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Kulturetat 2009: Die ersten Botschaften erreichen die Spielstätten

Michael Freitag
Logo Cammerspiel e. V.
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"Cammerspiele geschlossen – Spielplan ausgesetzt.“ so lautete in einer gestern versandten Pressemitteilung das traurige Credo des Tages seitens des Cammerspiele Leipzig e. V.. Der erste Zahlenwind dringt allmählich auch für die Einzelbudgets der Leipziger Häuser aus den Rathausritzen und der Connewitzer Theaterverein hatte sich große Hoffnungen auf mehr Geld gemacht.

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Sehr viel mehr, als es mit 1.000,00 Euro noch in diesem Jahr 2008 war. Nun sieht man an der Spielstätte im Werk 2 das Aus vor Augen. Dazu Jan-Henning Koch (Cammerspiele) im Interview.

Es wird wohl nicht die letzte Enttäuschung für die Soziokultur in Leipzig bleiben, sehr hoch waren und sind die Erwartungen an die kommenden Finanzmittel seitens der Stadt. Auf der einen Seite ein einzelner Förderantrag über knapp 63.000 Euro vom Cammerspiele Leipzig e. V. und auf der anderen Seite ein Kulturamt, welches noch nicht begonnen hat, das Geld einfach gleich selbst zu drucken. Womit es aber scheinbar bereits in Arbeit zu sein scheint, ist die Neubewertung der Leipziger Szenelandschaft. Nur ist man derzeit nicht bereit, grundlegende Schritte zu wagen. Der Verschiebebahnhof Kulturetat hat so manchen Staubmutzel angesetzt.

So vergaben nach inoffiziellen Quellen die Hüter des Geldes bislang geplant, an die Cammerspiele Leipzig e.V. 6.000,00 Euro für 2009. Nach Auskünften des Theatervereins wären aber mindestens 30.000 Euro vonnöten, um den mühevoll und ehrenamtlich aufgebauten Betrieb im Leipziger Werk 2 fortzuführen. Darüber hat man eindringlich mit der Verwaltung im Sommer 2008 gesprochen.

Nun hat man erstmal den Spielbetrieb eingestellt, sicher auch, um zu demonstrieren, dass ein Ende der Geduld erreicht ist. Schluss und die Schuld trägt in den Augen der Macher um Vereins-Vorstand Jan-Henning Koch – das Kulturamt.

Mion mein Mio
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Bild: Cammerspiele e. V.

Es ist und bleibt wohl trotz dieses Einzelproblems eher eine generelle Frage, wie viel Kultur wir uns leisten können. Die Perspektive der jeweiligen Theater-, Kunst- und Soziokulturvereine ist klar. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Vielfalt und Lebensqualität in Leipzig. Und nicht alle Kunst lässt sich verkommerzialisieren, wie es vielleicht bei Rockkonzerten geht, wenn große Mobilfunkgesellschaften Musiker übers Land schicken.

Gerade Theater ist und bleibt ein Zuschussgeschäft, das zeigen auch die hohen Geldmittel, mit denen auch im nächsten Jahr das Leipziger Schauspiel oder besser Centraltheater gestützt werden wird. Halt Stopp. Nicht wieder die alte Neiddebatte. Betrachtet man den Verschiebebahnhof Kulturetat und mehr ist er auch trotz der kommenden Erhöhung von 2,5 oder doch besser 3 Prozent für die Soziokultur nicht, stellt sich auch angesichts des aktuellen Beispiels eine eher grundsätzliche Frage.

Vielleicht wäre es zum Beispiel mal ein guter Anfang, folgendes zu tun: Offenlegung der Entscheidungskriterien, welche innerhalb der Verwaltung angelegt werden, wenn es um die Fördermittel geht, breitere Diskussionen bereits im Entscheidungsprozess und vor allem: ein offenerer Umgang mit alten Zöpfen und gewachsenem Unsinn.

So stellt sich dann auch jenseits des Neides, die Frage, warum die vier größten Leipziger Kabaretts jährlich mit je rund 7.500 Euro gestützt werden, wo der Spielbetrieb der Häuser mit Leipzigern und Touristen, samt Gastspielbetrieb nun nach der Aufbauphase vernünftige Einnahmen abwirft. Und selbst wenn es auch im Kabarettbetrieb noch saisonale Dellen gibt, spielen gegenüber den Jahres-Gesamtumsätzen diese kommunalen Zuschüsse eigentlich keine Rolle mehr.

Sogar einer Lachmesse, welche seit Jahren erfolgreicher läuft, als so manch anderes Festival in der Stadt und manchmal wie eine durchaus positiv zu sehende Leistungsschau der Kabarett- und Comedyspitzen anmutet, werden noch 5.000 Euro im Jahr nachgeworfen. Macht in der Summe runde 35.000 Euro, die an anderer Stelle händeringend gebraucht werden, damit stabile Strukturen überhaupt erst entstehen können. Die gleichen 35.000 Euro sind, werden sie zum Beispiel sinnvoll eingesetzt, so viel wert wie an anderer Stelle 100.000.

Überhaupt ist das die Stelle, an der man den Sinn von Kulturförderung nochmals offen und klar diskutieren sollte. Ist es Hilfe zur Selbsthilfe oder bei manchen Etats, welche nie wirklich in Frage gestellt werden, einfach nur noch ein wenig Opium zum Wohlfühlen?

Statt – siehe auch die Klage des Cammerspiele Leipzig e. V. – launige Einzelgespräche der Verwaltung mit einzelnen Vereinen im Sommer eines Jahres und dann eine Entscheidung, welche in dreierlei Richtungen spaltet: Die Vereine konkurrieren quasi untereinander um den Etat, die Verwaltung kann den Wünschen scheinbar nie gerecht werden und eigentlich fühlen sich die Kulturmacher vor allem in den geweckten Erwartungshaltungen betrogen und empfinden die Verfahren allzu oft als Zeichen fehlenden Respekts vor ihrer Arbeit.

Und so kommt es dann zu diesen Wortmeldungen seitens Jan-Henning Koch & Susann Koch, beide Vorstand des Cammerspiele Leipzig e. V.: „Nach unseren Anstrengungen der vergangenen Monate und Jahre, gab es im Juli aussichtsreiche Gespräche mit der Leitung des Kulturamtes der Stadt Leipzig (namentlich Frau Kucharski-Huniat, Frau Heuer) über die finanzielle Situation der Cammerspiele. Eine ausreichende finanzielle Unterstützung für einen gesicherten Fortbestand wurde uns versprochen. Die Arbeit der Cammerspiele und die Relevanz für die Stadt Leipzig wurden vom Kulturamt gewürdigt. Alles warme Luft, so scheint es.“

Auch wenn es kein Zeichen für mangelnden Respekt ist, dass der Etat der Cammerspiele leipzig e. V. immerhin von 1.000 auf 6.000 Euro erhöht werden soll – wer hat ihnen jedoch das Gefühl gegeben, dass es durchaus auch hätten 30.000 werden können?

Game Over
Game Over
Bild: Cammerspiele e. V.

Aktuelles L-IZ-Interview mit Jan-Henning Koch (Vorstand des Cammerspiele Leipzig e. V.)

Ist es richtig, dass der Cammerspiele e.V. im gerade zu Ende gehenden Jahr 1.000,00 Euro Fördersumme von der Stadt Leipzig / Kulturamt erhalten hat?

Das ist richtig. Die Cammerspiele hatten für 2008 allerdings einen instiutionellen Förderantrag über 50.000,- gestellt, der abglehnt wurde. Die 1000,- Euro wurden für lediglich ein einziges Projekt bewilligt. (Weitere eingereichte Projektanträge blieben gänzlich unberücksichtigt). Die Cammerspiele haben daraufhin Widerspruch eingelegt, infolge dessen kam es zu den Gesprächen mit dem Kulturamt und es wurden den Cammerspielen von Seiten des Kulturamtes ausreichende Fördergelder für 2009 in Aussicht gestellt.

Wie kommt es zu der Steigerung des Bedarfes auf 30.000 Euro für 2009 (selbst die 6.000 Euro sind bereits eine Versechsfachung der Fördersumme)?

Die beantragte Summe (Kulturamt) für das gesamte Jahr 2009 beläuft sich auf 63.000,-. Mindestens 30.000,- sind für die Weiterführung des Theaterbetriebes von Nöten. Seit zwei Jahren kommunizieren wir, dass wir ohne ausreichende Fördergelder das organisationstechniche Niveau und die Qualität der Veranstaltungen nicht mehr gewährleisten können und keine ausreichende Perspektive für uns sehen, die Cammerspiele auf einen festen Sockel zu stellen. Die Cammerspiele haben sich über die Jahre zu einer festen in der Leipziger Freien Szene entwickelt, werden professionell geführt und sind mit ihren Produktionen auf einem kontinuierlich hohem Niveau angelangt. Die ABM-Stellen für Kulturmanagement und Öffentlichkeitsarbeit werden ab 2009 nicht mehr bewilligt. Das ehrenamtliche Engagement vieler ist seit langem über die Maßen ausgeschöpft.

In der Stadt wird gerade durch die von den Stadträten vertretenen Parteien versucht, die generelle Fördersumme von 2,5 auf 3 Prozent – entgegen dem Verwaltungsvorschlag, welcher bis Mitte Dezember beraten wird – anzuheben. Glaubt der Cammerspiele e. V. nicht, dadurch auch eine höhere Förderung für 2009 zu erhalten?

Die Anhebung von 2,5 auf 3 Prozent ist noch lange keine beschlossene Sache. Ein interfraktioneller Antrag zu dem Vorhaben ist noch nicht beim Stadtrat eingereicht worden. Allgemein ist dazu zu vermerken: Wir haben uns sehr lange Zeit aufs Glauben und Hoffen verlassen, können es aber nicht mehr und brauchen eindeutige Aussagen von Seiten der Stadt in Bezug auf den Fortbestand der Cammerspiele. Unsere Beteiligung bei Aktionen von "5 für Leipzig" etc. war die letzten Monate sehr groß und wir hatten nach den guten Gesprächen mit Frau Kucharski-Huniat und Frau Heuer sowie den einzelnen Fraktionen des Stadtrates große Hoffnungen, die nun zunichte gemacht wurden.

Cammerspiele Leipzig e. V.
Kochstr. 132 im Werk II
04277 Leipzig

Tel./Fax.: 0341 3067606
Internet: www.cammerspiele.de


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