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Besuch im City-Tunnel Leipzig: Stationsausbau beginnt im Mai, Minister kündigt Verhandlungen mit der Stadt Leipzig an

Ralf Julke
Sven Morlok zu Besuch in der Tunnelbaustelle.
Sven Morlok zu Besuch in der Tunnelbaustelle.
Foto: Ralf Julke
Man merkte ihm schon die Erleichterung an, dass der Rechnungshof vor einer Woche die Zahlen für den Leipziger City-Tunnel im Wesentlichen bestätigt hat, jene 960 Millionen Euro, die das sächsische Verkehrsministerium vor einem Jahr errechnet hat. Ein guter Zeitpunkt für Verkehrsminister Sven Morlok (FDP) zum Lokaltermin in Leipzig.

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Am Dienstag, 12. April, 18 Uhr besuchte er die Leipziger Tunnelbaustelle. Genauer: der künftigen S-Bahn-Station Bayrischer Bahnhof. Die Betonkonstruktion ist längst fertig. Selbst die Gleise liegen schon. Ansonsten ist der Beton noch nackt. Nur in der Mitte des Bahnsteiges ist eine Musterkonstruktion aufgebaut. Hier wurde schon einmal montiert, was später das Innenleben der Station darstellen soll.

Am Boden ein großflächiger Belag aus Naturstein, strukturiert durch einen Blindenleitstreifen und eine für Blinde ertastbare "Aufmerksamkeitsfläche". Beides soll nicht nur sehbehinderten Reisenden die Orientierung in der Untergrundstation ermöglichen, zu der man künftig wahlweise mit Fahrstühlen und den imponierenden Treppen, die im Schacht zu schweben scheinen, gelangt. Die Raster des Blindenleitstreifens sollen auch sehenden Fahrgästen den Achtungsabstand von der Bahnsteigkante vorgeben, um nicht von einfahrenden Zügen erfasst zu werden.

Die ersten Installationen der Tunnelstation werden präsentiert.
Die ersten Installationen der Tunnelstation werden präsentiert.
Foto: Ralf Julke

Auf diese Züge, die ja im 5-Minuten-Takt durch die Station rauschen sollen, macht in der Station Bayrischer Bahnhof eine Besonderheit aufmerksam: ein farbiges Lichtband, das über die komplette Stationslänge in die künftige Verkleidung von Aluminium-Platten eingepasst wird. Es leuchtet in den Farbschattierungen von Blau bis Violett und gerät in Bewegung, wenn sich ein Zug ankündigt. Farbliche Ausnahmen - so von der Bahn gewünscht - sind dabei die "Bahn-Farben" Rot und Grün. Das könnte die Fahrer irritieren.

Gitterbleche dominieren die Stationsdecke - hinter ihnen wird künftig die Schalttechnik verschwinden. Zum Beispiel ein Teil der 33 Kilometer Elektrokabel, die in der Station ab Mai 2011 verlegt werden. Was am Dienstag zur Begutachtung zu sehen war, wird wieder demontiert. Der eigentliche Ausbau der Station für 10 Millionen Euro beginnt im Mai. Ein Jahr darauf, im Mai 2012 soll alles fertig sein.

Dann sind auch 23 Kilometer Fernmeldekabel verlegt, 1.700 Quadratmeter Naturstein auf dem Bahnsteig, 2.000 Quadratmeter Fassade sind verkleidet, 2.200 Quadratmeter Stationsdecke. 500 Leuchten werden noch montiert, zwei Personenaufzüge und zwei Fahrtreppen. 2012 müsste auch die Stadt Leipzig wieder aktiv werden. Denn sie muss sich um die Gestaltung der Außenfläche kümmern.

Verkehrsminister Sven Morlok - im Hintergrund die Installation des Lichtbandes.
Verkehrsminister Sven Morlok - im Hintergrund die Installation des Lichtbandes.
Foto: Ralf Julke
"Wir sind nur bis zur Traufkante zuständig", sagt Sven Morlok beim Ortstermin im Namen des Freistaates. Das ist nicht die einzige Geldausgabe, die auf die Stadt zukommt. Der Rechnungshofbericht hat einige Posten aufgeführt, bei denen auch die Stadt Leipzig noch zusätzlich zur Kasse gebeten werden könnte. "Wir werden den Rechnungshofbericht ernst nehmen", fügt Morlok am Dienstag noch hinzu. Heißt für die Stadt Leipzig: Sie wird mit dem Freistaat verhandeln müssen über die Aufteilung jener Extrakosten, die auf Wunsch der Stadt entstanden sind. Der Rechnungshof hatte deutlich gemacht, dass sich der Freistaat diese Auslagen von der Stadt durchaus zurückholen könnte. Der Freistaat und die Stadt Leipzig sind die einzigen Baupartner, die sich nach dem Konsortialvertrag für den City-Tunnel in entstehende Mehrkosten teilen müssen.

Die Mehrkosten belaufen sich nach aktuellem Stand auf rund 390 Millionen Euro. Einiges davon übernimmt zwar auch der Bund und auch weitere Fördermittel der EU möchte Sven Morlok gern noch bekommen. Der Löwenanteil der zusätzlichen Kosten von über 300 Millionen Euro aber verbleibt beim Freistaat. Mit der Stadt Leipzig existiert zwar ein Vertrag über eine Deckelung des Leipziger Beitrags auf rund 13 Millionen Euro.

Doch diese Deckelung - so der Rechnungshof - träfe nicht auf jene Kosten zu, die die Stadt durch eigene (Extra-)Wünsche verursacht hat. Dazu gehören auch Maßnahmen im Außenbereich, mit denen die Baustelle soweit abgesichert wurde, dass ein reibungsloser Ablauf der Fußball-WM 2006 möglich wurde, außerdem Änderungen etwa an der Station Semmelweisstraße.

Blick in die Tunnelstation Bayrischer Bahnhof.
Blick in die Tunnelstation Bayrischer Bahnhof.
Foto: Ralf Julke
Bei einem zusätzlichen Fahrstuhl an der Station Wilhelm-Leuschner-Platz hat die Stadt 2010 schon gar nicht mehr das Wunschsäckel geöffnet, sondern den Einbau desselben in den eigenen Haushalt aufgenommen.

Aber nicht nur mit der Stadt will das sächsische Verkehrsministerium in Verhandlung treten über die entstandenen Mehrkosten. Gleiches trifft auch auf die Bahn zu, deren Begleitmaßnahmen im Schienennetz deutlich teurer werden als 2002 geplant. "Auch hier berufen wir uns auf das Gutachten des Rechnungshofes", sagt Morlok.

Über eines aber war Morlok am Dienstag sichtlich erleichtert: "Der Rechnungshof hat uns in unseren Kalkulationen, die wir vor einem Jahr angestellt haben, bestätigt. Mit den 960 Millionen Euro haben wir jetzt endlich eine belastbare Endgröße." Weitere Kostenschocks wie in den Vorjahren werde es jetzt nicht mehr geben, so der sächsische Verkehrsminister.

Zum Artikel vom 7. April 2011 auf L-IZ.de
Rechnungshof zum Leipziger City-Tunnel: Zu knapp kalkuliert, Risiken einseitig verteilt

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