Die Bahn baut rund um Leipzig (8): Umweltschutz und Nachhaltigkeit an der Neubaustrecke Nürnberg - Berlin
Matthias Weidemann
03.11.2011
Die Brücke im Unstruttal.
Foto: Matthias Weidemann
Dass die Bahn ein umweltfreundliches Verkehrs- und Transportmittel ist, stellt einen erfreulichen Umstand dar. Um wie viel lieber würden wir uns dem Schienentransport anvertrauen, wenn sich das Bahnreisen auch noch als geldbeutelfreundlich erweisen würde. Vielleicht erleben wir den Tag ja noch, wenn eine Bahnreise billiger wird als eine Autofahrt.
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Bis dahin trösten wir uns mit der Tatsache, dass man dem Thema Umwelt bei der Bahn offenbar großen Wert beimisst.
Dies auch in baulicher Hinsicht beim Verkehrsprojekt Deutsche Einheit (VDE) Nr. 8. Die im Bau befindliche Hochleistungs-Trasse der Bahn zwischen Nürnberg – Erfurt – Leipzig/Halle - Berlin ist Teil der östlichen Nord-Süd-Achse in Deutschland. Investiert werden durch Bund, EU und Deutsche Bahn etwa 10 Milliarden Euro. Ein Teil der Mittel fließt in die Renaturierung, den umweltfreundlichen Bau sowie in nachhaltige Maßnahmen wie die weitere Betreuung der von der Bahn beanspruchten Flächen. Kein Wunder, verursachen die Bauvorhaben der Neubaustrecke massive Eingriffe in den Naturhaushalt und in die Landschaft.
Projektleiter Dr. Marcus Schenkel: „Diese Eingriffe sollen bestmöglich gemindert, ausgeglichen oder entsprechend ersetzt werden.“ Neben der Eingriffsvermeidung ist die bestmögliche Einbindung der Bahntrasse in die umgebende Landschaft Planungsziel. Als Beispiel hier sei das Projekt der Unstruttalbrücke genannt, die mitten durch eine oft überflutete Auenlandschaft führt.
Die Brücke durchs Unstruttal wird gebaut.
Foto: Matthias Weidemann
Dr. Markus Schenkel: „Hier entstand zum Beispiel ein neuer künstlicher Altarm und in der Dissau-Rinne, ein Beispiel für nachhaltigen Umweltschutz, werden Flächen mit wertvollen Orchideenbeständen durch Schafbeweidung ökologisch aufgewertet.“
Für solche Maßnahmen wurde die landschaftspflegerische Begleitplanung (LPB) ins Leben gerufen. Dr. Marcus Schenkel: „Damit sollen die Eingriffe vermindert beziehungsweise die unvermeidlichen Eingriffe auf ein erträgliches Maß reduziert oder kompensiert werden. Art, Umfang, Funktion und Lage der dabei konzipierten Ausgleichsmaßnahmen sind im Planfeststellungsverfahren in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Naturschutz, den Naturschutzbehörden der Länder sowie den betroffenen Gemeinden festgelegt worden.“
Dabei beginnt die Umsetzung der Maßnahmen zum Teil schon vor den technischen Bautätigkeiten, um zum Beispiel die Umsiedlung bedrohter Tierarten in Ausweichquartiere zu ermöglichen. Allerdings befasst sich die Bahn mit der Durchführung dieser Maßnahmen nicht selbst. Der Projektmanager: „Mit der Umsetzung werden ausgewiesene Fachfirmen beauftragt.“
Die Saale-Elster-Talbrücke entsteht.
Foto: DB
Wie vielfältig die Aufgaben für die beauftragten Firmen und Experten sind, zeigen ein paar Beispiele. So wurde das Lindenthaler Wasser im Norden Leipzigs auf einem Kilometer Länge mit Tief- und Flachwasserbereichen renaturiert. In Gröbers wurde ein Waldgebiet mit Feuchtbiotop geschaffen. Die Uferböschungen des renaturierten Kabelskebachs sind mit Gräsern, Stauden und Gehölzen gestaltet worden.
An der Querfurter Platte wurde der Kleinlauchstädter Teich zum Amphibiengewässer umgestaltet, entschlammt und zur Naherholung nutzbar gemacht. Das Wasser der Laucha fließt jetzt über einen natürlich mäandrierenden Zulauf in den Teich. In Großbrembach wurde ein neues Nahrungshabitat (Stillgewässer) für den dort siedelnden Weißstorch gebaut. Vor die meisten Herausforderungen wurde die Bahn bei der Saale-Elster-Talbrücke gestellt.
Dr. Marcus Schenkel: „Hier gelang es uns, beim Bau der langen Talbrücke über die Aue das natürliche Überflutungsgeschehen nicht zu behindern. In einigen Bereichen haben wir komplett auf Baustraßen verzichtet und haben wie schon bei der Unstruttalbrücke in der sogenannten Vorkopfbauweise gearbeitet. Zur Vogelbrutzeit ruhte in den ausgewiesenen Gebieten die Bautätigkeit für dreieinhalb Monate. Gehölz- und Auenwaldpflanzungen sowie die Renaturierung von Fließgewässern bewahren die artenreichen Feuchtwiesen als Lebensraum für Wiesenvögel, Störche, Graureiher und Amphibien. An den Kiesgruben Rattmansdorfer Teich und Hohenweider See entstehen Grünanlagen für Erholungssuchende.“
Tatsächlich zeigen die seit 2002 entstandenen neuen Biotopstrukturen erste Erfolge. Die Brut von seltenen Vogelarten - unter anderem des Seeadlers - ist beobachtet worden und der Biber ist in die Gewässer der Saale und Elster vorgedrungen. Auch zum Thema Nachhaltigkeit hat Marcus Schenkel eine Antwort: „Wir haben veranlasst, dass die Auswirkungen des Brücken- und Landschaftsbaus langjährig wissenschaftlich begleitet werden.“
Wenn die Bahn neben der Umweltfreundlichkeit auch dieselbe Freundlichkeit an den Tag legt, was die Fahrpreise betrifft, dürfte einem ungetrübten Erlebnis auf der Schiene nichts mehr im Wege liegen. Hoffentlich bleibt das keine Utopie.
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