MDV-Tarifdschungel: Auch Kreistagsfraktion SPD/Grüne fordert nun transparente Tarife
Redaktion
04.02.2012
Tram 9 auf dem Weg nach Markkleeberg.
Foto: Ralf Julke
Das Gleichgewicht von Schienennahverkehr und kommunalem ÖPNV war schon fragil, bevor Sachsens Verkehrsminister 2010 die Schere ansetzte und die Mittel für den ÖPNV zusammenstrich. Mittlerweile blinken im gesamten Nahverkehr rund um Leipzig die Alarmglocken. Und SPD und Grüne im Landkreis Leipzig protestieren heftig gegen die neuen Tariferhöhungen für die Fahrgäste im MDV.
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„Das alljährliche Spiel der Preiserhöhungen des MDV erreicht dieses Jahr einen Negativrekord. Ob Einzelfahrkarte, Monatskarte oder Schülerkarte - in fast jeder Kategorie wird ordentlich draufgeschlagen. So kostet künftig das Zwei-Zonen-Ticket 2,80 Euro statt bisher 2,60 Euro. Eine Fahrt von Markkleeberg nach Leipzig verteuert sich demnach hin und zurück um beinahe unverschämte 40 Cent“, kritisiert Karsten Schütze, Fraktionsvorsitzender der Kreistagsfraktion SPD/Grüne entrüstet.
Die Tariferhöhungen, die der Mitteldeutsche Verkehrsverbund (MDV) für den 1. August 2012 plant, haben die Kreistagsmitglieder in der Vorabinformation für die öffentliche Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Kreisentwicklung und Umweltschutz des Landkreises Leipzig am 6. Februar entnehmen können. Danach müssen die Bürgerinnen und Bürger auch dieses Jahr ab dem 1. August für Fahrten mit Bussen und Bahnen tiefer in die Tasche greifen. Doch dieses Mal sogar mehr als es bei den vergangenen Preissteigerungen der Fall war.
Die Straßenbahn Linie 9 auf dem Weg nach Markkleeberg.
Foto: Ralf Julke
Aber nicht nur die Beförderungskosten für Privathaushalte würden jedes Jahr steigen, so Schütze (SPD), sondern auch der Schülerverkehr für die Landkreise verteuert sich seit Jahren kontinuierlich.
„Es ist erstaunlich, wie jedes Jahr aufs Neue vom MDV Argumente für Fahrpreiserhöhungen gefunden werden. Dieser Automatismus muss endlich beendet werden", fordert Schütze. "Im Vergleich zu anderen Verkehrsregionen ist der öffentliche Nahverkehr in unserer Region vollkommen überteuert. Statt die Tarifpolitik und -struktur auf einen Zuwachs an Fahrgästen auszurichten, werden die Nutzer jährlich zusätzlich belastet und potentiellen neuen Kunden jeder Anreiz genommen, vom Auto auf Bus oder Bahn umzusteigen."
Doch die mit dem beschönigenden Wort „Preisanpassung“ umschriebene Erhöhung bleibt nicht der einzige Kritikpunkt der Fraktion. Auch die „Neustrukturierung des Tarifmodells“ ruft großes Unverständnis hervor.
„Der Tarifdschungel wird durch die vielen neuen ABO-Varianten immer undurchsichtiger. Von ABO Light über ABO Basis bis ABO Premium ist alles dabei. Wer blickt denn da noch durch?“, fragt Fraktionsmitglied Joachim Schruth von den Grünen. „Hinzu kommen die kleinteiligen Tarifzonen, die den ÖPNV für Fahrgäste unnötig teurer machen. Dabei sollte doch eigentlich die Attraktivität des ÖPNV das Ziel sein, damit mehr Menschen das Auto stehen lassen und mit Bus oder Bahn fahren.“
Deshalb fordere die Fraktion SPD/Grüne endlich transparentere Tarifstrukturen und Fahrpreise. „Der MDV sollte seine Strukturen zukünftig übersichtlicher gestalten, wie das beispielsweise in Berlin/Brandenburg mit den drei Zonen A, B und C der Fall ist. Zudem sollte er die Kosten senken, denn diese sind im Vergleich zu anderen Verkehrsverbänden sehr hoch. Dann wäre es endlich möglich, die Fahrpreise konstant zu halten oder sogar zu senken. Das Ende der Fahnenstange ist nämlich schon längst erreicht“, so Schruth.
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