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Neue Schilder für die Stadt: Nur ja keine Radler auf dem Ring!

Ralf Julke
Auch die Markgrafenstraße wurde Fahrradstraße.
Auch die Markgrafenstraße wurde Fahrradstraße.
Foto: Ralf Julke
"Radler können bald auf dem Innenstadtring fahren", meldete das "Amtsblatt" am 19. November. Damit war nicht der Promenadenring gemeint, sondern der künftige Radfahr-Ring innerhalb der Innenstadt. Auch wenn er technisch noch gar nicht existiert und nur in Teilen befahrbar ist. Im westlichen Teil zum Beispiel. Da wurden seit dem 21. November Schilder montiert: "Fahrradstraße".

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Was nicht heißt, dass Radfahrer diese Straßen nun für sich allein haben oder gar der ruhende Verkehr daraus verschwindet. Busse, Motorräder, Pkw dürfen hier auch künftig fahren. "Mit angepasster Geschwindigkeit", wie es so schön heißt. Und weil man den Radfahrern jetzt mit den Schildern so schön entgegen kam, vermeldete die selbe Ausgabe des Amtsblatts, dass gleichzeitig Schluss mit lustig auf dem Promenadenring ist.

Pkw- und Radverkehr am Thomaskirchhof.
Pkw- und Radverkehr am Thomaskirchhof.
Foto: Ralf Julke

"Parallel zur Einrichtung der Fahrradstraßen verschwinden die Verkehrszeichen, mit denen bislang auf dem Leipziger Promenadenring eine Mindestgeschwindigkeit von 40 km/h angeordnet und damit das Radfahren auf dem Ring ausgeschlossen war. Seit der Novellierung des Straßenverkehrsrechts im September 2009 ist es innerhalb von Städten nicht mehr zulässig, eine solche Mindestgeschwindigkeit vorzuschreiben", stand dort zu lesen.

Auch der Leipziger ADFC hatte seit 2009 beharrlich darum gekämpft, dass die 40-km/h-Schilder verschwinden. Immerhin ging es ja auch um die Organisation des Radverkehrs um den Promenadenring, der in weiten Teilen auf Radwegen schon gestaltet ist.

Bis zur Großen Fleischergasse reicht jetzt die ausgeschilderte Fahrradstraße.
Bis zur Großen Fleischergasse reicht jetzt die ausgeschilderte Fahrradstraße.
Foto: Ralf Julke
Doch an einigen Engpässen im Ring ist es den Verkehrsplanern bis heute nicht gelungen, entsprechende Radwege zu installieren. Das betrifft das Stück zwischen Gerber- und Löhrstraße, den westlichen Martin-Luther-Ring und Strecken am Augustusplatz. Einige andere Teilstücke führen den Radverkehr in weiterem Abstand vom Ring. Wirklich geändert hat sich ja nichts, seit das Verkehrs- und Tiefbauamt Anfang Dezember 2010 die Pläne für das künftige Radfahren innerhalb des Rings zur Diskussion stellte. Und diskutiert wurde. Vielfältig, teilweise vehement.

Doch am Ende hat der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Leipzig das fatale Gefühl, dass wieder jene gewonnen haben, die am lautesten waren und die energischste Lobby hinter sich haben. Und das ist nicht einmal der ADAC, mit dem der ADFC in den letzten Monaten durchaus lösungsorientierte Diskussionen hatte.

Die blauen 40-km/h-Schilder am Ring wurden einfach durch Radfahr-Verbotsschilder ersetzt.
Die blauen 40-km/h-Schilder am Ring wurden einfach durch Radfahr-Verbotsschilder ersetzt.
Foto: Ralf Julke
"Obwohl Beschilderungen reines Verwaltungshandeln sind, hat sich die Verwaltung dem politischen und medialen Druck gebeugt und ist nicht dem Entwurf gefolgt, der zwischen Straßenverkehrsbehörde und Polizeidirektion Leipzig abgestimmt war", stellt Alexander John, Vorsitzender des ADFC Leipzig, fest. "Der Entwurf ist auf gesetzlicher Grundlage entstanden und sah daher in Teilen das Fahren mit dem Rad auf der Fahrbahn vor – dort wo bisher keine Radverkehrsanlagen vorhanden sind. Lediglich an zwei Stellen sollten Radverbots-Schilder aufgestellt werden. Selbst Abschnitte, die der Automobilclub (ADAC) für die Nutzung durch den Radverkehr vorgeschlagen hatte, werden nun nicht freigegeben."

Im "Amtsblatt" wird der Vorgang so umschrieben: "Ein Befahren des Rings mit einem Fahrrad bleibt bleibt jedoch weiterhin nicht erlaubt. Mit dem Fahrradring wird eine attraktive Alternative angeboten."

Künftig. Möglicherweise. Denn gebaut ist davon noch kein Meter. Als "Radfahrstraße" ausgeschildert wurde bislang nur ein Stück zwischen Große Fleischergasse ab Ecke Kleine Fleischergasse, der obere Dittrichring, der obere Martin-Luther-Ring und die Markgrafenstraße. Eine Fortsetzung im Norden könnte der "Fahrradring" 2012 bekommen, wenn der Brühl entsprechend umgebaut wird. Alle anderen Segmente des geplanten Fahrradrings sind auch noch planerisch Zukunftsmusik - angefangen von der abenteuerlichen Wegeführung am Burgplatz bis hin zu möglichen Lösungen am Augustusplatz, wo die Planer an alles mögliche gedacht haben, nur nicht an einen übersichtlichen Radfahrer- und Fußgängerverkehr.

Dass die blauen 40-km/h-Schilder am Ring einfach durch Radfahrverbotsschilder ersetzt wurden, findet Alexander John kontraproduktiv: „Der ADFC Leipzig fordert die Stadtverwaltung auf, umgehend die Radverbots-Schilder zu entfernen und Lösungen zu erarbeiten, die den rechtlichen und tatsächlichen Erfordernissen des Radverkehrs auf dem Promenadenring entsprechen.“

Denn sie machen Radfahren nun auf einmal strafbar, wo es das bislang nicht war. Die Analyse des ADFC: "Bisher war das Befahren des Promenadenringes mit dem Rad faktisch erlaubt. Zukünftig säumen Radverbots-Schilder den Promenadenring. Wer jetzt mit dem Rad auf dem Promenadenring fährt, riskiert ein Bußgeld. Zugleich ist Radfahren auf den angrenzenden Gehwegen zu Recht untersagt."

Es sieht ganz danach aus, dass die Stadt gut beraten wäre, die Kompromisse aus dem gemeinsam erarbeiteten Entwurf einer ernsteren Prüfung zu unterziehen.


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