hoch ist der Altersdurchschnitt der Besucher?
Der ist recht hoch, so zwischen 40 und 50. Auch da wollen wir eine Veränderung erreichen, das PC attraktiver für junge Familien machen. Dabei wollen wir aber nicht hochgestochen oder elitär wirken, sondern familiär und kundennah, so dass hier Menschen mit dem ganz normalen Geldbeutel einkaufen und das neue PC genießen können.
Wie hoch ist der Investitionsbedarf, der durch den Umbau anfällt?
Von der mfi AG und dem Investor Ivanhoe fließt ein Beitrag von insgesamt 95 Millionen Euro in die Maßnahmen: rund 80 Millionen Euro für den Umbau von rund 60.000 Quadratmetern Fläche und 15 Millionen Euro für die Instandhaltung. Weitere 60 Millionen Euro werden durch die Ankermieter wie Kaufland, MediaMarkt, H&M, C&A und die Drogeriekette Müller investiert.
Michael Schneider erläutert die Umbaupläne.
Foto: Matthias Weidemann
Was wird sich verändern?
Der Umbau hat bereits im Herbst letzten Jahres mit der Sanierung der beiden Parkhäuser begonnen. Wir verfügen inklusive Außenflächen damit über 7.000 kostenfreie Parkplätze außerhalb der Umweltzone.
Und wie steht es um den Innenbereich?
Hier beginnt im Mittelbereich des Centers der Bau eines zentralen Marktplatzes mit vielen Frische- und Gastronomieangeboten. Außerdem wird in diesem Abschnitt der Bau der zweiten Ladenstraße in Teilen beendet und neue Mieter eröffnen ihre Läden. In der dritten Phase bis Ende Oktober 2012 wird die Umstrukturierung dann beendet sein.
Eine zweite Ladenstraße ist also auch vorgesehen?
Ja, dann wird auch diese zweite Ladenstraße eröffnet sein, der Gastronomie-Komplex wird in Betrieb sein und mit rund 80 neuen Geschäften werden wir die Gesamtzahl auf 180 erhöhen. Es werden Angebote aus nahezu allen Branchen vertreten sein. Die Schwerpunkte liegen dabei auf dem Bereich Mode, der nochmals erweitert wird, auf dem neuen Gastronomiekonzept mit vielen Restaurants und Cafés sowie neuen Entspannungs- und Erholungsbereichen.
Wie gestalten sich die Umbau- beziehungsweise Renovierungsarbeiten?
Insgesamt gibt es drei Umbauphasen - das Center wird komplett neu strukturiert und zusammengesetzt: In der ersten Phase, die im Mai begonnen hat und jetzt nahezu abgeschlossen ist, sind massive Eingriffe in die Immobilienstruktur vorgenommen worden. Auch die Beleuchtung wird sich angenehmer und einladender, insgesamt wärmer gestalten. Der Bau der zweiten Ladenstraße ist im Gange und wird die bisherigen relativ großflächigen Einkaufsbereiche im hinteren Teil des Centers nochmals aufteilen. Dadurch entstehen leichter vermietbare und für Kunden wie Mieter attraktivere Einzelhandelsflächen. Außerdem gibt uns das die Möglichkeit, das Sortiment des Centers weiter auszubauen.
Damit wollen Sie auch den Wegzug von Großmietern wie Wöhrl oder Obi kompensieren?
Richtig. Wir sehen das aber nicht als einen Nachteil, sondern als eine Chance. Der Umzug des Media Markts auf eine Teilfläche des ehemaligen OBI ist ja brandaktuell und zeitgleich schließt Kaufland seine umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen ab. Teilbereiche des Einkaufscenters sind bereits runderneuert. Die zweite Phase dauert von Dezember 2011 bis Mitte August 2012.
Wie langfristig sind die Mietverträge ausgelegt?
Grundsätzlich auf zehn Jahre. Damit geben wir uns und dem Mieter eine gewisse Sicherheit und die Möglichkeit, langfristig zu planen und die Mietkosten durch Umsätze wieder einzufahren. Das alles braucht seine Zeit. Zehn Jahre sind aus kaufmännischer Sicht sinnvoll und seriös.
Herr Schneider, im Grunde machen Sie sich ja selbst Konkurrenz, oder?
Mein Unternehmen, die mfi AG, baut ja auch die Höfe am Brühl, das ist schon richtig. Aber zwischen Zentrum und dem Paunsdorf Center in Engelsdorf gibt es, denke ich, keine direkte Konkurrenz, da wir auch ein ganz anderes Einzugsgebiet haben und dies auch noch ausweiten wollen.
Sie wollen also nicht Richtung Zentrum, Einzelhandel oder der eigenen Konkurrenz ausstrahlen, sondern eher Richtung Osten und Südosten?
Genau. Nach dem Umbau steht das PC auf einer Ebene mit anderen, modernen Einkaufszentren in Sachsen und auch in Deutschland und trägt wesentlich zur Wettbewerbsfähigkeit der Stadt bei. Dabei richtet sich unser Augenmerk auf Auswärtige und Pendler. Ich denke da schon an Chemnitz oder an Dresden, denen wir damit Konkurrenz machen wollen.
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