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Eine BGR-Studie mit Kohle-Geruch: Woher kommt die Energie für das 21. Jahrhundert?

Redaktion
Energierohstoffe 2009.
Energierohstoffe 2009.
Die Energie geht der Menschheit nicht so bald aus. Das stellt zumindest die aktuelle Studie "Energierohstoffe 2009“ der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), die am Dienstag, 23. Juni, veröffentlicht wurde, fest.

Gestalter im Handwerk
Gestalter im Handwerk Zweijähriger berufsbe-
gleitender Studiengang

"Die Weltvorräte an Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran sind ausreichend, um die Energieversorgung auch für die kommenden Jahrzehnte zu gewährleisten", heißt es darin. Allerdings werde sich der Energiemix weltweit in dieser Zeit an neue Bedingungen anpassen müssen.

In der im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) erstellten Studie werden weltweit die Reserven und Ressourcen, die Produktion sowie aktuelle Trends und technische Entwicklungen bei den nicht-erneuerbaren Energieträgern analysiert. Das die wesentliche Einschränkung dabei.

Danach liefern Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran heute mehr als 85 % der Primärenergie für die Welt.

„Diese Hauptlast der Versorgung können die vier großen Energieträger auch weiterhin tragen“, erklärt BGR-Präsident Prof. Dr. Hans-Joachim Kümpel. „Allerdings rechnen wir damit, dass Erdöl mit einem aktuellen Anteil an der Primärenergie von einem Drittel seine Rolle als wichtigster Energieträger in den kommenden Jahrzehnten verlieren wird.“

Grund für diese Aussage sind die Ergebnisse der im Rahmen der Studie durchgeführten Projektion der Erdölförderung bis ins Jahr 2050. Danach wird Erdöl der erste Energierohstoff sein, bei dem aufgrund der begrenzten Vorräte eine immer weiter steigende Produktion nicht mehr möglich sein wird.

Die BGR-Studie: Energierohstoffe 2009.
Die BGR-Studie: Energierohstoffe 2009.
Cover
BGR-Energierohstoffexperte Prof. Dr. Bernhard Cramer dazu: „Bei Erdöl aus konventionellen Vorkommen erwarten wir nach unseren Berechnungen, dass schon in den kommenden Jahren ein Produktionsmaximum erreicht wird. Wenn wir aber alle Optionen optimal nutzen, könnte die Erdölförderung insgesamt – also auch aus nicht-konventionellen Quellen wie Ölsanden sowie durch eine bessere Entölung der Lagerstätten – bis etwa 2030 gesteigert werden.“

Nach dieser Projektion rechnet die BGR mit einer maximal möglichen Erdölförderung von etwa 4,7 Gigatonnen (Gt) pro Jahr. Zum Vergleich: Derzeit werden jährlich knapp 4 Gt produziert.

Was der Experte nicht erwähnt: In diesen Größenordnungen trägt das Verbrennen von Erdöl zur weiteren CO2-Belastung der Erdatmosphäre bei.

Zwar stellt die BGR fest: "Diese Entwicklung muss durch Erneuerbare Energien und durch Erdgas, Kohle und Uran abgefangen werden." Doch man vermisst zurecht das Wort Reduzierung des Energieverbrauchs.

Die Studie zeige, so die BGR, dass die globale Verfügbarkeit an Erdgas, Kohle und Uran aus geologischer Sicht auf absehbare Zeit auch bei steigendem Verbrauch nicht gefährdet sei.

„Gerade bei Kohle“, so der BGR-Präsident, „kann die weltweite Vorratssituation die Versorgung auch bei deutlicher Steigerung noch über viele Jahrzehnte sichern. Die hohen Energierohstoffpreise der vergangenen Jahre haben zu verstärkter Aktivität bei der Rohstofferkundung und damit zu einer wachsenden Ressourcenbasis insbesondere bei Kohle und Uran geführt.“

Die BGR ist übrigens vom Bund auch beauftragt, die Suche nach einer Möglichkeit von der Abscheidung und Speicherung von CO2 in der Kohleverbrennung wissenschaftlich zu begleiten. Dabei nimmt sie den Standpunkt ein, "dass die Speicherung von CO2 im geologischen Untergrund mit nur geringfügigen, gut beherrschbaren Risiken behaftet ist."

Nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung belaufen sich die CO2-Emissionen in Deutschland derzeit auf etwa 850 Millionen Tonnen pro Jahr. Davon werden rund 40% in Kohlekraftwerken produziert. Das bedeutet, so die BGR, "dass pro Jahr maximal 300 - 350 Millionen Tonnen CO2 für die Speicherung anfallen können."

Natürlich unter der Einschränkung: Es wird ein anderer Ersatz für Erdöl als Energieträger gefunden. Und der muss gefunden werden, Denn die "Alternativen", die eine Erdölgewinnung bis 2030 fortschreibbar erscheinen lassen, sind keine billigen: Selbst die Erdölgewinnung aus Ölschiefer ist kostenträchtig. Und nach Erschöpfung der leichter anzapfbaren Erdölvorräte der Erde ist eine deutliche Steigerung der Ölpreise schon vor 2020 absehbar.

Die BGR-Studie hat auch ein paar mögliche Alternativen zu den konventionellen Energierohstoffen unter die Lupe genommen. Nicht zu verwechseln mit alternativen Energiequellen im landläufigen Sinn.

So seien in den vergangenen Jahren weltweit Projekte angelaufen, die technische und wirtschaftliche Möglichkeiten einer breiten Gewinnung von Erdgas aus Gashydrat, von Erdöl aus Ölschiefer, aber auch der Kohleverflüssigung prüfen, so die BGR. Absehbar sei schon heute eine rasante Entwicklung bei der Nutzung geothermischer Energie. "Ob diese Entwicklung der Geothermie auch in Deutschland möglich sein wird, werden Pilotvorhaben wie das gestern von der BGR gestartete Geothermieprojekt GeneSys zeigen. GeneSys hat zum Ziel, den Gebäudekomplex des Geozentrums Hannover durch neue Konzepte wie das so genannte Ein-Bohrloch-Verfahren mit Hilfe von Erdwärme aus rund 4000 Meter Tiefe zu beheizen."

Das klingt ein wenig wie der überlebende Glaube des 19. Jahrhunderts, man müsse nur immer neue Energiequellen erschließen und der Fortschritt bliebe im Tritt. Aber die Hoffnung, den Ausfall des Erdöls als Hauptenergiequelle durch vermehrten Kohleabbau und vermehrte Kohleverbrennung zu kompensieren, das klingt eher bedrohlich. Nicht nur fürs Klima - auch für noch intakte Landschaften.

Und das geplante Gesetz zur Abtrennung und unterirdischen Speicherung von CO2 in Deutschland ist gerade erst in dieser Woche gescheitert. Die Große Koalition konnte sich nicht auf einen Gesetzentwurf einigen.


Die BGR-Studie „Energierohstoffe 2009“ ist als freier Download im Internet unter www.bgr.bund.de/energierohstoffe2009 verfügbar.


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