Wovon Leipziger träumen: Lutz Weickert über ein Leipzig, dessen Stärke aus selbstständigen Stadtteilen kommt
Gernot Borriss
27.12.2011
Lutz Weickert träumt ... von stärkeren Stadtteilen und einem Leipziger Flughafen, der in vielerlei Hinsicht besser funktioniert
Foto: Gernot Borriss
Von Leipzig als der mitteldeutschen Metropole, die es mal war, träumt der Gundorfer Lutz Weickert. Er wünscht sich mehr Selbstständigkeit für die Stadtteile. Diese hätten schon einmal die Entwicklung Leipzigs getragen, so der studierte Maschinenbauer. Am Flughafen müssten die selben Standards gelten wie andernorts, wünscht sich der Lärmschutzaktivist.
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Nach über 50 Jahren in den Stadtteilen Thonberg und Schönefeld wohnt Dr. Lutz Weickert seit 13 Jahren in Böhlitz-Ehrenberg. Genauer gesagt in Gundorf am Rande des Auwaldes. Daraus ergibt sich ein Teil des vielfältigen Engagements des studierten Maschinenbauers und Datenverarbeitungsexperten im Unruhestand. Denn in Gundorf sind die Lärmbelastungen des Flughafens Leipzig/ Halle besonders deutlich zu spüren. Dieses Urteil stützt Lutz Weickert auf Daten und Fakten seiner eigenen Lärmmessstation und einer dreimonatigen Lärmmessung des Flughafens in Gundorf.
Dabei hat der „alteingesessene Leipziger“, so Weickert über Weickert, nichts gegen den Flughafen. In Schkeuditz stehe der erste Flughafen Mitteldeutschlands, der auch der Flughafen Mitteldeutschlands schlechthin sein sollte, findet der Lärmschutzaktivist. „Es ärgert mich unheimlich, dass die Angebote an Urlaubs- und Linienflügen in den letzten Jahren um über 50 Prozent zurückgegangen sind“, unterstreicht Weickert. Das sei nicht zu akzeptieren.
Leipzig müsste dezentralisiert werden, fordert Weickert und schlägt als einen ersten Schritt die Einführung von gewählten, hauptamtlichen Ortsbürgermeistern vor.
Foto: Gernot Borriss
Verantwortlich macht er dafür die Staatsregierung in Dresden. Nichts sei geblieben von dem Anspruch Leipzigs als dem Interkontinentalflughafen Mitteldeutschlands. Stattdessen setzte die Politik beim Passagierverkehr auf den Airport in Klotzsche, der für sich als „Dresden International - Gateway to Saxony“ werbe. Am Flughafen Leipzig soll zukünftig der Fracht- und Militärflug dominieren.
Leipzigs Oberbürgermeister, Stadtverwaltung und Stadträte hätten dieser Strategie und Entwicklung tatenlos zugesehen, kritisiert Weickert. Auch aus der Lärmperspektive sei der Unterschied zwischen diesen beiden Optionen „gravierend“.
Lärmschutzaktivist Weickert hofft weiter darauf, dass die Standards, die überall Gültigkeit haben, auch in Leipzig zur Anwendung kommen. Leipzig soll umflogen werden, für besonders laute Maschinen soll es ein Start- und Landesverbot geben, die Bahnverteilung soll so erfolgen, dass sich der Lärmteppich nicht primär gegen die Großstadt Leipzig bewegt - so lauten Weickerts Wünsche in Sachen Lärmschutz. Ihn freut, dass durch das Engagement vieler Bürger das Thema in der Diskussion bleibt und der Stadtrat zuletzt mehrere Beschlüsse zum Lärmschutz fasste.
Den Flughafen hat er klar auf dem Radar - vor allem die Nachtflüge. Weickerts Messstation.
Foto: Gernot Borriss
Daneben plädiert er für mehr Selbständigkeit der Stadtteile. Der Aufstieg Leipzigs zur Großstadt und der Glanz der goldenen Zwanziger seien nicht im Stadtzentrum erschaffen worden, sondern in den Stadtteilen. Davon zeugen aus seiner Sicht noch heute die prachtvollen Rathäuser beispielsweise in Leutzsch, Schönefeld und Wahren. Auch die Entwicklung von Böhlitz-Ehrenberg zu einer der größten Industriegemeinden führt der Gundorfer hier an.
Leipzig müsste dezentralisiert werden, fordert Weickert und schlägt als einen ersten Schritt die Einführung von gewählten, hauptamtlichen Ortsbürgermeistern vor. „Ich habe Hochachtung vor den Stadtbezirksbeiräten und Ortschaftsräten, die ohne Macht und ohne Mittel versuchen, sich um das Notwendigste zu kümmern“, sagt er über die heutige Situation, „eine dynamische Entwicklung zu urbanen Stadtteilen ist aber am Gängelband einer zentralistischen Stadtverwaltung nicht möglich.“
Den „alteingesessenen Leipziger“ treibt weiter um, dass im Leipzig dieser Tage zu viel auf das Neue gesetzt werde und das Bestehende aus dem Blick gerate. Dabei sei „Werterhaltung vor Neuanschaffung die einfachste Regel der Haushaltsführung“, erinnert der Diplomingenieurökonom.
Als Beispiele nennt er den Zustand der Gorkistraße im Nordosten und der Georg-Schwarz-Straße im Westen der Stadt, aber auch die Situation von Naturkundemuseum und Musikalischer Komödie. Weickerts Wunschvorstellung von seiner Geburts- und Heimatstadt hat damit zu tun, dass Leipzig über Jahrhunderte die Handels-, Wirtschafts- und Kulturmetropole Mitteldeutschlands gewesen sei. „Und da gehört Leipzig auch hin“, bekräftigt er. Deshalb schmerze ihn, dass Leipzig bei aktuellen Rankings bei wichtigen sozialen Vergleichsmarken hinter Dresden und Chemnitz liege.
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