Sachsens Wälder 2012: Allgemein die Note "gut" - den Eichen in Leipzig aber setzen die Schädlinge zu
Ralf Julke
20.12.2012
Eiche im Clara-Zetkin-Park.
Foto: Ralf Julke
Der Gesundheitszustand des sächsischen Waldes ist auch im Jahr 2012 weiter auf gutem Niveau. „Sachsens Wälder werden immer vielfältiger und vitaler. Der Anteil gesunder Bäume hat sich im Vergleich zum vergangenen Jahr nicht verändert, seit 2008 liegt er auf einem hohen Niveau“, sagte Sachsens Forst- und Umweltminister Frank Kupfer. Am Freitag, 19. Dezember, stellte er in Dresden den "Waldzustandsbericht 2012" vor.
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Den gibt es jedes Jahr aufs neue. Um ihn zu erstellen, laufen Sachsens Forstfachleute vorher systematisch durch die Wälder, ermitteln Bodenbeschaffenheit, Wasserhaushalt, Stoffeintrag und Kronenzustand. Und natürlich den speziellen Schädlingsbefall je Baumart.
Deswegen gibt es zwar so eine Art Gesamtergebnis. Aber natürlich kommen die unterschiedlichen Baumarten in den verschiedenen Landesteilen unterschiedlich gut bzw. schlecht mit den Stressoren zurecht. Mit der Wasserknappheit im August zum Beispiel. Irgendwann werden Sachsens Forstleute die Entwicklung wohl auch einmal einordnen in einen Klima-Anpassungs-Bericht. Denn tatsächlich ist parallel ja auch der Umbau der sächsischen Waldlandschaft im Gang - weg von den lange Jahrzehnte industriell angebauten Nadelwäldern hin zu einem resistenteren Mischwald. Denn einige der Schädlingsplagen, die der Bericht auflistet, haben natürlich mit verbesserten klimatischen Bedingungen für die Ausbreitung der Schädlingspopulationen zu tun.
Trotzdem ist der Befund 2012 dem der Vorjahre ähnlich und im Allgemeinen von den Experten als gut eingeschätzt.
Aber auch Frank Kupfer betonte, dass die sich abzeichnenden Klimaänderungen, zunehmende Bedrohung durch Schädlinge und weiterhin feststellbare Schadstoffeinträge die Notwendigkeit des im europäischen Verbund durchgeführten forstlichen Umwelt- und Waldschutzmonitorings deutlich machen. „Wir müssen auch weiterhin den Puls des Waldes fühlen, um sowohl vorbeugend als auch bei akutem Bedarf die richtigen Maßnahmen einleiten zu können", sagte er am Mittwoch in Dresden. In den kommenden Jahren müsse sich auch Sachsen auf eine deutliche Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners einstellen. „Die Entwicklung verschiedener Schadinsekten wird deshalb Gegenstand aufmerksamer Beobachtung sein“, so Kupfer weiter. Zudem sei es erforderlich, den Waldumbau an den jeweiligen Standort angepasst fortzusetzen.
Eichen mögen's etwas feuchter: Eiche im Clara-Zetkin-Park.
Foto: Ralf Julke
„Ich bin sehr froh darüber, dass wir 2012 gute Rahmenbedingungen für den Gesundheitszustand des sächsischen Waldes, aber auch für eine ordnungsgemäße Waldbewirtschaftung hatten. Blickt man auf die letzten Jahre zurück, dann gab es fast kein Jahr, in dem wir von Stürmen, Schneebruchschäden und Borkenkäferbefall verschont geblieben wären“, so der Minister. „Noch bis Anfang Dezember stimmten die Bedingungen, bis auf das trockene, warme Frühjahr und die unausgeglichenen Niederschläge im Sommer. Trotz vorhandener Population ist es gelungen, auch den Befall durch den Borkenkäfer wieder auf einem Minimum zu halten.“ Seit dem ersten Dezemberwochenende seien jedoch im gesamten Erzgebirge und in der Lausitz erneut Schneebruchschäden entstanden.
Im einzelnen zeigt die Waldzustandserhebung 2012, dass der Kronenzustand der Laubbäume weiterhin schlechter ist als der der Nadelbäume. Der Anteil deutlich geschädigter Bäume ging jedoch auch bei den Buchen im Vergleich zum Vorjahr zurück. Nennenswerte Waldschäden traten an Eichen durch den Blattfraß von Schmetterlingsraupen (Eichenwickler und Frostspannerarten) auf.
Mit 16,6 Prozent ist die mittlere Kronenverlichtung aller Baumarten nahezu unverändert zum Vorjahreswert (16,5 Prozent). In der Einteilung der Ergebnisse der Waldzustandserhebung in Kombinationsschadstufen, die sich aus Verlichtungs- und Verfärbungsgrad der Baumkronen ergeben, wurden 2012 in Sachsen 43 Prozent als gesund (ohne erkennbare Schadmerkmale; Schadstufe 0), 41 Prozent als schwach geschädigt (Schadstufe 1) und 16 Prozent der Bäume als deutlich geschädigt (Schadstufen 2 - 4) eingestuft. Damit ist der Anteil gesunder Bäume unverändert zum letzten Jahr und seit 2008 auf relativ hohem Niveau. Die Anteile schwach und deutlich geschädigter Bäume sind zum Vorjahr ebenfalls unverändert.
Was aber auffällt und natürlich mit den vorherrschenden Baumarten zu tun hat, ist: In diesem Jahr treten wieder deutlichere regionale Unterschiede im Kronenzustand hervor. Bei den Häufigkeiten deutlich geschädigter Bäume bleibt das Tiefland (Mittleres nordostdeutsches Altmoränenland / Düben-Niederlausitzer Altmoränenland) mit geringen Anteilen unverändert.
Die östlichen Gebirge (Elbsandsteingebirge / Oberlausitzer Bergland / Zittauer Gebirge) und das östliche Hügelland weisen geringere Anteile deutlicher Kronenverlichtungen auf.
Im Erzgebirge hingegen, dem waldreichsten Wuchsgebiet, und im Vogtland stieg die mittlere Kronenverlichtung leicht an. Und für die Region Leipzig insbesondere gilt: Die mittlere Kronenverlichtung und der Anteil von Bäumen mit ungünstigem Kronenzustand liegen im Sächsisch-Anhaltinischen Lößhügelland deutlich über dem Landesdurchschnitt. Dies resultiert aus der Stresssituation (Insektenfraß, Frost), denen die in diesem Wuchsgebiet dominierenden Eichen aktuell unterliegen.
Die Waldzustandserhebung wird jährlich jeweils im Juli und August durchgeführt. In diesem Jahr wurden sachsenweit an 283 Stichprobenpunkten 6.800 Bäume begutachtet.
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