Das Füllhorn gibt es nirgendwo: Oliver Mietzsch, der neue Chef des Zweckverbandes für den Nahverkehrsraum, im Gespräch
Gernot Borriss
06.11.2011
Nahverkehrszug im Hauptbahnhof Leipzig.
Foto: Gernot Borriss
Seit dem 1. November 2011 ist der Diplom-Politologe Oliver Mietzsch neuer Geschäftsführer des Zweckverbandes für den Nahverkehrsraum Leipzig ZVNL. Von den engen Finanzspielräumen in Sachsen lässt er sich nicht abschrecken. Mit Inbetriebnahme des Citytunnels geht er von einem verbesserten Regionalverkehrsangebot aus.
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„Neue Finanzierungsinstrumente für die ÖPNV-Infrastuktur“ heißt eine der aktuellen Veröffentlichungen von Oliver Mietzsch. Doch auf Dauer will sich der Diplom-Politologe nicht darauf beschränken zu beschreiben, was ist, was sein könnte oder sein sollte.
„Ich wollte von der analysierenden und beratenden Ebene weg und hin in Umsetzungsverantwortung“, nennt der gebürtige Saarländer im L-IZ-Gespräch als Grund für seinen Seitenwechsel vom Hauptreferent für Verkehr beim Deutschen Städtetag zum Geschäftsführer des ZVNL. „Damit man das, was man für richtig hält, auch an der Wirklichkeit messen kann“, fügt er an. Zudem sei Leipzig eine "spannende Stadt", und die Wurzeln seiner Familie lägen in der Region.
Nun steht ZVNL für Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig, in dem die Stadt Leipzig und die Kreise Leipzig und Nordsachsen als Aufgabenträger für den schienengebundenen Personennahverkehr (SPNV) zusammenwirken. So bestellt der ZVNL die Nahverkehrszüge, die durch den heutigen Direktionsbezirk Leipzig fahren. Doch das Geld kommt vom Land. Oder es kommt eben nicht wie bisher, wie in Sachsen durch Beschluss des aktuellen Landeshaushaltes verfügt.
Oliver Mietzsch, der neue Geschäftsführer des ZVNL.
Foto: Gernot Borriss
Gegen die Trennung der Verantwortung für den Nahverkehr und die Verfügung über die Finanzmittel argumentiert Oliver Mietzsch schon lange. Dass es in Sachsen finanziell gerade wieder etwas enger zugeht, schreckt ihn nicht. „Das Füllhorn gibt es nirgendwo“, so Mietzsch, von aktuellen Diskussionen dürfe man sich nicht abhalten lassen.
Der Aufgaben warten viele in der Region. Da ist zum einen der demografische Wandel. Im Klartext: Beiden nordwestsächsischen Landkreisen wird ein spürbarer Bevölkerungsrückgang vorausgesagt. Da müsse man über „mehr Flexibilität im Angebot wie bei der Finanzierung“ nachdenken, findet Mietzsch.
Ein wichtiges Datum für den Regionalverkehr in der Region wird die Inbetriebnahme des Citytunnels Leipzig sein. Für Mietzsch steht dabei im Vordergrund, „erstmal die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass, wenn der Citytunnel ans Netz geht, auch alle anderen Teile des Verkehrssystems die Verkehre aufnehmen können". In Richtung der Eisenbahninfrastrukturunternehmen DB Netz und DB Station und Service sagt er: „Wir machen unsere Hausaufgaben und erwarten, dass dies andere auch tun.“
Bei Inbetriebnahme des Tunnels dürfen sich die Menschen in der Region „ab 2013 darauf freuen, dass alle Kürzungen dann hinfällig sind“, blickt der neue ZVNL-Chef voraus. Namentlich nennt er die Wiederaufnahme der S1 zwischen Hauptbahnhof und Grünau, die seit Mai 2011 nicht mehr verkehrt. Insgesamt stünde dann nach Ansicht von Mietzsch ein „verbessertes Angebot im SPNV“ zur Verfügung, und im Fernverkehr gebe es „keine Verschlechterung“.
Mit den Leipziger Verkehrsbetrieben LVB sieht Mietzsch „viele positive Berührungspunkte“. Denn schließlich organisierten beide Seiten Mobilität für die Menschen. Beim ZVNL wisse man, dass viele Menschen, die mit dem SPNV nach Leipzig kommen, mit den LVB in Leipzig unterwegs sind. Künftig bestehe die Aufgabe aller Verantwortlichen deshalb darin, ein einheitliches Mobilitätsverkehrssystem anzubieten, so der neue ZNVL-Geschäftsführer.
Oliver Mietzsch, der neue Geschäftsführer des ZVNL.
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