Wer sich mit "Agile Knowledge Engineering and Semantic Web (AKSW)" beschäftigt, der darf sich auch einmal erlauben, eine "Partner"-Site mit dem platten Spruch zu hinterlegen: "You aren't allowed to read this page." So geheimnisvoll gibt sich ein Forschungsprojekt der Uni Leipzig.
Eben jenes AKSW, in dem man sich eingehend mit der Programmierung "kluger Software" beschäftigt und auch gern vom Web 2.0 schwärmt. Auf englisch, versteht sich. Oder versteht sich auch nicht. Auch nicht, wenn man davon ausgeht, dass die Programmiererwelt derzeit zumeist Englisch spricht.
Denn programmiert wird in Leipzig und die klugen Jungs sitzen in der Johannisgasse (AKSW) und in der Nonnenstraße. In letzter hat die TYPO3 Spezialagentur Netresearch ihren Sitz. Und wenn die nicht ab und zu eine Pressemitteilung herausgäbe, würde man in Leipzig nicht allzu viel erfahren über die Projekte des AKSW.
Oder einmal so gefragt: Warum "versteckt" man eine Partner-Site? Welcher Partner soll da nicht entdeckt werden?
Wenn einer versteckt ist. Auch das ist möglich.
Eines aber ist offenkundig, wenn man sich mit semantischen Web-Tools beschäftigt: Dergleichen interessiert den Otto Normalnutzer vorerst recht wenig, die meisten Firmen (vorerst) überhaupt nicht. Ein paar Gurus der Web-Welt auf jeden Fall, denn es ist ein herrliches Thema zum Schwafeln und Träumen: Eine Web-Welt zu bekommen, in der man mit semantischen Algorithmen alles mit allem verknüpfen kann. Davon träumen auch Microsoft und Google. Denn das schafft Möglichkeiten ...
Und wer noch einen Schritt weiterdenkt, dem fallen dann ganz schnell einige staatliche Institutionen nicht nur in der Bundesrepublik ein, für die solche Verknüpfungs-Algorithmen ein gefundenes Fressen sind. Und dabei muss man nicht einmal an die Durchleuchtungswut von Deutscher Bahn oder Telekom denken. Auch wenn es im Programm von AKSW auch schon ein DBpedia gibt. Aber das hat mit der Deutschen Bahn eher nichts zu tun, dafür viel mit Wikipedia, das den Programmiern viel zu eng und zu einfältig in der Verknüpfung von Daten ist, die miteinander zu tun haben, auch wenn man es auf den ersten Blick nicht sieht.
Doch aktuell bekam AKSW – gemeinsam mit Netresearch und zwei weiteren Leipziger Unternehmen – einen sechsstelligen Forschungsetat vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) für die Weiterentwicklung der semantischen Web-Anwendung “OntoWiki“.
OntoWiki ist eine von den AKSW-Jungs entwickelte "semantische Kollaborationsplattform, die das gemeinsame Erstellen, Strukturieren, Suchen und Veröffentlichen von Daten ermöglicht".
So erklärt Netresearch den Spaß. Wobei ein paar ernste Herren schon bei dieser Beschreibung runde Augen bekommen dürften. Denn wenn man das schafft – eine gemeinsame Plattform zu schaffen, auf der Daten aus unterschiedlichsten Quellen veröffentlicht, strukturiert und über semantische Suchbegriffe auch gefunden werden können, dann ...
... braucht das Bundeskriminalamt keinen Super-Computer mehr. Dann hat Europol endlich eine Suchmaschine, die Sprachen überwindet.
Nur mal als Beispiel. Natürlich interessiert auch Wissenschaftler so eine Plattform, wenn alle verfügbaren wissenschaftlichen Datenbanken darüber verfügbar sind.
Im Programmierer-Deutsch: "Im Mittelpunkt steht die semantisch strukturierte Darstellung von Inhalten im World Wide Web. Zum Beispiel werden Orte automatisch mit Personen oder Ereignissen verknüpft und können direkt auf der Website neu editiert werden."
So, wie Suchmaschinen eben ihre Treffer auflisten. Ein spannendes Projekt, das schon in seiner unfertigen Variante viele Nutzer interessiert. Die Anwendung wird im Durchschnitt bereits 700 mal pro Monat heruntergeladen. Das ist laut Dr. Sören Auer von der Forschungsgruppe AKSW am Informatik Institut der Uni Leipzig, ungewöhnlich hoch für eine Software, die noch nicht für den Endkunden bestimmt ist.
Aufgrund dieses Erfolges und des hohen Innovationspotentials bewilligte das BMBF ein Projekt zur Weiterentwicklung von OntoWiki zu einer regionalen Technologieplattform. Bestehende Software-Anwendungen für Endanwender sollen um eine Semantic-Web-Komponente und soziale Netzwerkfunktionalität erweitert werden. Netresearch beteiligt sich als Spezialist für TYPO3 am Forschungsprojekt.
„Unser Ziel ist, die Möglichkeiten des semantischen Wikis OntoWiki zu erweitern und mit TYPO3 zu kombinieren. Aus unserer Sicht hat OntoWiki das Potential, sich zu einer Basissoftware für das Soziale Semantische Web oder Web 3.0 zu entwickeln", zeichnet Netresearch-Geschäftsführer Thomas Fleck ein wenig die Zukunftsvisionen. "Es ist spannend, an der Zukunft des Internets mit zu forschen."
"Durch die Förderung würdigt der Bund das Potential der Region Leipzig auf dem Gebiet der Informationstechnologie", erklärt er noch. "Die Universität Leipzig und insbesondere das Institut für Informatik genießt weltweit einen hervorragenden Ruf. Synergien mit der freien Wirtschaft zu fördern, ist genau der richtige Schritt, um die Region im Wettbewerb nach vorne zu bringen.“
Das Projekt wird mit Fördergeldern in sechsstelliger Höhe unterstützt und ist auf zwei Jahre ausgelegt.
www.aksw.org
Netresearch