Ein Termin, ein Abwasch. Am Freitag, 7. Dezember, wurde in der Tourist Info in der Katharinenstraße nicht nur das quietschgrüne Einjährige der "Kaffeesachsen" zelebriert. Es gab auch eine Änderung, die LTM-Chef Volker Bremer bekanntgeben wollte: Das Schauspiel zieht wieder mit ein in die Information. Manchmal lernt man ja was beim Umzug.

Früher war es für die Leipziger selbstverständlich, dass man seine Eintrittskarten für alle kulturellen Angebote in Leipzig auch ganz zentral an einem Ticketschalter in der Tourismus-Information kaufen konnte. Dann gab es mehrere Umzüge der Tourist-Info – erst mal runter vom Sachsenplatz und rein in die bahnhofsnahe Ladeneinheit in der Richard-Wagner-Straße. Nicht nah genug für viele Leipziger. Aber ein Plätzchen in den neuen Hauptbahnhof Promenaden an strategisch günstiger Stelle ward nicht gefunden. Und in der Richard-Wagner-Straße begann das Leiden.

Nicht so sehr an den Touristen. Die fanden den Schalter dann doch irgendwie. Manchmal musste man sie aber auch am Ärmel führen, denn der Platz vor der Tourist Info entwickelte sich in den letzten Jahren zum Parkplatz für Busse. Anfangs stand nur der Pariser Oldtimer Bus aus den 1930er Jahren manchmal da. Das war noch witzig und passte noch irgendwie zu Klein-Paris. Dann tauchte der Schweizer Postbus auf. Auch das hatte noch ein bisschen Pep. Dann kam der erste Oldtimer-Doppelstockbus aus Berlin, dann einer aus London. Seit Jahren stehen die Doppelstockbusse, wie sie in Leipzig historisch nie gefahren sind, als “Historische Bustour” vor der Tourist Info Schlange.

Wer in Leipzig über die Umweltzone redet, braucht nur all die historischen Fahrzeuge zu bestaunen, die seit Einführung der Umweltzone mit Ausnahmegenehmigung durch die Stadt stänkern. Sehr zur Freude aller Wartenden an LVB-Haltestellen.
Der Trubel vor der Ladenfront wurde den Mitarbeitern des LTM und den Gästeführern der Stadt am Ende zu bunt und man sah sie alle erleichtert aufatmen, als die Tourist Information 2010 in das neu erbaute Katharinum zog. Neue Adresse: Katharinenstraße 8. Das war zwar auch strategisch gedacht vom LTM. Denn mit der Fertigstellung der “Höfe am Brühl” würde der Passantenstrom in der Katharinenstraße natürlich heftig zunehmen. Was er auch tat. Und was einem ganz besonderem Spezi im Leipziger Kulturleben dann endgültig zu denken gab: dem Schauspiel Leipzig, von dem auch Dr. Volker Ballweg, der Verwaltungsdirektor des Theaters, gern in der Schrägstrichvariante spricht: Schauspiel Leipzig/Centraltheater.

Denn der noch regierende Intendant Sebastian Hartmann hat mit seiner Experimentier-Truppe in den zurückliegenden Jahren so einiges falsch gemacht, was man im Theater-Marketing falsch machen kann. Von dubiosen Plakat-Kampagnen, die am Ende wohl nur den Layouter begeisterten, bis hin zur eher unterkühlten Pressearbeit. Und so ist es am Tage wie am Abend: Immer weniger Leute fanden sich in das mittlerweile schon zum größeren Teil sanierte Stadttheater in der Gottschedstraße.

Dabei besitzt das seit Jahren einen Ticketverkauf, der nicht nur für die eigenen Vorstellungen Karten aus dem Drucker spucken kann, sondern über CTS an die großen überregionalen Ticketsysteme angeschlossen ist. Für Volker Ballweg lag die Überlegung also nahe, eine alte Freundschaft wieder aufzufrischen und mit dem LTM ins Gespräch zu kommen. Im Eigeninteresse natürlich. Denn von den Passantenscharen in der Katharinenstraße könnte ja auch das Schauspiel Schrägstrich Centraltheater profitieren. Könnte es. Vielleicht haben die Plakate ja künftig wieder die Lock-Qualitäten, die man von klassischen Theaterplakaten so kennt.

Dass er dabei auf ein Bedürfnis des LTM traf, traf sich gut. Nicht nur die wachsenden Touristenscharen hatten in der Tourist Info für mehr Betrieb gesorgt. “Das Rekordwachstum führte auch dazu, dass sich die Besucherzahlen in der Tourist-Information deutlich erhöhten”, sagte Volker Bremer, Geschäftsführer der Leipzig Tourismus und Marketing (LTM) GmbH. “Auch die Nachfrage der Touristen nach Veranstaltungskarten nahm zu. Deshalb ist es wichtig, dass wir mit Unterstützung des Schauspiels Leipzig in der Tourist-Information wieder Tickets anbieten können.”

Das passte also. Die beiden Unternehmen taten sich zusammen. Das Schauspiel installierte seinen Ticketverkauf in der Tourist Info. “Leipzig Tickets” heißt der Schalter jetzt, hinter dem am Freitag Dagmar Klemm vom Schauspiel-Service die Journalisten begrüßte. Volker Ballweg: “Wir haben den Schriftzug extra dem hier schon verwendeten Schriftzug der Leipziger Freiheit angepasst.” Statt Weiß auf Rot liest man freilich Rot auf Weiß.

Aber was Karten in Leipzig betrifft, bekommt man hier wieder fast alles: ob Ballett, Festival, Theater, Kabarett, Konzerte, Museen, Sport oder Zoo – die Gäste und natürlich auch die Leipziger erhalten am Counter (englisch: Schalter) von “Leipzig Tickets” ein breites Spektrum an Veranstaltungskarten. Und wer wirklich als Tourist ankommt, kann am Nachbarschalter von den Mitarbeitern der Tourist-Information zusätzlich Tipps für die Gestaltung des Aufenthalts in der Stadt Leipzig bekommen. Zum Beispiel, wo man den Absacker trinken kann nach der fünfstündigen Vorstellung.

Der Verkauf der Tickets erfolgt während der Öffnungszeiten der Tourist-Information (Katharinenstraße 8): Montag – Freitag 9:30 – 18 Uhr, Samstag 9:30 – 16 Uhr, Sonntag/Feiertage 9:30 – 15 Uhr.

www.ltm-leipzig.de

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