Der eine ist Spitzenkoch, die andere erzählt den Leuten in Dreiland, wie das Wetter wird. Und dahinter steckt dann noch ein Verlag, der seit Jahren immer neu Bücher herausbringt, die den Bewohnern einer konsumwütigen Gegenwart erzählen, was eigentlich eine gute Küche mit Gesundheit, Jahreszeiten und Aufmerksamkeit für unsere Umwelt zu tun haben. Ergebnis: Ein Buch über die Küche im Wandel von Wetter und Jahreszeiten. Und über Wolken, Regen und Schnee.

Eben das, womit sich die Meteorologin Michaela Koschak bestens auskennt. Und was sie nicht nur Abend für Abend vor der Kamera erzählt. In diesem Buch nimmt sie die Leserinnen und Leser mit in die Grundlagenwelt der Meteorologie. Das, was einige Leute für abendlichen Hokuspokus halten, weil ihre Wetter-App etwas anderes sagt oder weil der Regen dann doch wieder woanders runterkommt und in Kleinkleckersdorf die Sonne scheint.

Da helfen dann freilich auch alte Bauernregeln nicht weiter, auch wenn hinter einigen wirklich die Erfahrung von Generationen steckt. Und Michaela Koschak kann sehr anschaulich erklären, warum einige dieser Bauernweisheiten auf echten Beobachtungen beruhen und ein paar Wetterphänomene beschreiben, die tatsächlich für unser mitteleuropäisches Eckchen typisch sind und sehr regelmäßig so zu beobachten.

Was sich am besten erklären lässt, wenn die Wetterfee erklärt, wie typische europäische Großwetterlagen entstehen, welche Rolle die Azoren mit dem Azoren-Hoch und Island mit dem Island-Tief spielen, was polare Luftmassen dabei für eine Rolle spielen, Westwinde oder stabile Hochdruckgebiete, die uns – wie 2018 – von den feuchten Wolken des Atlantiks abschneiden.

Die beiden Autoren haben hier echte Team-Arbeit geliefert, denn Herbert Frauenberger kann – auch als begeisterter Gärtner – sofort den Bogen schlagen zu den Früchten und Kräutern unserer Heimat, ihren echten Wachstumszeiten, ihrer Rolle als Wetteranzeiger und ihren Reaktionen auf bestimmte Wetterlagen. Denn zumindest die Älteren unter uns wissen ja noch, wie abhängig unser Nahrungsangebot eigentlich von den Erntezeiten war und ist. Unsere Großeltern kennen noch die Zeiten, als es eben nicht jegliches Obst und Gemüse im Supermarkt zu jeder Zeit zu kaufen gab. Und manche sind auch so alt, dass sie noch wissen, wie schwer es in Nachkriegszeiten war, sich überhaupt etwas Essbares zu beschaffen.

Diese enge Beziehung zu den Früchten des Feldes und der Saison ist uns verloren gegangen. Und damit auch eine Beziehung zur lebendigen Natur. Nicht ohne Grund tauchen im Nachwort der beiden berechtigte Warnungen auf. So, wie wir derzeit wirtschaften, können wir nicht mehr lange weitermachen – nicht nur, weil wir Meere, Wälder und Landschaften anderswo ausbeuten und kaputt machen, ohne es zu merken.

In unseren heimischen Landschaften sieht es auch nicht anders aus, verschwinden die Vögel, Insekten und Säugetiere aus den Fluren, weil wir vor allem billige Massenproduktion (bis in die Tierfabriken hinein) befördern, aber nicht wirklich mehr Acht geben auf das, was wir essen – und was in unserem Essen ist.

Indem die beiden die Rolle des Wetters für unsere kleinen und großen Ernten aufmerksam betrachten und erläutern, werden diese Zusammenhänge wieder sichtbar. In den Passagen, die Michaela Koschak verantwortet, lernen wir jede Menge über die verschiedenen Arten von Wolken, über unsere eigene Reaktionen auf sonnige und düstere Zeiten, über Stürme, Orkane und die Folgen für unsere Wälder, Schmuddelwetter und Trübsinn.

Und das ergänzt sich mit Frauenbergers Erläuterungen zum richtigen Essen – was nicht nur mit den „Dickmachern“ des Winters zu tun hat, sondern eher etwas mit fehlenden Glückshormonen, fehlendem Licht und falscher, weil übersäuerter Ernährung. Alles Dinge, gegen die man so einiges tun kann, wenn man sein Essen bewusster zusammenstellt, auf wichtige Zutaten achtet, die den Frohsinn sichern. Und auf Fertiggekauftes und schwer Verdauliches sowieso möglichst verzichtet.

Heraus kommt ein doppeltes Plädoyer für ein bewusstes Essen im Rhythmus der Jahreszeiten – mit einer speziellen Würdigung der selbst geernteten Speisezutaten, die die Speisen tatsächlich nicht nur zu typischen Saisongerichten machen, sondern zu wichtigen Erlebnissen einer gesunden Küche. Denn – zumindest Frauenberger benennt es so – die Natur stellt uns glücklicherweise zum richtigen Zeitpunkt genau die gesunden Vitamine zur Verfügung, die wir brauchen, um mit langem Lichtmangel, mit Hitze, Kälte oder Herbstwetter fertig zu werden. Denn andersherum stimmt es auch: Unser Körper ist auf alle diese Naturgaben geeicht. Beides ist in Jahrhunderttausenden fein aufeinander abgestimmt. Wir sollten wieder lernen, darauf zu achten. Es tut uns gut.

Und es bereichert unseren Küchenplan um Gerichte, die einfach Spaß machen. Denn passend zu allen vier Jahreszeiten hat Herbert Frauenberger auch lauter phantasievolle Rezepte versammelt, die auch gleich mit großen, leckeren Bildern zeigen, wie herrlich es sein kann, sich auf die Zutaten der Jahreszeit zu verlassen und einen Teil seiner Lebensqualität daraus zu kochen, zu braten oder zu mixen.

Spätestens ab dem Frühlingseintopf, in dem die frisch gesammelten Kräuter des Frühjahrs schwimmen, kommt der Appetit auf. Man sollte das Buch vielleicht nicht gerade da lesen, wo einem keine Zutaten und kein Herd zur Verfügung stehen. Denn allein schon die Bilder animieren irgendwann dazu, die Sache tatsächlich in die Tat umzusetzen. Und wenn es mal etwas länger schmoren muss, kann man sich in die schönen Erklärungen der Wetterspezialistin hineinlesen und weiß hinterher eine Menge mehr darüber, wie das Wetter in unseren Breiten zusammengekocht wird, welche Rolle die Azoren und die Isländer dabei spielen.

Und dass die Warnungen zu den Folgen des Klimawandels, die die beiden Autoren dann im Nachwort noch einmal aussprechen, nur zu berechtigt sind. Wir verlieren auch den kulinarischen Reichtum unserer Heimat, wenn wir so weitermachen.

Das musste jetzt mal gesagt sein. Weil es gerade das zu einem schönen, wichtigen und klugen Buch macht.

Herbert Frauenberger; Michaela Koschak Die Wetterküche, Buchverlag für die Frau, Leipzig 2018, 18 Euro.

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