Ein hart umkämpfter Markt: Verleger Jonas Plöttner im Interview
Matthias Weidemann
27.02.2011
Jonas Plöttner.
Foto: Matthias Weidemann
Noch ist es fast einen Monat hin bis zum literarischen Frühjahrsereignis 2011, doch die Leipziger Buchmesse wirft natürlich lange Schatten. Schon jetzt meint man das geschäftige Brummen und Summen, das akustische Wirrwarr der vielen Messebesucher in den Ausstellungshallen hören zu können.
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Betriebsamkeit, Hektik aber genauso Vorfreude herrschen natürlich auch in den Leipziger Verlagshäusern. Ein Verleger, der jetzt schon dem anstehenden Lese- und Literaturfestival entgegen fiebert ist Jonas Plöttner, Leiter des noch relativ jungen, in Gohlis ansässigen, Plöttner Verlags. Im L-IZ-Interview verrät er, was ihn und sein Team jetzt so umtreibt.
Wie viele Buchmessen haben Sie bisher als Verleger miterlebt?
Wir sind jetzt im sechsten Jahr, also sind wir seit 2005 dabei. Und einmal waren wir auch Frankfurt.
Wie bewerten Sie Ihre Auftritte im Rückblick?
Ich denke, dass wir uns schon entwickelt haben und, dass es uns gelungen ist, jedes Jahr eins draufzusetzen. Sowohl inhaltlich als auch quantitativ haben wir uns vergrößert. Letztes Jahr haben wir dann einen eigenen, meiner Meinung nach richtig tollen Stand aufbauen lassen. Den hat ein Freund von uns entworfen. So um die 11 Quadratmeter. Also relativ groß, wenn man die Verhältnisse auf solchen Messen kennt. Der ist auch sehr gut angenommen worden.
Die Leipziger Buchmesse gilt, anders als ihre sehr auf Kommerz ausgerichtete „große Schwester“ in Frankfurt am Main, als ein Markt für Kontakte, Lesungen und mit Autoren zum Anfassen und Zuhören.
Das gilt auch für uns. Wir gehen nicht dahin, um jetzt wahnsinnig viele Bücher zu verkaufen. Das funktioniert nicht. Das Ziel muss sein, dem Leser, den Medien zu zeigen, dass es hier einen Verlag gibt, der inhaltlich gute und originelle Sachen hervorbringt und Autoren vorstellt. Wir machen auch große Verlage auf unsere Veröffentlichungen aufmerksam, die dann auf diese Weise die Chance bekommen, mal in einem großen Haus als Taschenbuch oder Lizenzbuch unterzukommen.
Verleger Jonas Plöttner.
Foto: Matthias Weidemann
Wo sehen Sie Ihre spezielle Nische?
Das sind zum Beispiel Bücher aus den Bereichen der Kunst und der Kulturgeschichte, Sachen, an die andere Verlage so leicht nicht heran kommen. Als Beispiel nenne ich mal Tübke und Mattheuer. Die Beiträge zur Leipziger Kunstgeschichte sind auch von uns. Und zum Beispiel arbeiten wir sehr eng mit dem Leipziger Institut für Kunstgeschichte zusammen. Wir haben letztes Jahr den ersten Almanach der Buchwissenschaft „Flachware“ heraus gebracht. Der nächste kommt im Herbst heraus. In diesem Almanach bekommt man einen Eindruck von dem großen Spektrum rund um die Buchwissenschaft und einen Einblick in die Arbeit mit dem Thema selber.
Sicher wissen Sie schon, wie sich Ihr Auftritt bei der anstehenden Buchmesse gestalten wird?
Ja, wir werden wieder ein bisschen größer. Das steht auf jeden Fall schon fest. Wir haben dieses Jahr 16 Quadratmeter angemietet.
Und was findet der interessierte Messebesucher auf diesen 16 Quadratmetern?
Wir haben uns dieses Jahr vermehrt jungen, aufstrebenden Autoren gewidmet. Wir müssen natürlich auch auf die Kosten achten. Also schauen wir genau nach, ist das auch Literatur, die auf diesem völlig überfrachteten, deutschen Markt eine Chance hat, dass wir das reinschieben können. Deshalb prüfen wir genau, welche Literatur das ist, wie die Sprache ist. Ich denke aber, dass wir wieder ein paar ganz gute Sachen gefunden haben. Da ist zum Beispiel Lena Hach mit einer Sammlung von Kurzgeschichten. Sehr, sehr ansprechend.
Die Hochzeit der Kurzgeschichte ist eigentlich vorbei. Woran liegt das Ihrer Meinung nach? Denn gerade die Kurzgeschichte wird schließlich in der Literatur als eine Art Königsdisziplin angesehen.
Na, sagen wir mal so. Vorher kommt noch das Gedicht. Es gehört größte Begabung dazu, ein gutes Gedicht zu schreiben. Dann kommt die Kurzgeschichte. In ihr muss ich einen riesigen Spannungsbogen unterbringen. Dazu gehört schon großes Geschick.
Warum?
Jonas Plöttner: Leipzig ist stark in seiner Fülle ...
Foto: Matthias Weidemann
Weil man ein großes Sepktrum auf kleinstem Raum unterbringen muss. Ich selber lese auch gerne mal eine Kurzgeschichte. Aber wenn ich schon mal die Zeit habe, mich mit einem Buch hinzusetzen, dann brauche ich ein dickes Buch, an dem ich mich lange aufhalten kann.
Oder, in dem Sie sich lange aufhalten können...
Ja, das ist gut formuliert. Deshalb lese ich gerne Bücher, die so an die 1.000 Seiten haben. Eine Kurzgeschichte ist eben von Natur aus auch flüchtiger in unserem Kopf, bleibt nicht so lange haften. Und dann passiert es, dass man sich in den Inhalt, in die Protagonisten verliebt, und nach drei oder vier Seiten ist die Geschichte schon zu Ende. Man ist aufgewühlt und kann nicht weiterlesen. Da hat der Roman natürlich Vorteile.
Wie sehen Sie als Verleger die Situation Leipzigs als Buchstadt?
Da muss man auch überlegen, was die Stadt will. Ist es überhaupt wichtig, diesen Ruf Leipzigs als Buchstadt, die sie einmal war, wiederzuerlangen? Leipzig hat soviel aufzuweisen, dass dies gar nicht mal mehr so dringlich ist. Leipzig ist stark in seiner Fülle und muss sich nicht aufs Verlagswesen verlassen. Leipzig sollte sich als Stadt von der Ausrichtung her nicht so sehr einschränken und sich nicht verzetteln.
Wir werden demnächst eine Niederlassung in London eröffnen, werden uns weiter mit Musikgeschichte befassen. Die erfolgreiche Ausgabe von „Schillerndes Dunkel“ (Buch über die Gothic Szene, d. Red.) wird dann auch auf Englisch erscheinen. Die Bücher für den englischen Markt produzieren wir selber und übergeben sie dann an einen englischen Verlag für den Vertrieb. Den Mut, man kann auch sagen, Leichtsinn, muss man als Verleger haben und auch mal den einen oder anderen Verlust einkalkulieren. Das gehört dazu.
Sie gehen in das siebte Jahr als Verlag. Was gehört dazu, im hart umgekämpften Markt zu überleben?
Wichtig ist, dass man als Verleger eine belastbare, also genügend große Backlist an Büchern hat. Eine ordentliche Backlist aufzubauen ist sehr schwierig. Das ist sozusagen die literarische Substanz, von der man leben kann. Da muss man einen entsprechenden Buchbestand aufbauen. Hat man das nicht, geht schnell alles in die Brüche. Und wenn wir das alles, was wir uns für dieses Jahr vorgenommen haben, durchziehen, stehen wir schon wieder viel besser da. Dabei haben wir schon in 2010 schwarze Zahlen geschrieben. Klar, kann es noch besser werden. Man muss eben Mut haben und etwas finden, was nicht 20 andere Verlage auch schon gemacht haben. Da wollen wir hin.
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