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Deutscher Mühlentag 2012 unter schwarzen Wolken: Europas Bürokraten bedrohen Wassermühlen

Redaktion
Wassermühle Dölitz.
Wassermühle Dölitz.
Foto: Grün-Alternatives Zentrum Leipzig e.V.
Am Pfingstmontag, 28. Mai, veranstaltet die Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM) e.V. zusammen mit ihren Landes- und Regionalvereinen den diesjährigen Deutschen Mühlentag. Die zentrale und offizielle Auftaktveranstaltung des diesjährigen Deutschen Mühlentages findet an der Bockwindmühle Kühnitzsch im sächsischen Kreis Leipzig statt. Auch Leipziger Mühlen nehmen wieder teil.

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Schirmherr der Veranstaltung an der Bockwindmühle Kühnitzsch ist der Landrat des Landkreises Leipzig, Dr. Gerhard Gey. - In allen Bundesländern laden wieder zahlreiche historische Mühlen (Windmühlen, Wassermühlen, Ross- bzw. Göpelmühlen, Motormühlen usw.) zu einem „Tag der offenen Tür“ ein, um der interessierten Öffentlichkeit die Bedeutung, Geschichte und Funktionen der „ältesten Kraftmaschine der Menschheit“ zu präsentieren.

Zweck des seit 1994 immer am Pfingstmontag stattfindenden Deutschen Mühlentages ist es, die Aufmerksamkeit und das Interesse der Öffentlichkeit auf diese technischen Denkmäler zu richten, deren Geschichte über 2.000 Jahre zurückreicht. Mühlen gelten als die ältesten Maschinen der Menschheit. Sie beeindrucken auch im Stromzeitalter. Aber viele von ihnen sind von Entscheidungen aus Brüssel bedroht.

Eine große Gefahr für Wassermühlen und Wasserkraftwerke stellt die momentane Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) dar. Diese Richtlinie verfolgt das Ziel, die „lineare Durchgängigkeit der Fließgewässer“ sicherzustellen, also die Entfernung sämtlicher „Querbauwerke“ in den Fließgewässern - dazu gehören vor allem historische, jahrhundertealte Stauwehre. Den alten Wassermühlen wird damit auf gesetzlicher Grundlage im sprichwörtlichen Sinne das Wasser abgegraben – für immer.

Die DGM und ihre Landesverbände bemühen sich in Kooperation mit anderen Organisationen um Aufklärung der Wassermühlenbesitzer und möglichst geringe Auswirkungen der EU-Bürokratie auf die alten Kulturdenkmäler, zumal auch historische Wassermühlen in zunehmendem Maße der umweltfreundlichen Stromerzeugung dienen. In Zeiten eines - auch in der Politik - wieder wachsenden Interesses an Erneuerbaren Energien könne die behördliche Niederlegung und Vernichtung historischer Wasserkraftanlagen nur als kontraproduktiv bezeichnet werden, schätzt die DGM ein.

Die so genannte „Energiewende“ stelle deshalb eine neue Chance für die Erhaltung und Nutzung kleiner Wasserkräfte dar, zu der auch historische Wassermühlen gehören.

Und der Mühlentag zeigt natürlich auch, wie viele Mühlen selbst in und um Leipzig - oft dank des Engagements von emsigen Vereinen und Privatpersonen - bis heute überdauert haben und sogar noch funktionsfähig sind. Mitten im Stadtgebiet findet man natürlich einen der Stars - die Dölitzer Wassermühle.

Dölitzer Wassermühle lädt zum Hoffest ein

Das dort heimische Grün-Alternative Zentrum Leipzig e.V. lädt anlässlich des 19. Deutschen Mühlentags von 10 - 18 Uhr zu einem Hoffest mit Markt in die Dölitzer Wassermühle in die Vollhardtstraße 16 ein.

Als Besonderheit kann in diesem Jahr das erste von 60 neuen Mühlenfenstern bestaunt werden, welches durch Spenden von Leipziger Unternehmen finanziert wurde. Außerdem können die Besucher dieses Mal Lehmsteine nach traditioneller Art unter Anleitung selbst herstellen. Diese Lehmsteine werden später für den Innenausbau der Mühle genutzt.

Zur vollen Stunde werden wie jedes Jahr Führungen über das Gelände angeboten, Marktstände laden zum Schauen und Bummeln ein. Ein Mitarbeiter des Landesamtes für Archäologie präsentiert Fundstücke, die bei den Ausgrabungen in der Mühle gefunden wurden.

Für Kletterlustige gibt es eine Bachquerung über die Mühlpleiße mit dem Veranstalter „Querfeldein Natur. Gemeinsam. Erleben.“ Um 15.30 Uhr können Kinder das Theaterspiel „Tischlein deck dich“ erleben, welches von den Vereinsmitgliedern wieder selbst aufgeführt wird. Außerdem freut sich das „Spielmobil“ des Kultur- und Umweltzentrums e.V. auf die kleinen Gäste und ein Jongleur unterhält mit Mitmachangeboten Groß und Klein. Für das leibliche Wohl der Besucher wird mit Kaffee und Kuchen und Herzhaftem vom Grill gesorgt. Die Bäckerei Kleinert verkauft traditionell ihr Dölitzer Mühlenbrot aus dem Lehmbackofen.

Die Dölitzer Wassermühle ist die einzige erhaltene Wassermühle mit Mühlentechnik in Leipzig. Durch das Engagement des Grün-Alternativen Zentrums Leipzig e.V. konnte die Mühle vor dem drohenden Einsturz gerettet werden. Seit 1992 entstand in mühevoller Kleinarbeit ein romantischer Vierseitenhof, der seinesgleichen in unserer Stadt sucht.

Besucherandrang am Wasserrad der Dölitzer Wassermühle.
Besucherandrang am Wasserrad der Dölitzer Wassermühle.
Foto: Grün-Alternatives Zentrum Leipzig e.V.

Weitere Mühlen in Leipzig und im Landkreis Leipzig, die am 28. Mai zum Deutschen Mühlentag einladen:

Kretzschmar Mühle Leipzig in der Rehbacher Straße 83, eine derzeit nicht funktionsfähige Turmwindmühle, die aber besichtigt werden kann.

Bockwindmühle Lindennaundorf in Frankenheim-Lindennaundorf, Festwiese in Höhe Priesteblicher Straße 20. - Die Wiedereröffnung des Denkmals erfolgte zum Dt. Mühlentag 2010. Neben Mühlenführungen gibt es ein buntes Programm und rustikale Mahlzeiten vom Grill und aus der Gulaschkanone, Kaffee und Kuchen. Erste-Hilfe-Station für durstige Mühlenfreunde.

Lindigtmühle am Lindenvorwerk im Kohrener Land, Kohren-Sahlis, OT Linda Nr. 34. Eine Wassermühle von 1524 mit oberschlächtigem Wasserrad und Schrotgang, Haferquetsche. 1994 - 1998 restauriert, vollfunktionsfähig, Backstube mit Altdeutschen Steinbackofen, Müllerburschenkammer, Laubengang, Mühlenladen, ... - Hier gibt's ein volles Programm mit Blasmusik und Kunstmarkt.

Schiffmühle Höfgen, Vereinigte Mulde, Höfgen (www.hoefgen.de), nach historischem Vorbild neuerbaute funktionsfähige Schiffmühle. Um 15 Uhr lädt Dr. Uwe Andrich zu einem Vortrag an der Höfgener Schiffmühle ein, die derzeit nicht geöffnet ist, sondern im Hafen, nahe dem Hotel „Zur Schiffsmühle“ in Höfgen auf den baldigen Beginn einer umfassenden Sanierung wartet.

Museum Wassermühle Höfgen, Höfgener Dorfstraße 8, Grimma - Höfgen, eine Wassermühle mit oberschlächtigem Wasserrad, Backofen, nachgebildeter Müllerwohnung. Zum Mühlentag gibt's Schaumahlen, Sonderführungen, Brotbacken und gastronomische Versorgung im "Historischen Gasthaus zur Wassermühle".

Bockwindmühle Ebersbach, Thierbaumer Straße 15, Bad Lausick. Eine sehr gut erhaltene (restaurierte) Bockwindmühle mit alter Technik. Geplante Aktivitäten: Besichtigung, Führung, Bewirtung.

Breunsdorfer Bockwindmühle, Windmühlenstraße, Frohburg, OT Schönau. Eine Bockwindmühle mit Jalousieflügel, erstmals 1862 für Breunsdorf gebaut, bis 1942 in Betrieb, Januar 1986 vom Bock gefallen und nach Schönau transportiert, 1995 Wiederaufbau in Schönau. Geplante Aktivitäten: Besichtigung, Bewirtung, eventuell Volksmusik und Posaunenchor.

Artelt-Neuholländer in Wyhra bei Borna am Obersteiger (Blumrodaer Weg). - Gerhard Artelt ist seit 1977 als aktiver Mühlenbauer tätig, der Artelt-Neuholländer verbindet historische Technik des Mühlenbaus mit neuzeitlichen Materialien und Verfahren. Ziel ist es, künftig wieder ökologische Produktionsmethoden bis hin zur Energiegewinnung zu versuchen (Überschussenergiegebäude).

Bockwindmühle Kühnitzsch in Lossatal, OT Kühnitzsch, Mühlenweg zwischen Kühnitzsch und Trebelshain. - Eine sehr gut erhaltene Bockwindmühle inkl. Innenausstattung Chronik: 1588 erstmals im Verzeichnis der Windmühlen erwähnt. 1812 Umbau zur jetzigen Mühle. Bis 1974 wird in der Mühle Getreide gemahlen (auch mit Elektromotor), 1978 wird die Mühle an die Gemeinde Kühnitzsch zur Erhaltung als technisches Denkmal übergeben, 1992 werden die Windmühlenflügel wieder angebracht, heute betreut der Heimatverein die Mühle. - Am Mühlentag werden 200 Jahre Bockwindmühle Kühnitzsch gefeiert. Deshalb findet hier auch die bundesweite zentrale Eröffnungsveranstaltung des 19. Deutschen Mühlentages ab 10.00 Uhr mit Gottesdienst und Eröffnung des Bauernmarkts statt.

Drei Mühlen-Tipps im Landkreis Nordsachsen:

Besucherandrang am Wasserrad der Dölitzer Wassermühle.
Besucherandrang am Wasserrad der Dölitzer Wassermühle.
Foto: Grün-Alternatives Zentrum Leipzig e.V.
34. Paltrockwindmühle Kyhna, Windmühlenweg 1 in Neukyhna, OT Kyhna. - Begründet wurde dieses Mühlengehöft 1828, erbaut wurde die Bockwindmühle wohl bereits im Jahre 1825. Bis 1990 befand sich die Mühle im Besitz der Familie Dorn und gelangte danach durch Schenkung in den Besitz von Martin Wernicke. 2002 fegte ein Sturm übers Land und riss die Flügel und fast die ganze Mühle mit sich. 2004/05 baute Wernicke - gelernter Zimmerermeister - die nicht mehr standsichere Mühle zur Paltrockwindmühle um. Nun steht sie wieder sicher auf 60 Rollen. - Von 10 bis 18 Uhr Besichtigung und Mühlenführungen, Für Kinder: Die Jugendfeuerwehr Kyhna stellt sich vor. Mühlenschmaus: Kaffee & selbstgebackener Kuchen, Getränke & Deftiges vom Grill von der Freiwilligen Feuerwehr Kyhna.

Ehemalige Wassermühle Badrina in Schönwölkau, OT Badrina, Leipziger Straße 4. - 1464 Erwähnung der am angestauten Nebenarm der Leine gelegenen Wassermühle. Bis in das 18. Jahrhundert gehört die Mühle zur Eigenwirtschaft des hiesigen Rittergutes und wurde verpachtet. 1842 hatte sie zwei Mahlgänge. Seit 1913 befindet sich im Gehöft auch eine Bäckerei mit altdeutschem Backofen. 1928 wurde das Wasserrad abgebrochen und durch einen Elektroantrieb ersetzt. Bis 1952 wurde noch für die Bauern der Umgebung Mehl gemahlen, ab dann nur noch für den eigenen Bäckereibetrieb. 1963 wurde die Mühle stillgelegt, die Bäckerei arbeitete noch bis 2007. - Um 10 Uhr gibt es einen Freiluftgottesdienst mit Pfarrerin Eva Fitschen, Kirchspiel Krippehna, von 11 bis 18 Uhr leckeres Essen und Trinken, herzhaft und süß, schöne Musik und Familien-Theater, regionale Produkte, gute Gespräche, kulturelle Überraschungen.

Werbeliner Bockwindmühle Reibitz an der Badrinaer Landstraße, Schullandheim in Reibitz. - Die Mühle wurde 1844 im alten Rundlingsdorf Werbelin erbaut. Der letzte gewerblich arbeitende Mühlenbesitzer hat bis 1950 gemahlen, bis 1960 noch geschrotet. Das gesamte Dorf fiel 1990 dem Braunkohlentagebau Delitzsch Süd-West zum Opfer. Heute befindet sich an dieser Stelle der Werbeliner See (zwischen Delitzsch und Leipzig). Der Landkreis Delitzsch kaufte die Mühle und eine Löbnitzer Firma demontierte sie fachgemäß. 1994/95 wurde sie auf dem Gelände des
Schullandheimes Reibitz originalgetreu wieder aufgebaut. Sie ist heute vollständig rekonstruiert, in sehr gutem Zustand und windgängig. Die Bockwindmühle dient im Schullandheim zu Bildungszwecken und als touristische Attraktion.

Weitere Informationen zum Deutschen Mühlentag und auch die Listen aller teilnehmenden Mühlen findet man unter: www.muehlen-dgm-ev.de

www.doelitzer-wassermuehle.de


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