Drohende Kostenexplosion: Leipziger Wohnungsgenossenschaften kritisieren Regelungen zur energetischen Gebäudesanierung
Gernot Borriss
27.12.2011
Service-Stelle der Unitas in Grünau.
Foto: Gernot Borriss
Die vier Leipziger Plattform-Wohnungsgenossenschaften schlagen Alarm. Die Mehrkosten der Regelungen zur Energetischen Gebäudesanierung führten „streng genommen“ zur sozialen Segregation der Mieter oder zum wirtschaftlichen Ruin der Genossenschaften. Von „Wahnsinn“ spricht Plattformmitglied Martina Wilde. Teil II des L-IZ-Gespräches.
Anzeige
Die vier in der Plattform „wohnen bei uns“ zusammengeschlossenen Leipziger Wohnungsgenossenschaften blicken mit Sorge auf die Regelungen zur energetischen Gebäudesanierung. „Das, was die Wohnungsgenossenschaften als ‚jetzige Stabilität‘ bezeichnen, ist das Ergebnis eines mühsamen und langen Konsolidierungsprozesses“, erinnert Michaela Kostov, Vorstand der Vereinigten Leipziger Wohnungsgenossenschaft VLW, an den harten Weg der letzten beiden Jahrzehnte.
Auf die Regulierung der so genannten „Altschulden“ aus DDR-Zeiten folgte noch in den 1990er Jahren die Aufnahme neuer Kredite, insbesondere zur energetischen Modernisierung des Gesamtbestandes. „Diese Modernisierungen der einzelnen Genossenschaften konnten nur mit enormem finanziellem Aufwand erreicht werden, der die Unternehmen noch über Jahre belasten wird“, so Kostov weiter.
Auch in Leipzig wurde dem Wohnungsleerstand mit Abriss begegnet, der offiziell „Rückbau“ hieß. Diese marktstabilisierende Maßnahme haben nach Angaben der VLW in der Messestadt hauptsächlich die LWB und die Genossenschaften geschultert, durch den Abriss von mehr als 16.000 Wohnungen. Diese Entwicklung lief „auf Kosten der Substanz und der wirtschaftlichen Ergebnisse der LWB und der Genossenschaften – zugunsten der restlichen Eigentümer und Bauträger“, unterstreicht Kostov.
Martina Wilde (Unitas), Ralf Schädlich (BGL), Michaela Kostov (VLW, vlnr.)
Foto: Gernot Borriss
„Verschärft wird diese Situation durch die Politik der Stadt Leipzig bei der Stadtentwicklung, insbesondere der Ausweisung neuer innerstädtischer Baugebiete und Genehmigungen für das Entstehen weiteren Wohnraums“, kritisiert die VLW-Frau aktuelle Entwicklungen und vermisst „greifbare Lösungsansätze im Umgang mit diesem Wohnraumüberhang“.
„Die Regularien zur Gebäudesanierung, insbesondere die geplante Verschärfung der Energie-Einsparverordnung EnEV 2012, stellen die Genossenschaften darüber hinaus nun erneut vor weitestgehend politisch gesetzte finanzielle Zwänge enormen Ausmaßes“, fasst Kostov die Situation zusammen.
Martina Wilde, Plattformmitglied und Vorstand der WG Unitas, spricht in diesem Zusammenhang schlicht von „Wahnsinn“. Durch die neue EnEV 2012 würden sich die energetischen Anforderungen um erneute 30 Prozent gegenüber der EnEV 2009 verschärfen.
VLW-Bestand in Kleinzschocher.
Foto: Gernot Borriss
Dabei ist sie sich der Verantwortung der Immobilienwirtschaft für die Energiewende und den Klimaschutz sehr wohl bewusst. „Das Problem ist nur: Unsere Bestände sind alle in den letzten fünfzehn Jahren saniert worden und haben insbesondere hier in Ostdeutschland ein hohes energetisches Niveau erreicht“, betont Wilde.
Das bleibe bei der EnEV 2012, die auf EU-Vorgaben aus Brüssel beruht, außer Acht. „Wir werden, wenn wir etwas am Gebäude machen wollen, in die erneute energetische Sanierung gezwungen, obwohl die Gebäude saniert sind und noch die Kreditlast aus der vorhergehenden Sanierung nicht getilgt ist“, schimpft Wilde, „das ist Wahnsinn.“
So oder so: Energetische Sanierung kostet Geld. Für die Genossenschaften ist dabei klar: Die Last trägt zunächst der Mieter. Die Minderung der Energiekosten schlage erst zeitversetzt zu Buche. „Das bedeutet streng genommen – soziale Segregation durch energetische Sanierung oder wirtschaftlicher Ruin durch Kosten, die über real zu erzielende Mieten nicht wieder eingespielt werden können“, beschreibt Martina Wilde absehbare Folgen.
„Am Ende bleiben die noch nicht sanierten Objekte unberührt“, ergänzt Ulrich Dietel, Vorstand der Baugenossenschaft Leipzig BGL. Diese hätten oftmals auch jetzt schon einen hohen Leerstand. Und sie hätten nach der Sanierung erst recht einen hohen Leerstand, "weil zu teuer". Wenn ein solches Objekt noch dazu im „Stabilisierungskern“ des Stadtumbaus stehe, könne man es nach Willen der Stadt nicht einmal abreißen, fährt Dietel fort. Da könne man nur noch den Hausbestand stilllegen und die Eingänge vernageln.
„Das ist völlig absurd“, klagt Dietel. Deshalb betont der BGL-Vorstand, dass „die tatsächliche Energiekosteneinsparung vor allem bei bereits vermieteten Objekten nicht über den Kosten für EnEV 2012-Modernisierungen liegen wird“. Damit seien diese sowohl für den Mieter als auch den Eigentümer unwirtschaftlich.
„Es gibt nur zwei Wege“, sagt Bela Hambuch, Vorstand des Plattformmitgliedes Wogetra: Entweder werde die Gesetzgebung differenzierter auf die regionalen Besonderheiten in den einzelnen EU-Ländern abgestimmt. Oder die Politik, insbesondere die Bundesregierung, begreife, dass Klimaschutz ein gesamtgesellschaftliches Anliegen ist und nicht allein durch die Wohnungswirtschaft oder die Mieter bezahlt werden könne.
Deshalb plädiert Hambuch für eine „gezielte Förderung – in die Zukunft unserer Städte und Kommunen und nicht für die Subvention von toten Branchen“.
„Nach der Veröffentlichung der Umfrage zum Image Sachsens in der Bundesrepublik wurde vor allem eines deutlich: Die Bürger sehen die Probleme, die die Staatsregierung gerne weg redet", stellt Martin Dulig, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, zu den am Mittwoch, 23. Mai, vorgestellten Ergebnissen der deutschlandweiten Umfrage zum Image Sachsens in Deutschland fest. mehr…
Ein Schuss in den Ofen war's. So jedenfalls sehen es die sächsischen Jusos. Am Montag, 21. Mai, veröffentlichte das Sächsische Landesamt für Statistik die Zahlen für die vergebenen Deutschlandstipendien im Jahr 2011. Ganze 297 waren es. Danach ist die Landesregierung selbst an ihren – schon geringen Maßstäben – gescheitert, stellt Tino Bucksch, Vorsitzender der Jusos Sachsen, fest. mehr…
Die sächsische Staatsregierung ist ja höchst besorgt um das Bild von Sachsen - nach innen und nach außen. Also hat sie mal wieder eine Image-Befragung durchführen lassen, 4.000 Leute befragen lassen durch die GMS Dr. Jung GmbH, 1.000 in Sachsen selbst, 1.000 im Rest von Ostdeutschland, 2.000 im Westen. Eigentlich eine Befragung, die die schöne Erkenntnis bestärkt: Nehmt euch nicht so wichtig. mehr…
Der Wald steckt voller Zeichen: Hinweisschilder für Gasleitungen, Wanderwege, Graffiti oder Markierungen an Bäumen. Alles hat – meistens – seinen Sinn. Die erleb-bar hat viele dieser Symbole entschlüsselt und die Ergebnisse in einer neuen Geocaching-Tour zusammengestellt. mehr…
Der erste Quartalsbericht für 2012 ist da. Die vierteljährliche Krankenstandsmeldung des Amtes für Statistik und Wahlen für die Stadt Leipzig. Lebt der Patient noch? Ist er gar auf dem Weg der Besserung? - Die Zahlenbasis wird immer unsicherer. Doch die neuen Zahlengrundlagen aus dem Zensus 2011 gibt es erst 2013. Oder gar erst 2014, befürchtet Peter Dütthorn. mehr…
Die Kinderpolizei der Agentur Schutzengel eröffnet pünktlich zum Kindertag 2012 – am 1. Juni – ihre erste Polizeiwache auf sächsischem Boden. In den Räumen der integrativen KITA Grünschnabel des Kinderschutzbundes Leipzig (Oststraße 185) wird die erste sächsische Kinderpolizeiwache ihren Platz finden. mehr…
Hört oder liest man ein Märchen nur mit dem logischen Verstand - dann will und wird so manches nicht zusammenpassen. Doch auch Herz und Phantasien lesen mit und dies ist das Entscheidende. Gerade bei Kindern nehmen Phantasien in den Gedanken den größten Raum ein. So dient das Märchen als Spiegel ihrer Erfahrung, Ängste, Wünsche und Träume. mehr…
"Neue Schulen braucht die Stadt". Zu diesem Thema lädt die Leipziger SPD Jugend am Donnerstag, 24. Mai, ab 19:00 Uhr in die SPD Geschäftsstelle (Rosa-Luxemburg-Straße 19/21) ein. Gemeinsam mit dem Leipziger Landtagsabgeordneten Holger Mann wird über den Neu- und Ausbau sowie die Sanierung von Schulen in Leipzig diskutiert. mehr…
Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) hat am 22. Mai während einer Bilanzpressekonferenz auf das letzte Jahr zurück geblickt und gleichzeitig eine Vorausschau gewagt. Die besagt, dass man eine weitere Milliarde Euro benötigen wird, um die LMBV-eigenen Bergbaufolgelandschaften zu rekultivieren. mehr…
Unter dem Motto „Von Panitzsch bis Paris“ sind ab 27. Mai in der Kirche Panitzsch Bilder in Öl von Margitta Pötzsch zu sehen. Zur Vernissage und zum Galerierundgang mit der Leipziger Künstlerin wird am Pfingstsonntag um 17 Uhr herzlich eingeladen. mehr…
Am Donnerstag, dem 7. Juni, lädt der Swingin'LE Tanzklub wieder zum kostenlosen Schnupperkurs ein. Swing und Lindy Hop im Rhythmus der 30er und 40er Jahre, als Amerika noch ein unbeschwertes Lebensgefühl hatte. Der einstündige Kurs beginnt 19:00 Uhr. mehr…
Am 25. Mai geht's los, dann überschwemmen wieder Menschen in schwarzen und bunten Kostümen die Stadt, duften nach Patschuli, geben sich betont lässig, obwohl sie völlig aufgewühlt sind. Zu Pfingsten ist Leipzig wieder Schauplatz des Wave Gotik Treffens. Der Plöttner Verlag ist dabei. Unter anderem mit dem dicken Buch zu "Death in June" von Aldo Chimenti. Der Besucher wird an seinem Stand auf dem agra-Gelände aber auch ein Plakat erstehen können, das durchaus ungewöhnlich ist. mehr…
Von wegen, Strom aus Kohle würde nicht subventioniert und sei deshalb eine preisgünstigere Alternative zu erneuerbaren Energien. Die Kosten werden nur nicht auf den Strompreis aufgeschlagen, die fließen als Subvention - zum Beispiel bei Kosten für die Sanierung der ostdeutschen Braunkohlereviere. Und die werden - wie die LMBV am Mittwoch mitteilen musste - noch höher, als bisher geplant. mehr…
"Fertigstellungstermin des A 72-Abschnitts von Rochlitz bis Borna verschiebt sich auf Sommer 2013", teilte Staatssekretär Roland Werner gemeinsam mit dem DEGES-Geschäftsführer Dirk Brandenburger am Dienstag, 22. Mai, mit. Eine scheinbar beiläufige Meldung im Rahmen eines Großbauprojekts, dessen Planungen und Kosten mittlerweile genauso aus dem Ruder gelaufen sind wie die des Leipziger City-Tunnels. Natürlich hat das Gründe. mehr…
Welche Auswirkungen auf Leipzigs Infrastruktur wird der Citytunnel Ende 2013 haben? Dieser Frage gingen Studierende der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU) im Rahmen von zwei Projekten nach. Im Mittelpunkt ihrer Untersuchungen standen dabei mögliche neue Wegebeziehungen. Die Ergebnisse werden vom 25. Mai bis 15. Juni in der 5. Etage des Neuen Rathauses im Ausstellungsbereich des Stadtplanungsamtes gezeigt. mehr…