Lebensmittelqualität: Kunden sind sich ihrer Macht bewusst - nutzen sie nur viel zu selten
Ralf Julke
07.08.2011
Verbraucher sind durchaus kritisch ...
Foto: Fresenius Institut
Ohne ihn oder sie geht es nicht - den Verbraucher und die Verbraucherin, Konsument und Konsumentin, Kunde und Kundin. Erst wenn die Ware sich verkauft, funktioniert ein Unternehmen, wird Umsatz und Gewinn gemacht. Dass auf dem deutschen Lebensmittelmarkt einiges nicht mit rechten Dingen zugeht, ist nicht neu. Und ein Institut wie Fresenius hat dazu auch immer mal wieder nachgefragt.
Anzeige
Anlässe braucht es dazu eigentlich nicht mehr. Mal ist es ein Fleischskandal, der durch die Lande schwappt, dann sind es exorbitante Zuckerrationen selbst in "Diät"-Produkten, diverse Geschmacksverstärker und Haltbarmacher und Fette. In den angebotenen Produkten landet so manches, was da nicht hinein gehört. Und frisch ist aktuell noch die EU-Diskussion um die Lebensmittelkennzeichnung, die eigentlich als leicht lesbare "Ampel" umgesetzt werden sollte - und dann setzten sich doch wieder die wirtschaftsnahen Akteure durch und brachten die unternehmensfreundliche Lösung durch: Es wird bei kleingedruckten Mengenwertangaben bleiben, die mancher nur mit der Brille, mancher nur mit naturwissenschaftlichem Hochschulabschluss lesen kann.
"Jetzt ist der Traum vom einfachen Einkauf ausgeträumt, das EU-Parlament hat den Plan abgeschmettert", schrieb die FAZ dazu am 20. Juni 2010. "Den Abgeordneten reicht es, dass Hersteller auf der Vorderseite der Packungen melden, wie viele Fette, gesättigte Fette, Zucker und Salz in 100 Gramm oder 100 Milliliter ihres Produkts enthalten sind. Außerdem sollen sie angeben, wie viel Prozent des durchschnittlichen täglichen Bedarfs damit gedeckt sind, und wie viele Kalorien der Konsument verspeist. Wer dann noch nicht genug hat, kann auf der Rückseite der Packung weiter schmökern über Eiweiße und Transfette."
Entsprechend deutlich war dann auch die Reaktion der deutschen Verbraucherschützer, die seit Jahren gegen die Missstände angehen, die im konkreten Fall oft eine Irreführung sind.
... doch das Kleingedruckte braucht oft ein eigenes Studium.
Foto: Fresenius Institut
Und weil sich im EU-Recht die Klarheit für die Verbraucher nicht durchsetzen ließ, setzten die deutschen Verbraucherzentralen ein Projekt um, mit dem sie sich schon lange trugen. "Die Verbraucherzentralen in den Bundesländern werden seit Jahren von Verbrauchern aufgesucht, die sich durch die Aufmachung und Kennzeichnung von Lebensmitteln in die Irre geführt fühlen. - Hervorgerufen wird der Unmut der Verbraucher vor allem durch bildliche Darstellungen oder Aussagen auf der Lebensmittelverpackung, die etwas suggerieren, was häufig nicht der tatsächlichen Beschaffenheit des Produkts entspricht."
Sie begannen damit gleich, nachdem feststand, dass die Mehrzahl der EU-Parlamentarier wieder den Verlockungen der Lebensmittelkonzerne erliegen würde. Sie fragten beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz an, und das bewilligte am 15. Juli 2010 die Mittel, das Webportal lebensmittelklarheit.de zu verwirklichen. Ein Jahr später, am 20. Juli 2011, ging es an den Start - und das Portal ging sofort in die Knie, weil so viele Verbraucher gleichzeitig zugreifen wollten.
Inzwischen läuft es ganz ruhig. Die Lage hat sich entspannt. Auch das Wort "Lebensmittelpranger" ist in den letzten Tagen wieder etwas seltener geworden. Aber das Thema bleibt. Und die eingestellten Produkte zeigen, dass sich allein mit so einem Portal die Denkweise der Produzenten durchaus auch verändern lässt. Stückweise und in kleinen Schritten. Auch wenn sie weiterhin mit der Bequemlichkeit der Kunden rechnen, die entweder keine Zeit oder keine Lust haben, das winzig Gedruckte auf den Verpackungen zu lesen.
Gerade verpackten Lebensmitteln begegnen deutsche Verbraucher mit Skepsis.
Foto: Fresenius Institut
Ein Fakt, den auch die neue „SGS Institut Fresenius Verbraucherstudie 2011: Lebensmittelqualität & Verbrauchermacht“ bestätigt. Durchgeführt wurde sie wieder vom Institut für Demoskopie Allensbach, das von Ende Mai bis Anfang Juni 2011 im Rahmen einer bevölkerungsrepräsentativen Mehrthemenumfrage mündlich-persönlich (Face-to-face) 1.802 Personen ab 16 Jahren befragt hat.
Das Ergebnis zeigt - so stellt es auch das Fresenius Institut fest - "dass die deutschen Verbraucher um ihre Einflussmöglichkeiten für bessere Lebensmittelqualität wissen, aber sie zu wenig nutzen."
Zwar sehen immerhin 82 Prozent der Verbraucher die Kaufverweigerung als wichtigstes Einflussmittel. Und das ist nicht nur eine Absichtserklärung: 66 Prozent der Verbraucher haben aufgrund von Medienberichten ihr Kaufverhalten schon mal geändert. Doch nur 23 Prozent schöpfen ihre Einflussmöglichkeiten für bessere Lebensmittelqualität nach eigener Einschätzung voll aus.
Schwierigkeiten macht den Verbrauchern vor allem das Erkennen von Qualität bei verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln. Die größte Sorge in Zusammenhang mit Nahrungsmitteln gilt einer möglichen Belastung von Obst und Gemüse durch Pflanzenschutzmittel. 78 Prozent befürchten dies. Die generelle Furcht vor Schadstoffen beschäftigt 61 Prozent. Bereits an dritter Stelle steht das Tierwohl. 56 Prozent sorgen sich um die artgerechte Haltung der Nutztiere. Vor radioaktiver Belastung von Lebensmitteln fürchten sich dagegen nur 35 Prozent.
Wie bereits in der „SGS Institut Fresenius Verbraucherstudie 2010“ festgestellt und in der aktuellen Studie bestätigt, hat die Hälfte der Bevölkerung Sorge, dass die Verpackungsangaben nicht stimmen. 50 Prozent der Verbraucher fürchten, dass wichtige Angaben auf der Verpackung fehlen oder nur versteckt auftauchen. „Mogelpackung meint in diesem Fall nicht, dass die Verpackungen mehr Inhalt vortäuscht, sondern dass nicht die Zutaten drin sind, die drauf stehen. Der Verbraucher muss sich aber darauf verlassen können, dass die Zutatenliste mit dem Inhalt übereinstimmt“, erläutert Dr. Christian Hummert vom Fresenius Institut.
Womit eigentlich klar ist, warum das am 20. Juli von Ernährungsministerin Ilse Aigner (CSU) vorgestellte Portal www.lebensmittelklarheit.de so einen Zuspruch fand. Es ist ein kleiner Lichtblick im Dschungel. Und es ist ein wenig von dem, was viele Lebensmittelhersteller und ihnen befreundete Politiker dem durchschnittlichen Kunden im Laden nicht zugestehen wollen: mehr Transparenz über die tägliche Ernährung.
Ist nur die Frage: Was kann der Einzelne tatsächlich tun?
Banker haben bekanntermaßen nicht den besten Ruf. Doch sind auch in diesem Metier manche gleich und manche gleicher. Da gibt es die Vorstände, die fette Provisionen einstreichen und die Hinterbank(le)r, die an der Front, sprich am Schalter stehen, und auslöffeln müssen, was die Manager ihnen eingebrockt haben. mehr…
Die Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH (LVV) verstärken ihre Kommunikationsabteilung. Peter Krutsch verstärkt ab sofort die Kommunikationsabteilung des kommunalen Konzerns, der die städtischen Aktivitäten der Daseinsvorsorge und der zugehörigen kommunalen Unternehmen bündelt. mehr…
„Nach der Veröffentlichung der Umfrage zum Image Sachsens in der Bundesrepublik wurde vor allem eines deutlich: Die Bürger sehen die Probleme, die die Staatsregierung gerne weg redet", stellt Martin Dulig, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, zu den am Mittwoch, 23. Mai, vorgestellten Ergebnissen der deutschlandweiten Umfrage zum Image Sachsens in Deutschland fest. mehr…
Ein Schuss in den Ofen war's. So jedenfalls sehen es die sächsischen Jusos. Am Montag, 21. Mai, veröffentlichte das Sächsische Landesamt für Statistik die Zahlen für die vergebenen Deutschlandstipendien im Jahr 2011. Ganze 297 waren es. Danach ist die Landesregierung selbst an ihren – schon geringen Maßstäben – gescheitert, stellt Tino Bucksch, Vorsitzender der Jusos Sachsen, fest. mehr…
Die sächsische Staatsregierung ist ja höchst besorgt um das Bild von Sachsen - nach innen und nach außen. Also hat sie mal wieder eine Image-Befragung durchführen lassen, 4.000 Leute befragen lassen durch die GMS Dr. Jung GmbH, 1.000 in Sachsen selbst, 1.000 im Rest von Ostdeutschland, 2.000 im Westen. Eigentlich eine Befragung, die die schöne Erkenntnis bestärkt: Nehmt euch nicht so wichtig. mehr…
Der Wald steckt voller Zeichen: Hinweisschilder für Gasleitungen, Wanderwege, Graffiti oder Markierungen an Bäumen. Alles hat – meistens – seinen Sinn. Die erleb-bar hat viele dieser Symbole entschlüsselt und die Ergebnisse in einer neuen Geocaching-Tour zusammengestellt. mehr…
Der erste Quartalsbericht für 2012 ist da. Die vierteljährliche Krankenstandsmeldung des Amtes für Statistik und Wahlen für die Stadt Leipzig. Lebt der Patient noch? Ist er gar auf dem Weg der Besserung? - Die Zahlenbasis wird immer unsicherer. Doch die neuen Zahlengrundlagen aus dem Zensus 2011 gibt es erst 2013. Oder gar erst 2014, befürchtet Peter Dütthorn. mehr…
Die Kinderpolizei der Agentur Schutzengel eröffnet pünktlich zum Kindertag 2012 – am 1. Juni – ihre erste Polizeiwache auf sächsischem Boden. In den Räumen der integrativen KITA Grünschnabel des Kinderschutzbundes Leipzig (Oststraße 185) wird die erste sächsische Kinderpolizeiwache ihren Platz finden. mehr…
Hört oder liest man ein Märchen nur mit dem logischen Verstand - dann will und wird so manches nicht zusammenpassen. Doch auch Herz und Phantasien lesen mit und dies ist das Entscheidende. Gerade bei Kindern nehmen Phantasien in den Gedanken den größten Raum ein. So dient das Märchen als Spiegel ihrer Erfahrung, Ängste, Wünsche und Träume. mehr…
"Neue Schulen braucht die Stadt". Zu diesem Thema lädt die Leipziger SPD Jugend am Donnerstag, 24. Mai, ab 19:00 Uhr in die SPD Geschäftsstelle (Rosa-Luxemburg-Straße 19/21) ein. Gemeinsam mit dem Leipziger Landtagsabgeordneten Holger Mann wird über den Neu- und Ausbau sowie die Sanierung von Schulen in Leipzig diskutiert. mehr…
Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) hat am 22. Mai während einer Bilanzpressekonferenz auf das letzte Jahr zurück geblickt und gleichzeitig eine Vorausschau gewagt. Die besagt, dass man eine weitere Milliarde Euro benötigen wird, um die LMBV-eigenen Bergbaufolgelandschaften zu rekultivieren. mehr…
Unter dem Motto „Von Panitzsch bis Paris“ sind ab 27. Mai in der Kirche Panitzsch Bilder in Öl von Margitta Pötzsch zu sehen. Zur Vernissage und zum Galerierundgang mit der Leipziger Künstlerin wird am Pfingstsonntag um 17 Uhr herzlich eingeladen. mehr…
Am Donnerstag, dem 7. Juni, lädt der Swingin'LE Tanzklub wieder zum kostenlosen Schnupperkurs ein. Swing und Lindy Hop im Rhythmus der 30er und 40er Jahre, als Amerika noch ein unbeschwertes Lebensgefühl hatte. Der einstündige Kurs beginnt 19:00 Uhr. mehr…
Am 25. Mai geht's los, dann überschwemmen wieder Menschen in schwarzen und bunten Kostümen die Stadt, duften nach Patschuli, geben sich betont lässig, obwohl sie völlig aufgewühlt sind. Zu Pfingsten ist Leipzig wieder Schauplatz des Wave Gotik Treffens. Der Plöttner Verlag ist dabei. Unter anderem mit dem dicken Buch zu "Death in June" von Aldo Chimenti. Der Besucher wird an seinem Stand auf dem agra-Gelände aber auch ein Plakat erstehen können, das durchaus ungewöhnlich ist. mehr…
Von wegen, Strom aus Kohle würde nicht subventioniert und sei deshalb eine preisgünstigere Alternative zu erneuerbaren Energien. Die Kosten werden nur nicht auf den Strompreis aufgeschlagen, die fließen als Subvention - zum Beispiel bei Kosten für die Sanierung der ostdeutschen Braunkohlereviere. Und die werden - wie die LMBV am Mittwoch mitteilen musste - noch höher, als bisher geplant. mehr…