Fachkräftemangel: Mitteldeutsche Absolventenmesse in Leipzig soll Unternehmen und Akademiker zusammenbringen
Redaktion
21.06.2008
Klaus Wurpst. Foto: WIM
Daniel Große. Abwanderung, demographische Entwicklung, zu schlechte oder ungeeignete Ausbildung. So lauten die Gründe, die Unternehmen immer wieder hervorbringen, wenn sie auf den bevorstehenden oder bereits einsetzenden Fachkräftemangel hinweisen. Glaubt man der Wirtschaft, können schon jetzt durch altersbedingt ausgeschiedene Arbeitnehmer entstehende Lücken nicht mehr durch gut gebildete Fachkräfte besetzt werden. Jetzt wollen sich die Unternehmen selbst helfen - mit einer Absolventenmesse.
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"Mittelfristig wird es in Sachsen keinen generellen Fachkräftemangel geben." Das Ergebnis, zu dem der Landesausschuss für Berufsbildung bei der Kommunalentwicklung Sachsen im Juli vergangenen Jahres gekommen war, liest sich ebenso schwammig wie gegensätzlich. Denn vor allem in Großstädten des Freistaates, so prognostizierten damals 135 Fachleute aus Unternehmen, Bildungsdienstleistern und Verwaltung, könne es schon in den nächsten Jahren zu Engpässen bei Arbeitskräften mit guter Qualifikation kommen. Ab dem Jahr 2035 könnte sich der Fachkräftemangel weiter verstärken, hieß es. Die Unternehmen seien gefragt, die Personalentwicklung zu intensivieren. Die Politik, so Wirtschafts- und Arbeitsminister Thomas Jurk, könne diesen Nachholbedarf nicht abnehmen.
Genau das wollen rund 50 Unternehmen nun leisten. Am Dienstag, 24. Juni, findet im Congress Center Leipzig (CCL) die erste Absolventenmesse statt, initiiert von der Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland. Erwartet werden etwa 2.000 Studenten, Absolventen und junge Berufstätige, auf die rund 4.000 Jobangebote warten würden. So viele Stellen hätten die beteiligten Unternehmen im Gepäck. Dass so eine Messe nötig ist, daran lässt Klaus Wurpts, Geschäftsführer der Wirtschaftsinitiative keinen Zweifel: "Es gibt eine Vielzahl kleiner Jobmessen in der Region, jedoch keine Leitmesse für Mitteldeutschland mit überregionaler Ausstrahlung", sagt er. Die Veranstaltung soll die führende Leitmesse für Fachkräftevermittlung in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen werden. "Ziel ist es, die Absolventen mit den Unternehmen zusammenzubringen, die akuten Bedarf an gut gebildeten Arbeitnehmern haben", so Wurpts weiter.
Mit der Absolventenmesse lege die Initiative Grundlagen für die Fachkräftevermittlung von morgen, ist sich Joachim Ragnitz, stellvertretender Geschäftsführer des ifo Institutes für Wirtschaftsforschung Dresden sicher: "In rund eineinhalb Jahren wird sich eine Knappheit an geeigneten Bewerbern für Ausbildungsberufe einstellen, die mit kurzer Zeitverzögerung auch für den hochqualifizierten Fachkräftenachwuchs gelten wird. Mitteldeutsche Unternehmen werden sich auf mittlere und lange Sicht um Fachkräfte reißen", erläutert er. Darum sei es jetzt entscheidend, eine Veranstaltung wie diese Messe zu etablieren.
Dabei ist es aber keineswegs so, dass die "global Player" bislang nichts für ihre Personalentwicklung getan hätten. Knut Maack, Leiter Personalentwicklung und Recruiting beim Solarzellenhersteller Q-Cells aus Bitterfeld-Wolfen erklärt beispielsweise: "Wir haben die Q-Cells-Academy gegründet. Dies ist ein Programm, das individuell auf jeden Mitarbeiter abgestimmt ist. Wir haben den Anspruch, das beste Fortbildungsprogramm in methodischer, fachlicher und persönlicher Hinsicht aufzubauen, das es in der Branche gibt."
Zusätzlich richtete Q-Cells mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg eine Photovoltaik-Stiftungsprofessur ein, die den Nachwuchs an geeigneten Spezialisten sichern soll. Und ab dem Wintersemester 2008/2009 soll es an der Hochschule Anhalt in Köthen einen Bachelor-Studiengang Solartechnik geben. Kleine Schritte, die sich erst später auszahlen werden - bis 2010 suche Q-Cells noch 2400 neue Mitarbeiter. Ebenso an der Absolventenmesse beteiligt ist Wacker Schott Solar aus Jena. Die momentanen 170 Mitarbeiter sollen bis 2012 um weitere 700 aufgestockt werden. Bedarf gebe es auch bei den rund 5000 IT-Unternehmen in Mitteldeutschland. Nach Informationen des Leipziger Personaldienstleisters DIS AG fehlen hier rund 500 Fachkräfte.
Eine Situation, an der die Messe etwas ändern soll. Um möglichst vielen Akademikern die Teilnahme zu ermöglichen, fahren Sonderbusse von Chemnitz, Dessau, Dresden, Erfurt, Halle, Jena, Magdeburg und Zwickau zum CCL. Neben der eigentlichen Jobmesse gebe es Bewerbertrainings und zahlreiche Vorträge. Experten würden Bewerbungsunterlagen bewerten, ein Fotograf fertige zudem kostenlose Bewerbungsfotos an, so Klaus Wurpts. Die Messe richtet sich an Absolventen aller Fachrichtungen.
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