Wintervorbereitung: LVB bauen gleich mehrere Sicherungen für Störfall-Kommunikation ein
Ralf Julke
23.11.2011
Leitzentrale der LVB.
Foto: Ralf Julke
So ernst wie in diesem Jahr haben die Leipziger Verkehrsbetriebe den kommenden Winter lange nicht genommen. Der letzte und der vorletzte Winter, die wieder zeigten, dass auch in Mitteleuropa noch Schnee und Eis in rauen Mengen möglich sind, haben einen echten Schock ausgelöst. Als im Schneetreiben keine Tram mehr fuhr, brach auch noch die Kommunikation zusammen. Das soll 2011/2012 nicht wieder passieren.
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Wenigstens die Kommunikation soll funktionieren, wenn Schneemassen oder Eisregen den Fahrverkehr zum Erliegen bringen. Die letzten Monate nutzten die LVB dazu, mit den vorhandenen Mitteln Lösungen für die Fälle zu finden, in denen die Natur ihre Zähne zeigt. Und es gab im letzten Winter mehrere neuralgische Punkte: die Fahrgastanzeiger fielen im entscheidenden Moment aus, die Website der LVB brach unter dem Ansturm der Zugriffe zusammen und an ein Durchkommen zur Servicetelefonnummer war für die Fahrgäste, die überall im Stadtgebiet ratlos auf Bahnen und Busse warteten, nicht mehr zu denken.
Das, so erklärt Holger Klemens, LVB-Geschäftsbereichsleiter Vertrieb und Kundenmanagement, darf nicht wieder passieren. Deswegen werden rund 1.600 Mitarbeiter der LVB schon seit Wochen speziell für den Winter geschult. Die einen lernen wieder, wie man nachts die Gleise frei hält, wenn der Schneefall das Netz lahm zu legen droht - man organisiert wieder einen Rund-um-die-Uhr-Fahrdienst. Andere werden in Sonderdienstpläne eingetaktet.
Das Problem mit der überlasteten Website hat man schon im Frühjahr angepackt. "Wenn so etwas noch einmal passieren sollte", erklärt Reinhard Bohse, Pressesprecher des kommunalen Unternehmens, "dann geht sofort eine Notfallseite online, die nur noch die notwendigen reduzierten Datenmengen parat hält."
In der Leitzentrale laufen alle Störungsmeldungen der LVB zusammen.
Foto: Ralf Julke
Thema Telefondienst. Die Zahl der Mitarbeiter, die im Winter für das Servicetelefon 19449 zur Verfügung stehen, wird aufgestockt - von fünf Kollegen, die die normale Stammbesatzung bilden, auf zehn. "Das wollten wir mit eigenen Kräften lösen", sagt Peter Müller-Marschhausen, LVB-Geschäftsbereichsleiter Personal und Organisation, "und haben deshalb im Unternehmen Freiwillige gesucht." 100 haben sich spontan gemeldet - die meisten aus dem Bereich Verwaltung.
Sie werden nach Bedarf eingesetzt, wenn sich kritische Situationen anbahnen sollten.
Ein Problem im letzten Jahr war auch: Man hatte sich auf den falschen Wetterdienst verlassen. "Wir haben den Anbieter gewechselt", bestätigt Reinhard Bohse. "Mehrere unserer Mitarbeiter haben sich deswegen über einen gewissen Zeitraum angeschaut, wie zutreffend die jeweiligen Angebote für unsere Region sind."
Nun hoffen die LVB, über den neuen Anbieter so gut informiert zu werden, dass sie rechtzeitig reagieren können. Bohse: "Wir brauchen diese Vorwarnzeit." Denn natürlich sitzen auch die Einsatzkräfte nicht unbedingt per Dienstplan in der Leitstelle und warten nur darauf, dass ein Schneefall kommt.
Müller-Marschhausen: "Wir haben mittlerweile ein ausgeklügeltes SMS-System, mit dem wir gleich ganze Gruppen von Mitarbeitern informieren können."
Blick in die Leitzentrale der LVB.
Foto: Ralf Julke
Eine wichtige Änderung wurde gleich an diesem Mittwoch, 23. November, eingeführt: Die Servicezeit in der Telefonzentrale wurde verlängert. Normalerweise ist das Telefon für die Fahrgäste von 6 bis 23 Uhr erreichbar. Ab heute sind die Mitarbeiter schon ab 5 Uhr erreichbar. "Die telefonische Erreichbarkeit", so Klemens, "ist ein ganz neuralgischer Punkt." Das verlängerte Zeitregime wird vorerst bis zum 28. Februar gefahren.
Ein Dienst, der die Fahrgäste über Störungen im Netz informiert, ging ja schon im Juli in Betrieb: Online informieren die LVB seitdem über Verkehrsstörungen in ihrem Netz. Auch das ein Ergebnis des Nachdenkens über die Kommunikationsprobleme im Winter. Dieser Dienst kann auch übers Handy abgerufen werden. Und deshalb spielen auch die 260 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Mobilitäts Service der LVB eine Rolle im Winterkonzept. Vor sechs Jahren startete das Projekt als Aktiv Office, seitdem hat sich Name und Förderart geändert. Aber auch nach dem April 2012, wenn das Projekt ausläuft, wollen die LVB dieses Angebot für Leipziger Langzeitarbeitslose weiter aufrecht erhalten.
"Darüber verhandeln wir derzeit recht intensiv mit dem Jobcenter Leipzig", sagt Müller-Marschhausen.
Die Mitarbeiter des Mobbilitäts Service sind nicht nur zu Schulungen in Kitas, Grundschulen und Seniorenheimen unterwegs oder begleiten mobilitätseingeschränkte Mitbürger bei ihren Fahrten mit Bus und Bahn. Sie fahren auch auf Bussen und Bahnen mit, helfen, wo helfende Hände gebraucht werden, und geben auch Auskünfte zu Anschlüssen, Linien, Umsteigemöglichkeiten.
Sie sind alle mit Handy ausgerüstet und können - wenn man sie fragt - auch zu den Störungen im LVB-Netz Auskunft geben. Und genau in dieser Rolle sollen sie auch im Ernstfall eingesetzt werden. "Wir ziehen die Leute dann von den Bahnen und Bussen ab und positionieren sie an den wichtigsten Umsteigepunkten im Netz", erklärt Müller-Marschhausen. Das sind vor allem die Haltestellen rings um den City-Ring und einige wichtige Haltepunkte an der Karl-Liebknecht-Straße, am Bayrischen Platz, in Thekla, Probstheida oder am Westplatz.
Sie können den Fahrgästen, die dort bei extremen Witterungsbedingungen stranden sollten, Auskunft geben darüber, was im LVB-Netz los ist und welche Alternativen das Unternehmen kurzfristig auf die Beine stellen kann. Etwa 80 bis 100 Mitarbeiter des Mobilitäts-Service sind auf diese Weise einsetzbar. Und damit sie nicht in der Kälte zittern, soll auch ein ordentlicher Austauschdienst organisiert werden.
Die mobile Website für internetfähige Handys: www.lvb.de/v
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