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ADFC-Radklimatest: Sachsens Städte nur im Mittelfeld - auch Leipzig schafft nur Mittelmaß

Ralf Julke
Radfahrerin am Dittrichring.
Radfahrerin am Dittrichring.
Foto: Ralf Julke
Es gibt, wie es aussieht, eine ganze Reihe von großen, mittleren und kleineren Städten in Deutschland, in denen das Radfahren noch weniger Spaß macht als in Leipzig. So zumindest zeigt es ein Ranking, das diesmal der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) erstellt hat. Er hatte zuvor die Radler im Land zur Notenabgabe aufgerufen. Unter den Städten über 200.000 Einwohner landete Leipzig auf Rang 10.

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Bei der letzten Umfrage 2005 war es - bei 28 erhobenen Großstädten - noch der 6. Rang. Diesmal kamen 38 Städte über 200.000 in die Wertung, dazu 42 Städte mit 100.000 bis 200.000 Einwohner. Und 252 Gemeinden unter 100.000 Einwohner. Wobei dort der Rang 252 geradezu eine eigene Pointe ist: Letzter wurde die 9.800-Einwohner-Stadt Linsengericht in Hessen. Hinter Zwickau in Sachsen, das von Rang 19 (von 88) auf Rang 251 abrutschte.

Deswegen gleich an dieser Stelle die Anmerkung: Die Ränge sollte man wie bei jedem Ranking nicht so ernst nehmen. Es geht hier um Zehntel und Hundertstel hinter dem Komma. Und die meisten Kommunen bekamen von den Radfahrern eher mittelmäßige bis unbefriedigende Zensuren.

"Gute Bedingungen für das Fahrradfahren sind immer mehr Sachsen wichtig", meint zwar der ADFC. "Bei dem im letzten Herbst durchgeführten zweiten deutschlandweiten Fahrradklima-Test haben in Sachsen doppelt so viele Städte teilgenommen wie 2005. Denn immer mehr sächsische Frauen und Männer, Junge und Alte nutzen das Rad im Alltag und in der Freizeit."

Das Problem ist nur: Die Planer und Verantwortlichen nehmen das Thema nicht ernst. Wirklich nicht. Es gibt nur wenige Kommunen in Deutschland, wo der Radverkehr wirklich eine zentrale Position in der Verkehrspolitik hat. Und diese Kommunen landeten mit guten Durchschnittszensuren natürlich an der Spitze - und die Detailzensuren geben den Planern Aussagen an die Hand, wo sie in den nächsten Jahren nachjustieren können.

Bei den kleineren Städten hat Bocholt wieder - wie 2005 - das Radrennen gemacht mit einer Durchschnittsnote von 2,16. Zwölf weitere Städte schafften es unter die 3,0. Was auch teilweise mit den geografischen Bedingungen zu tun hat. Wo die Landschaft Radfahren leicht macht, gibt es auch weniger Widerstände gegen einen sinnvollen Ausbau des Radwegenetzes. Dazu kommt: In kleineren Kommunen lässt sich eine sinnvolle Radverkehrsstrategie besser durchsetzen als in größeren.

Unter den Städten mit 100.000 bis 200.000 Einwohnern gab es dann schon keine Werte mehr unter 3,0. Die Spitze halten trotzdem Städte, die schon traditionell einen Ruf als Radfahrerstadt haben: Erlangen mit 3,12 und Oldenburg mit 3,19, die auch beim letzten Vergleich an der Spitze lagen. Und bei den Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern schafft es das geradezu fahrradverliebte Münster mit einer 2,61 wieder an die Spitze.

Am Freitag, 1. Februar, wurden die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests in Berlin gemeinsam von Jan Mücke, Staatssekretär im Verkehrsministerium, und dem ADFC vorgestellt.

Aber eine Grundeinschätzung dürfte zu denken geben, die der ADFC trifft: "Die sächsischen Städte rangieren dabei allerdings nur im Mittelfeld. Beste Großstadt in Sachsen ist Leipzig, das bundesweit Platz 10 der Großstädte belegt. Bei den Städten unter 100.000 Einwohnern hat Eilenburg in Sachsen das beste Ergebnis erzielt."

Gegenüber dem Fahrradklimatest im Jahr 2005 hat sich lediglich Dresden leicht verbessert. Besonders erhielt die Landeshauptstadt bessere Noten für die bessere Erreichbarkeit des Stadtzentrums mit dem Rad, für die innerstädtische Fahrradwegweisung und die Öffnung von Einbahnstraßen für Radfahrer. Dresden tut eine ganze Menge, um die Bedingungen für Radfahrer zu verbessern. Auch wenn es diesmal nur zu einer 3,97 gereicht hat.

Aber genauso wie in Leipzig ist man in Dresden darum bemüht, den Anteil des Radverkehrs am Modal Split deutlich zu erhöhen.

Wobei es mit Rang 21 nur knapp hinter Chemnitz landete, das mit der Note 3,95 noch ein Winziges besser war.

Das erwähnte Eilenburg erreichte zwar mit 3,79 eine bessere Note. Aber eine Platzierung von 129 unter 252 kleineren Städten zeigt eben auch, wie groß der Nachholbedarf auch hier ist. Görlitz mit 3,82 und Bautzen mit 3,88 schafften ebenso durchschnittliche Werte.

Radfahrer am Dittrichring.
Radfahrer am Dittrichring.
Foto: Ralf Julke

"Die Ergebnisse zeigen, dass sich Investitionen in den Radverkehr auszahlen. Die steigende Beliebtheit des Fahrrads sorgt allerdings auch dafür, dass neue Radwege schon nach kurzer Zeit dem Bedarf nicht mehr gewachsen sind. In den beiden Großstädten Dresden und Leipzig hat sich beispielsweise der Anteil des Radverkehrs in den letzten Jahren verdreifacht. Aufgrund des nun dichteren Radverkehrs sind die Radfahrer nun auch unzufriedener mit der Breite der Radwege und Wartezeiten an Ampeln als noch vor sieben Jahren", schätzt der ADFC ein.

Man merkt schon, wie sehr sich das mit einer geradezu vorsichtigen Änderung der Leipziger Verkehrspolitik beißt. Da hat jemand wirklich den Moment verpasst, in Leipzig einen richtigen Schritt in eine nachhaltige Verkehrsstruktur zu tun.

Olaf Matthies, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Sachsen: „Die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests zeigen, dass den sächsischen Bürgern Radfahren wichtig ist, dass sie aber mit den Bedingungen dafür noch nicht zufrieden sind. Die Städte und Gemeinden, die sich aktiv für eine Verbesserung einsetzen, werden die zukünftigen Gewinner sein. Denn Fahrradfreundliche Städte sind lebenswerte Städte.“

Leipzig kam insgesamt auf eine 3,69. Dafür hatten 717 Radfahrer ihre Wertung abgegeben.

Abgefragt hat der ADFC immerhin 27 Einzelaspekte - von der ganz simplen Bewertung nach "Spaß oder Stress", wo die Leipziger tatsächlich eher zu Spaß tendieren und am Ende eigentlich eine Note im 2er-Bereich zu erwarten wäre. Aber der Blick in die Details zeigt, wie sehr auch die bräsige Stadtpolitik den Umstieg aufs Fahrrad ausbremst.

Bei der Werbung fürs Radfahren fährt Leipzig eine 4,10 ein. Ganz miese Noten gibt es für den Winterdienst auf Radwegen (5,26), für die hohe Zahl an Fahrraddiebstählen (4,97) und - das jetzt eine richtige Rote Karte für die Stadtordnungspolitik - fürs Falschparken auf Radwegen (4,97). Und mit einer 4,29 für die Zeitungsberichte über das Radfahren kommt auch die teilweise mehr als obskure Berichterstattung in einem Leipziger Printmedium ins Bild.

Aber auch viele andere Dinge liegen in Leipzig noch im Argen und kommen über eine bessere Bewertung als 4 nicht hinaus: die Reinigung der Radwege, die Ampelschaltungen für Radfahrer, das Fahren im Mischverkehr mit Kfz, die Radverkehrsführung um Baustellen herum, die Fahrradmitnahme im ÖPNV.

Und das alles vor dem Hintergrund, dass Leipzig mit seiner Lage eigentlich ideale Voraussetzungen fürs Radfahren bietet. Da gibt es nämlich von den Radlern gute Noten für: eine 2,10 für die Erreichbarkeit des Stadtzentrums, eine 2,36 für zügiges Radfahren. Aber schon bei der Wegweisung hört's wieder auf: 3,33.

Und eine Zensur bringt das Leipziger Dilemma eigentlich auf den Punkt: die gefühlte Akzeptanz als Verkehrsteilnehmer. Eine 3,59 zeigt eigentlich, dass da einiges verbessert werden kann. In vielen Städten, die dabei hinter Leipzig landeten, sieht es natürlich nicht besser aus. In Städten wie Wiesbaden oder Wuppertal scheint das Fahrradklima geradezu frostig zu sein.

Alle Daten des Fahrradklima-Tests und ausführliche Auswertung unter: www.adfc.de/fahrradklima-test/ergebnisse/adfc-fahrradklimatest-2012---die-ergebnisse

Das Ranking als PDF zum download.



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