Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage. Ein Ziel, an dem zu arbeiten sich in jedem Fall lohnt. Denn, wenn wir uns nicht gegen den Hass stemmen, ist die Alternative eine äußerst düstere Zukunft, geprägt von Gewalt, diktatorischen Maßnahmen und der permanenten Angst vor dem Gegenüber. Das hatten wir doch schon. Also, Ärmel hochgekrempelt und angepackt, wie Nathalie Linares Ramón.

Guten Tag Nathalie Linares Ramón. Schön, Dich hier in Leipzig zu haben. Du bist im kleinen, kuscheligen Germersheim in Rheinland-Pfalz groß geworden. Dort hast Du Dich stark für das Projekt Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage engagiert. Was ist das denn genau?

Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage, kurz SOR-SMC, ist ein soziales Schülerprojekt von Schülern für Schüler, welches Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit bietet, das Klima an ihrer Schule aktiv mitzugestalten, indem sie sich bewusst gegen jede Form von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt wenden. SOR-SMC ist das größte Schulnetzwerk in Deutschland. Dem Projekt gehören laut dem aktuellen Stand (Mai 2015) über 1.700 Schulen deutschlandweit an.

Jede Schule kann den Titel gewinnen, dazu müssen jedoch gewisse Voraussetzungen erfüllt werden. Es müssen sich mindestens 70 Prozent aller Menschen, die in der Schule lernen oder arbeiten (Schüler/innen, Lehrer/innen und technisches Personal) mit ihrer Unterschrift dazu verpflichten, sich künftig gegen jede Form von Diskriminierung an der Schule aktiv einzusetzen, bei Konflikten einzugreifen und regelmäßig Projekttage zum Thema durchzuführen.

Es werden die folgenden drei Grundsätze unterschrieben:

1. Ich werde mich dafür einsetzen, dass es zu einer zentralen Aufgabe meiner Schule wird, nachhaltige und langfristige Projekte, Aktivitäten und Initiativen zu entwickeln, um Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, zu überwinden.

2. Wenn an meiner Schule Gewalt geschieht, diskriminierende Äußerungen fallen oder diskriminierende Handlungen ausgeübt werden, wende ich mich dagegen und setze mich dafür ein, dass wir in einer offenen Auseinandersetzung mit diesem Problem gemeinsam Wege finden, zukünftig einander zu achten.

3. Ich setze mich dafür ein, dass an meiner Schule einmal pro Jahr ein Projekt zum Thema Diskriminierungen durchgeführt wird, um langfristig gegen jegliche Form von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, vorzugehen.

Wie ist denn der Ablauf bis zur Ernennung? Wird das von oben übergestülpt oder gibt es da eine demokratische Willensbildung? Wie läuft das genau?

Der Ablauf unterscheidet sich von Schule zu Schule. An unserem Gymnasium haben wir vorerst eine Präsentation vorbereitet, um die gesamten Schüler über das Projekt zu informieren. Im Anschluss haben wir nacheinander die Klassen zu unserer Präsentation eingeladen. Nachdem die Schüler über das Projekt informiert wurden gab es eine Fragerunde. Natürlich wurde das ganze vorab mit der Schulleitung besprochen. Am Tag nach unserer Präsentation haben wir eine kurze Befragung durchgeführt, um herauszufinden wie gut das Projekt bei den einzelnen angekommen ist und ob es eher Zuspruch oder Ablehnung erfährt. Unsere Schule hat das Projekt mit offenen Armen empfangen, somit konnten wir kurze Zeit später die Unterschriften sammeln. Der restliche Ablauf des Projektes ging dann recht flott. Der Annahmeantrag wurde dann dementsprechend ausgefüllt und an die Bundeskoordination in Berlin gesendet. Dazu gibt es hier eine Vorlage: http://www.bit.ly/1HFEd4j

Wir haben dann nur noch einen Festakt mit verschiedenen Rednern gestaltet, auf dem uns das offizielle Schild übergeben wurde.

Nun bist Du ja hier in Leipzig, in Sachsen. Was sind Deine ganz persönlichen Empfindungen beim Thema SOR-SMC? Gibt es das hier überhaupt? Wird das in Sachsen überhaupt unterstützt?

In Leipzig habe ich bis jetzt noch keine SOR-Schule wahrgenommen. Ich weiß, dass es mehrere dieser Schulen im Bundesland Sachsen (laut der Statistik 65 http://www.bit.ly/1SGcWFe ) gibt aber ich habe das Gefühl, dass das Projekt an sich hier nicht so stark kommuniziert wird. Für mich ist es ein Herzensprojekt und ich finde, dass es sehr wichtig ist. Natürlich gibt es in Sachsen verschiede Kooperationspartner (http://www.bit.ly/1SgeyES) die sich mit dem Projekt befassen und dieses unterstützen. Im Allgemeinen muss es jedoch breiter kommuniziert werden.

Dazu würde es meiner Meinung nach genügen, einmal im Monat über eine der SOR-Schulen zu berichten, einige Fortschritte oder Veränderungen der Schulen und deren Schüler zu benennen oder einfach nur das regelmäßige Abdrucken des Logos in einer Zeitung. Man muss die Menschen aufmerksamer auf das sensible Thema machen, dies gilt für alle Bundesländer. Besonders weil immer mehr Flüchtlinge bei uns Schutz suchen, müssen wir alle gemeinsam dafür sorgen, dass die Jugend sich nicht von negativ eingestellten Personen beeinflussen lässt. Rassismus ist in keinem Fall die Lösung.

Du willst Dich ja nun als Botschafterin in die Spur machen. Wie muss ich mir das denn vorstellen?

Auf meinem Weg bin ich stets inspiriert von Cherno Jobatey. Er ist Moderator und unterstützt viele Charity-Veranstaltungen. Zudem ist er Botschafter von “Schulen ohne Rassismus”. Für mich kann ich mir vorstellen, einen Aufruf zu starten, um die Leute einfach auf das Projekt aufmerksam zu machen. In der Pfalz hat unsere Gruppe diverse Schulen besucht und Termine mit den Schulleitern vereinbart. Diese wurden dann über das Projekt informiert und konnten sich im Anschluss dazu entscheiden, dieses anzunehmen oder nicht. Für die Bildung des Teams sind oft Schulsprecher/innen und Klassensprecher/innen zuständig. In Zusammenarbeit mit den Vertrauenslehrern können diese dann das Projekt starten. Vielleicht komme ich ja mit einigen Schulen in Kontakt und kann somit diese auf ihrem Weg zu einer Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage unterstützen. Erreicht hat man schon etwas, wenn man nur eine Person zum Nachdenken bringt.

Es ist uns bewusst, dass der Bildungssektor im Land Sachsen ein recht verfahrener ist. Da klemmt es an vielen Ecken, obwohl es doch um die Zukunft unseres Zusammenlebens geht. Wie war das bei Dir zu Hause in Rheinland-Pfalz? Haben dort die Regierenden verstanden, dass Streichkonzerte ohne Sinn und Verstand Zukunft zerstören?

In der Pfalz sind die Regierenden meistens begeistert, wenn die Schulen soziale Projekte vorstellen. Jedoch muss man im Vorneherein sagen, dass wir uns dort auch in einer anderen Situation befinden. Im Bundesland Rheinland-Pfalz sind vergleichsweise zu Sachsen weniger Flüchtlinge. Außerdem müssen wir uns dort nicht mit einer Legida auseinandersetzen. Natürlich haben auch Einige dort ein Problem mit Fremdenfeindlichkeit, jedoch ist die Allgemeinheit bei uns in dieser Hinsicht offener. Ich bin der Meinung, dass sich die Regierung generell mehr zumutet als sie aushalten kann.

So finde ich zum Beispiel, dass man an die gesamte Flüchtlingsthematik sorgfältiger herangehen sollte. Natürlich gebührt Hilfe denen, die sie wirklich benötigen. Diesen Standpunkt vertrete ich vollen Herzens. Jedoch muss man sich auch eingestehen, dass einige unter den Schutzbefohlenen sind, die die gesamte Situation als Chance sehen, nach Deutschland zu kommen. Wenn die Regierung es schaffen würde, diese sorgfältiger zu differenzieren, dann wären die Menschen hier wohl im Großen und Ganzen zufriedener und herzlicher. Die Regierenden an sich müssen sich mehr für den sozialen Umgang der Menschen einsetzen. Dafür ist SOR-SMC das geeignete Projekt. Schüler werden dadurch von Anfang an aufgeklärt und wissen, was in der Geschichte passiert ist.

Mein Appell soll an die Vernunft jedes Einzelnen gehen – Lasst nicht zu, dass sich die Geschichte wiederholt. Setzt euch für eure Mitmenschen ein, helft denen, die wegen einer anderen Herkunft verstoßen werden. Versetzt euch in deren Lage. Wie würde es euch gehen wenn ihr aus eurer Heimat fliehen müsstet? In einem anderen Land neu anfangen müsstet? Ohne sozial anerkannt zu werden, teilweise ohne eure Familie oder gar zu wissen ob diese noch lebt?

Unter http://www.schule-ohne-rassismus.org sind sämtliche Informationen zu dem sozialen Schülerprojekt zu finden.

Danke, liebe Nathalie, für Deine Antworten – und auf dass wir uns öfter über den Weg laufen.

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