Weltmarktführer in Deutschland: Die große Ballung im Süden und ein paar zarte Pflänzchen im Osten
Ralf Julke
20.12.2011
Weltmarktführende Unternehmen.
Karte: IfL / Nationalatlas
Wer den Wirtschaftsstandort Deutschland beschreiben will, muss eine hochtechnisierte Maschine beschreiben. Das Land hat lange Zeit seinen Titel "Exportweltmeister" behauptet - und das nicht mit Massenproduktion zu unterirdischen Preisen oder gewaltigen Rohstoffexporten. Es sind vor allem Hochtechnologieprodukte, die weltweit gefragt sind. Hergestellt oft in mittelständischen Betrieben. Wie sieht das auf einer Landkarte aus?
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Das Weissman Institut für Familienunternehmen zählt in seiner Weissman-Datenbank für 2011 immerhin 1.116 Unternehmen der Spitzenklasse, die rund 6,5 Millionen Menschen beschäftigen und nach eigenen Angaben mehr als 2 Billionen Euro pro Jahr umsetzen. Ein großer Teil dieser Unternehmen ist mittelständisch geprägt, im Familienbesitz (ca. 40%) und in besonderer Weise mit dem Ort ihrer Gründung verbunden.
Klar. Was man so verorten kann, kann man auch - wie jetzt im Online-Nationalatlas geschehen - auf einer Karte eintragen. Mit dem kleinen und wichtigen Aha-Effekt: Viele der meist hoch spezialisierten und oft mittelständischen Spitzenbetriebe wurden in den zurückliegenden Jahren in Ostdeutschland gegründet. Was dem Osten bei den Neugründungen solcher Betriebe eine wichtige Rolle zuweist und zeigt, dass sich zumindest etwas bewegt hat in diesen blühenden Landschaften.
Dieselbe Karte, die den leichten Aufwärtstrend nach 1990 zeigt, zeigt auch etwas anderes, was erst im Vergleich mit dem Westen der Republik deutlich wird: dass hier 1990 tatsächlich in einem ganzen Landstrich tabula rasa gemacht wurde.
Unübersehbar: Die meisten Weltmarktführer sitzen im Westen der Republik.
Karte: IfL / Nationalatlas
Kein Wunder also, wenn die Gesamtschau hier - genauso zwangsläufig wie die bunten Rankings aus dem Institut für Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) - eine mit Marktführern gespickte Landschaft im Süden und Westen der Republik zeigt. Unverändert auf Platz eins liegen heute die bevölkerungsreichsten Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Hier sind mehr als zwei Drittel der „Hidden Champions“ beheimatet, viele von ihnen abseits der klassischen Hochtechnologie- und Wissenschaftsstandorte.
Die meisten Unternehmen, die heute in der Weltspitze mitmischen, wurden vor 1990 gegründet. Manche stammen sogar noch aus dem 18. Jahrhundert. Und viele haben ja nach 1945 - das zeigen die Karten nur indirekt - ihren Standort gewechselt - von Ost nach West.
Die Autoren der neuen Karte: "So ist der Großteil der deutschen Weltmarktführer erstaunlich lange auf dem Markt. Mehr als 300 Unternehmen können bereits auf eine über 100-jährige Geschichte zurückblicken. Der Median des Unternehmensalters aller Weltmarktführer beträgt gut 70 Jahre. Aufgrund der Geschichte Deutschlands sind die älteren Weltmarktführer überwiegend im Westen zu finden."
Die Karte der Weltmarktführer in Deutschland - im Osten war vor 20 Jahren fast alles abgeräumt.
Karte: IfL / Nationalatlas
Nur bei den jungen Unternehmen, die nach 1989 gegründet wurden, schneiden die östlichen Länder besonders gut ab. Hier kommen 1,8 junge Weltmarktführer auf eine Million Einwohner; im Westen ist der Wert mit 1,4 deutlich niedriger.
Im Städteranking aller Spitzenunternehmen führt Hamburg mit 33 ansässigen Weltmarktführern, München steht mit 30 knapp dahinter auf Platz zwei. Danach folgen Heilbronn und Nürnberg mit 16 vor Stuttgart und Berlin mit jeweils 15. Dresden teilt sich mit Reutlingen und Crailsheim Rang dreizehn mit jeweils acht Weltmarktführern.
Die Orte mit der größten Weltmarktführer-Dichte bezogen auf die Bevölkerung finden sich allerdings fast ausnahmslos abseits der klassischen Hochtechnologie- und Wissenschaftsstandorte. Sie konzentrieren sich in der württembergischen Region um Heilbronn, Wertheim, Crailsheim und Tauberbischofsheim sowie im nördlichen Oberfranken.
Sachsen liegt mit insgesamt 28 Weltmarktführern (die meisten im Raum um Chemnitz und in Dresden) übrigens im Mittelfeld der Bundesländer, hinter Hamburg mit 33 und vor Schleswig Holstein mit 20. Aber natürlich weit hinter Baden-Württemberg mit 337 oder Bayern mit 257.
Das sind Ergebnisse einer Studie, die das Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) jetzt auf seiner Internetseite „Nationalatlas aktuell" veröffentlicht hat. Die IfL-Wissenschaftler Dr. Thilo Lang und Dr. Ulrich Ermann haben dazu gemeinsam mit Marcel Megerle vom Weissmann-Institut für Familienunternehmen die umfangreiche Datensammlung der Nürnberger Beratungsfirma ausgewertet. Wie sie dabei auch feststellen konnten, sind die jungen Spitzenunternehmen nicht nur in den klassischen Bereichen Maschinenbau, Elektroindustrie und Chemische Industrie tätig. Viele von ihnen konnten sich auch in der Medizintechnik, der IT- und Datenverarbeitung sowie in der Softwarebranche erfolgreich auf dem Weltmarkt positionieren.
Die Ergebnisse der Studie einschließlich detaillierter Karten und Grafiken sind zu finden unter: http://aktuell.nationalatlas.de
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