Deutscher Glücksspielmarkt im Umbruch

Die Zeiten, da Millionen von Menschen vor den Fernsehern saßen und gespannt den Kugeln mit den Gewinnzahlen beim Fall aus der Lostrommel in die durchsichtigen Zylinder zusahen, sind vorbei. Zwar erfreut sich das staatliche Lotto nach wie vor leidlich großer Beliebtheit, mehr als eine Präsentation der Gewinnzahlen auf dem Bildschirm ist aber nicht drin. In der Welt des Glücksspiels hat sich einiges getan.

Das staatliche Glücksspielmonopol ist angeschlagen, dem Webangebot können immer mehr Zocker einen Reiz abgewinnen, private Anbieter von nah und fern drängen auf den Markt. Demonstrative Einigkeit besteht lediglich noch in der Definition. So handelt es sich um ein Glücksspiel, wenn für die Gewinnchance ein Obolus zu entrichten ist und Freund Zufall maßgeblich oder zur Gänze über Gewinn und Verlust entscheidet.

Zahlen lügen nicht – die Statistik

Einer Studie aus dem Jahr 2015 zufolge konnte das Geschäft mit dem Glücksspiel innerhalb weniger Jahre einen Zuwachs von 0,6 Milliarden Euro verzeichnen, was unterm Strich zu Einnahmen von 10,6 Milliarden Euro führte. Großer Verlierer sind allerdings die Lotterien, deren Einnahmen von 5 Milliarden Euro auf etwa 4 Milliarden Euro eingebrochen sind. Im Lichte dessen rangieren die staatlichen Casinos mit jährlichen Einnahmen von 500 Millionen Euro regelrecht nur noch unter ferner liefen. Im Unterschied dazu haben sich die gewerblichen Automaten mit jährlichen Einnahmen von 4,4 Milliarden Euro zu absoluten Überfliegern gemausert. An diesem respektablen Ergebnis hatten 291.000 Unterhaltungsautomaten Anteil, wovon 92 Prozent gewinnbringend waren.

Augenblicklich buhlen rund 65 Spielbanken zwischen Flensburg und Lindau um die Gunst der Spieler. Behaupten müssen sie sich gegen die etwa 50 Online-Casinos, die den nicht regulierten Glücksspielmarkt beherrschen.

Zwischen Boom und Veränderung – die Popularität

Zwar spielen die Sportwetten zur Stunde noch in einer anderen Liga als die Automaten, bereits 2013 haben sie es aber mit einem Bruttospielertrag von rund 600 Millionen Euro zu einem beachtlichen Ergebnis gebracht. Nicht von ungefähr. Immerhin mischen renommierte Fußballvereine wie der FC Bayern hier kräftig mit. Hatte dieser erst für den Glücksspielanbieter Bwin die Trommel gerührt, folgte der Konkurrent Tipico auf dem Fuße. Nicht weniger engagiert zeigen sich die meisten anderen Vereine der Fußball-Bundesliga. Auch sie öffnen Glücksspielkonzernen durch die Werbung für Sportwetten die Türen.

Ein mit den Sportwetten vergleichbar großes Marktpotenzial haben Online-Automaten. Während sich Anbieter wie das Guts Online Casino mithin keine Sorgen um die Zukunft machen müssen, hat das Pokerspiel schon bessere Tage gesehen. Von 2007 bis 2011 boomte es und befindet sich seither auf dem Sinkflug. Mit 150 Millionen Euro Einnahmen und einem Marktanteil von 1,5 Prozent ist Poker von seinen Vergangenheitserfolgen weit entfernt.


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Grafik: NABU

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