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AMI Leipzig 2010: Die Zeit der Offroader geht zu Ende

Ralf Julke
AMI Leipzig 2010.
AMI Leipzig 2010.
Foto: Leipziger Messe
Sie ist 2010 die Nr. 1 unter den deutschen Automessen – die größte, spannendste, novitätenreichste: die Auto Mobil International, die vom 10. bis 14. April in Leipzig stattfindet. Auch deshalb, weil sich die großen Automessen sortiert haben. Und Leipzig gehört dazu.

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Auch weil hier der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller e. V. (VDIK) seit Jahren der Partner ist für die Aussteller. Wer auf dem deutschen Automarkt seine Modelle rollen lässt, ist hier in der Regel Mitglied. Man kennt sich also. Und die Zahl de Mitglieder ist überschaubar, wird auch in naher Zukunft noch überschaubarer werden. Denn die Branche ist im Umbruch. Die größten Märkte sind gesättigt. Wachstumsmärkte findet man nur noch in Übersee und Fernost. Da sind deutsche Autobauer fleißig unterwegs. Doch was in Deutschland gerade geschieht, wird auch dort greifen, wenn die erste Nachfrage gesättigt ist: Dann fallen auch dort wieder die Verkaufszahlen.

Lang ist es her, dass in Deutschland 4 Millionen Pkw pro Jahr verkauft wurden. Das war gleich nach dem Mauerfall, als sich Ostdeutschland der alten Zweitakter entsorgte und sich mit neuen Mobilen eindeckte. Als dieses Feuerwerk vorbei war, fielen die Anmeldezahlen Jahr für Jahr. Einige "Experten" riefen regelmäßig Alarm! und forderten Hilfe von der "Politik". Man hätte gern auf Rekordniveau weitergemacht, obwohl alle Autobauer wussten, was sie da bauten: Fahrzeuge, die nicht nur immer teuer und pfiffiger wurden, sondern auch immer haltbarer.

Vorpressekonferenz zur AMI 2010: Martin Buhl-Wagner und Volker Lange.
Vorpressekonferenz zur AMI 2010: Martin Buhl-Wagner und Volker Lange.
Foto: Ralf Julke

"Die Autos werden länger gefahren", stellte denn auch Volker Lange, Präsident des VDIK, am Mittwoch zur Vor-Pressekonferenz zur AMI in Leipzig fest. "Die Autos halten auch länger." Wer heute ins Autohaus geht, kauft keinen Verschleißgegenstand mehr, der in vier, fünf Jahren reif ist für den Zweitmarkt oder die Schrottpresse. Der will eine Geldanlage, die sich über acht oder zehn Jahre rentiert. Oft genug auch länger. Und nicht einmal die Werkstätten freut das, denn die neuen Fahrzeuge mit ihren neuen Werkstoffen sind auch seltener reparaturanfällig.

Es sei denn, ein auf schnelles Wachstum erpichter Konzern vergisst im Detail des Gaspedals die notwendige Qualitätsstrenge. Dann wird eine Rückrufaktion Milliarden Euro teuer.

VDIK-Präsident Volker Lange.
VDIK-Präsident Volker Lange.
Foto: Ralf Julke
Und wohin entwickelt sich nun der deutsche Automarkt? Vermeldeten die Händler da nicht 2009 wieder 3,85 Millionen verkaufte Fahrzeuge? – Ja, das taten sie. Die so genannte Umwelt- oder Abwrack-Prämie ist schuld. Sie hat so manchen Autofahrer die Neuanschaffung vorziehen lassen. Maßstab, so Volker Lange, ist aber tatsächlich ein Jahr wie das Jahr 2007, als die Einführung der höheren Mehrwertsteuer auch in den ersten Monaten die Verkaufszahlen einbrechen ließ.

So wie jetzt im Jahr 2010: 376.035 Neuzulassungen wurden im Januar und Februar in der Bundesrepublik registriert, 19,5 % weniger als 2009. Und da griff ab Februar schon die "Abwrack-Prämie". Gegenüber 2008 war es ebenfalls ein Minus von 16,3 Prozent. Und das war ein Jahr, da standen am Ende 3,09 Millionen Neuzulassungen im Buch. Eine Zahl, die Volker Lange auch schon für das Höchste noch Erreichbare hält – falls die Konjunktur in Deutschland noch einen ordentlichen Schub bekommen sollte.

Aber danach sieht es nicht aus. 2,8 Millionen Neuzulassungen hält er für möglich, 2,9 vielleicht. Ein Wert, der auch 2009 in den Büchern gestanden hätte. Das durch die Abwrackprämie ausgelöste Feuerwerk beziffert der VDIK mit 1 Million zusätzlich verkaufter Neuwagen. Das sind, so Lange, natürlich alles vorgezogene Anschaffungen, die zuallererst Arbeitsplätze gesichert haben.

Was sie nur verschoben haben, ist der Konsolidierungsdruck auf die Autobranche. Mehrere große Autobauer weltweit müssen ihre Belegschaft reduzieren, Werke schließen. Einige sind mittendrin in den Umstrukturierungen und kommen deshalb im April auch nicht nach Leipzig: etliche japanischen Autobauer etwa wie Mitsubishi oder die beiden Nordlichter Volvo und Saab. Und die Chinesen, die vor zwei Jahren so euphorisch waren, kommen dieses Jahr auch nicht wieder.

Geschäftsführer der Leipziger Messe, Martin Buhl-Wagner.
Geschäftsführer der Leipziger Messe, Martin Buhl-Wagner.
Foto: Ralf Julke
Trotz dieser Umbrüche – oder wohl doch eher gerade deshalb – wird auch die AMI 2010 wieder eine Rekordmesse, wie Lange sagt, mit 60 Welt-, Europa- und Deutschlandpremieren. Denn immer deutlicher wird auch: Gerade die privaten Käufer achten verstärkt auf sparsame und umweltschonende Autos. Und das sorgt tatsächlich dafür, dass die AMI auf einen alten Hingucker endgültig verzichtet: den Offroad-Parcour, auf dem bis 2009 die schweren geländegängigen Spritfresser zum Berg-und-Tal-Fahren einluden. Das finden selbst die großen Hersteller von Offroadern nicht mehr wirklich werbewirksam. Der Spaß ist gestrichen.

"Dafür wird es erstmals einen SUV-Parcour geben", verspricht Lange. Die SUVs sind die kleineren Brüder der Offroader, leichter und sparsamer und auch besser nutzbar in zugeparkten Städten.

500 Aussteller haben sich angemeldet zur AMI 2010. 100.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche sind angemietet. "Wir sind sehr zufrieden", sagt der Geschäftsführer der Leipziger Messe, Martin Buhl-Wagner. Und da Leipzig mit der Präsenz von 90 Prozent aller neuen Modelle auch die wichtigste Novitätenschau im Jahr 2010 in Deutschland ist, rechnet Buhl-Wagner mit Besucherzahlen wie im Rekordjahr 2008 – nahe 300.000.

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Was ist los in Leipzig?
2011 findet dann erstmals seit 1991 keine Automobil-Messe in Leipzig statt, denn künftig taucht die AMI dann im Zwei-Jahres-Turnus im Messekalender auf. Auch das eine Anpassung an die veränderte Marktlage. "Aber eine höchst demokratische Entscheidung aller Beteiligten", so Volker Lange. "Wir jedenfalls sehen hoffnungsvoll auf die Messe in Leipzig."

www.ami-leipzig.de


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