Aufklärungskampagne für Leipzigs City-Radler: Bitte absitzen im Boulevard
Ralf Julke
16.07.2009
Radfahrer-Aufklärung: Helmut Loris, Edeltraut Höfer, Horst Wawrzynski, Jörg Zimermann.
Foto: Ralf Julke
Rechts oben das offizielle blaue Schild, links auf einmal ein gelbes. Nicht nur Fahrradfahrer haben sich gestern gewundert beim Einrollen in die Innenstadt. Auch Fußgänger waren erstaunt. Und Autofahrer hat's scheinbar gar nicht gekümmert. Dabei ging's um die autoarme Innenstadt.
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Die wird Zeit brauchen, bis sie in allen Teilen umgesetzt ist. Sie entsteht im Baukasten-Prinzip. Für manches Baustück fehlt noch das Geld. – Ein wesentlicher Baustein sind die drei Fußgänger-Achsen, in dem der fußläufig wandelnde Mensch eigentlich sicher und gemütlich unterwegs sein dürfte. Ist er aber nicht.
Davon konnten sich Leipzigs Polizeipräsident Horst Wawrzynski, Ordnungsamtschef Helmut Loris und Edeltraut Höfer, Leiterin des Verkehrs- und Tiefbauamtes, am Mittwoch, 15. Juli, 11 Uhr beim Vor-Ort-Termin am Peterskirchhof überzeugen. Eigentlich ging es um eine kleine Aufklärungs-Aktion: eben jene gelben Schilder, die seit gestern an den Zugängen zu den Fußgängerstraßen stehen und Radfahrer darauf aufmerksam machen, dass seit Mai in der Petersstraße, der Grimmaischen Straße und der Hainstraße das Radfahren nur noch eingeschränkt erlaubt ist – nämlich außerhalb der Geschäftsöffnungszeiten von 11 bis 20 Uhr.
Innerhalb dieser Zeiten muss abgestiegen werden. Das verärgert selbst Bewohner der Innenstadt.
„Aber ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass diese Regelung nur für diese drei Straßen gilt", sagte Edeltraut Höfer. Doch wer die Alternativstraßen kennt, weiß: Fahrradfahren ist dort auch nicht favorisiert. Burgstraße und Neumarkt sind regelmäßig zugeparkt. Und Anlieferzeiten scheinen hier erst recht nicht zu gelten. Noch weniger als auf den drei Boulevards, auf denen auch dann noch Lkw und Pkw unterwegs sind, wenn sich längst die Kauflustigen drängeln.
Und nicht nur der Boulevard wird zugeparkt, auch der Blindenleitstreifen, der in der Petersstraße und der Grimmaischen eine Orientierung gibt, verschwindet – unter parkenden Lkw, seltener unter Freisitzen, öfter aber auch unter Auslagen und Werbeaufstellern.
Ordnungsdienst und Bürgerdienst LE informieren Radfahren in den nächsten vier Wochen übers beschränkte Radfahrverbot.
Foto: Ralf Julke
„Wir kontrollieren das regelmäßig", sagt Helmut Loris. Gesteht aber auch ein, dass es immer wieder Kandidaten gibt, die sich nicht an die Regeln halten. Unter anderem auch, weil das Aufgebot an Polizisten, Politessen und Mitarbeitern des Bürgerdienstes LE, die in den nächsten vier Wochen in den Boulevards präsent sein werden, eine Ausnahme ist. Sozusagen ein Sommer-Sonderangebot. Sie sollen vor allem die Radfahrer darüber aufklären, dass sie nach 11 Uhr vom Rad zu steigen und zu schieben haben.
Sie bekommen – weil die Stadtverwaltung verständnisvoll davon ausgeht, dass viele weder die Verkehrsschilder kennen noch die aktuellen Änderungen – ein Faltblatt in die Hand gedrückt und eine freundliche Aufklärung. "An Sanktionen denken wir derzeit noch nicht", sagt Loris.
30.000 Faltblätter wurden gedruckt. Ein Teil wird an die Haushalte der Innenstadt verteilt, andere liegen bei den innerstädtischen Polizeidienststellen aus.
Gelbe, temporäre Schilder sollen auf die geltenden Regeln aufmerksam machen.
Foto: Ralf Julke
„Im September werden wir neue Flyer drucken", sagt Edeltraud Höfer. "Dann kommen die neuen Studenten. Da macht eine zweite Runde Sinn."
„Wir wollen die Köpfe erreichen", sagt Horst Wawrzynski. „Ich denke, wir kommen am Weitesten, wenn wir die Akzeptanz bei den Bürgern erreichen. Deswegen sind wir vorerst nur zur Aufklärung unterwegs." Die gelben Schilder, die man jetzt in der Nähe der Blindenleitstreifen sieht, sind deshalb auch nur temporär und sollen aufmerksam machen, dass es ein paar – auch im Straßenbelag sichtbare – Übereinkünfte gibt, ohne die das Miteinander in einer quirligen Innenstadt nicht geht.
Ob es der Diskussion um das Radeln in der City die Spitze nimmt, bleibt offen. Denn ungelöst ist noch auf lange Sicht das Problem der Fahrradstellplätze: 730 Anlehnbügel gibt es derzeit in der Innenstadt. Sichtlich viel zu wenige. Rund 400 sollen noch aufgestellt werden. Doch der Stadt fehlt dazu aktuell das Geld. Und so recht hellhörig geben sich auch die Kaufhäuser und Immobilienbesitzer in der Innenstadt bei diesem Thema nicht. Was nicht verwundert, denn fast jeder, der in den letzten 18 Jahren in der City gebaut hat, hat eine opulente Tiefgarage eingebaut. Warum noch Stellplätze für Fahrräder schaffen, wenn Autos erwünscht sind?
Zuweilen gibt es auch noch Raumnöte: Wohin mit den Fahrradabstellbügeln? Vielleicht doch auf ein paar teure Schmuckelemente verzichten wie in der Grimmaischen Straße, wo die hübschen Schmuckelemente längst zu Fahrradabstellern geworden sind? Oder doch ein paar Autoabstellplätze auflösen, um Fahrradwege unterzubringen?
Ein Thema, das mittlerweile auch andere Stadtgebiete beschäftigt: Während immer mehr ruhende Pkw den Straßenraum verstellen, kommen sich Radfahrer und Fußgänger immer öfter ins Gehege. Und das, obwohl Leipzig so gern eine fahrradfreundliche Stadt sein will.
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