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Sächsisch-Tschechische Energiekonferenz: Eine Absichtserklärung mit Braunkohle drin

Ralf Julke
Wie lange verfeuert Sachsen noch Kohle?
Wie lange verfeuert Sachsen noch Kohle?
Foto: Daniel Thalheim
Es sah wie eine Rochade aus, was da in Dresden am 7. Oktober 2011 geschah. An dem Tag fand in der sächsischen Landeshauptstadt die erste Sächsisch-Tschechische Energiekonferenz statt. Und die beiden Ministerpräsidenten hielten nicht nur Grundsatzreden, sondern unterzeichneten auch eine Absichtserklärung. Eine mit Braunkohle drin.

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Beide Länder setzen bei ihrer Stromversorgung traditionell auf Braunkohle. Zwar werden im europäischen Zertifikatehandel ab 2013 die Zertifikate für CO2-Emissionen spürbar teurer und der schwedische Energiekonzern Vattenfall, der in Sachsen die größten Braunkohlekraftwerke betreibt, denkt seit letzter Woche sehr laut über den Ausstieg aus der Braunkohleverstromung und eine Trennung von seinen älteren Kraftwerken nach, doch so recht aufgeben will die sächsische Staatsregierung die Braunkohle als Energierohstoff nicht.

Ministerpräsident Stanislaw Tillich und der Ministerpräsident der Tschechischen Republik, Petr Necas, haben deshalb am Freitag, dem 7. Oktober, im Anschluss an ihre Grundsatzreden während der ersten sächsisch-tschechischen Energiekonferenz eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet.

Darin heißt es unter anderem, man beabsichtige "günstige Rahmenbedingungen für die zukünftige energetische und stoffliche Nutzung der heimischen Braunkohle zu schaffen". Da beide Länder nicht wirklich die Macht haben, den europäischen Zertifikatehandel umzukrempeln, ist durchaus offen, was sie damit meinen könnten.

"Natürlich ist es zu begrüßen, wenn Tschechien und Sachsen eine engere Zusammenarbeit beim Thema Energie vereinbaren. Doch der Vereinbarung fehlen konkrete Projekte, sie ist 'heiße Luft'. Inhaltlich ist sie ein Anachronismus", meint Johannes Lichdi, energiepolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Sächsischen Landtag, der an der Tagung teilnahm. "Beide Regierungen setzen mit der weiteren Nutzung der Braunkohle auf eine Technologie der Vergangenheit. Erneuerbare Energien werden nur als Alibi erwähnt. So verschläft man die Zukunft. Die Einforderung europäischer Sicherheitsstandards bei den tschechischen Atomkraftwerken von Seiten des sächsischen Ministerpräsidenten war immerhin ein kleiner Lichtblick."

Bekommt Sachsen mit Tschechien eine neue Kohlezukunft?
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Foto: Daniel Thalheim

Vielleicht sind Projekte, bei denen tatsächlich gemeinsam geforscht wird, viel eher konkretisierbar. Beide Regierungen benannten in ihrer Absichtserklärung zum Beispiel "gemeinsame Projekte im Bereich Forschung und Entwicklung auf den Gebieten der Energietechnologien und Energieeffizienz" und die "Ausbildung von Fachkräften im Energiebereich".

Den "Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energien" schränkt die Absichtserklärung mit dem nicht ganz unabsichtlichen Wörtchen "angemessen" ein. Wären die beiden Regierungen mutig, hätten sie hier das Wort "umfassend" benutzt.

Aber vielleicht kann man von politischen Absichtserklärungen auf dem Feld der Wirtschaft nicht mehr erwarten.

Wirklich konkret wurden auf der Konferenz denn auch zwei Unternehmen aus Tschechien und Sachsen, die die Gelegenheit nutzten, einen Vertrag zu unterzeichnen, der die Zusammenarbeit bei Entwicklung eines Systems für emissionsarme Verbrennung in Gasturbinen begründet.

Auch Uwe Barthel, Vorstand Infrastruktur/Technik der Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft (VNG), Dr. Volker Busack, Direktor Technik/Technologie bei VNG, und Prof. Ing. Stanislav Veselý, General Manager der tschechischen Firma EKOL spol. s r. o. aus Brno (Brünn),nannten das, was sie am Rand der Konferenz unterzeichneten, erst einmal eine Absichtserklärung.

Welche Zukunft hat die Kohleverwertung in der Region?
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Foto: Daniel Thalheim
Es geht dabei um die Entwicklung und den Einsatz einer zweiten Generation von DLE-Pre-Mix-Brennern zur extrem emissionsarmen Verbrennung in Gasturbinen. Bei dem Pre-Mix-Brennersystem wird auf Basis der Dry-Low-Emission-Technologie (DLE) das Brenngas der Gasturbine mit Luft vorgemischt und somit eine noch effizientere Verbrennung erreicht. Das führt zu einer deutlichen Reduzierung der NO- und CO- Emissionen im Abgas der Gasturbine.

„Wir arbeiten bereits seit Jahrzehnten erfolgreich zusammen und haben seit 2008 gemeinsam mit EKOL die erste Generation des Brennersystems entwickelt, hergestellt und in einer Gasturbine in Sayda erfolgreich getestet“, erklärt Uwe Barthel. „Mit diesem Brennersystem werden schon jetzt die ab 1. Oktober 2015 für uns verbindlichen gesetzlichen Emissionsgrenzwerte für erdgasbetriebene Gasturbinen zum Antrieb von Verdichtern für den physikalischen Transport von Erdgas eingehalten und teilweise unterboten."

Prof. Ing. Stanislav Veselý: „Unsere Kompetenz sind umweltschonende Technologien bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen. Wir möchten gern dazu beitragen, die Energiegewinnung so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten. Der Einsatz des Brennersystems in Sayda kommt sowohl der sächsischen als auch der tschechischen Umwelt zugute.“

Das fand auch Sven Morlok, Sächsischer Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, gut: "Diese Unternehmenskooperation ist ein gutes Beispiel dafür, wie Technologietransfer Industrie und Umwelt gleichermaßen nutzt. Die sächsische Staatsregierung ist sehr daran interessiert, die sächsisch-tschechische Zusammenarbeit zu intensivieren und weitere gemeinsame Projekte zu entwickeln. Die Energiekonferenz gibt hierfür richtungsweisende Impulse.“

Neben Sven Morlok war auch Martin Kocourek, Minister für Industrie und Handel der Tschechischen Republik, bei der Unterzeichnung zugegen.

Auf der Energiekonferenz „Zukunft der Energiewirtschaft – Energiesicherheit in Sachsen und Tschechien“ diskutierten die Teilnehmer nicht nur über technische und wissenschaftliche Entwicklungen für eine noch umwelt- und klimafreundlichere Energieversorgung. Auch die Bedeutung grenzüberschreitender Energienetze spielte eine wichtige Rolle im gemeinsamen Diskurs. Und das findet sich ebenfalls in der Absichtserklärungen der beiden Ministerpräsidenten wieder. Europa wird sich auf dem Energiesektor künftig noch viel stärker vernetzen. Und die sächsisch-tschechische Vernetzung mit Gas- und Stromleitungen spielt dabei eine nicht unwichtige Rolle.

Was tatsächlich an konkreten Projekten zwischen den Naschbarländern zustande kommt, wird erst später definiert. Nach einem Fachforum am 30. November in Prag mit Vertretern aus beiden Ländern wird zum Auftakt der Projekte eine Marktanalyse in Sachsen und der Tschechischen Republik durchgeführt werden, teilt die Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (WFS) mit. Diese soll Aufschluss über gegenseitige Absatz- und Kooperationsmöglichkeiten geben. Anschließend sind Treffen sächsischer und tschechischer Unternehmen zur Entwicklung gemeinsamer Marktchancen geplant.

www.vng.de

Die gemeinsame Erklärung der beiden Ministerpräsidenten: www.medienservice.sachsen.de


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