Knoflacher lässt grüßen: Gehzeuge laufen in der City gegen Flächenverbrauch der PKW
Daniel Thalheim
26.06.2009
Die Karawane zog durch die Grimmaische Straße hinüber in die Hainstraße.
Foto: Daniel Thalheim
Am Freitagnachmittag, den 26. Juni, wurden Leute gesichtet, die Holzgestelle mit Spruchbändern in der City herumtragen. Diese trillernde und hupende Karawane zog durch die Grimmaische Straße über den Markt hinüber in die Hainstraße. Was ist in der City los, wo sich Passanten mal interessiert, mal pikiert an den Kopf greifen und sagen: „Verrückt, jetzt dürfen schon Leute in aller Öffentlichkeit Drogen konsumieren“.
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Die selben Leute haben auch das Infomaterial nicht annehmen wollen, in dem steht, worum es bei dieser Aktion geht. Alexander John, Sprecher des Ökolöwen Leipzig und Mitglied der Leipziger Klima-Allianz erklärt das Vorhaben: „Es handelt sich hierbei um selbstmontierte Holzgerüste, die den Flächenverbrauch von PKW darstellen sollen. Mit den angebrachten Trägern tragen wir diese Gestelle durch die Innenstadt um die Leute auf den Flächenverbrauch der PKW aufmerksam zu machen“.
Alexander John, Sprecher des Ökolöwen Leipzig und Mitglied der Leipziger Klima-Allianz.
Foto: Daniel Thalheim
Dabei hat sich die Gruppe um Alexander John richtig Mühe gegeben. Man hat sogar die einzelnen Kraftfahrzeugtypen nachzustellen versucht. „Da haben wir den vier Meter langen Kleinwagen, eine fünf Meter langen Oberklassewagen und einen viereinhalb Meter langen Mittelklassewagen“, erklärt John zu den unterschiedlichen Größen der Holzgestelle.
John weiter: „Problem an einem Fahrzeug ist es nicht, dass es fährt, sondern unheimlich viel Platz weg nimmt. Sinn dieser Veranstaltung ist es, dass die Menschen darüber nachdenken. Wenn man überlegt, dass ein Oberklassewagen eine Grundfläche von knapp zehn Quadratmetern einnimmt und keinen Anstoß erregt, wenn er auf dem Gehweg parkt. So groß ist nicht mal ein WG-Zimmer des einen oder anderen Studenten“.
Mit Gehzeugen zum Nachdenken anregen.
Foto: Daniel Thalheim
Woher die Idee stammt, erläutert Alexander John ebenfalls: „Die Idee stammt von dem Wiener Professor Hermann Knoflacher. Er erfand das erste Gehzeug und hat immer wieder mit seinen Studenten solche Aktion wie unsere in Wien durchgeführt. Auch er wollte die Menschen zum Nachdenken über den PKW-Flächenverbrauch anregen. Er wurde natürlich auch von ganz vielen Leuten skeptisch beäugt, als er mit so einem Holzkonstrukt durch die Straßen und Staus Wiens lief. Er stellte fest, dass sich die Leute über Menschen in scheinbar nutzlosen Holzrahmen aufregen, aber nicht über Menschen in rollenden Blechbüchsen“.
Trillernd und hupend auf den Flächenverbrauch der PKW aufmerksam machen.
Foto: Daniel Thalheim
Hermann Knoflacher (69) ist Professor an der Technischen Universität Wien und im Vorstand des Instituts für Verkehrsplanung und -technik tätig. Der Österreicher wurde für seine wissenschaftliche Arbeit und sein Engagement mehrfach ausgezeichnet und ist wegen seiner unkonventionellen Herangehensweise berühmt. So auch durch seine Aktion mit den Gehzeugen.
Die Aktion am 26. Juni wurde von der Fahrradaktionsgruppe Leipzig veranstaltet. Das ist ein freier Zusammenschluss von ADFC, VCD, Ökolöwe, Klima-Allianz, StuRa und verschiedenen Einzelpersonen. Ziel dieser Aktion war es, auf das jetzige Konzept der autoarmen Innenstadt aufmerksam zu machen. Denn bis jetzt wird in der Innenstadt lediglich der Fahrradverkehr eingeschränkt. Linienbusse, Anlieferfahrzeuge und Anlieger sind davon nicht betroffen. Das zeigt auch das Beispiel Hainstraße, wo sich offensichtlich die Passanten über Radfahrer mehr aufregen, als über eine Edelstahlkarosse auf vier Rädern. Absurde Situation in einer Universitätsstadt, wo das Auto in der City immer noch Vorrang hat.
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