Schieber auf um 23:42 Uhr: Provisorische Fernwärmeleitung seit Montagnacht in Betrieb
Ralf Julke
24.01.2012
In der Montagnacht ging die Leitung in Betrieb.
Foto: SWL
So recht war der Mann, der am Donnerstag auf dem Bahngelände die Ramme bediente, nicht informiert, was da unter seinen Füßen im Erdreich war. Er rammte drauflos und irgendwann blinkten in der Verbundwarte der Stadtwerke Leipzig die roten Lämpchen auf, weil in zwei Leitungen der Druck abfiel. Das war der Auftakt eines Dramas, das die Leipziger bis heute beschäftigt.
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Am Freitag, 20. Januar, als feststand, was da tatsächlich passiert sein musste, gaben die Stadtwerke ihre erste Warnmeldung an die Leipziger heraus. Denn erwischt hatte es den Rücklauf einer Fernwärmeleitung, die über 300 Hausanschlüsse in Mockau, Möckern und Gohlis-Nord anbindet. Da sah auch die Baufirma auf dem Gelände die Beschereung - aus der an zwei Stellen zerstörten Leitung drangen die Wassermassen an die Oberfläche. An zwei Stellen war die Leitung - die ja auch noch von einem eigentlich schützenden Betonmantel umgeben war - vom eingerammten T-Träger zerstört worden. Die benachbarte Vorlaufleitung war zwar auch zwei Mal getroffen worden, doch hier hat es einmal nur das Rohr lädiert, an anderer Stelle wurde die Isolation zerstört.
"Wobei wir das ganze Ausmaß des Schadens noch nicht kennen", sagte Thomas Prauße, Sprecher der Geschäftsführung der Stadtwerke Leipzig (SWL), am Dienstagmorgen, 24. Januar. Man hatte die Presse wieder kurzfristig in die Verbundwarte eingeladen. Diesmal zu einer guten Nachricht: Seit Montag, 23. Janaur, 23.42 Uhr sind die zeitweilig unterversorgten Haushalte im Leipziger Norden wieder ans Fernwärmenetz angeschlossen.
Die provisorische Leitung versorgt jetzt Mockau, Möckern und Gohlis.
Foto: SWL
Waren sie vorher zwar auch. Das Heizwerk Nord-Ost war extra hochgefahren worden, um diese Haushalt mitzuversorgen. Aber für eine Komplettversorgung reicht das nicht, sagt Prauße. Und zeigt sich froh auch darüber, dass es von Freitag bis Montag keinen Frost in Leipzig gab.
So konnte der am Freitag mit der beauftragten Firma Pfeiffer organisierte Plan umgesetzt werden. "Es war die richtige Entscheidung", sagt Prauße. Am Freitag, als noch nicht einmal klar war, wie stark der Schaden an der Fernwärmeleitung unter den Bahngleisen sein würde, hatten sich die Stadtwerke kurzfristig entschieden, eine provisorische Leiptung zu legen, die die Unglücksstelle umgeht - 420 Meter Stahlrohr mussten schnellstens bei den Händlern in ganz Deutschland geordert werden. Am Wochenende wurde dann in 24 Stunden rund um die Uhr gearbeitet, mussten neue Anschlüsse an der bestehenden Fernleitung geschaffen werden, mussten Böschungen überwunden werden. Und man hatte sich mit dem Dienstag einen ehrgeizigen Termin gesetzt.
Das ging nur - so Prauße - weil rund um die Uhr bis zu 30 Leute gearbeitet haben.
Direkt an derf Böschung wurde die provisorische Leitung an die Fernwärmetrasse angeschlossen.
Foto: SWL
"Viele Menschen haben im wahrsten Sinne des Wortes Tag und Nacht daran gearbeitet, dass die Leipzigerinnen und Leipziger in den unterversorgten Stadtteilen wieder eine warme Wohnung haben und das warme Wasser wieder aus der Leitung fließt. Dafür danke ich Allen, die ganz selbstverständlich das Wochenende geopfert und viele Überstunden geleistet haben", sagt Prauße. "Hervorheben möchte ich die sehr gute Leistung der Mitarbeiter der von uns mit der Bauausführung beauftragten Firma Pfeiffer. Sie haben im Zwei-Schichten-Betrieb 24 Stunden rund um die Uhr geschuftet, damit wir unser ehrgeiziges Ziel, alle Menschen in Leipzig bis heute wieder mit Fernwärme zu versorgen, erreichen konnten."
Am Montag gegen 17 Uhr war die provisorische Leitung dann fertig. Sie musste dann noch einmal mit Druckluft getestet werden. Die Schweißnähte waren dicht. Danach wurde die Leitung Stück für Stück befüllt und erwärmt - immer unter Kontrolle des Drucks. Ist ja - wie Prauße sagt - "richtig heißes Wasser in der Leitung". Nach 23 Uhr dann die Bestätigung: Die Leitung ist dicht. Um 23.42 Uhr wurden die Schieber aufgedreht und die Bürger, die in Mockau, Möckern und Gohlis die Zähne zusammen gebissen hatten, bekamen wieder eine warme Heizung.
"Wir sind auf so viel Verständnis gestoßen, wie man es kaum erwarten konnte", sagt Prauße. "Die Menschen wussten, dass wir den Schaden an der Hauptleitung nicht verursacht haben. Wichtiger aber war das immer wieder zum Ausdruck gebrachte Anerkennen unserer Bemühungen, den Schaden zu beheben und die Betroffenen mit ihrem Problem nicht allein zu lassen."
Druckprüfung in der Mintagnacht - die Nähte sind dicht.
Foto: SWL
Hauptverursacher eindeutig: Die Firma, die da mit der Ramme auf dem Bahngelände unterwegs war. "Die hatten alle Zeichnungen von uns. Die Leitung liegt genau da, wo sie laut Zeichnung liegen muss", so Prauße. Das müsse jetzt von der Bahn geklärt werden, wer schuld ist am Malheur. Wie teuer es wird, den Schaden zu beheben, ist noch offen. Mindestens, so Raimund Otto, der kaufmännische Geschäftsführer, eine sechsstellige Summe. "Aber das kaufmännische Erfassen kommt jetzt erst", sagt er. "Wichtig war zuerst nur, die Kunden wieder ans Netz zu bringen."
Es könnte auch noch deutlich teurer werden, denn noch konnte nicht das komplette Leitungsstück, das von der Ramme beschädigt wurde, besichtigt werden. Am Mittwoch, 25. Januar, wird es dazu einen Vor-Ort-Termin geben. Erst wenn der genaue Schaden fest steht, kann mit der Reparatur begonnen werden. Die es - direkt unter den Gleisen vorm Hauptbahnhof - in sich hat. Da kann man nicht einfach die Rohre herausziehen und austauschen. Die Rohre müssen in einzelne Scheiben geschnitten und Stück für Stück herausgeholt werden. Umgekehrt genauso - auch die neuen Rohre müssen scheibchenweise wieder eingebracht und verschweißt werden. Immer in enger Absprache mit der Bahn, die ja oberirdisch weiter mit Zügen fährt. Dazu kommt: Auch die zerstörte Betonhülle muss ersetzt werden.
Wenn das Wetter jetzt mitspielt und die Arbeiten ermöglicht, könnte die Leitung bis Anfang März repariert sein.
Froh ist die Geschäftsleitung der Stadtwerke sichtlich, dass sie gleich die Entscheidung für die provisorische Umleitung getroffen hat. "Das verschafft uns jetzt die nötige Luft, die wir brauchen für die Reparatur", sagt Prauße.
Und dann, wenn die konkrete Schadenshöhe feststeht, bekommt irgendjemand eine Rechnung. "Wir werden nach der exakten Schadensfeststellung unsere Ansprüche an das Unternehmen anmelden, das die Havarie verursacht hat", erklärte Raimund Otto. Auch er sichtlich erleichtert, denn die betroffenen Leipziger haben jetzt wieder eine warme Heizung. Frost ist zwar noch nicht in Sicht - aber in den nächsten Tagen sollen die Temperaturen in Leipzig nur knapp über Null sein. Kalt genug, wenn die Heizung nicht warm wird.
Die provisorische Leitung wird in den nächsten Tagenb noch isoliert. Ist ja "richtig heißes Wasser" drin, wie Prauße sagt. Und die Absperrung wird natürlich stehen bleiben, so lange sie gebraucht wird.
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