Zoo Leipzig zieht Bilanz: Gondwana wurde zum Besuchermagneten - jetzt nehmen die Bären Abschied
Ralf Julke
17.12.2011
Zoodirektor Jörg Junhold.
Foto: Ralf Julke
Den Besucherrekord hatte sich Zoodirektor Jörg Junhold ganz für den Schluss seines Vortrags aufgehoben. Als Bonbon. Denn damit, dass der Zoo Leipzig schon im ersten Jahr von Gondwanaland die 2-Millionen-Marke schaffen könnte, hatte auch er nicht gerechnet. Immerhin eröffnete die Riesentropenhalle ja erst am 1. Juli. Da waren geplante 1,73 Millionen Besuchers fürs Jahr realistisch. Aber dann kam Heidi.
Anzeige
Oder besser: Der Medienhype um die schwarz-weiße schielende Beutelratte, die via Boulevardzeitung und Presseagentur über Weihnachten 2010 zu einem neuen Star am deutschen Tierstar-Himmel wurde. So wie der selige Knut einst in Berlin. Heidi wurde so - sechs Monate vor Eröffnung der Tropenhalle - zu ihrer ersten Botschafterin - mit Gedrängel der übrigen Medienmeute und Auftritt im US-Fernsehen. "Grundsätzlich sind wir gegen jede Schaffung von Tierstars", erklärte Jörg Junhold der deutlich geringer vertretenen Presse zur Jahrespressekonferenz. Die Monate, dass bei ihm am Montagmorgen 50 Presseanfragen zu Heidi auflaufen und 70 Medien sich zum Heidi-Umzugs-Termin ins Gondwanaland anmelden, sind vorbei.
Das possierliche Opossum musste im September wegen Altersschwäche eingeschläfert werden. Und Karl der Komodowaran, hat nicht das Zeug zum Knuddelvieh für PR-Aktionen. Auch wenn es für einen guten Zweck ist - denn die Plüschvariationen des Opossums werden ja für einen guten Zweck verkauft. Heidi ziert auch den Zoo-Kalender 2012. Der Abschied dauert. Und so mancher Journalist aus der Welt der bunten Seifenblasen fragt natürlich immer wieder nach - gibt's den Heidi-Effekt?
Kann natürlich auch Junhold nicht sagen. Und eigentlich sprechen die Besucherzahlen im Zoo auch eine andere Sprache. Am 2. Oktober verzeichnete der Zoo mit 18.000 Besuchern auch einen Tagesrekord. Da musste sogar die Polizei gerufen werden, um die Pkw-Ströme zu kanalisieren. Da reichte auch das neue, am 30. Juni knapp vor Gondwana-Eröffnung abgenommene Parkhaus nicht aus. Für den Normalbetrieb des Zoos reicht es jetzt. Aber was passiert in Spitzenzeiten? Das sind nach den Erfahrungen der letzten fünf Monate vor allem die Mittagsstunden an Feiertagen. Dann sind beide Parkhäuser voll. Da wird spannend, was passiert, wenn die Kongresshalle im nächsten Jahr ihren Betrieb aufnimmt.
Mit Gondwanaland die 2 Millionen geschafft: Zoodirektor Jörg Junhold.
Foto: Ralf Julke
Denn Anfang Dezember wurde ja feierliche Eröffnung des 1. Bauabschnitts gefeiert, der vorrangig mit Geldern aus dem Konjunkturpaket II finanziert wurde. Nun stehen im Nordflügel drei Säle mit einer Kapazität von jeweils 200 bis 300 Plätzen zur Verfügung. Zur Verfügung steht auch das restaurierte Untergeschoss im Südflügel - also direkt am Zoo-Eingang. Dort stehen künftig - neben Ausstellungsräumen - auch ein weiterer Zoo-Shop (wo man Heidis kaufen kann), eine Tourist-Info und zwei weitere Kassen zur Verfügung, die bei großem Ansturm geöffnet werden.
Tatsächlich begonnen wird der Veranstaltungsbetrieb in den fertigen Räumen der Kongresshalle im April, kündigt Junhold an. Und natürlich wolle man das Jahr 2012 auch dazu nutzen, die Pläne für die verbleibenden Teile der Kongresshalle zu konkretisieren. Den Großen Saal gilt es umzubauen und darunter auch ein neues Ausstellungsgeschoss für Kongresse zu schaffen, der Nordflügel mit dem Weißen Saal harrt ebenfalls noch der Bauleute.
Die verstorbene Botschafterin von Gondwanaland: Opussum Heidi.
Foto: Zoo Leipzig
Und auch am Zoo selbst soll weitergebaut werden. Als sich 1998 das Planungsteam um Jörg Junhold an die Arbeit machte, entwarf es einen Masterplan bis zum Jahr 2015. Da war die Eröffnung von Gondwanaland noch 2009 geplant. Das hat sich um zwei Jahre verzögert. Fast vergessen schon, dass auch Kiwara-Savanne, Elefantentempel, Pongoland und ein halbes Dutzend weiterer Projekte Teil dieses auf 110 Millionen Euro kalkulierten Zoo-Umbaus waren, der den Leipziger Zoo Stück für Stück in die Spitzenriege der deutschen Zoos geführt hat. Mit seinen Besucherzahlen der letzten Jahre rangierte er - hinter Berlin, Stuttgart und Hannover - an vierter Stelle unter den besucherstärksten Zoos in Deutschland.
Ursprünglich sollte das Gondwanaland ja Mittelpunkt des Zoos werden - alle vier umliegenden Kontinente vereinen. "Mit der Möglichkeit, das ehemalige Industriegelände an der Pfaffendorfer Straße zu übernehmen, haben sich natürlich ganz andere Möglichkeiten für Gondwanaland ergeben", sagt Junhold.
Das heißt aber auch: Für den ursprünglich vorgesehenen Bauort braucht man jetzt neue Lösungen. Zwei dieser Lösungen werden 2012 erst einmal ein Abschied sein: Im Frühjahr verlassen die letzten Brillenbären die Bärenburg. Das denkmalgeschützte Kleinod, das vor 80 Jahren zu den modernsten Errungenschaften in einem europäischen Zoo gehörte, beendet seinen Bärendienst. "Abgerissen wird die Bärenburg nicht", sagt Junhold. "In jedem einschlägigen Fachbuch ist sie abgebildet. Aber wir werden die Bärenhaltung definitiv beenden. Ein Brillenbär hat schon sein Reiseticket nach Aschersleben gelöst.
Der Gamanil im Gondwanaland.
Foto: Matthias Weidemann
Ende April ziehen auch die Pinguine aus. Ihr Gehege ist baulich genauso desolat wie das der Bären. Es soll eine Übergangslösung geben. "Ganz werden wir auf die Pinguine nicht verzichten", sagt Junhold. Ihr vorläufiges Domizil bekommen sie wahrscheinlich im Gründergarten.
Welche Veränderungen nun im Zoo anstehen, da Gondwanaland nun fertig ist, soll 2012 ähnlich wie 1998 von einer Arbeitsgruppe ausgefeilt werden. Im Herbst 2012 will Junhold dem Leipziger Stadtrat den nächsten Masterplan bis 2020 vorlegen. Dazu soll das, was mit dem alten Masterplan erreicht wurde, auch evaluiert werden.
Ein Erfolg dabei ist auch ein finanzieller: Im Jahr 2000 finanzierte sich der Zoo noch zu 42 Prozent durch Zuschüsse der Stadt. "Diese Quote konnten wir mittlerweile auf ungefähr 11 Prozent senken", sagt Junhold. "Wir werden unser Versprechen einlösen, dass der Stadt durch den Betrieb von Gondwanaland keine zusätzlichen Kosten entstehen." Dazu wurden auch die diversen Restaurants und Veranstaltungsräume im Terrassenbereich der Tropenhalle geschaffen. Sie sind auf Monate hin ausgebucht und schließen damit auch eine Lücke, die bisher im Veranstaltungskalender des Zoos in der kalten und grauen Jahreszeit herrschte. Denn wer würde mitten im Januar oder Februar nicht gern mit Blick auf eine üppige tropische Waldlandschaft feiern?
Dazu braucht man jetzt nicht einmal mehr in die Ferne zu fliegen. Und: "Die Pflanzenwelt in Gondwanaland entwickelt sich prächtig", sagt Junhold. Neue Arbeitsplätze hat die Riesenhalle ebenfalls mit sich gebracht - 155, sagt Junhold. Davon 30 Vollzeitstellen direkt beim Zoo plus 55 Saisonkräfte, außerdem 70 Arbeitsplätze in der Gastronomie und bei den beauftragten Grünflächenfirmen. Gut 40 neue Tierarten sind mit Gondwanaland in Leipzig heimisch geworden.
Nur einer ist lieber ausgebüchst: der Serval, eine afrikanische Kleinkatze, die nachtaktiv ist und eigentlich ein großes Drahtgitter gebraucht hätte, um sie im Gehege zu halten. Junhold: "Das hätte große bauliche Veränderungen in der Halle bedeutet. Da haben wir lieber auf die Haltung des Servals verzichtet.“ Im Moment haben die Agutis das Gehege bezogen. Bis man einen würdigen Nachfolger für die Servals gefunden hat.
Vor dem Hintergrund, dass schon am 15. Dezember 2011 die 2-Millionen-Marke an Besuchern im Zoo Leipzig geknackt wurde, ist das Ziel für 2012 sogar recht vorsichtig gesetzt: 1,95 Millionen Besucher visiert der Zoo an. "Ich denke, der Besucheransturm wird auch ein wenig nachlassen nach den ersten Monaten", sagt Junhold. Und kann auch den Journalisten beruhigen, der sich augenscheinlich brennend nur für Heidi interessiert. Es ist wohl doch Gondwanaland selbst, das zur überregionalen Attraktion geworden ist. "Heidi war eine erstklassige Botschafterin", sagt er.
Jetzt soll sie ausgestopft werden. Vielleicht sieht man die possierliche Beutelratte ja mal wieder.
„Nach der Veröffentlichung der Umfrage zum Image Sachsens in der Bundesrepublik wurde vor allem eines deutlich: Die Bürger sehen die Probleme, die die Staatsregierung gerne weg redet", stellt Martin Dulig, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, zu den am Mittwoch, 23. Mai, vorgestellten Ergebnissen der deutschlandweiten Umfrage zum Image Sachsens in Deutschland fest. mehr…
Ein Schuss in den Ofen war's. So jedenfalls sehen es die sächsischen Jusos. Am Montag, 21. Mai, veröffentlichte das Sächsische Landesamt für Statistik die Zahlen für die vergebenen Deutschlandstipendien im Jahr 2011. Ganze 297 waren es. Danach ist die Landesregierung selbst an ihren – schon geringen Maßstäben – gescheitert, stellt Tino Bucksch, Vorsitzender der Jusos Sachsen, fest. mehr…
Die sächsische Staatsregierung ist ja höchst besorgt um das Bild von Sachsen - nach innen und nach außen. Also hat sie mal wieder eine Image-Befragung durchführen lassen, 4.000 Leute befragen lassen durch die GMS Dr. Jung GmbH, 1.000 in Sachsen selbst, 1.000 im Rest von Ostdeutschland, 2.000 im Westen. Eigentlich eine Befragung, die die schöne Erkenntnis bestärkt: Nehmt euch nicht so wichtig. mehr…
Der Wald steckt voller Zeichen: Hinweisschilder für Gasleitungen, Wanderwege, Graffiti oder Markierungen an Bäumen. Alles hat – meistens – seinen Sinn. Die erleb-bar hat viele dieser Symbole entschlüsselt und die Ergebnisse in einer neuen Geocaching-Tour zusammengestellt. mehr…
Der erste Quartalsbericht für 2012 ist da. Die vierteljährliche Krankenstandsmeldung des Amtes für Statistik und Wahlen für die Stadt Leipzig. Lebt der Patient noch? Ist er gar auf dem Weg der Besserung? - Die Zahlenbasis wird immer unsicherer. Doch die neuen Zahlengrundlagen aus dem Zensus 2011 gibt es erst 2013. Oder gar erst 2014, befürchtet Peter Dütthorn. mehr…
Die Kinderpolizei der Agentur Schutzengel eröffnet pünktlich zum Kindertag 2012 – am 1. Juni – ihre erste Polizeiwache auf sächsischem Boden. In den Räumen der integrativen KITA Grünschnabel des Kinderschutzbundes Leipzig (Oststraße 185) wird die erste sächsische Kinderpolizeiwache ihren Platz finden. mehr…
Hört oder liest man ein Märchen nur mit dem logischen Verstand - dann will und wird so manches nicht zusammenpassen. Doch auch Herz und Phantasien lesen mit und dies ist das Entscheidende. Gerade bei Kindern nehmen Phantasien in den Gedanken den größten Raum ein. So dient das Märchen als Spiegel ihrer Erfahrung, Ängste, Wünsche und Träume. mehr…
"Neue Schulen braucht die Stadt". Zu diesem Thema lädt die Leipziger SPD Jugend am Donnerstag, 24. Mai, ab 19:00 Uhr in die SPD Geschäftsstelle (Rosa-Luxemburg-Straße 19/21) ein. Gemeinsam mit dem Leipziger Landtagsabgeordneten Holger Mann wird über den Neu- und Ausbau sowie die Sanierung von Schulen in Leipzig diskutiert. mehr…
Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) hat am 22. Mai während einer Bilanzpressekonferenz auf das letzte Jahr zurück geblickt und gleichzeitig eine Vorausschau gewagt. Die besagt, dass man eine weitere Milliarde Euro benötigen wird, um die LMBV-eigenen Bergbaufolgelandschaften zu rekultivieren. mehr…
Unter dem Motto „Von Panitzsch bis Paris“ sind ab 27. Mai in der Kirche Panitzsch Bilder in Öl von Margitta Pötzsch zu sehen. Zur Vernissage und zum Galerierundgang mit der Leipziger Künstlerin wird am Pfingstsonntag um 17 Uhr herzlich eingeladen. mehr…
Am Donnerstag, dem 7. Juni, lädt der Swingin'LE Tanzklub wieder zum kostenlosen Schnupperkurs ein. Swing und Lindy Hop im Rhythmus der 30er und 40er Jahre, als Amerika noch ein unbeschwertes Lebensgefühl hatte. Der einstündige Kurs beginnt 19:00 Uhr. mehr…
Am 25. Mai geht's los, dann überschwemmen wieder Menschen in schwarzen und bunten Kostümen die Stadt, duften nach Patschuli, geben sich betont lässig, obwohl sie völlig aufgewühlt sind. Zu Pfingsten ist Leipzig wieder Schauplatz des Wave Gotik Treffens. Der Plöttner Verlag ist dabei. Unter anderem mit dem dicken Buch zu "Death in June" von Aldo Chimenti. Der Besucher wird an seinem Stand auf dem agra-Gelände aber auch ein Plakat erstehen können, das durchaus ungewöhnlich ist. mehr…
Von wegen, Strom aus Kohle würde nicht subventioniert und sei deshalb eine preisgünstigere Alternative zu erneuerbaren Energien. Die Kosten werden nur nicht auf den Strompreis aufgeschlagen, die fließen als Subvention - zum Beispiel bei Kosten für die Sanierung der ostdeutschen Braunkohlereviere. Und die werden - wie die LMBV am Mittwoch mitteilen musste - noch höher, als bisher geplant. mehr…
"Fertigstellungstermin des A 72-Abschnitts von Rochlitz bis Borna verschiebt sich auf Sommer 2013", teilte Staatssekretär Roland Werner gemeinsam mit dem DEGES-Geschäftsführer Dirk Brandenburger am Dienstag, 22. Mai, mit. Eine scheinbar beiläufige Meldung im Rahmen eines Großbauprojekts, dessen Planungen und Kosten mittlerweile genauso aus dem Ruder gelaufen sind wie die des Leipziger City-Tunnels. Natürlich hat das Gründe. mehr…
Welche Auswirkungen auf Leipzigs Infrastruktur wird der Citytunnel Ende 2013 haben? Dieser Frage gingen Studierende der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU) im Rahmen von zwei Projekten nach. Im Mittelpunkt ihrer Untersuchungen standen dabei mögliche neue Wegebeziehungen. Die Ergebnisse werden vom 25. Mai bis 15. Juni in der 5. Etage des Neuen Rathauses im Ausstellungsbereich des Stadtplanungsamtes gezeigt. mehr…