ADFC Leipzig verstärkt Kritik: Der Promenadenring muss stadtverträglich gestaltet werden
Ralf Julke
01.12.2011
Radfahrverbot auf dem Ring.
Foto: Ralf Julke
Rund um den Ring bezaubern jetzt Verbotsschilder mit Fahrrädern drauf die Autofahrer. Die Verbotsschilder haben die bisherigen Mindest-Tempo-40-Schilder ersetzt. Oder besser: Die Leipziger Stadtverwaltung hat es getan - zum Entsetzen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC).
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Der Vorsitzende des Leipziger ADFC, Alexander John, dazu: "Aufgrund des politischen und medialen Druckes auf die Stadtverwaltung wurde die günstige Gelegenheit vertan, die dringend notwendige Verbesserung für den Fuß- und Radverkehr herbeizuführen – im Gegenteil: die Bedingungen wurden dadurch rechtlich und psychologisch noch verschlechtert."
Es wird zwar von verschiedenen Stadtratsfraktionen ein integriertes Verkehrskonzept für Leipzig gefordert, es wurde auch mehrfach ein funktionierendes Radverkehrskonzept gefordert und auch im Klimaschutzprogramm ist mehr umweltfreundlicher Radverkehr angedacht - doch immer dann, wenn es wirklich ernst wird, kneifen die Verantwortlichen. Oder knicken vorm Blechtamtam der einen allgewichtigen Zeitung ein.
Das Problem mit dem Schildertausch ist nicht, dass damit - mit zweijähriger Verspätung - ein Gerichtsentscheid umgesetzt wird, der Mindestgeschwindigkeiten in Städten für unzulässig erklärt. Das Problem ist, dass die notwendigen Alternativen fehlen. Sowohl bei jenen Stellen im Promenadenring, wo keine Radwege existieren, als auch im jetzt auf einmal empfohlenen Innenstadtring, der zu 75 Prozent noch gar nicht existiert.
Wer jetzt auf dem Ring Rad fährt, macht sich strafbar.
Foto: Ralf Julke
Die größte Kühnheit ist ein Schild an der Gottschedstraße, das die Radfahrer zum Verlassen des Ringfußwegs auffordert und sie zum Abbiegen in den Thomaskirchhof auffordert. Dort ist zwar seit dem 21. November offiziell "Fahrradstraße". Aber die teilen sich die Radfahrer weiter mit dem Pkw-, Bus- und Motorradverkehr. Den so genannten "ruhenden Verkehr" nicht zu vergessen.
"Fuß- und Radverkehr leiden beide unter der miserablen Radverkehrsführung auf dem Promenadenring", stellt John fest. "Statt das Radfahren unter anderem durch Radfahrstreifen attraktiv zu gestalten, wird weiter an der Vormachtstellung des Kfz-Verkehrs auf dem Promenadenring festgehalten. Dabei wäre eine Abmarkierung von Radfahrstreifen weitestgehend möglich, ohne Fahrspuren reduzieren zu müssen."
Leipziger Schild-Bürgerstreich: Weil die Planer keine Radtrase bis zur Tauchnitzstraße hinbekommen, werden die Radler an der Gottschedstraße in die City umgelenkt.
Foto: Ralf Julke
Unabhängig davon gäbe es keine rechtliche Grundlage, den Radverkehr auf dem Promenadenring zu verbieten. „Es wurde eine einmalige Chance verpasst, den Verkehr auf und um den Promenadenring stadtverträglich zu organisieren“, so Alexander John.
Vor allem die Begründung des Radfahrverbotes am Promenadenring ruft beim ADFC Unverständnis hervor: Mit der Planung des Inneren Fahrradstraßenringes sei, laut Stadtverwaltung, eine attraktive Alternative vorhanden. "Das Problem dabei ist, dass der Promenadenring zwei Mal gequert werden muss, was einen unverhältnismäßigen Zeitverlust mit sich bringt. Zudem sind dadurch etliche Ziele am Promenadenring gar nicht mehr legal per Rad erreichbar", stellt John fest. "Nach zwei Jahren Prüfung gibt es am Promenadenring keinen Ansatz zur Verbesserung des Radverkehrs. In dieser Zeit wurden die Knoten Roßplatz, Gerberstraße und Leuschnerplatz aufwändig geplant, umgebaut bzw. saniert, ohne die angrenzenden Streckenabschnitte entlang des Ringes für Rad-und Fußverkehr hinreichend zu betrachten."
Insbesondere die Außenseite des Tröndlinrings, der Martin-Luther-Ring und der Abschnitt zwischen Augustusplatz und Roßplatz sind für Radfahrer nun erst recht eine Zumutung.
Der ADFC Leipzig fordert nun die sofortige Wieder-Entfernung der Radverbots-Schilder auf dem Promenadenring, die Erarbeitung eines Konzeptes, wie der Radverkehr auf dem Promenadenring mittelfristig tatsächlich attraktiv geführt werden kann sowie eine qualitativ hochwertige Gestaltung des Promenadenringes, die wieder zum Flanieren einlädt.
Die Schelmenstreiche der Verkehrsplaner zeugen freilich auch davon, dass sie die Zahlen zum Leipziger Verkehr nicht wirklich ernst nehmen. Denn gerade bei Wegen in die Innenstadt sind Pkw-Fahrer tatsächlich die Minderheit - auch wenn sie den meisten (Park-)Raum in Anspruch nehmen. Nur 23 Prozent der Wege in die Innenstadt werden mit dem Auto zurückgelegt. Der Rest der Leipziger kommt zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Mit dem Rad kommen zwar nur 14 Prozent insgesamt - aber das hängt mit ziemlicher Sicherheit auch mit der Zahl vorhandener Abstellmöglichkeiten und den nicht-existenten Radquerungen zusammen. Ganz zu Fuß kommen 17 Prozent der Leipziger, der Rest fährt mit Straßenbahn, Bus und Eisenbahn vor und wird dann zum Fußgänger.
Eine Lösung sind die Radverbotsschilder am Ring nicht. Aber ein Zeichen. Auch für fehlende Alternativkonzepte.
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