Noch ein erhellender Briefwechsel aus finsterer Zeit

Wie funktioniert ein Justizbeamter in einer völlig durchherrschten Gesellschaft?

Für alle LeserEs ist wohl wirklich so: Erst die Enkel arbeiten auf, was den Großeltern passiert ist. Die Kinder sind noch selbst zu sehr betroffen. Deswegen kommt jetzt der dritte Briefwechsel aus der NS-Zeit in einem hiesigen Verlag heraus. Scheinbar etwas anders als jene Briefwechsel „kleiner Leute“, die im Sax Verlag erschienen sind. Auch Wieland Menzel wurde auf dem Dachboden fündig.

Über 1.500 Briefe seiner Großeltern Hildegard und Martin Menzel fand er dort. Ein kostbarer Fund für Wissenschaftler. Denn jahrzehntelang haben sich die Historiker immer nur auf die „Führerebene“ beschränkt bei der Untersuchung des NS-Reiches. Über Goebbels, Hitler, Himmler und Konsorten weiß man so viel, dass ganze Fernsehsender und Magazine ihre Inhalte mit dem Stoff aus NS-Archiven bestreiten. Aber völlig unbeleuchtet blieb das Leben und Denken der Millionen Deutschen, die sich mit dem Regime irgendwie arrangierten. Und die Frage blieb unbeantwortet: Wie funktioniert so eine Diktatur eigentlich? Wie bringt sie Millionen Menschen dazu, sich einzufügen, mitzumachen und zu funktionieren?

Hatte der amerikanische Soziologe Daniel Jonah Goldhagen tatsächlich Recht mit seiner These von „Hitlers willigen Vollstreckern“?

Das bekommt man natürlich nicht heraus, wenn man die öffentlichen Propagandatexte benutzt. Man kommt ihm auch nicht von außen bei oder über die veröffentlichten Lebenserinnerungen der damals Beteiligten. Denn die sind zumeist voller Verklärung, erklären aber nichts. Über das, was in und mit den Betroffenen tatsächlich geschah, schwiegen die Überlebenden zumeist. Oft schon aus Selbstschutz, denn weder im Osten noch im Westen gab es eine Atmosphäre der Auseinandersetzung mit der Frage: Wie hatte es so weit kommen können?

Man flüchtete sich lieber in hohle Phrasen und Schuldzuweisungen an die paar namhaften Obernazis. Und ansonsten schwieg man. Was ein wesentlicher Grund dafür ist, dass das NS-Reich bis heute glorifiziert und mystifiziert wird. Als einmaliger Sündenfall verklärt, als hätte es mit uns nichts mehr zu tun.

Insofern ist dieser Briefwechsel aus den Jahren 1941 bis 1945 ein Glücksfall. Wieland Menzel ist dabei auch einem Aufruf des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung gefolgt, wo man gerade solche persönlichen Lebenszeugnisse händeringend sucht. Denn erst wenn man weiß, wie die ganz normalen Bürger lebten, dachten und funktionierten, kann man verstehen, wie Diktaturen funktionieren.

Wobei man augenscheinlich gern auch etwas übers Ziel hinausschießt. „Bis zur Lektüre dieser Briefe wusste ich so gut wie nichts über die Einbindung meines Großvaters in das nationalsozialistische Kriegs- und Vernichtungssystem“, schreibt Wieland Menzel in seinem Vorwort. Und auch die „Anmerkungen zur Genese des Briefwechsels“, die die drei Herausgeber dem Band vorangestellt haben, klingt ähnlich rigoros. Man erwartet jetzt regelrecht, einem jener „willigen Vollstrecker“ zu begegnen, die das Töten wie eine Amtshandlung betreiben und darüber auch noch abgeklärt berichten.

Aber den findet man nicht wirklich. Auch nicht in den sehr deutlichen Stellen, in denen die NS-Propaganda auch in die Briefe Martin Menzels einsickerte. Eine davon ist das Zitat, das zum Titel wurde: „Erbarmen kann es keines geben“. Möglicherweise ein Hinweis darauf, was er als Justizmitarbeiter in Lublin, Cholm und Krakau tatsächlich zu verantworten hatte. Tatsächlich stammte Menzel aus einfachen Verhältnissen, gehörte also gar nicht zu jener (groß-)bürgerlichen Schicht, aus der sich das Personal an deutschen Gerichten damals in der Regel rekrutierte. Ein Aufsteiger. So empfand er sich auch selbst.

Mit Fleiß und Akribie erledigte er seine Arbeit – erst am Gericht in Zittau, nicht weit entfernt vom kleinen Dorf Dittelsdorf in der Oberlausitz, wo Hildegard und Martin in einem Häuschen lebten. 1941 wurde Menzel dann an das Deutsche Gericht in Lublin im damaligen Generalgouvernement für die besetzten polnischen Gebiete beordert, eine Abordnung, mit der er sich zwar arrangierte.

Aber die Briefe an seine Frau Hildegard erzählen auch davon, dass er sich trotzdem nur als kleines Rädchen begriff, als jemand, der sich in die Anordnungen fügte und versuchte, seine Arbeit so gut wie möglich zu erledigen. Wobei der Leser nicht wirklich erfährt, worin seine Arbeit tatsächlich bestand. Über einen Gerichtsprozess, in dem er einen Staatsanwalt vertreten musste und in dem fünf Polen zum Tode verurteilt wurden, schreibt er mit einer gewissen Befremdung.

Das scheint nicht wirklich das Metier gewesen zu sein, in dem er sich wohlfühlte, auch wenn er in vielen Briefen die Verachtung der NS-Propaganda für Polen und Juden übernimmt. Auch das bleibt nicht unreflektiert, denn in seiner Arbeit und auch in seinen jeweiligen Wohnverhältnissen war er immer darauf angewiesen, mit polnischen Bürgern in direkten Kontakt zu kommen – und der nähere Umgang hat sie irgendwie verwandelt in seinen Augen. Auf einmal berichtet er mit Hochachtung und auch Einfühlungsvermögen von ihnen, versucht auch zu helfen, wo er in seiner amtlichen Funktion zu helfen vermag.

Man begegnet also nicht wirklich einem vom Nazismus durchdrungenen Herrenmenschen, eher einem Mann, der versucht, möglichst ordentlich seine Arbeit zu tun, aber sich auch nicht zu sehr zu engagieren. Der auch froh ist, dass er erst einmal aus gesundheitlichen Gründen dem Wehrdienst entkommen ist und die Entsendung ins Generalgouvernement als Chance sieht, nicht wieder zum Militär zu müssen. Die Einsamkeit im fernen Polen empfindet er trotzdem als bedrückend. Die Briefe der beiden Ehepartner sind zuweilen hochemotional. Ihre Verbindung ist sehr innig, fast naiv, wenn sie sich mit Mutti und Vati anreden oder auch Martin von Hildegard als väterliche Autorität angesprochen wird.

Aber man merkt auch, dass es diese innige Beziehung der beiden ist, die sie auch in den schlimmsten Zeiten ausharren lässt. Denn man merkt schon bald, wie zermürbend die Trennung und die zunehmenden gesellschaftlichen und Versorgungsprobleme für die beiden sind. Oft genug reden sie verdeckt von Aufgabe und Selbstmord. Und zwar nicht immer in Situationen, in denen sie über die Ängste reden, die aufkommen, wenn sie an eine mögliche Niederlage im Krieg denken. Immerhin etwas Unerhörtes in Briefen dieser Zeit. Was wohl nur möglich war, weil der Briefverkehr der Justizangehörigen nicht kontrolliert und nicht zensiert wurde.

Denn so etwas wurde in der Regel als Defätismus und Zersetzung betrachtet und hart sanktioniert. Was Martin Menzel ja wissen musste. Und gerade weil er es wissen musste, geben diese Briefe den Blick frei in eine Stimmung, die wahrscheinlich nicht die Ausnahme war, sondern die Regel im Nazi-Reich: Man hatte acht Jahre nach Machtübernahme durch Hitler gelernt, nach außen eine andere Rolle zu spielen, als man sie innerlich tatsächlich vertrat. Das wird mit Fortschreiten des Briefwechsels und den zunehmenden Problemen im Generalgourvernement immer deutlicher.

Der Optimismus verschwindet immer mehr aus den Briefen der beiden, die wenigen Urlaube und Besuche werden immer mehr zum letzten Lichtblick in einer Umgebung, die man nur noch mit Fatalismus ertragen kann. Was nicht nur die zunehmenden Versorgungsprobleme betrifft, sondern auch die immer umfassendere Inanspruchnahme durch „die da oben“. Egal, ob es Partei, Wehrmacht, Frauenschaft oder HJ sind, am Ende auch noch Polizeidienst, Arbeitsdienst und Volkssturm. Man spürt, wie das Leben der kleinen Familie immer mehr von einer gesichtslosen Staatsmacht okkupiert wird, die Menschen nur noch als Verfügungsmaterial betrachtet, das „an die Front geworfen wird“.

Eigentlich ein sehr anschaulich werdender Vorgang, der zeigt, was die totale Durchherrschung einer Gesellschaft eigentlich bedeutet. Auch Martin Menzel in seiner eigentlich kleinen Justizkarriere merkt, dass er nicht frei ist, über keinen seiner eigenen Schritte mehr selbst bestimmen kann. Doch die, die das alles bestimmen, bleiben in der Regel anonym. Da und dort wird in den Briefen der Überdruss spürbar, den beide Briefpartner „denen da“ gegenüber verspüren.

Bis hin zu denen, die diesen Krieg angefangen haben. Sie werden nicht mit Titel und Namen genannt, aber man spürt, wie sehr die beiden hadern mit ihrem Ausgeliefertsein. Andererseits unterlassen sie jede konkrete Kritik, beschreiben den Krieg als etwas Schicksalhaftes – was eigentlich, jetzt direkt in Widerspruch zur Einleitung der drei Herausgeber, noch viel deutlicher von der Wirkung der NS-Propaganda erzählt. Denn eigentlich erwarten beide selbst von einem Sieg in diesem Krieg nichts Gutes, sehen sie ja mit eigenen Augen, wie dafür das Volk selbst regelrecht verheizt wird.

Von einer Niederlage erwarten sie nur das Allerschlimmste, auch und gerade – wie Martin öfter betont – weil die Sieger dann wohl den Besiegten genau das antun würden, was diese (im Generalgourvernement) den Besiegten angetan haben. Er hegt also über die unmenschliche Dimension des Faschismus überhaupt keine Illusionen. Und sieht trotzdem keine Chance, daran etwas zu ändern.

Nur den immer mehr zunehmenden Verpflichtungen zum Polizei- und Wachdienst und den Erwartungen der Partei versucht er möglichst auszuweichen, wenn sich die Chance ergibt. Was eigentlich auch Hildegard versucht – doch in ihrem kleinen Dorf scheint die gegenseitige Überwachung schon so ausgeprägt zu sein, dass nicht nur die Gerüchte und Verleumdungen wabern, sondern auch einige der emsigsten Mitläufer alles tun, die nicht so begeisterten Mitbürger zu schikanieren und über die NS-Institutionen zu sanktionieren.

Es ist schon verblüffend, wie eine Diktatur mit all ihren Herrschaftsapparaten das Boshafteste und Tückischste in den Menschen wachruft und bestärkt. Und wie sehr diese Vorgänge an heutige totalitaristische Entwicklungen in einigen europäischen Staaten erinnern. Denn welche Mittel bleiben eigentlich friedliebenden und eigentlich gar nicht fanatischen Menschen, irgendetwas an so einer gesellschaftlichen Umgebung zu ändern, in der die Schutzmechanismen des Staates selbst ausgeschaltet sind und jeder einzelne „Volksgenosse“ nur dann zählt, wenn er widerspruchslos funktioniert und Befehlen gehorcht?

Martin versucht sich einfach einzufügen und seine Arbeit so gut wie möglich zu tun, auch wenn wir tatsächlich nicht erfahren, worin diese Arbeit bestand. Eher neigt man am Ende seiner eigenen Einschätzung zu, die ihn ins Verderben laufen ließ im August 1945, gerade aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt. Die Denunziation in Dittelsdorf lief augenscheinlich weiter wie geschmiert und möglicherweise wurde Menzel auch bei den neuen Machthabern gleich wieder angezeigt. Und statt sich in Sicherheit zu bringen, stellte er sich den Besatzern und betonte noch, er habe sich nichts vorzuwerfen.

Wenig später starb er im Speziallager Mühlberg, das der NKWD betrieb. Die Nachricht über seinen Tod bekam die Familie erst 1950. Hildegard Menzel hat die Briefe dann aufbewahrt. Und auch ihr Sohn Rüdiger konnte sich nicht davon trennen. Transkribieren aber ließ sie erst Wieland Menzel, für den die Beschäftigung mit den Briefen auch eine gewisse Entmystifizierung des verehrten Großvaters war. Aber sie sind nicht ganz das, was der Vorspann des Buches verheißt. Eher zeigen sie zwei Menschen, die irgendwie versuchen, in einem System zu überleben, das zwar überall stillschweigende und willfährige Helfer braucht, aber Menschen immer nur als Verfügungsmasse betrachtet, die einem „höheren Zweck“ geopfert werden.

Über den Kult- und Religions-Charakter des NS haben andere schon geschrieben. Aber er hat nicht alles durchdrungen, auch wenn er da und dort in einigen Briefen seine finstere Fratze zeigt. Man kann sich diesen Martin Menzel nicht als arroganten Herrenmenschen im besetzten Gebiet vorstellen. So wirkt er auch nicht auf den Fotos. Eher als kleiner, etwas schüchterner Beamter, der noch beim Posen vor der Kamera eher die Frage ausstrahlt: „Na, habe ich mich hier nicht tapfer eingerichtet?“ Und seine Briefe erzählen auch nicht von Reichtum, auch wenn er es als selbstverständlich betrachtet, dass er als deutscher Justizbeamter Vorrechte gegenüber der einheimischen Bevölkerung genießt.

Aber gerade weil er sich so emsig schickt in das, was ihm befohlen wird, wird dem Leser ein wenig klarer, wie totale Regime funktionieren und wie sich Menschen in solche Verhältnisse fügen, die – man kann es am Ende in immer mehr Briefen lesen – eigentlich nicht auszuhalten sind. Aber die Menzels stehen wohl eher für diese vertrackte, rätselhafte Mehrheit, die nie und nimmer zu Widerstandskämpfern geworden wäre. Die sich aber mit wachsender Selbstverleugnung in das Unaushaltbare schickt und durchhält – immer die propagandistische Hoffnung auf eine Wende des Krieges vor Augen, nach der alles sich zum Besseren fügen soll. Sie leiden – aber sie begehren nicht auf. Die Zensur sitzt schon im Kopf. Das ist ebenso unüberlesbar – auch schon weit vor den Briefen, in denen Martin warnt, sie könnten kontrolliert werden.

Man lernt tatsächlich wieder was über das Funktionieren eines Regimes, das alle Regeln der Menschlichkeit außer Kraft setzt und das auch noch als Notwendigkeit verkauft.

Wieland Menzel, Robin Reschke, Franceska Weil (Hrsg.) Erbarmen kann es keines geben, Mitteldeutscher Verlag, Halle 2017, 19,95 Euro.

In eigener Sache: Lokaler Journalismus in Leipzig sucht Unterstützer

RezensionenNS-ZeitBriefe
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Am 8. April: „Lala in Noise Fest“ 2017 im UT Connewitz
800 Jahre Apostelkirche Großzschocher
Endspurt für „Luther im Disput“ im Alten Rathaus
Polizeibericht, 27. März: Niedergeschlagen, Pöbeleien in der Straßenbahn, Pubertierende Halbstarke
Am 29. März in der Kinobar Prager Frühling: „Bauer unser“ – Billige Nahrung teuer erkauft
Zoo Leipzig: Orang-Utan in Pongoland geboren
Fraktion Die Linke erörterte Herausforderungen der wachsenden Stadt
Bürger und lokale Politik bringen gemeinsam Wahrener Schillerplatz voran
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Landtagsabgeordneter fordert ein Ende der sächsischen Kohle-Konzern-Politik
Greenpeace-Aktivisten und Gerd Lippold am Tagebau Schleenhain. Foto: Grüne Landtagsfraktion Sachsen

Foto: Grüne Landtagsfraktion Sachsen

Am Sonntag, 26. März, setzte die Bürgerinitiative Pro Pödelwitz, unterstützt durch viele Aktive verschiedener Umweltverbände und durch Bürgerinnen und Bürger aus der Region, ein Zeichen für den Erhalt ihres Dorfes im Leipziger Südraum. Die MIBRAG macht schon seit Jahren Druck, das Dorf zum Abbaggern freizugeben, obwohl die Kohle unter Pödelwitz gar nicht gebraucht wird. Jedenfalls nicht für das Kraftwerk Lippendorf.
Nicht die Ausländer sind das Problem, sondern die Fremdenfeindlichkeit ist es
Aus verbalen Brandstiftungen wurden in Sachsen ganz reale. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Nicht nur die L-IZ hatte so ihre Bauchschmerzen mit einem Wert aus der „Bürgerumfrage 2015“, der rapide in die Höhe geschnellt war. „Zusammenleben mit Ausländern“ heißt die Spalte in der Abfrage zu den „größten Problemen aus Bürgersicht“, die wir sowieso für höchst suggestiv halten. Ganz zu schweigen davon, wie Problem-Bewusstsein in Leipzig erzeugt wird.
Was meinen die Leipziger eigentlich, wenn sie sich als zufrieden bezeichnen?
Macht Geld zufrieden? Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Bis zur endgültigen Veröffentlichung der Ergebnisse aus der „Bürgerumfrage 2016“ ist es noch ein wenig hin. Die wird es erst im Sommer geben. Aber erste Ergebnisse wurden am Montag, 27. März, in einem Schnellbericht veröffentlicht. Sozusagen als Bonbon für den OBM. Oder wer immer sich darüber freut, wenn die Lebenszufriedenheit der Leipziger auf historischem Höchststand ist.
Peter Wensierski erzählt, wie eine Gruppe junger Leipziger die schönste Rebellion der deutschen Geschichte ins Rollen brachte
Peter Wensierski: Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Es ist kein Zufall, dass dieser Buchtitel Assoziationen weckt. So ganz sachte an Milan Kunderas „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“. Nicht nur bei der Wortwahl, die natürlich verblüfft, nachdem Berge von Büchern die Vor-Zeit der Friedlichen Revolution eher als düster, beklemmend, trist gezeichnet haben. Und nun das: das Porträt einer Gruppe junger Menschen, die ihre Lust am Leben in eine Rebellion verwandelte.
Buchmesse–Nachlese (2): Sind Wessis da? + Audio
Christian Bosse und Ulrike Gastmann bei der Lesung in der Vodkaria. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDie kleinen, fast abseitigen Abende sind es letztlich, die die Leipziger Buchmesse aus dem Status eines einmal jährlich in Leipzig landenden UFOs herausheben. Also für die Leipziger selbst und auch die, die nach 27 Jahren nicht mehr am Sonntagabend über das Messegelände streichen, um ein paar Kulis und hier und da eine Tischdeko abzugreifen. Gern auch für Besucher von Welt, so mancher von ihnen in den kleinen Raum verirrt, einige verwirrt ob der soeben bewältigten Zeitumstellung. 18 Uhr (17 Uhr) also stur abstinent an diesem Sonntag“abend“, den 26. März, nur kurz nach der Entdeckung von „In-Dusch“. In der Stube der Vodkaria gab es einen späten Lese-Nachmittag mit Gastmann & Bosse.
Buchmesse–Nachlese (1): Winzige Arsendosen „Texte gegen Hass“
Ein kleiner Leipziger Abend am Rande der Buchmesse: Texte gegen Hass am 23. März 2017. Foto: Jens-Uwe Jopp

Foto: Jens-Uwe Jopp

Von Victor Klemperer, dem Dresdner Sprachwissenschaftler und Autor von „LTI“, der „Sprache des dritten Reiches“ (1947), stammt die Sentenz „Worte können sein wie winzige Arsendosen: sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung noch da.“ Nun wissen wir schon länger, dass die ferne Zeit des Nationalsozialismus mit zunehmendem Abstand manchem gar nicht mehr so fern, manchem aber wieder erschreckend und bedrohlich nah erscheint. Anlass für eine Veranstaltung am 23. März 2017 namens „Texte gegen Hass“.
Die „goldenen 20er“ in Leipzig (Teil 1): Verdammt lang her?
Der „Deutsche Reichskriegertag“ 1925 in Leipzig gedenkt reichlich militärisch an den Ersten Weltkrieg. Im Jahr 1939 zeigt er dann in Kassel erstmals als „Großdeutscher Reichskriegertag“ den Weg Richtung Zweiter Weltkrieg auf. Vom Brühl kommend – links steht heute ein großer Einkaufstempel – geht‘s hier in die Hainstraße in Richtung Markt. Tausende Leipziger stehen am Straßenrand. Foto: Pro Leipzig Verlag

Foto: Pro Leipzig Verlag

LEIPZIGER ZEITUNG/Auszug aus Ausgabe 41Nie wieder zweite Liga! So müssen sich die Leipziger in diesen Jahren in der Grün­dungsstadt des DFB (1900) wohl gefühlt haben, angesichts des scheinbar unaufhaltsamen Aufstiegs der nordwestsächsischen Metropole an Elster und Pleiße. Der 1878 gegründete Leipziger Zoo erfreut sich eines weltweiten Renomées, so mancher schaut beim Scharwenzeln über den Königsplatz zu einem der schönsten Rathäuser Deutschlands hinauf. Die Kleinmesse am Cottaweg ist gut besucht, man findet irgendwie sein Aus­kommen in dieser noch jungen Republik.
#BTW17 Die Kandidaten stellen sich vor: Christoph Neumann (AfD)
Christoph Neumann (AfD), 1964 in Leipzig geboren ist Dipl. Ing. Päd. für Maschinenbau und Unternehmer. Foto: AfD Leipzig

Foto: AfD Leipzig

Für alle LeserSeit Anfang März 2017 stellt die L-IZ.de gemeinsam mit der LEIPZIGER ZEITUNG die Direktkandidaten der Parteien in den Wahlkreisen (WK) 152 (Leipzig I, Leipzig-Nord) und 153 (Leipzig II, Leipzig-Süd) vor. Drei Fragen wurden dazu an die Kandidaten versandt. In der Folge haben alle Leser und Leipziger die Möglichkeit, ihre eigenen Fragen an die Kandidaten zu richten, welche die Kandidaten in der Folge nach Themen sortiert beantworten werden. Hier also die Grundvorstellung des Kandidaten der Leipziger AfD, Christoph Neumann (WK Nord, Leipzig I, 152).
Der Moment unserer Kindheit, in dem wir lernen, Andere zu verstehen
Faserverbindungen im Gehirn eines vierjährigen Kindes, bei dem der Fasciculus Arcuatus (grün) bereits stärker ausgebildet ist – der entscheidende Entwicklungsschritt um uns in andere hineinversetzen zu können. Foto: MPI CBS

Foto: MPI CBS

Unser Gehirn ist ein faszinierendes Ding. Wenn es funktioniert. Und wenn wir es nicht behandeln wie uns selbst: auf Fastfood gesetzt, mit Unterhaltungsmüll anfüttern. Das Ding will gebraucht werden. Denn es ist zu Erstaunlichem fähig. Zum Beispiel zum Um-die-Ecke-Denken. Das können nämlich sogar schon Kinder. Auch wenn die entscheidende Abkürzung erst im vierten Lebensjahr entsteht. Das konnten jetzt Forscher aus dem Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften vermelden.
Notärzte in Sachsens Landkreisen fehlen, viele Rettungsfahrzeuge zu lange unterwegs
Rettungswagen im Einsatz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Augenscheinlich hat die Linksfraktion im Landtag Recht. Seit Jahren kritisiert sie das Fehlen von Notärzten in Sachsen. Regelmäßig bekommt sie Beruhigungspillen durch den Innenminister. Aus seiner Sicht ist alles in Ordnung. Nur 2,4 Prozent der Einsatzschichten bleiben unbesetzt. Und irgendwie kämen die Rettungswagen in 95 Prozent der Fälle rechtzeitig. Zumindest planerisch. Die Realität sieht anders aus.
Wieder nur 4 Prozent? Junge Leipziger sind zur Wahl eines neuen Jugendparlaments aufgerufen
Jugendparlamentswahl in Leipzig. Wieder nur 4 Prozent Wahlbeteiligung? Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserVom 27. März bis 3. April sind alle Leipziger im Alter von 14 bis 21 Jahren dazu aufgerufen, ein neues Jugendparlament zu wählen. 36 Kandidaten stehen dabei zur Wahl. Die 20 Jugendlichen, die letztlich gewählt werden, können – zumindest indirekt – mit Redebeiträgen und eigenen Anträgen die Kommunalpolitik der Stadt mitbestimmen. Vor zwei Jahren lag die Wahlbeteiligung bei gerade einmal vier Prozent.
Welche sächsischen Politiker werden eigentlich vom Sächsischen Verfassungsschutz beobachtet?
Welche Politiker beobachtet der Verfassungsschutz in Sachsen? Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Der Sächsische Verfassungsschutz lässt sich nicht in die Karten schauen, auch nicht, wenn jetzt mal die AfD nachgefragt hat. Seit sich Leute wie Björn Höcke im AfD-Milieu zu Wort melden, ist ja der Verdacht gar nicht so abwegig, dass solche Leute auch vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Aber der AfD-Landtagsabgeordnete Carsten Hütter hat nicht nur nach seiner Partei gefragt, sondern auch nach der politischen Konkurrenz.
Chancen fürs Gymnasium sind in reichen Stadtvierteln vier Mal höher als in armen
Erich-Kästner-Schule in Gohlis. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Nach den ersten Meldungen von Anfang März erhielten rund 12.800 der 28.569 Mädchen und Jungen in den vierten Klassen des Freistaats eine Empfehlung für das Gymnasium. 10.768 von ihnen hätten sich bisher an einer entsprechenden Einrichtung angemeldet. Aber so richtig können diese Vorabzahlen nicht gestimmt haben. Petra Zais, bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag, hat lieber alles genau abgefragt.
#BTW17 Die Kandidaten stellen sich vor: Volker Holzendorf (B90/Die Grünen)
Volker Holzendorf (B90/Die Grünen) ist 1972 geboren und Biometriker. Foto: B90/Die Grünen

Foto: B90/Die Grünen

Für alle LeserSeit Anfang März 2017 stellt die L-IZ.de gemeinsam mit der LEIPZIGER ZEITUNG die Direktkandidaten der Parteien in den Wahlkreisen (WK) 152 (Leipzig I, Leipzig-Nord) und 153 (Leipzig II, Leipzig-Süd) vor. Drei Fragen wurden dazu an die Kandidaten versandt. In der Folge haben alle Leser und Leipziger die Möglichkeit, ihre eigenen Fragen an die Kandidaten zu richten, welche die Kandidaten in der Folge nach Themen sortiert beantworten werden. Hier also die Grundvorstellung des Kandidaten der Leipziger B90/Die Grünen, Volker Holzendorf (WK Nord, Leipzig I, 152).
Oskar Quengels Lebensbeichte in einer blutigen und opportunistischen Zeit
Max Brym: Oskar Quengels Auftrag. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Im Leipziger Bookra Verlag passiert eine Menge Geschichte. Und Geschichtsaufarbeitung. Auch auf Feldern, um die sich sonst eher wenige Leute kümmern, weil es irgendwie nicht opportun ist, nicht zeitgemäß. Wer beschäftigt sich denn noch mit der Geschichte der kommunistischen Partei in Deutschland? Gar mit ihrem fatalen Scheitern beim Machtantritt der Nazis. Max Brym tut’s. Denn da gibt es einiges abzurechnen.