In eigener Sache oder 1.500 x 99 Euro

Leser fragen, wir antworten: Was kostet die Herausgabe der L-IZ.de? Warum 1.500 Abos?

Liebe Leser, liebe Freunde der L-IZ.de, liebe Freikäufer, bereits seit dem 6. August ist das Team der L-IZ in neuen Fahrwassern unterwegs. Die Aktion „Freikäufer“ hat Fahrt aufgenommen. Bis heute (Stand 20. September 2016) haben sich 93 Unterstützer über die bereits vorher eingetragenen 760 Abonnenten hinaus angemeldet und sind zu uns an Bord gekommen. Wie erklärungsbedürftig unser Vorhaben ist, spüren wir täglich in vielen Mails, bei Anfragen in den sozialen Netzwerken oder auch in persönlichen Gesprächen.
Artikelserie "In eigener Sache" - Teil 21 von 26

Dass wir mit der Freikäufer-Aktion (weitere Infos), wie schon mit vielen Ideen der letzten 12 Jahre, wieder einmal Neuland betreten, ist aus vielen Fragen herauszuhören. Indem wir einen notwendigen Schritt in Richtung Finanzierung einer lokalen und unabhängigen Zeitung gemacht haben, leisten wir gemeinsam mit Ihnen Pionierarbeit. Zu ungewohnt kommt es den Menschen immer noch vor, im Internet für Nachrichteninhalte zu bezahlen – doch es wird in der Zukunft kein Weg mehr daran vorbeiführen.

Die vielen „Im-Internet-ist-alles-kostenlos“-Jahre haben bei den Lesern, aber auch bei uns, ihre Spuren hinterlassen. Und so bekamen wir für unseren Mut von vielen Seiten Lob, aufmunternde Zeilen und anerkennende Meinungen. Aber auch viele enttäuschte Mails von Kritikern, denen wir mit den Informationen in diesem Artikel ein klein wenig entgegenkommen möchten. Manche meinten nämlich vorwurfsvoll, dass wir jetzt „geldgeil“ werden würden.  Und andere, dass es uns gut stehen würde, transparenter mit den Zahlen umzugehen und zu benennen, wofür die Abo-Zahlungen benötigt und verwendet werden.

Und so haben wir uns mal hingesetzt und die wichtigsten Kosten für den Betrieb einer Online-Lokalzeitung in Gruppen zusammengefasst. Wir hoffen, dass Sie dadurch einen Einblick in unsere Arbeit bekommen und wie groß die Unterstützung sein muss, die wir von den Lesern laufend benötigen.

Herausgekommen ist dabei die Grafik oben im Kopf der Seite, auf der wir mit unserem „Freikäufer“-Schiff von Insel zu Insel segeln, um das nächste Ziel anzusteuern.

Bitte bei den folgenden Zahlen nicht vergessen, dass beim Betrag von 99 EUR immer der Bruttobetrag genannt wird. Bei jedem Freikäufer-Abonnement können wir also intern aufgrund der gesetzlichen 19 % Mehrwertsteuer real nur mit 83,19 EUR kalkulieren, es sind also immer nur gerundete Werte. Natürlich laufen die nachfolgend angegebenen Kosten immer parallel während des laufenden Betriebes.

Das haben wir schon geschafft

Mit den Freikäufern, die jetzt bereits an Bord sind, konnten wir die hier genannten Ziele schon erfolgreich erreichen:

Ca. 1.000 EUR für Gebühren und Beiträge = etwa 10 Abos

Die jährlichen Ausgaben der L-IZ.de für Gebühren und Beiträge usw. belaufen sich auf ca. 1000 EUR. Darunter fallen zum Beispiel die Beiträge für die Industrie- und Handelskammer (IHK), die GEZ-Gebühren sowie die Kontoführungsgebühren für unsere beiden Bankkonten (Abonnentenkonto & Konto für Werbegeldeinnahmen).

Ca. 1.000 EUR für Versicherungen = etwa 10 Abos

Es kann immer mal was passieren oder schief gehen. Um uns zumindest grundlegend davor zu schützen, benötigen wir einige Absicherungen: eine Betriebshaftpflichtversicherung, eine Büroinhaltsversicherung (ähnlich einer Hausratversicherung für Privathaushalte).

Ca. 5.000 EUR fürs Redaktionsbüro = etwa 50 Abos

In diesem Kostenblock sind zum Beispiel die monatlich fällige Büromiete im Haus der Demokratie, die Nebenkosten (Strom, Wasser, Heizung…), die Kosten für Telefon/Fax/Internet, den Postversand und Aufwendungen für Bürobedarf (Verbrauchsmaterialien). Und auch der Kaffeebedarf unserer Redakteure gehört hierher (um die Stimmung oben und die Redakteure wach zu halten).

Ca. 8.000 EUR für Serverkosten und -wartung = etwa 80 Abos

80 Abonnements werden benötigt, um die jährlichen Kosten für die IT abzudecken. Das sind Domaingebühren und Hosting-Gebühren, aber vor allem die Betreuungskosten für unseren Webserver und den Mailserver. Die beiden Server müssen regelmäßig betreut und gewartet werden, Sicherheitsupdates, Weiterentwicklungen und Anpassungen sind regelmäßig notwendig, Lizenzen müssen gekauft werden.

Im Besonderen die von uns veröffentlichten Audio- und Videodateien benötigen eine zuverlässige und leistungsfähige Serverumgebung. Auch die L-IZ.de selbst unterliegt einem ständigen Entwicklungsprozess, gern würden wir auch öfter Neuerungen und Verbesserungen als bislang programmieren lassen. Viele Ideen in unseren Köpfen konnten/können nicht umgesetzt werden, da uns bislang die Möglichkeiten dafür fehlten.

Und manchmal kommen auch unerwartete Mails herein, in denen uns Leser berichten, dass sie mit irgendeiner Funktion auf unserer Webseite oder im Abo-Shop ein Problem auf ihrem Handy oder Rechner haben. Dann muss unser Programmierer ran, der seinen Kopf rauchen und die Finger über die Tastatur gleiten lässt, bis das Problem gelöst ist. Kommt es zu echten Pannen, durchaus mal ein paar Tage und Nächte lang.

Wo sind wir jetzt gerade?

Momentan sind wir mit den Freikäufern auf dem Weg zu einer weiteren größeren Insel:

Ca. 8.000 EUR für Rechtskosten = etwa 80 Abos

Dieser Betrag, welcher Anwaltskosten, aber auch Beratungen bei Verträgen oder Vereinbarungen mit Kooperationspartnern der L-IZ.de umfasst, ist ein Erfahrungswert aus den letzten fünf Jahren. Mal lagen wir darunter, mal darüber, wenn es zum Beispiel besonders heiß herging bei gerichtlichen Vorgängen – vor allem mit Abmahnanwälten, welche es oft versuchen, aber selten gewinnen. Dennoch verursachen sie Kosten. Auch das Durchsetzen eigener Ansprüche gegen Dritte (selten aber dann auch nötig) ist hier erfasst, zum Beispiel bei Verstößen gegen das Urheberrecht. Oft genug müssen wir trotz erfolgreicher Durchsetzung unserer Rechte anschließend die Rechtskosten selbst tragen, da so manches Mal die Gegenseite nicht zahlungsfähig ist.

In der Hauptsache jedoch benötigen wir dieses Geld, um uns erfolgreich gegen Kläger zu wehren, welche freie Berichterstattung einschränken wollen. Kommt es zum Prozess vor Pressekammern, ist es oft aufgrund eines noch nicht abschließend ausdefinierten Persönlichkeitsrechtes im Netz so, dass der Anspruch gegen uns zwar weitgehend abgewiesen wird (wir haben demnach Recht, weshalb Sie noch nie eine Gegendarstellung auf der L-IZ gelesen haben), die Kosten jedoch gern zur Splittung vorgeschlagen werden.

Ein kompliziertes und schwankendes Kostenfeld als oft lästige Randerscheinung unserer Arbeit also, welches aber branchenüblich leider dazugehört. Es sei denn, man schreibt nur Eiapopeia-Meldungen.

Welche Ziele liegen noch vor uns?

Ca. 15.000 EUR Verwaltungskosten = etwa 150 Abos

Was etwas bürokratisch klingt, sind in Wirklichkeit überwiegend Personalkosten. Beginnend bei „A“ wie Abonnentenbetreuung, über „B“ wie Buchhaltung führen, „F“ wie interne Finanzkontrolle, bis „R“ wie irgendwer muss die Rechnungslegung machen und „S“ wie Steuerberater. Über die vergangenen Jahre hinweg haben wir diesen Bereich fast im Alleingang gelöst und können dies auch weiterhin. Dennoch bindet es jeden Monat Zeit, die Rechnungsein- und -ausgänge im Blick zu behalten, Schriftverkehr mit Ämtern und Behörden zu führen, die Zahlen für das Finanzamt zusammenzustellen, die eigenen Kosten dauerhaft zu kontrollieren und vor allem auf Fragen von Abonnenten zu reagieren, diese also zu „betreuen“.

Als Firma ist es zudem schlicht unmöglich, seine Abrechnungen mit dem Finanzamt ohne steuerliche Beratung zu machen, was neben unserer eigenen Zeit also auch noch die Kosten für diese Arbeit einschließt.

Ca. 6.000 EUR für Werbung & Social Media = etwa 60 Abos

Ein Posten, den es vor 6 bis 7 Jahren so überhaupt nicht gab, ist die Betreuung der sozialen Medien. Maßgeblich vertreten sind wir auf Facebook und Twitter, aber auch auf Instagram und Google plus. „Vertreten“ heißt zuerst einmal Beiträge per Hand zu teilen, aufkommende Debatten über Artikel gegebenenfalls zu moderieren (oder einzugreifen, wenn es um Hassbeiträge geht) sowie auf diesen Wegen natürlich auch für unser Angebot zu werben.

Dass es ab und zu auch mehr als nur Internetwerbung bedarf, um auf sich aufmerksam zu machen, haben wir mal in diesen Preis mit eingeschlossen. So gesehen, in einem ganzen Jahr ein nach wie vor kleiner Kostenblock, der zuerst einmal wieder unsere eigene Arbeit umfasst.

Ca. 6.000 EUR für Recherchen = etwa 60 Abos

Knapp 500 Euro müssen wir durchschnittlich monatlich für Recherchen ansetzen. Seien es Gesprächs- oder Interviewtreffen mit Menschen, der Weg zu Veranstaltungen, Bürgerversammlungen oder auch Gebühren bei Registern und Auskunftsstellen – immer entstehen auch hier Kosten, die bezahlt werden müssen. In diesen Bereich mit eingegliedert haben wir auch Kosten, die uns bei der Nutzung von Archiven und der anschließenden Verwendung von Archivmaterialien berechnet werden.

Dass wir unsere Strecken in Leipzig kaum mit Autos, sondern eher per Rad, Bahn und zu Fuß realisieren, ergibt sich bei der Summe von nur 6.000 EUR fast von selbst. Bei Tiefenrecherchen kann es dennoch zu erhöhten Aufwendungen kommen, die wir hiermit ebenfalls decken wollen.

Ca. 100.000 EUR für die Journalisten = etwa 1.000 Abos

Das ist die größte Insel und unser größtes Ziel: Das Kernstück unserer Arbeit sind und bleiben wir Journalisten selbst. Wie viele wir sein können, hängt ganz maßgeblich von der Menge der Abonnenten und sicherlich auch der Werbeeinnahmen in den kommenden Jahren ab. Bislang haben wir Jahr um Jahr versucht, diesen Posten (wie alle anderen auch) ausschließlich aus Werbung zu finanzieren. Dieser Betrag beinhaltet jedoch nicht nur die Honorare unserer Redakteure, sondern auch die Abgaben, die wir zum Beispiel im Rahmen des Künstlersozialversicherungsgesetzes (KSVG) für unsere Mitarbeiter an die Künstlersozialkasse KSK (www.kuenstlersozialkasse.de) entrichten: 5,2 % aller Honorare für publizierte Bilder und Texte.

Dabei sind einige Kollegen bereits jetzt quasi rund um die Uhr für uns tätig, andere liefern immer wieder besondere Geschichten, Interviews und Reportagen gegen ein freies Honorar. Unser Ziel ist es dabei, immer mehr Journalisten die Möglichkeit zu geben, von ihrer Arbeit durch uns gut bezahlt zu werden. Viele von uns sind auch noch für andere Medien tätig. Doch: Je mehr finanzielle Mittel wir in diesem Bereich zur Verfügung haben, umso höher ist die Anzahl der Autoren und der veröffentlichten Artikel: desto besser wird die L-IZ.de selbst. Journalismus ist das, was im Zentrum aller Kosten steht und – das ist sicherlich wenig überraschend – den größten Teil unserer Kosten einnimmt.

Oft arbeiten auch mehrere von uns gemeinsam an einer Geschichte. Zu nennen sind dabei unter anderem die Liveberichte aus dem Stadtrat, die Vor-Ort-Berichterstattung bei Demonstrationen oder größere Reportagen und Beiträge zu komplexen Themen. Bei letzteren Themen gilt mindestens das inhaltliche „Vier-Augen-Prinzip“, also zwei Kollegen, die sich gegenseitig kontrollieren und gegebenenfalls auch die Quellenlage kritisch hinterfragen.

Diese Arbeit würden wir gern in den kommenden Jahren mit der Hilfe der Abonnenten stetig weiter verbessern. Deshalb ist auch die Aufforderung vor allem anderen auf uns als Journalisten bezogen.

Kaufen Sie uns frei: Hier werden Sie mit einem Abonnement Mitglied im L-IZ Leserclub

Wer schon ein Abonnement hat, kann uns zusätzlich mit einem Betrag in selbst gewählter Höhe unterstützen.

Wer die L-IZ gern in Kombination mit der einmal monatlich erscheinenden gedruckten LEIPZIGER ZEITUNG lesen möchte, findet in unserem Abo-Shop das Kombi-Abo „LZ & L-IZ.de“ für 119 EUR (Abrechnung jährlich).

Freikäufer
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Am 24. Februar im Pöge-Haus: Diskussions- und Informationsabend zu Chancen und Barrieren
Lukrative Sparverträge sind für Kreditinstitute zum Störfaktor geworden
Am 4. März: Jugendparlament der Stadt Leipzig lädt zur offenen Diskussionsveranstaltung
Die Polizei zum Kundgebungsgeschehen am 20. Februar 2017
Polizeibericht, 20. Februar: „Umarmer“ in Aktion, Unfallflucht, Handtasche entrissen
Bahnbrückenmontage über Essener Straße in Leipzig
MittwochsATTACke am 22. Februar: Vortrag und Diskussion in der Schaubühne Lindenfels
Theater und Sport gemeinsam gegen das Vergessen – Anstoß zu Proben von „Juller“ am TdJW
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Eine Vergrößerung des Einkaufsparks nova eventis ist nichts als Kaufkraftabschöpfung
Nova Eventis: Ohne Autoströme aus allen Richtungen würde hier gar nichts laufen. Foto: Jan Kaefer

Foto: Jan Kaefer

Die Fehler bei dem riesigen Einkaufspark im Leipziger Westen, der früher mal Saalepark hieß, wurden schon in den frühen 1990er Jahren gemacht. Jedes kleine Dorf im Leipziger Umfeld versuchte, seine Ackerflächen in gewinnbringende Einkaufs-, Gewerbe- und Wohnparks umzumünzen. Eine verbaute Landschaft ist das Ergebnis und Verkehrsströme, die mit Vernunft nichts mehr zu tun haben. Nun soll in Günthersdorf weiter Fläche bevorratet werden.
Markranstädts Bürgermeister erklärt die Sache mit dem Sportcenter nach öffentlicher Kritik nun auch öffentlich
Das Sportcenter in Markranstädt. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Die Bauschäden am Sportcenter in Markranstädt spielten eine nicht unerhebliche Rolle im Bürgermeisterwahlkampf in der kleinen Stadt westlich von Leipzig. Das Center ist zwar längst wieder in Betrieb, aber bis alle festgestellten Baumängel abgearbeitet sind, wird es noch eine ganze Weile brauchen, stellt Bürgermeister Jens Spiske fest. Ganz öffentlich. Er wurde ja auch ganz öffentlich dazu befragt.
NABU Sachsen fordert Sachsens Landwirtschaftsminister zum Umdenken bei der Agrarförderung auf
Getreidefeld im Leipziger Norden. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Egal, welchen Teil der sächsischen Wirtschaftspolitik man anschaut, jeder sieht irgendwie aus, als wolle man das 20. Jahrhundert ins 22. hinüberretten. Selbst dann, wenn wirtschaftlich deutlich stärkere Bundesländer im Bundesrat neue Wege zu gehen versuchen, wirft Sachsen sein „Nein“ in den Ring. So auch am 10. Februar wieder, als es um ein Umsteuern in der Landwirtschaft ging.
Fraktionschef der Linken spricht schon mal von der Tillich-Dämmerung
Rico Gebhardt, Fraktionsführer Die Linke im Landtag Sachsen. Foto: DiG/Trialon

Foto: DiG/Trialon

Am Montag, 20. Februar, war es die „Freie Presse“ in Chemnitz, die mit ersten Spekulationen aufwartete: „In Dresden sind offenbar Wechsel im Finanz- und im Kultusressort im Gespräch. Das Personalkarussell soll aber nicht wegen der Arbeit der Minister in Bewegung gesetzt werden.“ Für den sächsischen Chef der Linksfraktion schon mal ein Anlass, über das Ende der Ära Tillich nachzudenken.
„Wer hat uns verraten?“ Ein neues Sozialgesetz und die Realität in Leipzig + Video
Dirk Feiertag, Leipziger Ex-OBM-Kandidat 2013 und Sozialrechtler ist sauer. Bild: Screen Facebookvideo Feiertag

Bild: Screen Facebookvideo Feiertag

Für alle LeserDirk Feiertag, sonst als durchaus ruhiger Zeitgenosse, Rechtsanwalt in Leipzig und Mitglied der Initiative „Sanktionsfrei“ bekannt, ist sauer. So sauer, dass er seinen Facebookkommentar und Aufruf zur Hilfe seit dem 20. Februar 2017 mit dem Spruch einleitet „Wer hat dieses Kind verraten? – Die Sozialdemokraten!“. Worum es geht, erklärt der erklärte Leipziger Gegner der Hartz IV-Gesetze in einem Video und mit einer Erläuterung zu einem aktuellen Fall in seiner Praxis. Es geht um nichts weniger als ein Bundesgesetz, welches seit Ende 2016 die Sozialhilfe für EU-Bürgern in Deutschland neu regelt.
Die AfD lädt zur Diskussion: Extrem am Thema vorbei
Protest gegen die AfD vor der Alten Handelsbörse. Foto: L-IZ

Foto: L-IZ

Für alle LeserAngekündigt war an diesem 20. Februar 2017 eine Diskussion zum „Extremismus in Sachsen“. Herausgekommen ist eine Werbeveranstaltung für die Arbeit der AfD im sächsischen Landtag. Etwa 150 Menschen verfolgten die Darbietung in der Alten Handelsbörse, in deren Mittelpunkt die AfD-Leib- und Magenthemen Asyl, Islam, Migration und Sicherheit standen. Außerhalb des Gebäudes protestierten mehrere dutzend Menschen gegen die Veranstaltung. Einige AfD-Gegner hatten sich zu Beginn unter die Teilnehmenden gemischt und wurden nach wenigen Minuten des Saales verwiesen.
Wie Deutschlands Rechtsextreme Sprache und Mythos als Tarnung benutzen
Georg Schuppener: Sprache und germanischer Mythos im Rechtsextremismus. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Prof. Georg Schuppener ist Germanist an der Universität Leipzig. Intensiv beschäftigt er sich mit der Sprache der deutschen Rechtsextremisten. Ein hochaktuelles Thema – nicht so sehr wegen der Verhandlung über das NPD-Verbot. Sondern wegen der Folgen für eine Gesellschaft, in der trojanischer Sprachgebrauch die gesellschaftlichen Diskurse zerfrisst. LTI 2.0 ist wie Zuckerwatte für Sitzenbleiber.
Bewegte Bürger: Das Ende eines Neustarts + Video
Die Bürgerbewegung Leipzig und nicht! Legida-Nachfolger auf dem Richard-Wagner-Platz. Foto: Tim Wagner

Foto: Tim Wagner

Für alle LeserWer sich am 20. Februar 2017 auf den Richard Wagner Platz verirrte, fand ab 18:30 Uhr eine Versammlung der „Bürgerbewegung Leipzig“ vor, die partout nicht Legida sein wollte. Personelle Schnittmengen zu früheren Demonstrationen, wie beim „Langen aus Roßwein“ fielen dabei flott unter den Tisch. Der Tonfall auf der Bühne versuchte dennoch irgendwie wohlgefälliger zu sein, man hatte etwas mehr Kreide als in früheren Tagen zur Hand. Offen für alle wolle man sein, hieß es immer wieder, mancher versuchte mit „der Antifa“ ins Gespräch zu kommen und fast wirkte alles nur noch wie ein hilfloser Versuch, die letzten, meist älteren Teilnehmer bei der Stange zu halten.
Ein Leipziger Kreativer erzählt, warum Start-ups in Leipzig ganz schlechte Karten haben
Die Musik auf CD, das Unternehmen abgemeldet ... Foto: L-IZ

Foto: L-IZ

Für alle LeserDie folgende Geschichte hat sich wirklich so zugetragen. Der Autor hat mit einer Unternehmensgründung in Leipzig so ungefähr alles erlebt, was Gründer in dieser Stadt erleben können, wenn sie keinen reichen Papa haben, der ihnen die Anschubfinanzierung vorstreckt. Wir nennen ihn einfach Herrn Mutig (Name ist der Red. bekannt), weil sein Fall typisch ist. Und einiges darüber erzählt, was in unserem Land und unserer Stadt für Gründungswillige gründlich schiefläuft.
Leipzig hört gerade auf, ein bezahlbarer Ort für Kreative zu sein
Ein paar Peanuts fürs kreative Volk. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIrgendwie ahnen Leipzigs Ratsfraktionen ja, dass irgendetwas ganz schiefläuft in der bunten Szene, die man so lax die kreative nennt, die seit 25 Jahren dafür gesorgt hat, dass Leipzig einen Ruf als unangepasste, experimentierfreudige Stadt hat. Aber diese Szene verliert gerade massiv an Boden. Was natürlich am Geld liegt. Vor einem halben Jahr schrieben wir hier: „Peanuts für die kreativen Spaß-Branchen“.
Sachsens Regierung zeigt wenig Interesse an Zahlen zur alternativen Energiewirtschaft
Strommast bei der Zwenkauer Solarion-Niederlassung. Foto: Matthias Weidemann

Foto: Matthias Weidemann

Es hätte eine spannende Geschichte werden können, wenn Sachsens Regierung ernsthaft die Energiewende ins Zentrum ihrer Wirtschaftspolitik gestellt hätte. Das hat sie aber nicht. Sie hat lieber die großen Kohlekonzerne gehätschelt und Gesetze gegen die „Verspargelung“ der Landschaft gemacht. Und die gepriesene Solarindustrie? Ausverkauft. Auch so kann man Zukunftstechnologien verlieren.
68 Personen, die im Januar 2016 in Connewitz randalierten, sind auch danach mit Straftaten auffällig geworden
Großeinsatz der Polizei am 11. Januar in Connewitz, Wolfgang-Heinze-Straße und 215 Gewahrsamnahmen. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Die Liste ist lang und man versteht Innenminister Markus Ulbig (CDU) diesmal, dass er um Verständnis dafür bittet, dass er die Fragen des innenpolitischen Sprechers der Grünen-Fraktion, Valentin Lippmann, zu den Tätern vom 11. Januar 2016 in Connewitz nicht vollständig beantwortet. Die Recherchen würden einen Teil der Staatsregierung regelrecht lahmlegen, befürchtet er.
Haben wir das? Haben wir nicht! Der lange Weg für den 1. FC Lok
Der Weg in Liga 3 geht nur mit aktiver Hilfe der Fans. Foto: Jan Kaefer

Foto: Jan Kaefer

LEIPZIGER ZEITUNG/Auszug aus Ausgabe 40Als Jens Kesseler seinen fünf­zigminütigen Vortrag über die Zulassungsvoraussetzungen für die 3. Liga beendet, ist es still im VIP-Raum des 1. FC Lok. Die 70 Mitglieder, die am vergangenen Freitag zum neuerlichen Mitgliederabend gekommen waren, mussten offensichtlich nicht nur ihr Schnitzel auf Brot, sondern auch alle Informationen erstmal verdauen. So erging es auch Lok-Präsident Jens Kes­seler und dem Geschäftsführer der Spiel­betriebs-GmbH Martin Mieth bei einer Informationsveranstaltung des Deutschen Fußballbundes (DFB) Anfang Februar.
Wie klein war eigentlich das Leipzig vor 1217?
Karte des mittelalterlichen Leipzig aus der Ausstellung „Leipzig von Anfang an“ im Stadtgeschichtlichen Museum. Archivfoto: Ralf Julke

Archivfoto: Ralf Julke

Es gibt Momente, da stolpert man über ein Wort. Und ein Rätsel, das auch Enno Bünz beschäftigt hat, als er über die frühe Stadtentstehung Leipzigs im Band 2 der großen Leipziger Stadtgeschichte schrieb: Wie sah eigentlich die Stadt im Jahr 1216 aus? Als Markgraf Dietrich die Leipziger zwang, ihre Stadtmauer niederzureißen?
Lernen, nur wie eigentlich? Ein Nachklapp zur LEIPZIGER ZEITUNG 39 „Bildunk. Vür alle!“
Viele Schüler sind von dem, was in der Schule tagtäglich auf sie einströmt, überfordert. Die Lehrer auch. Foto: Anne Garti, pixelio.de

Foto: Anne Garti, pixelio.de

LEIPZIGER ZEITUNG/Auszug aus Ausgabe 40In der zurückliegenden Ausgabe 39 der LZ stand das Thema „Bildunk. Vür alle!“ auf dem Cover und so manches Thema löste Debatten bei den Lesern aus. So auch die Beschreibung des heutigen Schulsystems von Jens-Uwe Jopp, einem Leipziger Gymnasiallehrer für Deutsch und Geschichte. Und es fiel manchem auf, dass keine Lösung in Sicht schien. Mittlerweile ist eine erneute Novellierung des Schulgesetzes in Sachsen durch den Landtag, die Regie­rungskoalition aus CDU und SPD versuchte die Fortschritte herauszustellen. Doch gehen sie weit genug?