Artikel von Karsten Pietsch

Zwei Theaterbriefe aus Bayreuth (2)

Zaun und Polizei auf dem Weg zum reinen Tor. Angst breitet sich aus. Bayreuther „Parsifal“ in TV-Nachrichten-Szenen

Foto: Karsten Pietsch

Parsifal entpuppte sich vor zwei Jahren als ein Leipziger! Man fand in der Universitätsbibliothek Pergamentstreifen mit einer Abschrift aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Doch Wolfram von Eschenbachs Original war längst verschwunden. Zu dieser Zeit verbrachte der Minnesänger Heinrich von Morungen seinen Lebensabend im Augustiner-Chorherrenstift St. Thomas. Weiterlesen

Zwei Theaterbriefe aus Bayreuth (1)

„Grüß Gott!“, sagt der Polizist zum Zuschauer: Nach sieben Jahren kam der „Holländer“ wieder zu den Kindern

Foto: Karsten Pietsch

Häufigste neue Vokabeln im 2016-Bayreuther-Wagner-Festspiel-Deutsch waren die Worte Sicherheit, Zaun, Polizei und Sicherheitskonzept. Sonntagabend rollten zum letzten Mal für diese Saison die Besucher ab. Nur ein paar Wochen ist das fränkische Bayreuth Weltstadt. Am 25 Juli geht’s los, am 28. August geht’s schon wieder zu Ende. Weiterlesen

Theater fact reist am Brühl nach Verona und Florenz

Shakespeare unter sächsischen Weinranken

Foto: Karsten Pietsch

Im Hof geht es jetzt manchmal laut zu am Anfang des Brühls, am Richard-Wagner-Platz, der beinahe schon zum Refugee-Welcome-Place werden sollte, gegenüber der Blechbüchse der „Höfe am Brühl“. Mittwochabend probte das Theater fact erstmals im Scheinwerferlicht, das gerade noch programmiert wurde. Weiterlesen

"Die Räuber" im Schauspiel Leipzig

Politikum Erbfolge. Schillers Jugendwerk mit spielerischen Variationen

Foto: Schauspiel Leipzig / Rolf Arnold

Zur zweiten Vorstellung ist der Saal voll junger Leute, Skateboards und Musikinstrumente wurden an der Garderobe abgegeben, die über 30-jährigen Besucher sind Minderheit. Im Foyer laden Flyer zum „Koffer voller Sehnsucht“ ein, einem Mehrgenerationenprojekt der „Spielfreudigen“ in Kooperation mit der Volkssolidarität Leipzig. An so was war bei Familie Moor nicht zu denken. Weiterlesen

Lectio - ecce homo lipsiensis

Leipziger Romantik im Krankenhaus. Diagnose: Alle gesund

Foto: Karsten Pietsch

Donnerstag, 26. Mai: Im Mediziner-Hörsaal nahmen 50 Orchestermusiker und eine Mezzosopranistin Platz, das Thema: "Leipziger Romantik“, Axel Thielmann erklärte und David Timm dirigierte unter grell-kaltem Licht. Akustisch war das kein Problem, auch der kräftige Schlussapplaus ließ sich gut hören, und der Blick aus dem Fenster ging ins Grün an der Liebigstraße in der Abenddämmerung. Weiterlesen

Kreuzfahrt mit Gefühlsstürmen

Theater fact bittet an Bord zur „Komödie wider Willen“

Foto: Theater Fact

Samstagmittags wirbelten Break-Dance-Hip-Hopper über den Leipziger wie Anfang der 1990er Jahre Fischermanswharf in San Francisco, nun - in der Retrowelle - wird mittendrin die „Titanic“-Doppelplastik vom Ozeanfeeling am Dampfer-Bugspriet eingebaut, und am Hemd des Lovers wird gezupft, als walle es im Wind... Nein, das ist noch das Theaterstück, das am Abend im fact-Theaterkeller unter Barthels Hof gezeigt wird, und die Tänzer der einen Darbietung haben mit den Darstellern des anderen Stückes nichts zu tun. Weiterlesen

Großer Bahnhof am Gewandhaus

Gewandhaus-Ehrendirigent-Gedenkkonzert: Kurt Masurs Geist schwebte im Raum und bleibt

Foto: Gert Mothes

Als hätte es Kurt Masur selbst so zusammengestellt gab es Samstagabend ein Gewandhaus-Konzert, seine Witwe Tomoko erhielt den Mendelssohn-Preis der Stadt Leipzig und ein Kurt-Masur-Institut wurde unter dem Dach der Mendelssohn-Stiftung und des Mendelssohn-Hauses ins Leben gerufen. Traditionen unter Generationen weiterzugeben, das war Mendelssohns Arbeit seit der Gründung des Leipziger Konservatoriums. Und Kurt Masur dachte immer an die nächsten Generationen. Weiterlesen

Kabasurdes Abrett in der Schaubühne Lindenfels

Krause Zwiebacks Lachsfigurenkabinett

Foto: Rolf Arnold

Ein Landstreicher erobert eine Fabrik, spielt und spricht was er sieht und erlebt. „Die Erweiterung des Labyrinths. Keil 3.“ Ein Theaterstück für einen Darsteller mit sphärischer Musik aus der Konserve und bunten Malereien mit Lichtstift, und Malmaschine auf ein weißes Segel. Soweit nichts Neues bei Wolfgang Krause-Zwieback, aber anders sortiert. Weiterlesen

Ein Zukunftslabor mit Folgen

Leipzigs Zukunft liegt im Westen

Foto: Karsten Pietsch

Der Leipziger Stadtrat hat beschieden, dass das Naturkundemuseum in einem Schuppen auf dem Gelände der einstigen Baumwollspinnerei gelagert werden soll. Im gleichen Schuppen soll dann auch noch Theater gespielt werden. Zumindest das altgediente Pflaster des Spinnereihofes wird nach jahrhundertelanger Dienstleistung auch dieser Herausforderung mit ganzem Kopfstein entgegenhalten. Weiterlesen

Rossinis „La Cenerentola“ in Leipzigs Opernhaus

Knitterfreies Märchen-Spiel in einer Belcanto-Oper

Foto: Oper Leipzig, Kirsten Nijhof

Mit „La Cenerentola“ hat die Oper Leipzig ein Weihnachtsmärchen und ein Geschenk vorweggenommen. Am Buchmesse-Samstag zeigte Leipzigs Opernbühne ein Bücherregal, so groß wie das Portal. Plötzlich fällt ein Buch heraus. Und das Spiel nimmt seinen Lauf. Ein Spiel, von dem in Büchern erzählt wird. Vor 380 Jahren hat man die erste Ausgabe des „Aschenputtel“-Stoffes in Neapel gedruckt. Weiterlesen

Serie Schlösser, Burgen, Herrenhäuser mit unendlichen Geschichten, Teil 18

„Leipzig ist zu vornehm, zu groß“: Die Brüder Grimm in Leipzig

Foto: Karsten Pietsch

Im Prospekt des Turm-Verlags vermutlich von 1913 wird die Jubiläumsausgabe der Kinder- und Hausmärchen gesammelt durch die Brüder Grimm angekündigt. Über zwei Zeilen und fett gedruckt sind die Namen des Zeichners der ca. 150 Bilder Otto Ubbelohde sowie von Dr. Robert Riemann, der die Einleitung verfasste und Herausgeber war. Weiterlesen

Serie Schlösser, Burgen, Herrenhäuser mit unendlichen Geschichten, Teil 17

Grimms Märchen aus dem Turm-Verlag. Eine Buchstadt-Erinnerung.

Foto: Karsten Pietsch

Nicht dass uns für diese Serie die Orte ausgegangen wären, aber die Leipziger Buchmesse läuft gerade, Bücher über Schlösser und Burgen gibt’s da bestimmt viele. Buchverlage sind auf ihre Art auch Schätze und Schlösser. Leipzigs Graphisches Viertel ist bis auf das Haus des Buches und einzelne Adressen Vergangenheit. Weiterlesen

Game over offline für coole Teens Ü-13-plus

„Carmen“-Ballett in der Musikalischen Komödie

Foto: Oper Leipzig, IdaZenna

Ein Krimi aus Sevilla, Tanz, Temperament, Leidenschaften, Gier, Hass, Verachtung und Mord, mit Zigeunern, Schmugglern und Geschäftemachern – doch nein, man bekommt in der Musikalischen Komödie eine andere „Carmen“ zu sehen, als dass mit aktuellen Zeitbezügen per Video beinahe wie in Live-Übertragungen das Publikum zur Diskussion über Globalisierung, Völkerwanderung und Freiheitskampf angestachelt werden sollte. Denn das kann man so oder ähnlich mit beinahe jedem Theaterstück anzetteln. Weiterlesen

Schauspielerin zum Ehrenmitglied des Leipziger Ensembles ernannt

Niemals war sie normal, alltäglich, exemplarisch. Sondern immer Ellen Hellwig.

Foto: Karsten Pietsch

Freitagabend nach der Vorstellung von „Rechnitz – Der Würgeengel“ blieben die Schauspieler nach dem reichlichen Schlussapplaus auf der Bühne, Techniker trugen ein Rednerpult herein. Intendant Enrico Lübbe wandte sich ans Publikum und an die Hauptakteurin dieser Szene, die nun seit 45 Jahren Schauspielerin ist. Und mit ihrem Namen zieht sie auch Leute an: „Wer spielt denn mit?“, ist eine unvergessene Frage in Zeiten kurzer Vertragslängen und schnell wechselnden Personals. Weiterlesen

Reisen zu ägyptischer Nofretete, russischen Nussknackern, französischen Degen-Kämpfern und in den Ruhrpott

Oper Leipzig stellte Vorhaben der Saison 2016/2017 vor

Foto: Karsten Pietsch

An der Fassade des Opernhauses leuchtete schon mal der Schriftzug „Spielzeit 2016/2017“, flankiert von grafischen Elementen, die an Rauchschwaden oder das Feuer der Begeisterung erinnern könnten. Zur Pressekonferenz hatte die Intendanz erstmals auf die Hauptbühne eingeladen. Weiterlesen

Schlösser, Burgen, Herrenhäuser mit unendlichen Geschichten, Teil 16

Putz und Stuck bröseln unaufhaltsam in Schönwölkau. Dornröschenschloss und Cabrio-Kirche

Foto: Karsten Pietsch

Protzig stehen sie da, und ein Hauch Romantik umgeistert ihre Zinnen, Tore, Bäume und Parks von Schlössern, Burgen und Herrenhäusern, selbst dann noch, wenn sie längst verlassen sind. Manches Haus zeigt neuen Putz, frische Farbe, ausgebesserte Details an Skulpturen, Fenstern und Fassaden. Glück haben sie gehabt, diese alten Bauten, wenn sich jemand um sie kümmert. Weiterlesen

Musikalische Komödie mit Arena und Stier

Neue „Carmen“ als Ballett-Uraufführung am Freitag

Foto: Oper Leipzig, Ida Zenna

Mirko Mahr hat ein neues „Carmen“-Ballett choreographiert und gemeinsam mit dem Dirigenten Tobias Engeli eine neue Partitur zusammengestellt. Diese „Carmen“ bezieht sich auf den traditionellen Stoff und verwendet mehrere Vertonungen. Junge Leute ab 12 Jahren sind im Publikum gefragt. Weiterlesen

Schlösser, Burgen, Herrenhäuser mit unendlichen Geschichten, Teil 15

Mit Martin Luther im Leipziger Barfußgässchen – 50 Gulden zum Doktor-Werden

Foto: Karsten Pietsch

Martin Luther soll Leipzig erstmals am 9. Oktober 1512 besucht haben. Man fragt sich, ob er nicht schon vorher, etwa auf dem Weg von Erfurt nach Wittenberg, über Leipzig gereist ist. Im Oktober 1512 stand seine Doktorprüfung an der Wittenberger Universität an. Am 4. Oktober hatte er die Lizenz dazu erhalten. Weiterlesen

Schlösser, Burgen, Herrenhäuser mit unendlichen Geschichten, Teil 14

Martin Luthers „Pleißenburg“. Die Disputation 1519. Glaube und Macht. Auftakt.

Foto: Karsten Pietsch

Protzig stehen sie da, und ein Hauch Romantik umgeistert ihre Zinnen, Tore, Bäume und Parks von Schlössern, Burgen und Herrenhäusern, selbst dann noch, wenn sie längst verlassen sind. Manches Haus zeigt neuen Putz, frische Farbe, ausgebesserte Details an Skulpturen, Fenstern und Fassaden. Glück haben sie gehabt, diese alten Bauten, wenn sich jemand um sie kümmert. Weiterlesen

Fritz Langs Film interpretiert von der Leipziger Regisseurin Claudia Bauer

„Metropolis“ als Schauspiel-Event-Film auf der Bühne

Foto: Rolf Arnold / Schauspiel Leipzig

Bereits vor Stückanfang blubbern Geräusche, zeigt sich auf offener Bühne eine Art weißer Doppelstock-Container in Kubusform. Wo Licht durchscheint, wird wohl noch eine Tür aufgehen, unter der Folie lugen Schienen empor, hier kann noch was ins Rollen kommen. „Babel“ steht auf dem Leuchtkasten über dem Kubus, „Metropolis“ gibt's ja immerhin schon an einem Nachtclub mit schmaler Tanz-Bühne in der Leipziger City. Weiterlesen