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Für eine andere Verkehrspolitik: Leipzig stadtradelt wieder

Ralf Julke
Anradeln am Neuen Rathaus.
Anradeln am Neuen Rathaus.
Foto: Ralf Julke
7. Juni. Es geht los. Sogar das Wetter spielt mit und taucht Bürgermeister und Stadträte in Sonnenschein. Zum zweiten Mal ist Leipzig am gestrigen Montag in den deutschlandweiten Wettbewerb Stadtradeln gestartet. Bis zum 27. Juni geht es darum, Kilometer zusammenzustrampeln.

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Und zwar nicht mit Rennrad auf der Landstraße wie einige der ganz wilden Leipziger Leistungsfanatiker, sondern auf den Wegen hin zur Arbeit und nach Haus. Die Leipziger Verwaltung und die Fraktionen müssen vorneweg strampeln, sonst funktioniert es nicht. Denn Politik macht Verkehr. In diversen kleineren und größeren Kommunen der Bundesrepublik hat man das schon seit einer Weile begriffen. Da schwingen sich denn zum Stadtradeln auch die Bürgermeister und Fraktionsvorsitzenden in den Sattel und animieren ihre Mann- und Frauschaften, die Zeit des Stadtradelns konsequent zu nutzen.

In Leipzig hat diese Idee in diesem Jahr auch deutlich mehr Resonanz im Rathaus gefunden. Oberbürgermeister Burkhard Jung hat das Radelfieber noch nicht gepackt. Dafür nutzten Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke) und Finanzbürgermeister Torsten Bonew (CDU) die Gelegenheit, fürs Radfahren in Leipzig zu werben.

"Mit dieser Aktion wollen wir richtungsweisende Signale in Sachen Klimaschutz setzen", sagt Rosenthal. Er muss das sagen. Das ist sein Job. Vielleicht bekommt die Sache noch mehr Schwung, wenn künftig auch der Baubürgermeister und die Verantwortliche für die Verkehrsplanung mitradeln. Denn Radverkehr in Leipzig hat noch immer ein Legitimationsproblem. So mancher fährt dann eben doch lieber mit dem Pkw auf Arbeit, weil Radwege fehlen oder vom motorisierten Verkehr einfach ignoriert werden.

Stadtradeln in Leipzig: Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal vorneweg.
Stadtradeln in Leipzig: Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal vorneweg.
Foto: Ralf Julke

"Vergangenes Jahr konnten wir im Städtevergleich, obwohl wir das erste Mal dabei waren, auf Anhieb Plätze im ersten Drittel belegen. In diesem Jahr wollen wir uns noch steigern", verspricht Rosenthal. 35 Kommunen machen in diesem Jahr mit. In Leipzig haben sich schon 25 Teams angemeldet. Wer mitmachen will, kann sich über das Umweltinformationszentrum (UiZ) unter Tel. (0341) 1236711 oder per E-Mail uiz@leipzig.de noch anmelden. Auch bei einer der angemeldeten Mannschaften kann man noch einsteigen.

Man kann es sogar politisch machen. So ist die Fraktion der Grünen wieder als AmpelGrün unterwegs, Teamchef ist Roland Quester. Als Fraktionschefin der Linken hat sich Ilse Lauter den Fototermin als Kapitänin der Linkskurve nicht nehmen lassen. Die Mannschaft der Leipziger SPD wird von Stadtrat Christopher Zenker angeführt.

Heiko Rosenthal hat sein Team übrigens Drahtesel genannt und schon am Montag 60 gefahrene Kilometer zusammengebracht. Der Wert von 8,6 Kilogramm eingesparten CO2 ist natürlich fiktiv, denn der wäre entstanden, wenn die Mitglieder der Mannschaft alle mit dem Auto zur Arbeit gekommen wären. Rosenthal ist als eifriger Radler bekannt.

ILse Lauter, Torsten Bonew, Christopher Zenker, Peter Krutsch (vlnr.).
ILse Lauter, Torsten Bonew, Christopher Zenker, Peter Krutsch (vlnr.).
Foto: Ralf Julke
Auch verschiedene Verwaltungsteams sind mit dabei: das Jugendamt etwa mit dem Team Routenplaner. Ordnungsamt und Feuerwehr lassen sich das Freilufterlebnis auch nicht nehmen. Genauso wie VDC, Ökolöwe oder ADFC, von denen man so ahnt, dass sie tatsächlich gar nichts einsparen, weil sie sowieso gewohnheitsmäßig mit dem Rad unterwegs sind.

Natürlich war's eine kleine Spitze, auch den Baubürgermeister zum Radelwettbewerb zu verdonnern. Denn das Dezernat verweigert die Teilnahme ja nicht: ein Team Radelnde Verkehrsplaner findet sich natürlich in der Liste. Die ist auf www.stadtradeln.de zu finden. Wer Lust hat, kann auch ins UiZ im Technischen Rathaus radeln - dort werden an einer Tafel täglich die besten drei Teams angepinnt. Nach dem ersten Tag müsste das der Ökolöwe sein, der gleich einmal mit 70 erradelten Kilometern auf die Piste ging.

Auch einige Firmen beteiligen sich. Aber - auch das sind wieder die üblichen Verdächtigen - wie TeilAuto, Nextbike oder das Institut für Energie GmbH. Nextbike bietet sogar seine Miet-Fahrräder für den Wettbewerbszeitraum zu Sonderkonditionen an. Die Ausrede "Ich hab ja kein Fahrrad" zählt also nicht. Schon gar nicht bei schönem Wetter.

Und dann geht's los zur gemeinsamen Radtour ...
Und dann geht's los zur gemeinsamen Radtour ...
Foto: Ralf Julke
Richtig Schwung aber wird die Sache dann bekommen, wenn auch einmal Firmen mitmachen, die sonst eher auf die PS unter der Haube setzen. Denn am Ende gewinnt die Stadt nur, wenn ihre Bürger alle Wege, die sie ohne Auto zurücklegen können, auch tatsächlich ohne Auto zurücklegen. Fast hat man den Verdacht, dann würde sich die Verkehrspolitik in Leipzig von ganz allein ändern.

Aktuell verursachen Leipzigs Autofahrer noch ungefähr 1 Million Tonnen CO2 im Jahr, auf jeden Einwohner heruntergebrochen etwa 2 Tonnen. Das ist fast ein Drittel des (offiziell zugegebenen) CO2-Aufkommens in Leipzig. Nur zum Vergleich: Um die weitere Erwärmung des Erdklimas um die viel beschworenen 2 Grad zu erreichen, dürften auch Bürger der Industrienationen nur maximal 1,5 Tonnen CO2 pro Jahr und Kopf erzeugen. Logisch: Wenn sich das Verkehrsverhalten nicht gründlich ändert, ist das Ziel in Leipzig nicht zu erreichen.

www.stadtradeln.de

www.leipzig.de/klimaschutz

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