Geplant waren sie beide eigentlich schon 2013 - als neue Kindertagesstätten in Systembauweise, schnell hingestellt in der Bornaischen und der Gohliser Straße, fertig zum Einzug noch in diesem Jahr. Immerhin gilt seit dem 1. August der Rechtsanspruch auf einen Kita-Betreuungsplatz. Dumm nur, wenn Städte wie Leipzig weder vom Bund noch vom Land die nötigen Gelder zum Umsetzung dieses Rechtsanspruchs bekommen.

Schon am Mittwoch, 18. September, hatte Leipzigs Finanzbürgermeister Torsten Bonew deswegen trocken ankündigen müssen: Die Leipziger Kita-Baupläne müssen gestreckt werden. Das ist nicht ganz neu. Mit dem Thema beschäftigte sich das Leipziger Hochbauamt im Grunde seit Herbst 2012. Damals verkündete die Verwaltung noch großspurig, 2013 das Leipziger Kita-Problem mit dem Schnell-Bau mehrerer Kindertagesstätten in Systembauweise lösen zu wollen. Der Presse wurde gleich mal ein schöner Stapel Kataloge gezeigt: Einfach bestellen, hinstellen, fertig. Kita-Anspruch gerettet, Versorgungslücke zum Teil geschlossen.

Aber die nächsten Prüfungen brachten Ernüchterung: Systembauweise geht zwar schnell. “Aber wir wären nicht besser gefahren”, sagt Raimund Krell, Leiter des Leipziger Hochbauamtes. “Nicht nur, dass Systembauweise in keiner Weise preiswerter ist als stabile Bauweise – naturgemäß hält sie auch nicht so lange. Wir würden also eigentlich draufzahlen.” Und wirklich viel schneller wäre es wohl auch nicht gegangen, denn die Baugrundstücke müssen ja trotzdem erschlossen werden, die Planungen vorbereitet, die Gelder bereitgestellt werden.

Erste Folge: Die meisten Kita-Bauten, die 2013 so forsch in Systembauweise hingestellt oder erweitert werden sollten, sind jetzt wieder in der Prüfung. Zwei davon werden jetzt in stabiler Bauweise gebaut: Es handelt sich um die Kitas in der Bornaischen Straße 184 und der Gohliser Straße 5, deren Planung der Stadtrat am 17. April beschlossen hatte. Die Bauarbeiten sind für 2014 vorgesehen, 2015 sollen die Kitas eröffnet werden. Aber die Bauvorbereitungen beginnen natürlich schon vorher, konkret: im Oktober.

Dann werden die Grundstücke beräumt und jene Gehölze entfernt, die in den Planungen nicht mehr untergebracht werden konnten. “Und wir haben uns richtig Mühe gegeben, den alten Baumbestand so weit wie möglich zu sichern und in die Pläne einzubeziehen”, sagt Dorothee Dubrau, Leipzigs Baubürgermeisterin. In der Bornaischen Straße wurde so – nach dreimaliger Veränderung des Planes – eine hundert Jahre alte Eiche bewahrt. “Die kann durchaus noch 80 Jahre stehen”, sagt Krell. Die Baumfällungen wurden extra mit dem Amt für Stadtgrün und Gewässer abgestimmt.In der Bornaischen Straße 184, im Ortsteil Dölitz, soll auf dem Gelände der Kindertagesstätte “Kinderhaus am Agra-Park” im kommenden Jahr eine weitere Einrichtung für 165 Kinder entstehen. Mit Betonung auf “weitere”, denn ursprünglich sollte die neue, größere Kita ein Ersatzbau für die alte werden. Das hätte auch das Planen und Bauen leichter gemacht. Aber: Die bestehende Kindertagesstätte, “Kinderhaus am Agra-Park” muss aufgrund des hohen Bedarfs an Kita-Plätzen weiterhin in Betrieb bleiben. Das Haus wird nicht abgebrochen.

Der Neubau wird nun an der nordwestlichen Grundstücksgrenze errichtet. Er ist als langgestrecktes, zweigeschossiges Gebäude konzipiert. Passend zum parkähnlichen Gelände soll die Kita eine Holzfassade erhalten. Die Einordnung des Gebäudes an der nördlichen Seite des Grundstücks erfolgte vor allem, um die Grenzwerte des maßgeblichen Lärmpegels von maximal 55 dB(A) in den Aufenthaltsräumen der Kinder einhalten zu können. Die Geräuschbelastung rührt hauptsächlich von den Straßenbahnen her, die durch die Bornaische Straße fahren. Die fahren zwar schon seit dem Umbau der Straße auf “Flüstergleisen”. Aber in so engen Straßenquerschnitten ist irgendwann auch eine Grenze bei der Lärmminderung erreicht.

Deswegen befindet sich an der Bornaischen Straße auch die Zufahrt für jene Eltern, die ihre Kinder per Auto zur Kita bringen. Ein Parken auf der schmalen Straße ist an dieser Stelle nicht möglich. Diese “Ablieferfläche” ist direkt mit dem Wendehammer für die Feuerwehr kombiniert. Und während in früheren Entwürfen die südlich davon stehende Eiche fallen musste, kann sie jetzt auf einer Grünfläche stehen bleiben.

Der neue Entwurf macht auch die Ablieferung der Kinder per Fahrrad oder zu Fuß sicherer: Hier haben die Eltern einen separaten Zugang nördlich der Pkw-Zufahrt.

Im Inneren des Geländes entsteht eine große – aber geteilte – Spielfläche, denn die Knirpse aus der künftigen Kinderkrippe (45 Plätze) sollen ungestört von den kleinen Rüpeln aus dem Kindergarten spielen können. Für beide Teileinrichtungen aber gilt: Die Aufenthaltsräume der Kinder sind alle zur großen Grünfläche – und damit nach Süden ausgerichtet.

Kostenpunkt für diese Kindereinrichtung: 3,2 Millionen Euro. Im Rahmen des Planungsprozesses wurden bereits die Eltern der bestehenden Einrichtung sowie der Bürgerverein Dölitz e. V. informiert.

Nun ist freilich – wie gehabt – das große Bangen vor dem Winter. Im Herbst soll zwar die Fläche schon beräumt und vorbereitet werden, sollen auch die Leitungsanschlüsse gelegt werden. Das Hochbauamt hofft nun, schon im Februar 2014 mit dem Bau beginnen zu können. Denn im Dezember muss alles fertig sein. Das ist auch der Finaltermin zur Abrechnung der Fördergelder. Das ist ein ehrgeiziges Bautempo. Der Nutzung übergeben werden soll die Kindertagesstätte per 1. Januar 2015.

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Ralf Julke über einen freien Förderbetrag senden.
oder

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar