Open Innovation: Auch Kreatives Leipzig e. V. kritisiert Ausschreibung der Stadt Leipzig
Ralf Julke
07.08.2012
Peanuts für die Kreativen.
Foto: Ralf Julke
Am 25. Juli veröffentlichte der Verein Kreatives Leipzig e.V. noch ganz unkommentiert die Mitteilung des Wirtschaftsdezernats der Stadt Leipzig über den Teilnahmewettbewerb “Open Innovation”. 35.000 Euro stellt die Wirtschaftsförderung Leipzig dafür zur Verfügung. Doch an der Ausschreibung stimmt Vieles nicht. Am 1. August nahm der Verein, der sich 2010 gründete und die Kreativen der Stadt sammeln möchte, kritisch Stellung zu dieser Sommerfrucht.
Anzeige
"Grundsätzlich begrüßen wir als Branchenverband natürlich jeden Euro, der durch die öffentliche Hand für die Leipziger Kreativwirtschaft eingesetzt wird und bei den Akteuren ankommt. Daher haben wir auch die Einladung angenommen, Mitglieder unseres Vorstandes in den Beirat zur Ausschreibung zu entsenden, der die Projekte letztlich auswählen wird", heißt es im Statement des Vereins. Doch die Schwächen der Ausschreibung sind unübersehbar.
Und sie haben auch nichts damit zu tun, dass sich das Amt für Wirtschaftsförderung hier erstmals auf diese Weise der Kreativbranche zuwendet. Vielleicht aber doch: Vielleicht glaubt man tatsächlich, dass für die Kreativwirtschaft andere Gesetze gelten als für die "normale" Wirtschaft.
Vier Kritikpunkte benennt der Vorstand des Kreatives Leipzig e.V.
1) Die geforderte Darlegung von Zeit- und Finanzierungsplänen sind innerhalb der sehr kurzen Bewerbungsfrist ("noch dazu mitten im Sommer!") geradezu realitätsfremd: Am 20. Juli veröffentlichte das Amt für Wirtschaftsförderung den Wettbewerb, am 5. August (also am gestrigen Sonntag), sollten die Bewerbungen schon auf dem Tisch liegen. Wie gesagt: In der ganz gewöhnlichen Wirtschaft winken Unternehmen derart hemdsärmeligen Fristen einfach ab.
Der Kreatives Leipzig e.V.: "Besser wäre es gewesen, die Mittel der Stadt Leipzig als 'Prämie' auszuloben, einen Innovationsprozess für die Mitwirkung anderer zu öffnen."
Obwohl auch der Begriff "Open Innovation" vom ausschreibenden Amt augenscheinlich völlig missverstanden wurde. "Open Innovation" beschreibt die Öffnung der unternehmensinternen Innovationsprozesse für alle Mitarbeiter und Abteilungen im Unternehmen.
Peanuts für die Kreativen.
Foto: Ralf Julke
2) "Die Ausschreibung fordert unverständlicherweise einen Projektabschluss bis Ende März 2013. Das heißt, geförderte Innovationsprozesse müssen binnen eines halben Jahres abgeschlossen sein – eine ziemlich unrealistische Vorgabe für ernsthafte Neuentwicklungen", stellt der Verein fest.
3) Unverständlich sei auch die Einengung der Förderberechtigten auf die Kreativschaffenden selbst. Denn das Potenzial für die gewünschten Innovationsprozesse bestünde - neben der (Kreativ-)Branche IT - wohl eher bei den ganz normalen Unternehmen der klassischen Cluster.
Womit der Verein so ganz im Stillen den nächsten Denkfehler in der Leipziger Wirtschaftsförderung benennt: Die Kreativwirtschaft als einen völlig für sich agierenden Kosmos zu betrachten - und völlig auszublenden, dass auch die Kreativwirtschaft zuallererst als Dienstleister und Schmiermittel für die Innovationsprozesse in allen Branchen funktioniert. Dass die meisten Kreativen in Leipzig unter prekärsten Bedingungen arbeiten, hat eher mit fehlenden Aufträgen zu tun.
4) Und dann ist da der nicht ganz unwichtige Aspekt, den sich Unternehmen in der Regel mit Patenten schützen lassen: "Niemand rückt gern mit Ideen heraus, ohne zu wissen, wer sie liest, und was diejenigen vielleicht daraus machen. Bei einem fachlichen Beirat wird sich die Anwesenheit eines Mitwettbewerbers nicht verhindern lassen. Umso notwendiger ist es, dass für den Schutz geistigen Eigentums durch die Stadt Leipzig gebürgt wird und alle extern Beteiligten entsprechende Verschwiegenheitsklauseln unterzeichnen", schreibt der Kreatives Leipzig e.V. dazu.
Und noch viel wichtiger ist eigentlich die Kritik daran, dass die Stadt in ihrer amtlichen Allweisheit wieder vorgeprescht ist, ohne die Betroffenen einzubeziehen.
"Als Branchenverband haben wir uns der Stadt Leipzig immer wieder als Partner angeboten, uns frühzeitig mit dem Wissen und der Kompetenz unserer 80 Mitgliedsunternehmen einzubringen, um solche suboptimalen Situationen zu vermeiden. Wir bedauern, dass dies hier nicht geschah und die Ausschreibung zu viel und in vielen Punkten berechtigter Kritik geführt hat. Trotzdem möchten wir alle Leipziger Kreativschaffenden einladen, durch eine Beteiligung an dem Wettbewerb gegenüber der Verwaltung das Innovationspotenzial der Branche herauszuheben."
Und wie deutlich die Kritik des Vereins an dem ist, was die Leipziger Wirtschaftsförderung hier wieder angestellt hat, lassen wir einfach mal Wikipedia erklären. Die Übersetzung für das Wort "suboptimal": "Resultate, welche die Vorgaben oder Erwartungen des Optimums nicht erreichen, jedoch durchaus noch nicht als richtige Misserfolge bewertet werden sollen, werden als suboptimal (von lat. sub ‚unter‘) bezeichnet. Häufig wird der Begriff jedoch mit ironischem Unterton oder als Euphemismus gebraucht, wenn ein eigentlich katastrophales Ergebnis beschrieben werden soll."
Am 15. Mai wurde im Sächsischen Landtag der CDU/FDP-Antrag "Polizeipräsenz im Internet erhöhen - Soziale Netzwerke zur Polizeiarbeit nutzen!" behandelt. Ein Antrag wie aus der Wunschkammer des braven Bürgers, der das Internet sowieso für eine gefährliche Welt hält und sich jetzt auch dort ein paar präsente Ordnungshüter wünscht. Und so eine Art Kooperation zwischen wachsamem Bürger und aufmerksamer Polizei. Und der naive Glaube an die "sozialen Netzwerke". mehr…
Diese emotionale Aufwallung schaffte es längst zum Klassiker im reichlich gefüllten, goldenen Spruchbeutel der City-Tunnel-Prosa: "Ich will die Milliarde nicht sehen!", entfuhr es Ende der 1990er Jahre dem damaligen Sächsischen Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit, Kajo Schommer. Gemeint war, die geplante Investitionssumme für den City-Tunnel auf eine Milliarde zu begrenzen - D-Mark, wohlgemerkt, denn in einer anderen Währung rechnete damals auch ein Mitglied des Dresdner Kabinetts nicht. mehr…
Am Freitag, dem 24. Mai um 20:15 Uhr, ist der Bestsellerautor Martin Walker bei Lehmanns Media zu Gast und liest aus seinem aktuellen Bruno-Krimi „Femme Fatale“. Der im französischen Périgord lebende Ire ist nicht nur Schriftsteller, Historiker und politischer Journalist („The Guardian“), sondern auch ein sehr, sehr sympathischer Zeitgenosse und Medienliebling. mehr…
Am Sonntag, den 26. Mai um 10 Uhr wird es während des beliebten Familienfrühstücksbuffets im Unikatum Kindermuseum spannend, denn Museumsmitarbeiterin Annekatrin Naumann möchte die Gäste ab 4 Jahren zu Zeitjägern machen und sie mit auf eine aufregende Schatzsuche durch die aktuelle Ausstellung „Ach du liebe Zeit!“ und den Hofgarten nehmen. mehr…
Der letzte Rundgang der Reihe „Sanierungs- und Fördergebiete“ des Stadtforums Leipzig findet am Montag, 27. Mai, um 17:30 Uhr am Platz der Biedermannstraße/Ecke Bornaische Straße, gegenüber der Litfaßsäule, statt. Es handelt sich um einen Rundgang durch das Sanierungsgebiet Connewitz, mit Standpunkten an der Biedermannstraße und Auerbachstraße, dem Herderplatz und Kronengarten sowie den Stadthäusern Hermannstraße. mehr…
Am Sonntag, 26. Mai, ist um 19 Uhr in der Kirche Panitzsch eine musikalische Annäherung an die romantischen Kompositionen Richard Wagners aus der Richtung des Jazz zu erleben. Unter dem Motto „Wagner in Jazz“ hat Stephan König anlässlich des 200. Geburtstages von Wagner musikalische Themen aus Wagner-Opern für sein Jazz-Trio bearbeitet. mehr…
Im Rahmen der Festwoche "150 Jahre SPD" macht die Dialog-Box der SPD in Leipzig in der Petersstraße, Höhe Hugendubel, Station. Neben der Bewerbung der Veranstaltungen rund um die Festwoche "150 Jahre SPD" möchte die SPD Leipzig die Dialog-Box nutzen, um mit den Leipzigerinnen und Leipzigern zu verschiedenen Themen ins Gespräch zu kommen. Der Dienstag, 21. Mai, steht dabei ganz im Zeichen der europäischen Bürgerinitiative "Wasser ist Menschenrecht". mehr…
Ein Vortrag am Mittwoch, dem 22. Mai, 19 Uhr, im Ariowitschhaus, Hinrichsenstr. 14, beleuchtet das Verhältnis Martin Luthers zu den Juden. Referent dieser Veranstaltung der Jüdisch-Christlichen Arbeitsgemeinschaft ist Professor Martin Steinhäuser. mehr…
Mit Krebs ist nicht zu spaßen. Krebs ist kein Spaß. Vielleicht ist die moderne Zivilisationskrankheit Krebs die Kehrseite unserer Spaßgesellschaft. Die keine spaßige ist, auch wenn sie alles, was wichtig ist, in einen Spaß zu verwandeln scheint. Nicht nur Regina Rose fragt wohl zu recht, welche Rolle unsere moderne Lebensart für die Ausbreitung der "Volkskrankheit" Krebs hat. mehr…
Es gab ja in letzter Zeit einige verächtliche Bemerkungen von gut bezahlten Politikern gegenüber Bürgern, die auf verschiedene Weise versuchen, ihre Interessen in politische Entscheidungsprozesse einzubringen. "Wutbürger" war so ein arroganter Begriff. Dabei können selbst Großprojekte sinnvoller, nachhaltiger und vor allem zielführender geraten, wenn Politik frühzeitig die Diskussion mit den Betroffenen sucht. Das ist bei den Planungen zur neuen B 87 sogar passiert. mehr…
Am 9. Mai verfügte das Leipziger Umweltdezernat eine Sperrung des Floßgrabens für den Bootsverkehr. Nur noch zu bestimmten Zeiten am Wochenende dürfen Boote den Floßgraben passieren, in dem der seltene Eisvogel brütet. Doch nicht nur die erste Ausnahmeverfügung für eine Bootstouranbieter sorgt für Unmut. Besonders betroffen zeigt sich der Sächsische Kanuverband. In einer Stellungnahme fordert er einen völlig anderen Umgang mit dem sensiblen Gewässer. mehr…
Wie die Polizeidirektion Leipzig in einer gemeinsamen Mitteilung mit der Staatsanwaltschaft übermittelte, wurde am gestrigen 19. Mai gegen 20 Uhr „ein Mann tot im Gleisbett aufgefunden.“ Ort des Fundes war der Bahnhof Leipzig-Leutzsch am Ritterschlösschen in der Gustav-Esche-Straße. Da eine Straftat in solchen Fällen nie ausgeschlossen werden kann, haben auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft die Untersuchungen der Rechtsmedizin begonnen. mehr…
Erst mal großes Tamtam, dann Stille am Wasser. Im Beisein von Umweltminister Frank Kupfer wurde am Samstag, 18. Mai, die Kanupark-Schleuse zwischen dem Markkleeberger und Störmthaler See im Leipziger Neuseenland offiziell freigegeben. „Nach zwei Jahren Bauzeit können wir heute einen wichtigen Schritt zur wassertouristischen Erschließung des Leipziger Neuseenlandes tun“, sagte Frank Kupfer. Er war extra an Bord der "MS Wachau" gestiegen, die künftig die Schleuse Richtung Störmthaler See befahren darf. mehr…
Mieten sind ja ein Thema, das langsam prickelnd wird in Leipzig. Wenn eine Stadt attraktiv ist, füllt sie sich nicht nur mit Bewohnern, auch Mieten und Bauen werden wieder lukrativ. Und wo das Angebot knapp wird, steigen die Mieten. Das ist in Leipzig bislang nur punktuell der Fall, auch wenn einige Spieler auf dem Markt etwas Anderes erzählen. Aber diese Punkte sind natürlich interessant. Auch wer Gewerberaum sucht, muss auf die konkrete Lage achten. mehr…
Am 22. April gab es nicht nur eine Einwohneranfrage - sondern gleich ein ganzes Bündel. Zeichen auch dafür, dass in der Leipziger Politik vieles gar nicht so klar ist, wie es sich die Akteure wohl denken. Eines der diffusesten Themen ist der Fluglärm. Auch nachts dröhnen die Flugmaschinen über Leipziger Stadtgebiet. Und keiner scheint zu wissen, warum sie das tun. Die "kurze Südabkurvung" soll's nach offizieller Auskunft nicht sein. mehr…