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Leipzig liest: 25 Euro für jeden Eintrag – die Kritik der Verleger und die Antwort der Messe

Redaktion
Foto: Leipziger Messe
Foto: Leipziger Messe
Alles kostet Geld. Auch das Drucken eines Leseprogramms zur Leipziger Buchmesse. Das Heft zu "Leipzig liest" war zuletzt eigentlich schon ein kleines Lexikon. Ab 2009 möchte die Leipziger Messe gern 25 Euro für jeden Veranstaltungseintrag haben. Das hat gerade die kleinen Verlage im Land geschockt.

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Sie erfuhren in einem Schreiben der Leipziger Buchmesse, dass neben den üblichen Kosten im Jahr 2009 zusätzlich eine Eintragungsgebühr von 25 Euro für die Anmeldung einer jeden Lesung erhoben wird. Die Begründung: "Die Gebühr soll uns helfen, auch weiterhin allen Ausstellern den Zugang zu 'Leipzig liest' zu erhalten."

Für Andreas Heidtmann, Chef des Poetetenladen, ein Schritt in die falsche Richtung. „Bisher rühmte sich die Messe samt der Reihe Leipzig liest damit, eine Lesemesse zu sein und den jungen und kleinen innovativen Verlegern notwendigen Spielraum zu bieten. Aber gerade die nun angekündigte Gebühr bedeutet für kleine Verlage eine Erhöhung der Kosten um bis zu 10 Prozent", kritisiert er. „Für vier Debüts, in je einer halbstündigen Veranstaltung vorgestellt, kassiert Leipzig liest nun 100 Euro. Mit den Kosten für einen Kleinstand und den Nebenkosten von Strom bis zum Ausstellereintrag sind so 1.000 Euro schnell erreicht."

Er spricht damit ein Problem an, das vor allem kleine und kreative Verlage haben, die – anders als Großverlage – selten die Margen erreichen, um sich eindrucksvolle Lesestände zu bauen. Für sie war Leipzig mit seiner vielfältigen Kneipen- und Klubszenerie bisher immer eine gute Gelegenheit, das Manko in der Werbekasse durch pfiffige Lesungen an ungewöhnlichen Orten mit erstaunlich viel Publikum wett zu machen.

Foto: Leipziger Messe
Foto: Leipziger Messe
Junge Verlage feiern bislang in Leipzig ihre Parties.

„Dass junge Verleger, die bereits hohe finanzielle Risiken mit Prosadebüts oder Gedichtbänden auf sich nehmen, nun mit einer bürokratisch ersonnenen Gebühr bestraft werden, ist ein Hohn des Mottos: Leipzig liest", so Heidtmann. „Oder möchte man die Wirtschaftskrise, die sicher den Buchmarkt nicht verschonen wird, in Leipzig schon vorinszenieren? Es gibt zum Glück neue Buch- und Independent-Messen, auf denen man liest – Leipzig, ade?"

Wirklich attraktiv findet den Vorgang auch der Leipziger Verleger Jonas Ploettner nicht: „Nicht zuletzt greift die Geschäftsführung der Buchmesse damit ausgerechnet in eines der erfolgreichsten Rezepte der Leipziger Buchmesse ein: Das Lesefest ist durch seine große Publikums- und Autorennähe das Alleinstellungsmerkmal für die Leipziger Messe schlechthin."

Was die Messegesellschaft bewogen hat, die Eintragsgebühr zu erheben, hat die L-IZ auch mal den Mann gefragt, der seit Jahren verantwortlich ist für Buchmesse und Lesefest: Oliver Zille. Er hat geantwortet. Richtig ausführlich:

Oliver Zille zur 25-Euro-Gebühr und der Zukunft des Lesefests:

Foto: Leipziger Messe
Foto: Leipziger Messe
Oliver Zille.
„Als Organisatoren der Leipziger Buchmesse haben wir uns entschieden, ab dem Jahrgang 2009 eine Eintragungsgebühr in Höhe von € 25,- für Programmheft- und online-Datenbank-Eintrag zu erheben. Diese Entscheidung haben wir nicht leichtfertig getroffen. Vor der Entscheidung haben wir uns sehr eingehend mit unserem Messebeirat, in dem größere und kleine, regionale und überregionale Verleger vertreten sind, beraten und abgestimmt.

Wir hatten reiflich abzuwägen, welche Möglichkeiten uns zur Verfügung stehen, für das Lesefest in Verbindung mit der Buchmesse auch in der Zukunft eine professionelle Co-Organisation und Vermarktung sicherzustellen.

Leipzig Liest ist das einzige Literaturfest in unserem Lande, das fast vollständig von den daran teilnehmenden Verlagen finanziert wird. Das war in der Vergangenheit so und – abgesehen von seinem Beginn, als der Club Bertelsmann die damals 100 Veranstaltungen umfassende Unternehmung aus eigener Tasche finanziert hat – ist es bis zum heutigen Tage so geblieben. Und es wird, nach Lage der Dinge hier in Leipzig, auch in der Zukunft die dominierende Finanzierungsform für das Festival bleiben müssen.

Die von einigen regional ansässigen Verlagen initiierte und mittlerweile öffentlich geführte Diskussion um die neu eingeführte Gebühr zeigt den Interessenskonflikt auf, den wir, wollen wir das Festival im gemeinsamen Interesse erhalten und weiterentwickeln, zwingend auszugleichen haben: Einige, vor allem regional angesiedelte Verlage möchten möglichst viele Veranstaltungen innerhalb Leipzig liest organisieren und so auch ihren besonderen Heimvorteil an Messe und Festival nutzen. Wir Messeorganisatoren wiederum haben zunächst einmal allen unseren Ausstellern vom Grundsatz her eine Teilnahme am Festival zu ermöglichen.

Gleichzeitig müssen wir eine professionelle Gesamtorganisation und Vermarktung und deren Finanzierbarkeit sicherstellen. Mit einer stetig steigenden Veranstaltungszahl steigen aber zwangsläufig auch die Kosten.

Foto: Leipziger Messe
Foto: Leipziger Messe
Werbung für die nächste Buchmesse.
Die Organisationsaufgaben für die Heft- und Datenbankerstellung, für die regionale und überregionale Vermarktung, für die Beratung vor allem auswärtiger Verlage, für die Bindung von Veranstaltungsorten und die Vermittlung zu den Verlagen, für die Gestaltung von Programmreihen und für die Koordination des Gesamtprogramms auf der Messe und in der Stadt sind in den vergangenen Jahren exorbitant gestiegen und haben zunehmend Kapazitäten gebunden.

1992 haben 3 Mitarbeiter 100 Veranstaltungen an 40 Orten organisiert. Heute arbeiten rund 14 Mitarbeiter an 1.900 Veranstaltungen an über 350 Orten. Das erste Programmheft 1992 war ein größeres Faltblatt. An eine online-Datenbank war da noch gar nicht zu denken. Das Programmheft heute hat mittlerweile einen Rekordumfang von 432 Seiten.

Auf solche Rekorde, auch die der Veranstaltungszahl, würden wir als Messe aber sehr gerne verzichten. Sie werden unserem Festival (und ’unserem’ meint hier die Verlage selbst, die Veranstaltungsorte, viele andere Partner, die Stadt und die Messe) in der Zukunft eher schaden als nutzen.

Viele der an der Messe teilnehmenden Verlage haben Leipzig liest mit ihrem ganz persönlichen, heißt auch finanziellen Engagement gefördert und mit aufgebaut. Und was für das Festival gilt, gilt auch für die Buchmesse insgesamt. Das wissen wir natürlich sehr gut.

Aber wenn wir hier in Leipzig im Wettbewerb nicht nur mit anderen Buchmessen sondern auch mit anderen, in den letzten Jahren entstandenen und von uns sogar inspirierten Festivals wie Köln, Berlin, Basel, Wien u. a. bestehen und wahrgenommen werden wollen müssen wir, wie das unsere Wettbewerber ebenfalls tun, in unser eigenes Festival weiter investieren.

Die 25,-€-Gebühr erhebt nun ’verursacherbezogen’ jenseits von Standgebühren aller Aussteller und des Messe-Besuchereintritts einen sehr moderaten Finanzierungsbeitrag von den tatsächlichen Teilnehmern und Nutznießern am Festival. Das niemand von zusätzlichen Gebühren begeistert ist, ist uns klar. Aber vor dem Hintergrund des oben beschriebenen, zwingend notwendigen Interessensausgleichs halten wir es für die transparenteste der möglichen Lösungen.

Damit viele am Programm teilnehmen können und diese Besonderheit, die uns gegenüber jedem anderen Festival abgrenzt, auch erhalten bleibt, braucht es im Einzelfall Begrenzung. Das sind unsere Beweggründe in dieser sicher nicht ganz einfachen Angelegenheit."

www.leipziger-buchmesse.de

www.poetenladen.de


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