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Sachsen und die Braunkohle: Die Lüge vom preiswerten heimischen Brennstoff (1)

Ralf Julke
Bergbautechnikpark an der A 38.
Bergbautechnikpark an der A 38.
Foto: Matthias Weidemann
Immer wieder bekommen wir Leserkommentare, die uns mit großer Verwunderung klar machen wollen, dass die Erneuerbaren Energien der Preistreiber der aktuellen "Energiewende" seien und kein Strom so preiswert sei wie der aus sächsischen Braunkohlekraftwerken. Man hört es ja an jeder Straßenecke. Auch Ministerpräsident Stanislaw Tillich redet alle Nase lang vom "günstigen Energieträger".


Am 28. Oktober zum Beispiel nach dem Gespräch mit Bundesumweltminister Peter Altmaier: "Und wir haben in Sachsen noch für viele Jahrzehnte den einzigen einheimischen günstigen Energieträger, der immer Strom liefern kann: die Braunkohle."

Oder am 2. November nach einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Der Braunkohle in ihrer Rolle als grundlastfähiger Energieträger wird entsprochen. Dafür wird die Bundesregierung bis zum Sommer 2013 einen Vorschlag für einen ordnungspolitischen Rahmen der Kraftwerke vorlegen. Ziel ist eine marktwirtschaftliche Lösung für die mittel- und langfristige Sicherstellung von ausreichender Reservekapazität sowie Planungs- und Investitionssicherheit für Betreiber und Investoren fossiler Kraftwerke. Braunkohle ist verfügbar und wirtschaftlich konkurrenzfähig. Braunkohle sichert nicht nur heimische Arbeitsplätze, sondern sorgt auch dafür, dass Strom bezahlbar bleibt."

Aber es wird nicht wahrer, je öfter man es wiederholt: Braunkohle ist wirtschaftlich nicht konkurrenzfähig. Aus vielerlei Gründen. Einer heißt: Subvention. Braunkohlestrom wird in Sachsen gleich mehrfach subventioniert. Ohne Subvention wäre kein einziges Braunkohlekraftwerk in Sachsen mehr konkurrenzfähig.

Ein Grundproblem der Kohleverstromung ist bis heute nicht geklärt: Wohin mit dem Kohlendioxid? Durch seine Kohlekraftwerke kommt Sachsen auf ein CO2-Aufkommen pro Einwohner und Jahr von 12 Tonnen. Bis vor Kurzem träumten ja Sachsen und Brandenburg noch den Traum, sie könnten das Zeug in Kürze einfach ins Erdreich verpressen. Am 19. Juni sprachen Matthias Platzeck, Ministerpräsident von Brandenburg, und Stanislaw Tillich bei einer gemeinsamen Kabinettsitzung darüber. Das Ergebnis war eher Ratlosigkeit, auch wenn das in der Pressemitteilung dann eher nach forschem Tatendrang klang: "Beide Länder stimmten darin überein, dass die Braunkohle als einziger einheimischer Energierohstoff in ausreichender Menge zur Verfügung steht. Nach Überzeugung Brandenburgs und Sachsens kommt der CO2-armen Verstromung von Braunkohle in modernen Kraftwerken mit hohen Wirkungsgraden eine Schlüsselrolle bei der Gewährleistung der Versorgungssicherheit des Industriestandortes Deutschland zu. Angesichts der Akzeptanzprobleme der so genannten CCS-Technologie treten die Landesregierungen für eine verstärkte Forschung hinsichtlich der chemischen Verwertung von CO2 ein."

Bergbautechnikpark an der A 38.
Bergbautechnikpark an der A 38.
Foto: Matthias Weidemann

Nachdem sich gerade jene Bundesländer geweigert haben, in ihrem Territorium CO2-Verpressungen in unterirdische Speicher zuzulassen, die über genügend solcher natürlichen Speicher verfügen, ist das Thema CCS in Deutschland auf Jahre hinaus erledigt. Und dass Platzeck und Tillich jetzt die Hoffnung auf mögliche chemische Verwertungen des anfallenden CO2 setzen, liegt schlicht daran, dass auch das CCS-Testprojekt des Energiekonzerns Vattenfall im brandenburgischen Jänschwalde mittlerweile ad acta gelegt wurde. Vattenfall dazu: "Einen entscheidenden Schritt zur Weiterentwicklung der Technologie wäre das von Vattenfall geplante CCS-Demonstrationskraftwerk am Standort Jänschwalde gewesen. Das von der EU als bestes CCS-Projekt Europas bewertete Vorhaben konnte aufgrund der fehlenden rechtlichen Grundlage nicht umgesetzt werden. Durch die anhaltende Hängepartie um das deutsche CCS-Gesetz war Vattenfall gezwungen, die Planungen für das Projekt im Dezember 2011 einzustellen."

Vielleicht gibt's in zehn Jahren einen neuen Anlauf, meint Vattenfall: "Es besteht die Absicht, in den 2020er Jahren in Jänschwalde ein neues CCS-Kraftwerk zu bauen und damit den Energiestandort langfristig zu sichern. Voraussetzung dafür ist die Entwicklung der CCS-Technologie zur industriellen Reife durch andere Projekte."


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Und zum Wirkungsgrad der Kohlekraftwerke, den die sächsische Landesregierung immer wieder so gern beschwört: Der im Oktober 2012 ans Netz gegangene Kraftwerksblock R im Kraftwerk Boxberg soll laut Angaben von Vattenfall bis zu 43,7 Prozent betragen. Die in den 1990er Jahren gebauten Blöcke erreichen 42 Prozent. Das im Jahr 2000 in Betrieb genommene Kraftwerk Lippendorf im Leipziger Süden schafft bis zu 42,55 Prozent. Das sind die gewaltigen Effizienzsteigerungen, von denen die sächsische Regierung schwärmt. Aber auch diese Prozente werden nur erreicht, wenn das Kraftwerk dauerhaft mindestens eine Grundlastmenge produziert, so dass gleichmäßige Verbrennungsabläufe gewährleistet sind. Diese Grundlast aber "verstopft" immer dann, wenn auch der Wind kräftig weht und die Sonne wolkenlos einstrahlt ins Land, die Netze, sorgt dafür, dass die Strompreise an der Strombörse EEX in den Keller rauschen und dass Windkraftablagen abgeschaltet werden müssen, weil sie "Überlast" produzieren.

Und trotzdem will die Mibrag noch ein weiteres Kohlekraftwerk im Leipziger Süden bauen (obwohl die bestehenden Kohlekraftwerke jetzt bis ins Jahr 2035 problemlos die Stromversorgung Sachsens und drüber hinaus absichern können). Von solchen Plänen kann die Mibrag nur träumen, weil Kohlestrom weiterhin subventioniert wird.

Zwei Subventionen liegen völlig offen auf dem Tisch: die Subventionierung bei der Wasserentnahme und die bei den Bergbaufolgekosten.

Beides bereiten wir jetzt in zwei einzelnen Artikeln einmal auf.

Teil 2 vom 6. Januar 2013 auf L-IZ.de

Die Lüge vom preiswerten heimischen Brennstoff (2): 30 Millionen Euro direkte Subventionierung - jedes Jahr

Teil 3 vom 6. Januar 2013 auf L-IZ.de
Die Lüge vom preiswerten heimischen Brennstoff (3): Eine halbe Milliarde Euro für die Bergbaufolgekosten bis 2017

Die Süddeutsche zum verzerrten Strompreissystem in Deutschland: www.sueddeutsche.de/geld/studie-zu-energiekosten-das-maerchen-vom-teuren-oekostrom-1.1515904

Vattenfall zur Einstellung des CCS-Experiments: www.vattenfall.de/de/vattenfall-und-ccs.htm



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