Ein Fall für Leo Leu

Ein radikal verkürzter Wandspruch gibt Rätsel auf

Für alle LeserEs ist gut möglich, dass die Muggles zugeschlagen haben. Kaum war ich mal nicht im Büro, war die Putzkolonne da und hat den Ihnen bekannten Spruch „There is no progress without struggle“ von der gegenüberliegenden Hauswand gesprüht. Die Lauge trocknete noch auf dem Bürgersteig, die Putzkolonne war weg. Aber wer hinschaut, staunt und darf ganz morgenländisch verwirrt sein.

Wäre nicht das (A) der Autonomen mit weggeputzt worden, hätte ich ja einen Spaß aus der ganz linken Szene vermutet. Aber diese Graffiti-Ex-Kommandos sind ja im Grunde eher anders radikale Truppen: Graffitis mögen sie nicht, sparen auch nicht an Lauge, die Kringel von den Fassaden zu putzen. Ratzfatz, weg. Frischer Malgrund für nächtliche Wandverzierer.

Man wird also eher brave, ordentliche Handwerker dahinter vermuten.

Aber vielleicht waren die ja alle ausgebucht und die Genossenschaft, der das Haus gehört, erreichte die vertrauten Putzmannschaften nicht. Alle ausgebucht. Leipzig, einzig Graffiti-Hauptstadt.

Und hat diesmal eine neue Firma beauftragt, die vielleicht einen kleinen Hang zum Witzigen hat.

Vielleicht heißt ja der Sprühkanonenbediener Ingolf Schmerzlos oder Innozenz Schulze. Hat dann also einfach seine Initialen stehen lassen. Oder die Putzfirma heißt Idealo Schmutzentfernung. Auch dann ist das Kürzel eine Art Arbeitsnachweis: Wir waren da.

There is no progress without struggle. Foto: L-IZ

So sah es ursprünglich aus. Foto: L-IZ

Oder die auftraggebende Verwaltung hat sich gedacht: Wir machen unseren eigenen Spruch drauf. „Lassen Sie das is stehen, malen wir später den Rest dazu.“

Beispielsweise:

Connewitz is beautiful.

Oder:

Live is life.

Oder:

Leipzig is a place to dream.

Oder:

Meikel is doof.

Oder.

Leben is schön.

Die Phantasie kommt ja auf Trab. In jedem Wort steckt ein Kosmos an Möglichkeiten. Und Unmöglichkeiten. Vielleicht wurden auch nur 32 Buchstaben bezahlt und man hatte kein Geld mehr für das „!“ und das (A), aber das schlimme (A) sollte unbedingt weg. Also hat man einen Kompromiss geschlossen und irgendwelche zwei Buchstaben durften stehen bleiben. Die nicht so auffallen. Und wenn man wieder Geld da ist, ruft man die Truppe zur Restbeseitigung.

Kann sein.

Aber bis dahin sehe ich lauter Polizeiautos sehr, sehr misstrauisch durch die Straße fahren.

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Graffiti
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