Die Bahn baut rund um Leipzig (7): Bauen mit Aussicht in schwindelnder Höhe – Die Unstruttalbrücke
Matthias Weidemann
30.10.2011
Blick aus der Gondel über die im Bau befindliche Unstruttalbrücke.
Foto: Matthias Weidemann
Auf mehr als 100 Kilometern durchgängig ist die neue Bahnverbindung von Erfurt nach Halle und Leipzig jetzt im Bau. Im Jahr 2015 wird sie in Betrieb gehen. Eines der sichtbarsten und spektakulärsten Bauwerke ist dabei sicherlich die Unstruttalbrücke, die sich kurz vor der Fertigstellung befindet.
Anzeige
Bei der Einfahrt von der Straße ins Unstruttal kommend, bietet sich einem ein atemberaubender Anblick. Obwohl das Bauwerk beeindruckende Maße aufweist, immerhin fast drei Kilometer lang ist und sich 50 Meter in die Höhe reckt, stört es den Blick auf das romantische Tal mit seinen mit Weinreben bedeckten Hängen des Osterbergs nicht wirklich. Elegant, fast schwebend, vermittelt die Unstruttalbrücke den Eindruck eines filigranen Bauwerks, das sich trotz der vielen tausend Tonnen Beton, die hier verbaut wurden, in die Bilderbuchlandschaft harmonisch einfügt, die hier durch die steil abfallenden Kalkabhänge auf der Ostseite und die flach geneigte Flanke auf der Westseite geprägt ist.
Im Tal, das öfter von Überschwemmungen betroffen ist, verlaufen die Unstrut, die zeitweise Wasser führende Dissau, zwei Landstraßen, Wirtschaftswege sowie die Bahnstrecke Naumburg-Reinsdorf. Die Brücke verbindet den Bibra- und den Osterbergtunnel. Dr. Marcus Schenkel, der Projektleiter für die Verbindung von Erfurt nach Halle und Leipzig ist stolz auf die Arbeit der Brückenbauer und zeigt von unten auf die Schlanken Säulen und Stützbögen der Brücke: „Wir arbeiten hier mit dem sogenannten 'Vor-Kopf-Verfahren'. Dabei handelt es sich um eine der modernsten Brückenbautechniken, bei der Eingriffe in die Natur so gering wie möglich gehalten werden können.“
Natürlich kann der brückenbautechnisch unbefleckte Laie nichts mit dem Begriff „Vor-Kopf-Verfahren“ anfangen. Zu diesen Laien gehört auch der Autor und ließ sich sachkundig von Dr. Marcus Schenkel in die Geheimnisse des Brückenbaus einweisen: „Die Fahrbahnträger entstehen als Spannbetonüberbau. Und zwar abschnittsweise gleichzeitig von beiden Endpunkten der Brücke, also jeweils vom Bibratunnel aus sowie vom Osterbergtunnel aus. Dabei arbeiten sich sogenannte Vorschubgerüste taktweise über das Tal. Davor werden die Pfeiler und Bögen errichtet, auf die sich dann der fertige Überbau stützt.“
Die Pfeiler stehen im von Überschwemmungen bedrohten Unstruttal.
Foto: Matthias Weidemann
Von unten sieht das natürlich sehr beeindruckend aus, spürt man doch förmlich welche Massen in Schwindel erregender Höhe da bewegt werden. Genau da oben spielt sich auch das komplette Arbeitsleben der Facharbeiter ab, die sich mit einer wenig Vertrauen erweckenden Gondel je nach Bedarf nach oben oder unten liften lassen. Alleine schon der Anblick des fragilen Tragegestells, das an einem allzu dünn erscheinenden Drahtseil vom Kran sich um die eigene Achse drehend und pendelnd in die Höhe gezogen wird, verursacht bei weniger zarten Gemütern einen gewissen Brechreiz. Der übrigens nicht weniger wurde, als der Chefingenieur allen Ernstes behauptet, dass dies die einzige schnelle Möglichkeit sei, die Baustelle da oben zu erreichen.
Für den Autor bedeutet dies mehr als bedauerlicherweise auch, dass dies die einzige Möglichkeit darstellt, um ent- und ansprechende Fotos aus der Vogelperspektive zu schießen. Das Angebot des Ingenieurs, sich doch ein wenig vom Kranfahrer in der Gondel rund um das Brückenbauwerk schwenken zu lassen, klingt wirklich nett und lieb und kommt tatsächlich mit einer scheinbar nicht zu verleugnenden Arglosigkeit daher. Auch wenn man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass einige der umstehenden Bauarbeiter ein gewisses Feixen nicht unterdrücken können.
Blick von der Gondel auf eines der gewaltigen Brückensegmente.
Foto: Matthias Weidemann
So was spornt natürlich an und fordert den ganzen Mann. Und auch wenn es innen laut „Nein“ schreit, sagt man lässig: „Klar, ich brauche sowieso Fotos von ganz oben.“ Mehr oder weniger freiwillig lasse ich von der mir hart und unnachgiebig erscheinenden Bauarbeiterfaust in den engen roten Drahtkäfig, der mich an eine sehr, sehr kleine britische Telefonzelle erinnert. An einem gar zu klein und wenig Vertrauen erweckenden Karabinerhaken ist das nicht minder fadenscheinig wirkende Drahtseil befestig, das die ganze Last nach oben hieven soll, um dann eine fröhliche Karussellfahrt in etwa 100 Metern Höhe zu starten.
Unfälle mit nicht richtig gesicherten Jahrmarktgondeln schwirren mir durch den Sinn, als der Kran uns mit verblüffend großer Geschwindigkeit Richtung Himmel zieht. Der Magen sackt Richtung Kniekehlen und meine Hände klammern sich an das Drahtgestell, der Puls schnellt in die Höhe. Die Bodenplatte auf der ich stehe erscheint mir auf einmal seltsam dünn. Doch als die Gondel schließlich über der Brücke und dem Unstruttal schwebt, sind die Zipperlein wundersamer Weise Nebensache und die Kamera nimmt zuverlässig sämtliche Motive in den Fokus, die sich bieten. Schließlich setzt der segensreiche Kranfahrer, der Herr möge ihm ein langes und erfülltes Leben schenken, die Gondel wieder sanft auf festen, Vertrauen erweckenden Erdboden auf.
Wieder Zeit für eine paar sachliche Erläuterungen des Ingenieurs: „Die elegante Bauweise, die es ermöglicht, dass das Brückenbauwerk nicht so plump und klobig wirkt, ist der sogenannten semi-integralen Brückenbauweise zu schulden. Das heißt, dass die Fahrbahn auf hintereinander liegenden, fugen- und lagerlosen Stahlbetonträgern verläuft. Das ist insofern ungewöhnlich und interessant, als dass Brücken gewöhnlich auf Rollenlagern ruhen, um die Schwingungen auszugleichen, die durch Fahrzeuge entstehen.“
Durch den Verzicht auf diese Lager sind elegantere und weniger klobige Betonkonstruktionen möglich, wie man es an den Stahlbetonbögen in Form eines umgekehrten „V“ erkennen kann, die das Bauwerk in der Mitte stützen. Die schlanken Großbohrpfähle aus Beton, auf denen die Fahrbahn ruht, reichen bis zu 40 Meter in die Tiefe. Die gesamte Länge des Bauwerks beträgt 2.668 Meter bei einer Breite von bis zu fast 16 Metern. Die Kosten für das Bauwerk betragen rund 60 Millionen Euro. Der Investitionsrahmen wird laut Deutscher Bahn dabei nicht überschritten werden.
Die Strecke ist für eine Geschwindigkeit von 300 Stundenkilometern ausgelegt, die die Züge auf dieser Bahnlinie einmal erreichen sollen. Bei solchen Geschwindigkeiten werden Zugreisende wenig vom schönen Unstruttal mitbekommen, bevor sie wieder im Bibratunnel verschwinden. Im Gegenteil zum Fotografen, hoch oben in seiner gemächlich hin und her schwingenden, fragilen Gondel am Kranhaken. Langsamkeit hat eben doch von Zeit zu Zeit gewisse Vorteile.
Die Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH (LVV) verstärken ihre Kommunikationsabteilung. Peter Krutsch verstärkt ab sofort die Kommunikationsabteilung des kommunalen Konzerns, der die städtischen Aktivitäten der Daseinsvorsorge und der zugehörigen kommunalen Unternehmen bündelt. mehr…
„Nach der Veröffentlichung der Umfrage zum Image Sachsens in der Bundesrepublik wurde vor allem eines deutlich: Die Bürger sehen die Probleme, die die Staatsregierung gerne weg redet", stellt Martin Dulig, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, zu den am Mittwoch, 23. Mai, vorgestellten Ergebnissen der deutschlandweiten Umfrage zum Image Sachsens in Deutschland fest. mehr…
Ein Schuss in den Ofen war's. So jedenfalls sehen es die sächsischen Jusos. Am Montag, 21. Mai, veröffentlichte das Sächsische Landesamt für Statistik die Zahlen für die vergebenen Deutschlandstipendien im Jahr 2011. Ganze 297 waren es. Danach ist die Landesregierung selbst an ihren – schon geringen Maßstäben – gescheitert, stellt Tino Bucksch, Vorsitzender der Jusos Sachsen, fest. mehr…
Die sächsische Staatsregierung ist ja höchst besorgt um das Bild von Sachsen - nach innen und nach außen. Also hat sie mal wieder eine Image-Befragung durchführen lassen, 4.000 Leute befragen lassen durch die GMS Dr. Jung GmbH, 1.000 in Sachsen selbst, 1.000 im Rest von Ostdeutschland, 2.000 im Westen. Eigentlich eine Befragung, die die schöne Erkenntnis bestärkt: Nehmt euch nicht so wichtig. mehr…
Der Wald steckt voller Zeichen: Hinweisschilder für Gasleitungen, Wanderwege, Graffiti oder Markierungen an Bäumen. Alles hat – meistens – seinen Sinn. Die erleb-bar hat viele dieser Symbole entschlüsselt und die Ergebnisse in einer neuen Geocaching-Tour zusammengestellt. mehr…
Der erste Quartalsbericht für 2012 ist da. Die vierteljährliche Krankenstandsmeldung des Amtes für Statistik und Wahlen für die Stadt Leipzig. Lebt der Patient noch? Ist er gar auf dem Weg der Besserung? - Die Zahlenbasis wird immer unsicherer. Doch die neuen Zahlengrundlagen aus dem Zensus 2011 gibt es erst 2013. Oder gar erst 2014, befürchtet Peter Dütthorn. mehr…
Die Kinderpolizei der Agentur Schutzengel eröffnet pünktlich zum Kindertag 2012 – am 1. Juni – ihre erste Polizeiwache auf sächsischem Boden. In den Räumen der integrativen KITA Grünschnabel des Kinderschutzbundes Leipzig (Oststraße 185) wird die erste sächsische Kinderpolizeiwache ihren Platz finden. mehr…
Hört oder liest man ein Märchen nur mit dem logischen Verstand - dann will und wird so manches nicht zusammenpassen. Doch auch Herz und Phantasien lesen mit und dies ist das Entscheidende. Gerade bei Kindern nehmen Phantasien in den Gedanken den größten Raum ein. So dient das Märchen als Spiegel ihrer Erfahrung, Ängste, Wünsche und Träume. mehr…
"Neue Schulen braucht die Stadt". Zu diesem Thema lädt die Leipziger SPD Jugend am Donnerstag, 24. Mai, ab 19:00 Uhr in die SPD Geschäftsstelle (Rosa-Luxemburg-Straße 19/21) ein. Gemeinsam mit dem Leipziger Landtagsabgeordneten Holger Mann wird über den Neu- und Ausbau sowie die Sanierung von Schulen in Leipzig diskutiert. mehr…
Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) hat am 22. Mai während einer Bilanzpressekonferenz auf das letzte Jahr zurück geblickt und gleichzeitig eine Vorausschau gewagt. Die besagt, dass man eine weitere Milliarde Euro benötigen wird, um die LMBV-eigenen Bergbaufolgelandschaften zu rekultivieren. mehr…
Unter dem Motto „Von Panitzsch bis Paris“ sind ab 27. Mai in der Kirche Panitzsch Bilder in Öl von Margitta Pötzsch zu sehen. Zur Vernissage und zum Galerierundgang mit der Leipziger Künstlerin wird am Pfingstsonntag um 17 Uhr herzlich eingeladen. mehr…
Am Donnerstag, dem 7. Juni, lädt der Swingin'LE Tanzklub wieder zum kostenlosen Schnupperkurs ein. Swing und Lindy Hop im Rhythmus der 30er und 40er Jahre, als Amerika noch ein unbeschwertes Lebensgefühl hatte. Der einstündige Kurs beginnt 19:00 Uhr. mehr…
Am 25. Mai geht's los, dann überschwemmen wieder Menschen in schwarzen und bunten Kostümen die Stadt, duften nach Patschuli, geben sich betont lässig, obwohl sie völlig aufgewühlt sind. Zu Pfingsten ist Leipzig wieder Schauplatz des Wave Gotik Treffens. Der Plöttner Verlag ist dabei. Unter anderem mit dem dicken Buch zu "Death in June" von Aldo Chimenti. Der Besucher wird an seinem Stand auf dem agra-Gelände aber auch ein Plakat erstehen können, das durchaus ungewöhnlich ist. mehr…
Von wegen, Strom aus Kohle würde nicht subventioniert und sei deshalb eine preisgünstigere Alternative zu erneuerbaren Energien. Die Kosten werden nur nicht auf den Strompreis aufgeschlagen, die fließen als Subvention - zum Beispiel bei Kosten für die Sanierung der ostdeutschen Braunkohlereviere. Und die werden - wie die LMBV am Mittwoch mitteilen musste - noch höher, als bisher geplant. mehr…
"Fertigstellungstermin des A 72-Abschnitts von Rochlitz bis Borna verschiebt sich auf Sommer 2013", teilte Staatssekretär Roland Werner gemeinsam mit dem DEGES-Geschäftsführer Dirk Brandenburger am Dienstag, 22. Mai, mit. Eine scheinbar beiläufige Meldung im Rahmen eines Großbauprojekts, dessen Planungen und Kosten mittlerweile genauso aus dem Ruder gelaufen sind wie die des Leipziger City-Tunnels. Natürlich hat das Gründe. mehr…