Versicherungsunternehmen: 100 Tage Solvency II

Vor gut 100 Tagen, am 1. Januar 2016, ist das Regulierungspaket Solvency II in Kraft getreten, das EU-einheitliche Vorschriften für Versicherungsunternehmen in Deutschland und eine strenge Finanzaufsicht beinhaltet. Wie gehen Versicherungsunternehmen mit den neuen Auflagen um? Lesen Sie hier, welche Auswirkungen Solvency II hat.

Eigenkapitalausstattung nach Solvency II

Der Weg hin zu Solvency II war nicht einfach: 28 Mitgliedsländer der EU einigen sich auf eine einheitliche strenge Versicherungsaufsicht. Kern der Vorgaben: Die Konzerne müssen mehr Eigenkapital vorrätig halten, um Risiken abzudecken. Das fällt den Großen der Branche vergleichsweise leicht. Der Mutterkonzern von Swiss Life Select, der schweizerische Konzern Swiss Life beispielsweise, hat bereits in der Vergangenheit regelmäßig die strengeren Schweizer Auflagen erfüllt und verfügt daher über eine solide Eigenkapitalausstattung. Auch die anderen Branchenführer sind nach Einschätzung von Experten ausreichend mit Eigenkapital versorgt.

Das Eigenkapital ist deswegen so wichtig bei der Beurteilung der Versicherungskonzerne, weil sie mit diesem Kapital die Risiken abdecken, die in ihrem Versicherungsgeschäft und bei der Anlage von Prämiengeldern entstehen. Weitere Bestandteile von Solvency II sind neue Transparenzregeln und eine bessere Überwachung der Risiken, zum Beispiel durch internes Risikomanagement.

Gute Aussichten für Schaden- und Unfallversicherer

In einer Studie betrachtet die Ratingagentur Moody’s die Lage der Versicherungsunternehmen differenziert: Für Lebensversicherer ist die Lage nach wie vor äußerst schwierig, weil die anhaltend niedrigen Zinsen die Rendite für die Anlage der Prämien drücken. Sie schätzen, dass der Absatz von Lebens- und Rentenversicherungen im laufenden Jahr gegenüber 2015 nicht steigen wird. Neue Produkte ohne Garantieverzinsung können den Verlust bei klassischen Lebensversicherungen nicht auffangen.

Auch die Gewinnaussichten sind verhalten. Die Anforderungen von Solvency II könne rund die Hälfte der deutschen Lebensversicherer nur formell erfüllen und die Gefahr eines Zusammenbruchs einzelner Anbieter sei nach wie vor vorhanden, so die Experten von Moody’s.

Schaden- und Unfallversicherern ginge es dagegen besser. Sie könnten mit den Beitragseinnahmen die Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Vertrieb decken – solange nicht schwere Klimakatastrophen die Bilanz zerstören.


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